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Das war der Wahltag in Schottland

Es wird eine historischen Entscheidung - das heutige Referendum bestimmt ob Schottland Teil des Vereinigten Königreichs bleibt oder unabhängig wird. Der Tag der Abstimmung zum Nachlesen.

+++ 18.45 Uhr: Taxis fahren Wähler im Dauerregen kostenlos zur Urne +++

Das Wetter am Abstimmungstag ist sehr schottisch. In Dundee denkt sich die Stadtverwaltung für den Tag der Abstimmung einen besonderen Service aus: Wähler werden mit dem Taxi im Dauerregen kostenlos zum Wahllokal gefahren. Außerdem bekommen die Wartenden in der Schlange vor der Urne Süßigkeiten. Dundee ist mit rund 150.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Schottlands und gilt als Hochburg der "Yes"-Bewegung, die für die Unabhängigkeit ist.

+++ 17.16 Uhr: Referendum führt 80-Jährigen zum ersten Wahlgang +++

Das Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands bewegt ungewöhnlich viele Menschen. Die Wahlbeteiligung soll bei 90 Prozent liegen. Twitternutzerin Paula beschreibt eine Begegnung mit einem 80-Jährigen, die die Bedeutung der Wahl unterstreicht. Der Mann begab sich zur Urne, um abzustimmen. Es war die erste Wahl, an der er in seinem Leben teilgenommen hat.

+++ 15.18 Uhr: Katalanen und Basken wollen Weg Schottlands beschreiten +++

Die Regierung der Autonomen Region Baskenland will sich für eine eventuelle Trennung von Spanien ein Beispiel an Schottland nehmen. "Wir wollen den Weg Schottlands gehen", bestätigt der regionale Regierungschef Iñigo Urkullu am Rande einer Veranstaltung in der baskischen Gemeinde Azcoitia.

Auch die Katalanen fordern ihr eigenes Referendum: "Wir Katalanen wollen auch abstimmen, ...aber Spanien lässt uns nicht", steht etwa auf einem Banner, das ein Mann vor dem schottischen Regionalparlament in Edinburgh hält. Die katalanische Regionalregierung will am 9. November ein Referendum über die Abspaltung von Spanien abhalten. Die Zentralregierung nennt die Volksabstimmung illegal und versichert, sie werde auf keinen Fall stattfinden. Der Chef der Schottischen Nationalpartei (SNP), Alex Salmond, hat immer wieder betont, das Referendum über Schottlands Unabhängigkeit habe nichts mit anderen Ländern zu tun.

+++ 14.49 Uhr: Regierungschef Alex Salmond äußert sich nach Stimmabgabe +++

"Wir können unserer Zukunft in unsere eigenen Hände nehmen", sagte der schottische Regierungschef Alex Salmond nach der Stimmabgabe in seinem Wahlkreis in Strichen im Nordosten Schottlands. Salmond plädiert für einen Loslösung von Großbritannien. "Wir haben die Chance, eine erfolgreichere Wirtschaft aufzubauen, aber auch eine gerechtere Gesellschaft."

+++ 14.31 Uhr: Tennisstar Andy Murray vom "Nein"-Lager genervt +++

Auch das Lager der Unabhängigkeitsbefürworter erhält in letzter Minute prominente Unterstützung. Tennisstar Andy Murray äußert sich via Twitter genervt über die "negative Kampagne des 'Nein'-Lagers". Der 27-Jährige, der zum Referendum bislang nicht eindeutig Stellung bezogen hatte, spricht von einem "großen Tag für Schottland" und beendete seinen Tweet mit einem Slogan der "Ja"-Kampagne: "Lasst es uns tun!" Die Botschaft des populären Sportlers wurde binnen weniger Stunden mehr als 12.000 Mal in Twitter weiterverbreitet.

+++ 14:27 Uhr: Investoren hoffen auf Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich +++

In Großbritannien steigen einige Investoren in der Hoffnung auf einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich wieder in den dortigen Aktienmarkt ein. In Umfragen liegt das "Nein"-Lager knapp vorn. Das endgültige Ergebnis wird am Freitag "zur Frühstückszeit" bekanntgegeben. Der Londoner Auswahlindex FTSE gewinnt 0,4 Prozent. Zu den Favoriten gehörten dabei schottische Unternehmen wie Royal Bank of Scotland (RBS) oder der Versicherer Standard Life, die sich um jeweils 1,5 Prozent verteuern. Das britische Pfund setzt seinen Erholungskurs ebenfalls fort und kostet 1,6337 Dollar. Zur europäischen Gemeinschaftswährung klettert es sogar auf ein Zwei-Monats-Hoch. Ein Euro fiel auf 0,7875 Pfund.

+++14.15 Uhr: Hitzige Debatten um Referendum - Queen hält sich zurück +++

Königin Elizabeth II. musste sich im Wahlkampf zurückhalten. Lediglich einmal äußerte sie sich und sagte, die Schotten mögen sich die Entscheidung "reiflich überlegen". Diese Worte führten zu teils ganzseitigen Zeitungsberichten. Die Queen wird auch in einem unabhängigen Schottland Staatsoberhaupt bleiben - allerdings nur als Elizabeth - Elizabeth I. war nicht Königin der Schotten, sondern nur von England.

Befürworter und Gegner der Unabhängigkeit bekämpfen sich im Wahlkampf teils bis an die Grenzen der Gewalt. Ein Kameramann der bekannten britischen TV-Korrespondentin Kay Burley wurde angerempelt. Die Sky-Reporterin bezeichnete den Angreifer vor laufender Kamera als "a bit of a knob" (etwa: "ein ziemlicher Schwanz") - und musste sich entschuldigen.

+++ 14.03 Uhr: 2000 Kilometer im Oldtimer für Schottlands Unabhängigkeit +++

Aus Solidarität mit den schottischen Unabhängigkeitsbefürwortern ist ein Mann aus der nordostspanischen Region Katalonien mit seinem Oldtimer 2000 Kilometer bis nach Glasgow gefahren. "Ich bin hier, um die Schotten zu unterstützen und der Welt zu sagen, dass wir Katalanen auch das Recht auf ein Referendum wollen", sagte der Feuerwehrmann Pep Pladeveya. Drei Tage war der Mann in seinem über 40 Jahre alten Kleinwagen vom Typ Seat 600 unterwegs, um mit maximal 80 Stundenkilometer von Gerona nach Glasgow zu gelangen. Pladeveya und sein in den Nationalfarben Kataloniens gehaltenes Auto werden in Glasgow von schottischen Unabhängigkeitsbefürwortern mit Jubel empfangen. Pladeveya verteilt Broschüren zum Thema "Katalonien ist nicht Spanien".

+++ 12.34 Uhr: Großbritanniens Premierminister David Cameron unter hohem Druck +++

Während des Wahlkampfes ist besonders Großbritanniens Premierminister David Cameron unter Druck geraten. Cameron wird vorgeworfen, die Unabhängigkeitsbewegung nicht ernst zu nehmen und die Gefahr einer Abspaltung zu unterschätzen. Sein Last-Minute-Versprechen, Schottland weitere Autonomie zu gewähren, stößt in weiten Teilen Englands auf Kritik.

Schottland genießt bisher nur Teilautonomie innerhalb des britischen Staatsgebildes. Die Befürworter der Unabhängigkeit, die den Plänen zufolge 2016 in Kraft treten soll, erhoffen sich mehr wirtschaftlichen Wohlstand und kürzere Entscheidungswege. Ein "Ja"-Votum würde das 307 Jahre lange Zweckbündnis zwischen England und Schottland beenden. Mit ersten Ergebnissen aus den 32 Stimmbezirken wird am frühen Freitagmorgen gerechnet. Die Stimmzettel müssen von entlegenen Inseln wie den Äußeren Hebriden oder den Orkneys teils per Schiff, Flugzeug und Hubschrauber zur Auszählung gebracht werden. In der Hauptstadt Edinburgh erfolgt dann eine zweite Prüfung.

+++ 11.05 Uhr: Schottischer Ministerpräsident gibt seine Stimme ab +++

+++ 10.50 Uhr: SPD-Politiker für nahtlose EU-Mitgliedschaft Schottlands +++

Der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen will im Falle eines Votums für die Unabhängigkeit, dass eine übergangslose EU-Mitgliedschaft Schottlands ermöglicht wird. "Schottland hat ja nun alle Bedingungen erfüllt, in der EU zu sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Land vor die Tür setzt, wenn es denn 2016 tatsächlich unabhängig ist", so Leinen, der Mitglied des Verfassungsausschusses im EU-Parlament ist, im Deutschlandfunk. "Ich meine, es ist möglich, parallel Verhandlungen zu führen für die Beibehaltung der Mitgliedschaft in der EU."

"Schottland wäre kein normaler Beitrittsstaat und Beitrittskandidat wie Albanien oder Moldawien, sondern es ist Teil der EU". Es sei unvorstellbar, "dass dieser Teil der Europäischen Union plötzlich nicht mehr dazugehört, nachdem alle Regeln der EU dort bereits angewendet werden", so Leinen.

+++ 10.45 Uhr: Eindrücke vom schottischen Bürgerentscheid +++

+++ 10.30 Uhr: Der Ablauf des Schottland-Referendums +++


- Die Wahllokale sind bis 23.00 Uhr geöffnet.

- Wählen darf jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, Brite, Bürger der Europäischen Union oder des Commonwealth ist, offiziell in Schottland lebt und sich für die Wahl registrieren lassen hat. Schotten im Ausland können keine Stimme abgeben.

- Fast 4,3 Millionen Menschen haben sich registrieren lassen. Das entspricht einer Wählerschaft von 97 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahren.

- Auf den Wahlzetteln steht die Frage "Sollte Schottland ein unabhängiges Land sein?" sowie die Antworten "Ja" oder "Nein".

- Offiziell wird der Ausgang erst verkündet, wenn die Auszählungen aus allen Wahlbezirken vorliegen. Sie werden nach und nach verlesen, so dass sich ein Trend ablesen lässt.

- Mit ersten Ergebnissen wird am Freitag gegen 03.00 Uhr gerechnet. Die Resultate aus Glasgow, Edinburgh und Aberdeen werden aber nicht vor 06.00 Uhr erwartet.

- Ein endgültiges Ergebnis dürfte der Wahlkommission zufolge "zur Frühstückszeit" am Freitagmorgen feststehen.

+++ 10.11 Uhr: Schottland-Referendum hält Pfund-Anleger in Atem +++

Die Unklarheit über den Ausgang des Schottland-Referendums sorgt unter Pfund-Anlegern am Donnerstag für Zurückhaltung. Angesichts der zuletzt noch beachtlichen Zahl an unentschlossenen Wählern sei völlig offen, ob die Mehrheit für eine Abspaltung von Großbritannien stimmen werde oder nicht, schreibt LBBW-Analyst Uwe Streich in einem Kommentar. Das Pfund, das seit Anfang September in der Spitze mehr als drei Prozent verloren hat, notiert am Donnerstag kaum verändert bei 1,6273 Dollar. "Angesichts der gesetzlichen und wirtschaftlichen Ungewissheit, die mit einer möglichen Abspaltung von Großbritannien einhergingen, würde ein 'Ja' zur Unabhängigkeit vermutlich einen Schock für britische Finanzwerte bedeuten und zu einer deutlichen Währungsschwäche führen", warnt Toby Nangle, Leiter des Bereiches Multi Asset bei Threadneedle, in einem Kommentar. Der deutsche Leitindex steigt im frühen Handel um 0,34 Prozent auf 9695 Punkte.

+++ 09.48 Uhr: Hohe Wahlbeteilung beim Referendum erwartet +++

Meinungsforscher gehen von einer historisch großen Wahlbeteiligung von mehr als 90 Prozent aus. 97 Prozent der 4,4 Millionen Wahlberechtigten haben sich für die Abstimmung registriert. Damit können maximal 4,29 Millionen Menschen ihre Stimme in einem der 2608 Wahllokale abgeben.

Die Befürworter einer Abspaltung von Großbritannien führen ins Feld, dass Schottland reif für die Selbstbestimmung ohne Einfluss der Zentralregierung in London sei. Die Gegner halten dem entgegen, dass die Region im Vereinigten Königreich auf mehr Sicherheit und Wohlstand setzen könne.

+++ 09.35 Uhr: Eindrücke aus den schottischem Wahllokal +++

+++ 09.14 Uhr: Pressestimmen zum Schottland-Referendum +++


"Guardian" (Vereinigtes Königreich):

"Es ist schon lange Schottlands Schicksal, romantisiert zu werden. Nun hat die alte Gewohnheit einen neuen Dreh bekommen. Das Unabhängigkeitsreferendum wird als Wiedergeburt der Demokratie romantisiert, sogar als Modell, wie die neue Art von Politik die alte ersetzen kann. Wenn man so manchen Beitrag liest, dann ist es, als wäre ganz Schottland zu dem geworden, was Bill Clinton einmal als "Hay-Festival" bezeichnete, eine Art "Woodstock im Kopf".

"Pravda" (Slowakei):

"Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass am Donnerstag auch über Europa entschieden wird. Falls zum Schluss doch die Befürworter eines Verbleibs von Schottland im Vereinigten Königreich gewinnen sollten, sollte Westminster dafür Edinburgh mit dem Versprechen danken, dass es Schottland nicht durch die Hintertür aus der EU hinausführt. Das wäre fair."

"Neatkariga Rita Avize" (Lettland):

"Viele europäische Politiker sind der Meinung, dass Großbritanniens Premierminister David Cameron einen sehr gefährlichen Geist aus der Flasche gelassen hat, indem er den Schotten erlaubte, das Referendum abzuhalten."

"La Vanguardia" (Spanien):

"Noch kann man wenig zur schottischen Zukunft sagen. Aber es ist an der Zeit, den Wahlkampf zu analysieren, der Engländer, Schotten und die restlichen Einwohner des Vereinigten Königreichs wochenlang in Atem gehalten und auch die Aufmerksamkeit jener Bürger aller Länder erregt hat, die denken, dass der Prozess der europäischen Einheit eine der größten politischen Herausforderungen unserer Zeit ist. (...) Unabhängig vom Urteil der Urnen können Schottland und das Vereinigte Königreich schon jetzt stolz sein auf den makellosen demokratischen Prozess, den sie veranstaltet haben.

+++ 08.00 Uhr: Volksentscheid in Schottland hat begonnen +++

Die Bevölkerung Schottlands hat am Donnerstag mit der Abstimmung über die Zukunft ihres Landes begonnen. Seit 7.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MESZ) haben 4,2 Millionen Schotten die Möglichkeit, ihre Stimme für oder gegen die Unabhängigkeit von Großbritannien abzugeben. Mit Ergebnissen aus den 32 Stimmbezirken wird erst am Freitagmorgen gerechnet.

Schottland genießt bisher nur Teilautonomie innerhalb des britischen Staatsgebildes. Die Befürworter der Unabhängigkeit, die den Plänen zufolge 2016 inkraft treten soll, erhoffen sich mehr wirtschaftlichen Wohlstand und kürzere Entscheidungswege. Die Umfragen sagten bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.

+++ 07.50 Uhr: "Das ist der größte, mächtigste Moment, den jeder von uns je haben wird" +++

In einem historischen Referendum stimmen die Schotten am Donnerstag über eine Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Ein letztes Mal wandte sich der schottische Regierungschef Alex Salmond am Mittwochabend öffentlich in Perth nördlich von Edinburgh an seine Landsleute und schwor sie auf ihre "Chance des Lebens" ein. US-Präsident Barack Obama plädierte am Vorabend der Volksabstimmung noch einmal für die Einheit Großbritanniens."Das ist unsere Chance des Lebens und wir müssen sie mit beiden Händen ergreifen", rief der Unabhängigkeitsbefürworter Salmond seinen Anhängern zu. Mit emotionalen Worten führte Salmond den Schotten die Chance vor Augen, die Zukunft ihrer Nation zu gestalten. "Das ist der größte, mächtigste Moment, den jeder von uns je haben wird."

In den letzten Umfragen vor dem großen Tag lagen die Gegner einer schottischen Unabhängigkeit erneut knapp vor dem "Ja"-Lager. Allerdings könnten die bis zuletzt unentschiedenen Wähler letztlich von Bedeutung sein. Salmond sicherte indes zu, das Ergebnis mit Würde zu tragen und zu akzeptieren, sollte es nicht zu seinen Gunsten ausgehen.

amt/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters
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