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17. Februar 2008, 10:46 Uhr

Erst Kosovo, dann Abchasien?

Mazedonien, Süd-Ossetien, Baskenland: Die Autonomie des Kosovo vor Augen, liebäugeln in ganz Europa Teilprovinzen mit der Unabhängigkeit. In Ex-Jugoslawien genauso wie in Russland. Ein Überblick über potenziell abtrünnige Regionen.

"Unabhängigkeit - Hotel Afa ist bereit": Die Kosovaren versprechen sich eine Menge von der Autonomie© Valdrin Xhemaj/DPA

Abchasien

Hat etwa 200.000 Einwohner und liegt zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus. Die Region hatte sich nach Kämpfen von 1992 bis 1993 von Georgien abgespalten und verwaltet sich seither weitgehend selbst. Nach dem Krieg war die ehemalige Touristenhochburg jahrelang isoliert. Seither haben sich die Beziehungen zu Russland verbessert; die meisten Einwohner haben russische Pässe und beziehen ihre Rente aus Russland.

Baskenland

Ein eigenes Baskenland ist seit vier Jahrzehnten das Ziel der Separatistenorganisation ETA. Die halbautonome Region im Norden Spaniens hat etwa 2,1 Millionen Einwohner. Nach einem Bombenanschlag der ETA am Madrider Flughafen, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, wurden die Friedensverhandlungen mit der spanischen Regierungen gestoppt. Auch im Südwesten Frankreichs leben zahlreiche Basken.

Berg-Karabach

Was mit sporadischen Kämpfen zwischen Aserbaidschanern und örtlichen Armeniern begonnen hatte, entwickelte sich 1992 zu einem Krieg zwischen beiden Ländern. Etwa 35.000 Menschen starben, Hunderttausende wurden vertrieben, bis 1994 ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Die Region ist weiterhin Teil von Aserbaidschan, wird jedoch von armenischen Truppen kontrolliert.

Bosnien-Herzegowina

Nach dem Friedensabkommen von Dayton 1992 entstand ein föderaler Staat aus einer muslimisch-kroatischen Föderation und einer Serbischen Republik. Die Bevölkerung - 48 Prozent Muslime, 37 Prozent Serben, 14 Prozent Kroaten - wuchs dadurch aber nicht zusammen. Für den Fall einer Unabhängigkeit des Kosovo haben die bosnischen Serben bereits mit einem Referendum über einen Anschluss an Serbien gedroht. Auch die Kroaten im Westen könnten dann einen Anschluss an Kroatien fordern.

Kroatien

Nach der Massenflucht von Serben während des Kroatien-Krieges in den 90er Jahren stellen die Serben nur noch 4,5 Prozent der Bevölkerung. Nationalistische Parteien in Serbien halten aber weiterhin an der Idee eines Großserbiens fest, zu der auch die Gebiete Ostslawonien, Baranja und Westsrem entlang der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der Donau im Osten Kroatiens zählen sollen.

Kurdistan

Die etwa 20 Millionen Kurden leben verteilt auf die Türkei, den Irak, Syrien und den Iran. Sie selbst bezeichnen sich als die größte staatenlose Minderheit der Welt. Im Südosten der Türkei kämpft die kurdische Arbeiterpartei PKK seit 1984 um Eigenständigkeit, mehr als 30.000 Menschen wurden seither getötet. Die Türkei befürchtet, dass die Kurden im Nordirak planen, ihren eigenen Staat auszurufen, was Unruhen in den türkischen Kurdengebieten auslösen könnte.

Mazedonien

Wie im Kosovo lebt in Mazedonien eine große albanische Minderheit. Sie macht rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus und ist vor allem im Nordwesten an der Grenze zu Serbien und Albanien angesiedelt. Bis zum Friedensabkommen von Ohrid 2001 kämpften albanische Untergrundkämpfer gegen mazedonische Sicherheitskräfte. Nach dem Ende des Bürgerkriegs wurden die Minderheitenrechte gestärkt. Dennoch kommt es in den überwiegend von Albanern bewohnten Regionen weiter zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Ein unabhängiges Kosovo könnte auch hier den Wunsch nach Autonomie wecken, wie der frühere EU-Kosovo-Unterhändler, Wolfgang Ischinger, warnte.

Montenegro

In Montenegro stellen Serben rund ein Drittel der Bevölkerung, die sich weiterhin eng mit dem Mutterland verbunden fühlen. Auch sie könnten einen Anschluss an Serbien anstreben. Im Norden des Landes, zu dem die überwiegend muslimische Region Sandzak zählt, gibt es ebenfalls Autonomiebewegungen. Zusätzlich könnten die Albaner in den Randgebieten im Süden und Osten ihre Zugehörigkeit zu Montenegro in Frage stellen.

Süd-Ossetien

Spaltete sich Anfang der 90er Jahre von Georgien ab. Ein Waffenstillstand wurde unterzeichnet, die Gewalt droht jedoch, wieder aufzuflammen. Russland hat, wie auch in Abchasien, Soldaten stationiert.

Transnistrien

Der winzige Landstrich trennte sich 1990 von Moldawien ab. Ein kurzer Krieg wurde durch den Einmarsch von russischen Truppen beendet. Die wirtschaftlich starke Region mit ungefähr 550.000 Einwohnern wird von Russisch sprechenden Slawen dominiert, die aus Furcht vor einem Zusammengehen Moldawiens mit Rumänien nach Eigenständigkeit streben. Etwa 1200 russische Soldaten sind in Transnistrien stationiert.

DPA/AFP/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Wahrheit_21 (17.02.2008, 23:07 Uhr)
Meinungsäusserungsfreiheit
Einige Länder wurden vergessen:
Italien: Sizilien.
Frankreich: Korsika.
Deutschland: Israel.
Grichenlad: Mazedonien.
China: Tibet, Turkmenland, usw.
USA: Indianer.
Australien: Aborgiener.
Kanada: Ureinwohner.
Lateinamerika: Eroberung von Portugisen, Spanier.
England: Diverse Völkergruppen.
Südafrika: Engländer nach England.
Afrikanische Kontinent: Massaker und Eroberung durch Franzosen und Engländer.
usw.
Sie liebe Stern sollten nicht nur das schreiben, was euch gefällt!
FG
Welat (17.02.2008, 15:07 Uhr)
Doppelmoral? Da sagt jemand aber was!
Dass ausgerechnet Vorwürfe gegen die Türkei - in Bezug auf Menschenrechte und Demokratie - als Doppelmoral bezeichnet werden, ist ja ein dickes Ding! Wo versteckt sich denn der Wolf im Schafspelz? Wer hat tausende Dörfer zerstört, wer hat Mio. Menschen vertrieben? Wer assimiliert seit jahrzehnten duzende Völker und unterdrückt sie mit allen Mitteln? Wo sitzenden zehntausende Menschen in Gefängnissen, weil sie sich als Kurden bezeichnen und ihre Rechte fordern? Wer ermordet Kinder und Zivilisten (wird ja gerne immer wieder von uninformierten Türken - oder vermutlich bewusst als Propaganda - als Vorworf gegen die Pkk angebracht)? Dies alles machen die bösen Kurden und die PKK - die vom Himmel gefallen ist und sicherlich nichts mit der Lage der Kurden in der Türkei zu tun hat. Warum wehren sich diese bösen Kurden auch? Denn würden sie sich nicht wehren, würden sie auch nicht terroristisch genannt werden, auch nicht von den "Friedenliebenden" und überaus toleranten türkischen "Brüdern". Wen das wirklich interessiert soll ins Land der Kurden (Kurdistan darf man ja nicht sagen, das gibt in der Türkei ärger, natürlich auf türkische Art!) gehen und es mit seinen Augen sehen. Das die PKK auf der EU-Liste steht, hat sicherlich auch viel mit dem Druck aus den USA zu tun, die Türkei zu unterstützen, denn schliesslich ist die Türkei ja ein Allianzpartner und diese Partner müssen unterstützt werden, auch wenn sie zum Himmel stinken. Doch auch dies ändert sich langsam, man ist nicht mehr bereit der Türkei alles abzukaufen.
stimme_der_vernunft (17.02.2008, 14:18 Uhr)
Solch´ eine Doppelmoral
Wie lange wird unsere Medienlandshaft diese Doppelmoral noch aufrecht erhalten können?
Die Al-kaida, die Hisbollah und die ETA - alles Terroristen.Aber die PKK wird nach wie vor als "Arbeiterpartei" und Freiheitskämpfer dargestellt.
Dass PKK ins deutsche übersetzt "Arbeiterpartei" heisst, ist klar! Auch die DDR nannte sich "demokratische" Republik. Hier versteckt sich der Wolf im Schafspelz und unsere Medien fallen drauf rein!
Übrigens wird die PKK nicht nur von den Türken als menschenfeindliche Terrororganisation eingestuft, sondern auch von der USA und der EU!
Mit welchen Mitteln vor allem der Kampf finanziert wird, konnte man einem Monitor-Beitrag entnehmen der vor kurzem ausgestrahlt wurde: http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=921&sid=171
UR63 (17.02.2008, 14:06 Uhr)
Völkerrecht???
Herzlichen Glückwunsch!
Die EU bricht mal wieder das Völkerrecht!Ist nicht das erste mal!
Und Deutschland mittendrin!
Deutschland bezahlt ja!
Übrigens.
Wann wird die deutsche Minderheit in deutschen Großstädten endlich durch Polizisten geschützt?????
Salzsteuer (17.02.2008, 13:50 Uhr)
@Dirk_37
Wir fordern Freiheit und Unabhängigkeit für alle unterdrückten Franken und Schwaben im bajuwarischen Kleinstaat!
Welat (17.02.2008, 13:40 Uhr)
Antwort: Arbeiterpartei??????? Das ich mich lache
Herr yayo, Sie haben wirklich nichts zu lachen, denn anscheinend haben Sie einiges nicht verstanden.
PKK bedeutet in der deutschen Übersetzung der kurdischen Bezeichnung nichts anderes als ´Partei der Arbeiter Kurdistans´. Dass Sie nicht der einzige Türke sind, der die PKK gerne mit Al-Kaida und Terror gleichgesetzt sehen will, ist nichts Neues und entspricht sicherlich der Meinung der türkischen Generäle.
Und wie die PKK ihren "brutalen" Kampf gegen die so "fortgeschrittene und vorbildliche türkische Demokratie und Toleranz" finanziert, das wissen Sie sicher ganz genau, nämlich durch Drogenhandel und Menschenschmuggel, dass zufällig überwiegend über die Türkei organisiert wird. Jaajaaaa....die aufgeregten türkischen Natinalisten, hauptsache die anderen sind....Schreiben Sie nur weiter Unsinn, denn glauben tut Ihnen sowieso keiner mehr, weder in Deutschland noch anderswo.
Aprotheus (17.02.2008, 12:35 Uhr)
SÜD-TIROL
Freiheit für Süd-Tirol - Jetzt!
Alle Zeitungen in Europa reden von Kosovo, Basken, Osseten ecc., aber uns Tiroler will man, wie sooft in der Geschichte übergehen!
Freiheit für Süd-Tirol!!!!!!
Jetzt!
yayo (17.02.2008, 12:21 Uhr)
Arbeiterpartei????????? Das ich mich lache
Seit wann ist denn die PKK eine Arbeiterpartei???????? Dann sind ja AL-Qaida, ETA, RAF keine Terrororganisationen sondern ja NUR Freiheitskämpfer. Die PKK finanziert ihre Anschläge durch Menschenhandel und Drogen. Sie üben Anschläge auf Zivilisten (Schüler, Lehrer, Rentner)und Beamte(Polizei, Militär)aus.
Und das sind dann Arbeiterparteien oder was?????????
Sie finanzieren ihre üblen Taten in Europa, vor allem in Deutschland.
Sie werden für paar Stunden verhaftet und dann freigelassen.
Soviel zum Thema Terrorbekämpfung
bud.alien (17.02.2008, 12:20 Uhr)
was ist mit Rumänien?
Der Verfasser hat ein relativ grosses Gebiet im Osten übergangen.National gesinnte Ungarn würden am liebsten den Teil Rumäniens annektieren, welcher nach dem 1. Weltkrieg durch den "unseligen Trianonvertrag" auf Betreiben Frankreichs Rumänien zugesprochen wurde, nämlich Siebenbürgen oder auch als Transilvanien bekannt, ungarisch Erdély. Weiterhin fürchten sich auch die Slowaken vor der ungarischen Minderheit im Süden der Slowakischen Republik.
speedy376 (17.02.2008, 11:17 Uhr)
ein weiterer "ZWERGENSTAAT"
und wieder ein neuer Staat der in Europa ensteht. Inwieweit kann man einen weiteren Staat mit einem ehemaligen Terroristenanführer der UCK, Hasim Thaci, willkommen heisen ? Welches Vertrauen können die in Kosovo lebenden Minderheiten, abgesehen von den Serben, wie bspw. den Romas, entgegenbringen ?
Die Finanzierung dieses Kleinstaates wird wiedereinmal auf dem Rücken der EU ausgetragen. Und das ein lebenlang...... denn welche Zukunftsperspektive kann Kosovo mitsich bringen ? Wie wir alle wissen, ist dieses Land vom Drogenhandel, Mafia, Prostitution und Korruption bekannt. Na da hat sich die EU und die USA ein sehr hohes Ziel gesetzt. Was ist eigentlich mit den Kurden, die mit ca. 20. Mio, die grösste Minderheit einer staatenlosen Gemeinschaft bilden ? Warum schenkt man Ihnen keinen Rechtsstaat ? Oder was ist mit dem Baskenland in Nordspanien ?Den Serben sei an dieser Stelle gesagt, dass sie sich von dem Problem einfach lösen und nach vorne schauen sollten. Das Land weiter demokratisieren und die innenpolitische Lage wieder zurechtrücken. Die Bevölkerung in Serbien ist Müde von dem "westlichen" Image als bösartige Agressoren. Vergessen darf man keinesfalls die Vergangenheit aber man sollte versuchen loszulassen und eine würdevolle und stabile Zukunft aufbauen. Ich wünsche dem Kosovo alles Gute sowie einen "guten" Start in die Ungewissheit.
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