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Unesco-Austritt: Nach den USA will auch Israel das "absurde Theater" verlassen

Die Unesco sei ein "absurdes Theater geworden" - deswegen habe nun auch Israel seinen Austritt aus der UN-Kulturorganisation angekündigt. Damit folgt Ministerpräsident Netanjahu US-Präsidenten Donald Trump.

Unesco-Austritt: Nach den USA will auch Israel das "absurde Theater" verlassen

Die USA haben den Anfang gemacht, nun zieht Israel nach: Ministerpräsident Netanjahu hat den Austritt aus der Unesco angekündigt

Nach den USA hat auch Israel seinen Austritt aus der UN-Kulturorganisation angekündigt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe das Außenministerium angewiesen, den Austritt Israels an der Seite der USA vorzubereiten, hieß es in einer am Donnerstag in Jerusalem veröffentlichten Erklärung von Netanjahus Büro. Der Regierungschef "begrüßte" demnach die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Unesco zu verlassen. International erntete Trump Kritik.

"Dies ist eine mutige und moralische Entscheidung, weil die Unesco ein absurdes Theater geworden ist und weil sie, anstatt Geschichte zu bewahren, diese verzerrt", hieß es in der Erklärung. Die US-Regierung hatte ihren am Donnerstag unter anderem damit begründet, dass die Unesco in zunehmendem Maße anti-israelische Positionen vertrete. Außerdem brauche die Organisation eine "grundlegende Reform", hieß es aus Washington.

"Absurde und beschämende Resolutionen der Unesco"

Israels UN-Botschafter erklärte, die Entscheidung der US-Regierung läute eine "neue Ära" bei der UNO ein. "Die absurden und beschämenden Resolutionen der Unesco gegen Israel haben Konsequenzen", sagte Danny Danon. Die Unesco hatte mehrfach israelkritische Resolutionen angenommen, woraufhin die Regierung in ihre Beitragszahlungen verringert hatte.

Nach Angaben des State Department wird der Rückzug aus der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Dezember 2018 wirksam. Danach würden die einen Beobachterstatus behalten. Unesco-Generaldirektorin Irina Bukova äußerte "tiefes Bedauern" über die Entscheidung der US-Regierung. "Es ist ein Verlust für die Unesco", erklärte die Bulgarin.

Internationale Kritik an Austritt der USA und Israel

Eine Sprecherin des französischen Außenministeriums kritisierte, die USA hätten diese Entscheidung in einer Zeit getroffen, "in der die Unterstützung der Unesco durch die internationale Gemeinschaft äußerst wichtig" sei. Dort könnten politische Gräben überwunden werden. Die Französin bewirbt sich gerade für den Posten als Generaldirektorin der Unesco, die ihren Hauptsitz in Paris hat.

In Berlin kritisierte Andrea Nahles, die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, die USA scharf für ihre Entscheidung - die US-Regierung würde dem Frieden mit diesem Schritt keinen Dienst erweisen. Sie verwies außerdem auf den angekündigten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und warf Trump vor, die USA "immer weiter in die Isolation" zu führen.

Der Deutsche Kulturrat erinnerte daran, dass die USA der Unesco bereits vor Trumps Amtsantritt im Januar kritisch gegenüberstanden. Auch schon unter seinem Vorgänger Barack Obama "haben die USA erschreckend wenig Interesse an internationaler Kulturzusammenarbeit im Rahmen der Unesco gezeigt", erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann.

Die US-Zahlungen an die Organisation sind bereits seit 2011 eingefroren. Die Regierung von Präsident Barack Obama protestierte damit gegen die Aufnahme Palästinas als Unesco-Vollmitglied.

US-Austritt stürzt UN-Kulturorganisation in die Krise

Der Austritt der Vereinigten Staaten stürzt die Kulturorganisation inmitten der Wahl eines neuen Generalsekretärs weiter in die Krise: Wegen der ausbleibenden Zahlungen der USA und Israels musste die Organisation ihr Budget zuletzt um mehr als ein Fünftel kürzen.

Es ist bereits der zweite Rückzug der Vereinigten Staaten in der jüngeren Geschichte. Unter Präsident Ronald Reagan traten die USA bereits 1984 aus der Kulturorganisation aus. Reagan protestierte damit gegen angebliche Misswirtschaft und eine anti-amerikanische Haltung der Unesco. Erst 2002 traten die USA unter Präsident George W. Bush wieder ein.

Streit gibt es derzeit in der Unesco auch um die neue Führungsspitze: Vor einer vierten Wahlrunde im Exekutivrat am Donnerstagabend lag der Kandidat Katars, Hamad bin Abdulasis al-Kawari, gleichauf mit der französischen Anwärterin Audrey Azoulay - dem 69-jährigen al-Kawari wird aber Antisemitismus vorgeworfen. Sollte er sich durchsetzen, könnte das den Konflikt mit Israel weiter verschärfen.

Die Unesco zählt derzeit 193 Mitgliedstaaten. Die 1945 gegründete Organisation ist vor allem durch ihre Liste der Welterbestätten bekannt, die jedes Jahr ergänzt wird.

fs/AFP

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