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Was steckt wirklich hinter dem Austritt der USA aus der Unesco?

Die USA ziehen sich aus der Unesco zurück. Überraschend ist der Schritt nicht. Und er hat nicht nur mit der Haltung Trumps zu tun. Warum die USA der Weltkulturorganisation seit jeher kritisch gegenüber stehen.

Die USA haben angekündigt, sich aus der Weltkulturorganisation Unesco zurückzuziehen. Wirksam wird der Schritt am 31. Dezember 2018. Grund seien die "anti-israelischen Tendenzen" in der Unesco und Zahlungsrückständen innerhalb der Organisation. Nur wenige Stunden später kündigte auch der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den Rückzug seines Landes an. 

Auf den ersten Blick scheint es eine Überraschung zu sein, dass die USA und Israel einen solch radikalen Schritt vollziehen. Viele Kritiker der Entscheidung vermuten, dass für die USA in erster Linie finanzielle Erwägungen eine Rolle spielen. Auch die Haltung von US-Präsident Trump, der die Uno als Ganzes schon im Wahlkampf scharf kritisierte und seinen Wählern ein weiteres Wahlversprechen erfüllen wollte, wird als Hauptgrund für die Entscheidung der USA betrachtet.

Aber das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Die Entscheidung, die Unesco zu verlassen, hat eine lange Vorgeschichte. Die Unseco ist kein politisch neutrales Gremium, sondern wird regelmäßig von den Mitgliedern für ihre Politik eingespannt - so zumindest lautet der Vorwurf der USA und Israels.

Schon unter Reagan traten USA einmal aus Unesco aus

Unter Präsident Reagan 1984 kündigten die USA schon einmal die Mitgliedschaft. Als Gründe gaben sie damals eine anti-westliche Politisierung und ein ineffizientes Management an. Erst 2003 kehrten sie unter Präsident George W. Bush in die Unesco zurück. Unter Barack Obama kam es erneut zu einer Kehrtwende: Die USA stoppten 2011 die Zahlungen an die Organisation. Der Vorwurf damals war derselbe wie heute: anti-israelische Tendenzen, weil die Unesco Palästina als Staat aufnahmen. Dennoch stellte die Weltkulturorganisation Washington trotzdem weiterhin jährlich viele Millionen Dollar in Rechnung. Inzwischen haben sich Schulden von mehr als einer halben Milliarde angehäuft. 2013 entzog die Weltkulturorganisation der US-Regierung schließlich das Stimmrecht in der Generalkonferenz. Washington unterhielt aber weiter ein Büro im Hauptsitz in Paris.


Im Herbst des vergangenen Jahres verschäfte sich der Konflikt erneut. Grund war eine Resolution der Unesco, die den jüdischen Charakter des Jerusalemer Tempelberges komplett verneinte. Darin wird der Ort lediglich als muslimische Stätte mit dem Namen "Al-Aksa Moschee/Al-Haram Al-Scharif und Umgebung" bezeichnet. Ein Affront: Die englische Bezeichnung für die Klagemauer, "Western Wall", stellten die Autoren nur in Anführungszeichen daneben. Der Platz an der Klagemauer, wo täglich Tausende Juden beten, wurde "Al-Burak-Platz" genannt. Außerdem titulierte das Dokument den Staat Israel durchgängig als "Besatzungsmacht" und wirft ihm "Aggressionen" gegen muslimische Heiligtümer in der Jerusalemer Altstadt und anderswo vor, ohne dies zu belegen.

Vorwurf: Unesco ist Propagandainstrument 

Zwar bestätigt das Dokument einleitend "die Wichtigkeit der Altstadt von Jerusalem und ihrer Mauern für die drei monotheistischen Religionen". Dennoch sahen viele Kritiker in der Terminologie eine Verneinung jüdischer Geschichte in Jerusalem, einen Eklat von der höchsten Instanz der Völkerfreundschaft, der Unesco.

Im Sommer folgte die nächste fragwürdige Entscheidung: Die Unesco erklärte die Altstadt von Hebron im Westjordanland zum palästinensischen und gleichzeitig gefährdeten Weltkulturerbe. In der Altstadt befinden sich auch die Grabmäler der Patriarchen, in dem nach biblischer Überlieferung unter anderem Abraham und Isaak begraben sind. Abraham wird sowohl im Judentum als auch im Christentum und im Islam als Stammvater verehrt. Auch hier wurde die jüdische Geschichte der Stadt und seiner Kulturdenkmäler einfach unterschlagen.

"Die Unesco ist zu einem Schlachtfeld für die öffentliche Beschimpfung Israels geworden und hat ihre wahre Rolle und ihre wahren Ziele vernachlässigt", fasste Israels UN-Botschafter Danny Danon die Kritik jetzt zusammen.

tis

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