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14. April 2008, 06:59 Uhr

500 Millionen Dollar gegen den Hunger

Die Lebensmittelpreise sind in der Vergangenheit drastisch gestiegen. Folge: In einigen Ländern kommt es immer häufiger zu Hungerunruhen, wie etwa in Haiti. Jetzt will die Weltbank die steigenden Lebensmittelpreise bekämpfen. Menschen in armen Ländern könnten in noch größere Armut stürzen.

"Sieh her, wir müssen Gras essen": Hungerproteste in Port-au-Prince© Ariana Cubillos/AP

Die Weltbank hat ein rasches und entschlossenes internationales Vorgehen gegen die steigenden Lebensmittelpreise gefordert, die schon in mehreren Ländern zu blutigen Unruhen geführt haben. Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach sich dafür aus, Hunger und Unterernährung mit einer globalen Nahrungsmittelmittelpolitik zu bekämpfen.

Die Ärmsten seien von den steigenden Preisen am stärksten betroffen, da sie bisher schon bis zu 75 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, mahnte, die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise verschärften die Gefahr von Hungerkrisen in vielen Entwicklungsländern - wie die jüngsten Unruhen in Haiti, Ägypten und Bangladesch bereits zeigen. "Hunderttausende Menschen werden darben, und Kinder werden ihr Leben lang unter Mangelernährung leiden", sagte Strauss-Kahn.

Robert Zoellick rief die Regierungen in aller Welt auf, dem UN-Ernährungsprogramm (WFP) bis 1. Mai dringend benötigte 500 Millionen Dollar, umgerechnet 315 Millionen Euro, für Notfallhilfen zur Verfügung zu stellen. Der Sturz der Regierung in Haiti nach Protesten gegen gestiegene Lebensmittelpreise habe gezeigt, wie wichtig entschlossenes Handeln sei, sagte Zoellick. Die Weltbank habe Haiti weitere zehn Millionen Dollar für Lebensmittelhilfen zugesagt, andere sollten diesem Schritt folgen.

Zoellick erklärte, es gebe auch für andere Länder Programme, um ihnen mit Lebensmitteln oder Saatgut für die nächste Ernte zu helfen. Die steigenden Preise bedrohten viele Menschen in ärmeren Ländern mit noch größerer Armut.

Schon zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank hatten sich beide Weltfinanzorganisationen besorgt über die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise geäußert. Dabei wächst die Kritik an der verstärkten Produktion von Biosprit, die zu Lasten des Getreideanbaus geht. "Während sich manche Sorgen machen, wie sie ihren Benzintank füllen, kämpfen viele andere darum, wie sie ihren Magen füllen können", sagte Zoellick vor Beginn der Konferenz. "Und das wird von Tag zu Tag schwieriger."

Der Senat des haitianischen Parlaments hatte den Regierungschef des Landes, Jacques Edouard Alexis, bereits am Donnerstag zum Rücktritt aufgefordert, entließ aber am Samstagnachmittag nach tagelangen Unruhen die gesamte Regierung. Nach der haitianischen Verfassung muss Präsident René Preval gemeinsam mit den Vorsitzenden der beiden Kammern des Parlaments einen neuen Regierungschef suchen. Preval, seit Februar 2006 Präsident von Haiti, hatte Alexis im Juni 2006 zu seinem Premierminister berufen.

Allgemein herrscht in Haiti die Hoffnung, dass damit die Unruhen, die das ärmste Land Amerikas seit über einer Woche erschütterten, vorerst nicht wieder aufflammen. Die Gewalttaten und Plünderungen vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince hatten sich zwar an den hohen Preisen entzündet, die Demonstranten hatten aber den Rücktritt der Regierung gefordert. Kurz zuvor hatte Preval angekündigt, als Maßnahme gegen die Krise werde der Reispreis dank Subventionen um gut 15 Prozent gesenkt. Der Preis für einen Sack Reis soll von umgerechnet 31 auf 27 Euro fallen. Zuvor hatte Preval in seiner ersten Reaktion angesichts der Unruhen einer Entlassung seines Vertrauten Alexis eine Absage erteilt und erklärt, er werde sich dem Druck der Straße nicht beugen und lediglich nach Möglichkeiten suchen, die Grundlebensmittel zu subventionieren.

Der venezolanische Präsident Hugo Chàvez kündigte an, 364 Tonnen Lebensmittel in den Karibikstaat zu schicken. Auch Brasilien hat 14 Tonnen Lebensmittelhilfe für Haiti zugesagt. Bei den Unruhen gegen die rapide steigenden Lebensmittelpreise um teilweise 50 Prozent in nur einer Woche starben mindestens fünf Menschen, nach letzten offiziellen Angaben wurden rund 200 Personen verletzt.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
RosaRoth (15.04.2008, 19:04 Uhr)
Die Angst vor dem Aufstand
Die Blauhelme demonstrieren genau das, was die Bundeswehr im Inneren bei uns einmal unternehmen soll.
Aber es gibt einen Unterschied, und zwar nach der Ratifizierung des neuen EU-Vertrages. Denn danach darf bei Aufständen gezielt getötet werden.
500 Mill. sollen Haiti zur Verfügung gestellt werden, aber was passiert danach?
Können sich danach die Menschen wieder ihr eigenes Brot kaufen oder sind sie auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen der "reichen" Nationen angewiesen?
Was im Endresultat bedeutet würde, dass die verarmten Länder für ein paar "Säcke" Reis in Zukunft für uns schuften müssen.
Jetzt dürfen wir aber nicht glauben, dass es bei uns nicht auch soweit kommen könnte.
Die Alarmzeichen sind: Steuererhöhungen, Preissteigerungen, Lohnrückgang, Arbeitslosigkeit und horrende Energiekosten.
Es scheint kein Ende zunehmen. Oder glauben Sie wirklich, dass in 10 Jahren die Löhne die Preissteigerungsraten ausgleichen?
Ich nicht!
kosherpork (14.04.2008, 16:04 Uhr)
Schuld und Unschuld
Schuldig sind alleinig die habenden, unschuldig sind alle Kinder. Der entfesselte Kapitalismus frißt seine Kinder nicht - sie wären ungenießbar denn er hat sie vergiften, sie ausgeraubt, ihnen die Zukunft genommen und sie weggeworfen. Die EU, die Weltbank, die Kirchen, die ach so hehren Demokratien haben alle nur ein einziges Ziel: die Umverteilung knapper Ressourcen von unten nach oben getreu dem Motto "ich-mir-meins". Je mehr weniger haben, desto mehr haben wenige. Viva, la revolution.
pops (14.04.2008, 15:25 Uhr)
Aber richtig auf der Zunge
zergehen lassen muss man sich einmal die Forderung der Weltbank: 500 Mio. Da zocken unsere Landeseigenen Banken ja schon besser! X- Milliarden verspekulieren und dann vom Steuerzahler wiederholen. So gets. Aber s' ist ja nur für die paar Hungerleider. Da reichen 500 Mio. Oder? Und wir lassen es uns auch noch gefallen...
Livia008 (14.04.2008, 14:33 Uhr)
Mit Bevölkerungswachstum kann man Hunger nun wirklich nicht erklären
Die vielen Zahlen zur Weltbevölkerung hier stimmen einfach nicht.
Die Weltbevölkerung umfasste im April 2007 rund 6,6 Milliarden Menschen und wird bei einem Wachstum von 78 Millionen pro Jahr bis Juli 2008 etwa 6,7 Milliarden erreichen.
Die Gründe für den Hunger sind in diesem Blog alle genannt worden. Man kann sie alle politisch lösen. Doch merkwürdigerweise gibt es dafür keine globalisierte Aktion!
Nursery (14.04.2008, 12:39 Uhr)
Europa ist nicht am Mißstand schuld?
Na da hat einer aber kräftig danebengegriffen.Seit jahrzehnten ist der Weltmarkt abgeschottet von 3.Welt Ausfuhren.Hochsubventionen aus Brüssel machen jede Produktion in den Armenländern unrentabel.Man schaue sich nur mal die Zwiebelproduktion und Milchpulverproduktion aus der EU die zu Dumpingpreisen in den Markt gedrückt wird.Dazu noch z.t fehlgeleitete Entwicklungshilfe.Klar sind Machtstrukturen korrupt in Afrika .Aber haben nicht vor allem die EU und USA von diesem dilemma profitiert.Aber diesen Wettbewerbsvorteil in Brüssel auf dem Rücken dieser Länder auszutragen ist mehr als zynisch.Die Überbevölkerung wurde seit Jahren von Dürre ,Korruptheit und Armut in dieses Chaos gestürzt. Wenn die Bauern jetzt ordenlich für den Weltmarkt produzieren vor allem Grundnahrungsmittel ist das mehr als in Ordnung aber bitte keine Zockermentalität.Man höre sich nur mal den Bauernpräsidenten an: Jetzt haben die Bauern endlich die Wahl höchstmöglich Profit rauszuschlagen.
Da ist es nicht mehr weit bis zur Brockermentalität an der Börse .Mir wird Angst und Bange für die Zukunft.
endbenutzer (14.04.2008, 12:12 Uhr)
@Garnet:
"...Das Elend in Afrika hat nichts mit dem Lebensstandard in Europa zu tun..."
-
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Das sehe ich anders. Würden die Länder der sogenannten "ersten Welt" die Länder Afrikas mit Ihren Bodenschätzen als gleichberechtigte Handelspartner behandeln, wären die Probleme sicher geringer. Stattdesen ist es einfacher, irgendwelche Diktatoren mit Waffen und Luxusgütern auszustatten (siehe Bokassa) um im Gegenzug billige Rohstoffe zu erhalten. Dass den entsprechenden Despoten dabei das eigene Volk so ziemlich egal ist, versteht sich von selbst. Hauptsache die Konten in der Schweiz sind gut gefüllt, damit man sich nach dem nächsten Putsch schön aus dem Staub machen kann.
_SCT_ (14.04.2008, 12:11 Uhr)
Energie ist das Problem
Anlass der Misere ist einzig und allein der gestiegene Energiehunger.
Vor 50 Jahren erhielten wir das Geschenk die Kraft des Atoms zu erkennen und zu nutzen. Die Nachteile der Nutzung sind bekannt. Nun offenbaren sich die Nachteile der NICHTnutzung. Die daher entscheidende Frage der neuzeitlichen menschheitsgeschichte lautet: wie lange dauert es bis die Kernfusion als Energieerzeugungs-Technologie serienreif ist. Bis rate ich dringend zur Wiedereinführung der Kernspaltung zur Energiegewinnung. Die Autos sollten parallel dazu kurzfristig - im Laufe von etwa 15 Jahren - auf Wasserstoff-verbrennungsantrieb umgestellt werden. Wasserstoff und/aus Strom muß der Energieträger der Zukunft werden. Bei Nutzung der Kernenergie (zunächst Spaltung, dann Fusion) würde er praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehen um aus Salzwasser Süsswasser zu machen um es auf die trockenen Felder zu kippen und auch die SUV's fahren dann damit... Wir werden erkennen, daß fossile und regenerative Energieträger nicht ausreichen und die Umwelt verschmutzen bzw. ineffizient sind.
Garnet (14.04.2008, 10:34 Uhr)
Nichts dazu gelernt
Die gegenwaertigen Probleme sind eigentlich schon lange angesagt. Ubervoelkerung, Korruption in den Entwicklungslaendern, ungehinderte Zerstoerung der Umwelt, ueberfischte Meere und die totale Abwesenheit von Vernunft bei religion und Politik. Das Elend in Afrika hat nichts mit dem Lebensstandard in Europa zu tun. Die Kolonisierung des Kontinentes fuer das Elend dort verantwortlich zu machen ist schlichtweg unverantwortlich und kontraproduktiv. Das Bevoelkerungswachstum in Asien wird nicht nur fuer extreme Probleme dort sorgen sondern auch den rest der Welt aus den Fugen heben.
Ruestungsausgaben, Luxusprodukte und unser Lebensstil aben nichts mit dem Hunger zun. Ich habe Arbeiter mit 3 Frauen und bis zu 20 Kinder und keiner weiss wie die Maeuler zu stopfen.Das interessiert die auch nicht. Religion, Sitten und Gebraeuche. Und da redet in diesem Forum fast jeder daher als wuesste er was laeuft. Kommt runter nach Afrika. Schaut es euch an. Dann reden.
Badmax (14.04.2008, 10:34 Uhr)
Die Erde ist überbevölkert...
und der Wahnsinn nimmt kein Ende! Es währe so einfach: Pro Paar ein Kind, bedeutet mittelfristig: Halbierung der Bevölkerung binnen 40 Jahren. Die Erde verkraftet gerade mal 2 Milliarden Menschen gut, selbst diese 2 Milliarden müssten trotzdem, dem Umweltschutz zu Liebe, auf einen Schwachsinn wie SUVs, Massen-Flugreisen usw. verzichten.
Nein, der Mensch ist von Grund auf blöd. Da wird sich nicht ändern. In 30 Jahren reden wir dann über 10+ Milliarden Menschen sowie einem Weltbürgerkrieg. Der kommt bestimmt.
tricky_dude (14.04.2008, 10:21 Uhr)
@babylon
Frage ist nur wer wirklich "der Stärkere" ist. Jeder geht davon aus das das WIR hier in den "entwickelten Ländern sind".
Wenn mal bei uns ein Orkan durchrauscht ist das Gejammere groß, genauso bei Wassermangel oder Hochwasser. Meistens weil die Autos kaputt gehen und das Dach abgedeckt ist. Wenn mal der Strom ausfällt ist gleich Weltuntergang. Drama Baby!!!
Die Leute in Afrika machen sowas öfter durch, haben nix und überleben trotzdem. Wenn das keine Stärke ist, dann weiß ich auch nicht. Die meisten von uns würden unter den Verhältnissen nach ihrer Mami schreien, oder sich gleich zum Sterben hinlegen weil der Handyakku leer ist und die Fastfood-Tempel geschlossen sind.
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