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14. Oktober 2003, 09:55 Uhr

Bolivien stoppt Erdgas-Export

Bei Demonstrationen gegen Erdgas-Exporte in Bolivien hat es über 20 Tote und 100 Verletzte gegeben. Präsident Sanchez de Lozada will die Ausfuhr nun vorerst einstellen.

Die Exporte von Erdgas sind vorerst gestoppt. Doch nun bahnt sich die nächste Krise in Bolivien an: Rücktrittsforderungen an den Präsidenten aus den eigenen Reihen© Gonzalo Expinoza/dpa

Bei Protesten gegen die bolivianische Regierung sind am Montag in La Paz Medienberichten zufolge zwölf weitere Menschen getötet worden. Die Regierung bestätigte die Meldungen von Rundfunk- und Fernsehsendern nicht, nach denen sich die Zahl der Todesopfer in regierungsfeindlichen Demonstrationen der vergangenen Tage auf insgesamt 25 erhöht haben. Die Unruhen hielten an, obwohl Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada bekannt gab, er werde den umstrittenen Erdgasexport nach Mexiko und den USA vorerst aufgeben.

Die Demonstrationen brachten das öffentliche Leben im Regierungssitz La Paz praktisch zum Erliegen, Banken und Geschäfte blieben geschlossen. Sanchez de Lozada wies Rücktrittsforderungen zurück und machte ein vom Ausland gesteuertes Komplott für die Massenproteste verantwortlich.

Regierungskrise bahnt sich an

Auch aus seiner eigenen Regierung wurden Rücktrittsforderungen laut. Sein Stellvertreter Carlos Mesa entzog seiner Politik die Unterstützung, trat aber nicht zurück. Entwicklungsminister Jorge Torres legte dagegen wegen "unüberwindlicher Meinungsverschiedenheiten" mit dem Präsidenten sein Amt nieder. Sanchez de Lozada sagte, er werde bis zum Ende des Jahres mit den Gegnern der Gasexporte verhandeln, bis dahin werde es keine Exporte zu neuen Märkten geben.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verurteilte die Gewalt in Bolivien und erklärte, sie werde keine Regierung anerkennen, die auf undemokratische Weise an die Macht komme. Ähnlich äußerten sich die USA. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, Washington werde keine Störung der verfassungsmäßigen Ordnung dulden und kein Regime unterstützen, das mit undemokratischen Mitteln an die Macht gelange.

Die bolivianische Regierung hatte sich von den Gasexporten Einnahmen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar jährlich versprochen. Gewerkschaften und Vertreter der Indios forderten indessen eine Nutzung des Erdgases zum Wohle der Bolivianer.

 
 
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