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7. Dezember 2008, 13:27 Uhr

"Es war wie im Krieg"

In Athen und anderen Städten lieferten sich Steine werfende anarchistisch ausgerichtete Autonome und die Polizei stundenlang Straßenschlachten. Anlass ist der Tod eines Jugendlichen, der von Polizisten erschossen wurde.

Athen, Unruhen, Mord, Polizei

© Thanassis Stavrakis/AP

"Es war wie im Krieg", sagt die Inhaberin eines Schuhgeschäfts im Zentrum Athens nach den Krawallen in der griechischen Hauptstadt. In Athen und anderen Städten lieferten sich Steine werfende anarchistisch ausgerichtete Autonome und die Polizei stundenlang Straßenschlachten. Läden und Banken standen in der Nacht zum Sonntag in Flammen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Randalierer vor, die Autos umwarfen und als Barrikaden benutzten. "Mein Geschäft ist ausgebrannt", berichtet die Inhaberin des Schuhgeschäfts am Sonntag im Radio weiter. "Ich bin am Ende. Die Chaoten haben alles zerstört." Auslöser war der Tod eines Jugendlichen bei Zusammenstößen von Autonomen und Sicherheitskräften.

Schon seit Jahrzehnten verüben Autonome in der griechischen Hauptstadt fast jede Nacht Brandanschläge. Ihre Attacken richten sich gezielt gegen Banken, Vertretungen multinationaler Unternehmen und Polizeistationen, dagegen verschonen sie in der Regel die Geschäfte der "kleinen Leute" wie Kneipen oder Imbissbuden. Mit ihren Anschlägen "kommentieren" sie das nationale wie internationale politische Geschehen. Die Autonomen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Der 15-Jährige, der am Samstagabend Opfer der tödlichen Polizeikugel wurde, war der Sohn eines bekannten Athener Schmuckhändlers.

Rechtsfreie Räume

Die griechische Autonomenbewegung sieht ihre Ursprünge in der Zeit des Widerstandes gegen die Obristenjunta (1967-1974). Vor allem der Stadtteil Exarchia im Zentrum Athens ist seit Jahren eine Art "verbotene Stadt" für die Sicherheitskräfte. Dort haben die Autonomen aber auch Drogenbanden das Sagen. Alle schienen sich bislang damit abzufinden. Der "Staat im Staat" Exarchia wirkte wie ein Sicherheitsventil. "Die Autonomen werden dort in Ruhe gelassen, damit sie uns im Rest der Stadt in Ruhe lassen", sagt Grigoris S., ein junger Bereitschaftspolizist.

Man habe sich das ja an den fünf Fingern abzählen können, dass es einmal soweit kommen würde, meint ein altgedienter Journalist zum Tod des Jungen. "Am späten Samstagabend lief alles schief", meint Alexis Papahelas, Chef der konservativen Athener Zeitung "Kathimerini". "Und das zwingt uns hier und jetzt, die Antwort auf die Frage zu finden, wie lange wir noch die Gesetzlosigkeit in diesem Stadtteil dulden."

Doch Innenminister Prokopis Pavlopoulos steht vor einer schwierigen Aufgabe. Auf keinen Fall will er mit der Brechstange der Staatsgewalt vorgehen: "Wir müssen die Menschenrechte achten und den Chaoten das Handwerk legen. Das ist nicht so leicht."

Takis Tsafos/DAP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Putinki (07.12.2008, 22:08 Uhr)
Pamela, flyingtfree
Die Polizisten randalieren nicht. Das sind Arbeitnehmer, wie wir alle und tun ihre Pflicht,um uns zu schützen. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, wenn Chaoten (Autome) glauben, randalieren zu müssen. Der französische Polizist, als Beispiel, wurde damals brutal und feige zusammen geschlagen. Ein Opfer über den man nicht mehr spricht. Bei den in Deutschland schon traditionellen Chaotentage (davon gibt es im Jahr mehrere), werden vor allem Polizisten zum Teil schwer verletzt. Der Staat ist zu schwach, diesen Leuten über einige Jahre hinweg, meinetwegen in einem Ertüchtigungslager das Arbeiten bei zu bringen. Sehr wirksam wäre dabei, die "Stütze" einmal auszusetzen. Rechtfertigen kann man das sinnlose Treiben der Chaoten nicht, wenn man selbst den friedliebenden Menschen spielt und Kriege verurteilt. Braune haben auch randaliert. Einen Unterschied gibt es da nicht.
tripex (07.12.2008, 19:10 Uhr)
Welche Gruppe ist das?
Geziehlt gegen Banken? Das erweckt mein Interesse. Weiß jemand mehr über diese Gruppe? Name? Links?
@hannes_schinder: In Deutschland wird die Revolution als letztes starten. Dafür gibt es noch zu wenig Leute die wegen Kleinigkeiten mit der Exekutive aneinandergeraten sind. Hier in Deutschland funktioniert die Angstmache sehr gut. Sei lieb und die Polizei kommt dich nicht holen. Der Leiddruck ist einfach noch nicht gross genug.
makira (07.12.2008, 18:39 Uhr)
Volkommen gerechtfertigte Handlung der Polizei
Wo kommen wir hin wenn sich der Staat alles bieten lässt. Der Polizist hat gewiss nicht überreagiert. Wer die Staatsmacht nicht akzeptiert muss bestraft werden.
UR63 (07.12.2008, 18:22 Uhr)
@flyingfree
Zitat:
Nun mal halblang, das wäre mir neu. Außerdem, schonmal gesehen wie die Damen und Herren gepanzert sind?
Ist doch schlimm genug,das die Polizisten sich so vor ,,DEMONSTRANTEN´´schützen müssen!
flyingfree (07.12.2008, 16:57 Uhr)
Putinki
"...Auch Polizisten werden gesteinigt. Das aber mit der deutlichen Absicht zu provozieren und zu töten..."
Gesteinigt...
Nun mal halblang, das wäre mir neu. Außerdem, schonmal gesehen wie die Damen und Herren gepanzert sind?
Nichts rechtfertigt Schüsse auf Menschen.
flyingfree (07.12.2008, 16:49 Uhr)
Notwehr
DREI Warn?-Schüsse in die Brust (Spiegel-online) eines 15-Jährigen.
Die haben sich sicher "gelöst".
tricky_dude (07.12.2008, 16:24 Uhr)
@Pamela_1971
Hast recht. Auch wenn ein Stein durchaus als Waffe gewertet werden kann,geht scharf schießen schon mal gar nicht. Ich erinnere mich an ein altes satirisches Lied einer österreichischen Band, da kommt "der Tödliche Warnschuß" vor. Scheint mir das in Griechenland die Siebziger noch nicht vorbei sind.
Pamela_1971 (07.12.2008, 16:07 Uhr)
Putinki
Jaja, sowas kann "schon mal passieren", dass jemand drei "Warnschüsse" (wie die Polizei behauptet) in die Luft abgibt, und diese zufällig - alle drei! - nicht etwa eine in der Luft fliegende Taube oder Möwe, sondern *uuups!* ein Kind treffen. Klaaaar! [ironie aus]
.
Man sollte mal berücksichtigen, dass es hier 2 grundsätzlich verschiedene Tatdarstellungen gibt. Allein die Täter (die griechischen Polizisten) behaupten, vor den tödlichen Schüssen mit Steinen beworfen worden zu sein - Augenzeugen dagegen sagen aus, dass es lediglich zu rein verbalen Auseinandersetzungen kam. Wir waren nicht dabei, wir wissen nicht was sich da genau abgespielt hat. Die laufenden Untersuchungen werden das (hoffentlich) genauer klären. Welche Version nun aber auch immer stimmen mag - die der Täter oder die der Zeugen - 3 gezielte Schüsse auf einen Menschen, ob nun minderjährig oder nicht, werden dadurch nicht im geringsten erklärt oder gar gerechtfertigt. "Sowas" kann eben NICHT "schon mal passieren"!
Putinki (07.12.2008, 15:45 Uhr)
Gewaltbereite Autonome
Die Polizei schießt nicht aus Spaß auf "Kinder". Sie fragen auch nicht nach dem Alter, bevor sie handeln. Sie wurden provoziert und dann kann so etwas passieren. Das wissen die Chaoten, wie auch die unschuldigen Gaffer, die so herumstehen.
Auch Polizisten werden gesteinigt. Das aber mit der deutlichen Absicht zu provozieren und zu töten. Dann beschwert man sich noch,dass man in einen Käfig kommt.
Der Staat muß schon hart durchgreifen
sonst gibt es nur noch Zerstörungsorgien durch Autonome.
Datenaktuell (07.12.2008, 15:44 Uhr)
Die weltweite Verschwörung der Polizei ...
Ist schon auffallend dass weltweit die Polizei mit gleicher blutrünstiger Absichten präsentiert wird.
Und die Tat von 1-2 Einzelpolizisten zur 'Polizeiaktion' umdefiniert wird.
Wenn man alle Einsatzstunden der Polizisten zusamemaddiert seit 'Benno Ohnesorg' und die Todesopfer durch Polizeigewalt kommt eine Ministatistik heraus.
Die beteiligten Polizisten wurden festgenommen und die Sache wird untersucht. Wer einigemassen realistisch ist, muss mit Notwehr als 1. These rechnen, denn dazu gabs zuviel gefährliche Gewalt gegen die Polizisten.
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