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22. März 2008, 10:19 Uhr

China bestätigt Tote - und droht Tibetern

Bei den gewalttätigen Protesten in Tibet sind nach neuesten chinesischen Angaben 22 Menschen ums Leben gekommen, die tibetische Exilregierung dagegen spricht von knapp 100 Toten. Nun schließt EU-Parlamentspräsident Pöttering einen Olympia-Boykott nicht mehr aus.

Bei weltweiten Protesten - hier in Japan - demonstrieren Exiltibeter gegen das chinesische Vorgehen in ihrer Heimat© Itsuo Inouye/AP

Die chinesischen Behörden setzten am Samstag ein weiteres Mal ihre Angaben zu den Todesopfern der Unruhen vom 14. März in der tibetischen Hauptstadt Lhasa herauf. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, dass fünf weitere Bewohner und ein Polizist ihren Verletzungen erlegen seien. Dadurch sei die Zahl der Toten auf 22 gestiegen. Mehr als 600 Menschen seien verletzt worden, berichtete Tibets Regierung laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua vom Samstag.

Exiltibeter sprechen von über 100 Toten

Über die Zahl der Toten oder Verletzten unter demonstrierenden oder randalierenden Tibetern wurden keine Angaben gemacht. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung kamen bei den Unruhen allerdings 99 Tibeter in Lhasa und 19 in der Provinz Gansu ums Leben.

Wegen der butalen Niederschlagung der Autonomieproteste hat nun EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering China mit einem Olympia-Boykott gedroht. Die Regierung müsse unverzüglich mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, verhandeln, forderte der CDU-Politiker in der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Blieben Signale der Verständigung aus, seien Boykottmaßnahmen gerechtfertigt. "Wir sollten einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking nicht ausschließen. Wir wollen erfolgreiche Spiele - aber nicht zum Preis des kulturellen Völkermords an den Tibetern, von dem der Dalai Lama spricht."

Europa dürfe Selbstachtung nicht verlieren

Für Mittwoch kündigte Pöttering eine Sondersitzung des europäischen Parlaments über die Lage in Tibet an. Die EU-Staaten forderte er zur geschlossen Verteidigung der Menschenrechte in Tibet auf. Zudem stellte Pöttering die Entwicklungszusammenarbeit mit Peking infrage. Bei allem gegenseitigen Interesse dürfe Europa seine Selbstachtung nicht verlieren. Parlamentsvertreter hatten am Donnerstag erklärt, die Überlegungen der Abgeordneten reichten von einem Boykott der Eröffnungsfeier durch Politiker bis hin zum Fernbleiben der EU-Athleten während der gesamten Olympischen Spiele. Die EU hat sich bislang gegen einen Olympia-Boykott ausgesprochen, ebenso Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Davon unbeeindruckt hat China am Samstag eine "entschlossene Niederschlagung" der tibetischen Protestbewegung angekündigt. Die kommunistische Parteizeitung "Renmin Ribao" schrieb am Samstag in einem Leitartikel: "Wir müssen die üblen Absichten der sezessionistischen Kräfte durchschauen, das Banner der sozialen Stabilität hochhalten und die Verschwörung der 'tibetischen Unabhängigkeitskräfte' entschlossen niederschlagen."

Fahndung nach tibetischen Aktivisten

Die chinesische Regierung hat auf die größte Herausforderung in Tibet seit dem Aufstand von 1959 mit einer massiven Truppenverstärkung reagiert. Die Behörden haben zudem eine Liste mit den Namen von 21 meistgesuchten Aktivisten der Protestbewegung veröffentlicht.

Außerdem hat China hat vor einer Ausbreitung der Unruhen auf die von Muslimen bewohnte Region Xinjiang gewarnt. "Egal ob es um die Unabhängigkeit Tibets, die Unabhängigkeit Xinjiangs oder die Unabhängigkeit Taiwans geht, das Ziel ist immer gleich - Chaos zu stiften und sich vom Mutterland abzuspalten", hieß es am Samstag in einem Kommentar in den staatlichen Nachrichten. In der Autonomen Region Xinjiang leben Uiguren. Separatistengruppen fordern die Unabhängigkeit.

Dalai Lama bleibt bei Gesprächsangebot

Chinas amtliche Medien stellten die Vorgänge so dar, dass die meisten Randalierer "von einer Hand voll Schurken angestiftet" oder einige sogar "gezwungen" worden seien, an den Protesten teilzunehmen. Die meisten seien einfache und ahnungslose Bürger gewesen. Diese Darstellung passt zum Vorwurf der Pekinger Führung, der Dalai Lama habe die Proteste von langer Hand vorbereitet und organisiert. Die Beschuldigung wies ein Sprecher des exilierten religiösen Oberhauptes der Tibeter im indischen Dharamsala erneut zurück. "Die Proteste waren nicht koordiniert, niemand hatte sie unter Kontrolle", sagte der Sprecher. "Wir bedauern, dass sie in Gewalt ausgeartet sind. Der Dalai Lama ist immer gegen Gewalt gewesen", zitierte ihn der US-amerikanische Sender Radio Free Asia (RFA).

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
joelsmama (24.03.2008, 01:45 Uhr)
Tibet und die Nazi-Connection
http://www.secarts.org/journal/index.php?show=article&id=444
knilch_59 (23.03.2008, 18:17 Uhr)
Besser als Boykott
Das, was wir Menschenrechte nennen und die Art und Weise, wie es in der Charta der UNO niedergelegt ist, entspricht – zunächst – leider nur unseren westlichen, christlich geprägten Moralvorstellungen. Wir müssen zunächst einmal als Faktum annehmen, dass weite Teile der Bevölkerung dieser Welt mit Demokratie, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit usw. nichts am Hut haben, weil ihnen dazu jede kulturgeschichtliche Prägung und Erfahrung fehlt.
Mit jedem Versuch, fremden Kulturkreisen unsere Moralvorstellungen überzustülpen, sind wir auf dem Bauch gelandet. Deshalb sollten wir uns auch davor hüten, uns gegenüber 1,2 Milliarden Chinesen als Moralapostel aufzuspielen – sie würden es sowieso nicht verstehen.
Wenn wir uns mitteilen möchten, müssen wir es in ihrer Kulturtradition machen. Wenn wir der Meinung sind, dass die Regierung hier gegen ihr eigenes Volk handelt, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Regierung dort „ihr Gesicht verliert“.
Boykott der Olympischen Spiele würde nur dazu führen, dass eine Kontaktbrücke abgerissen würde. Das kann nicht im Sinne der Tibeter sein, das Regime dort könnte sich noch weiter einigeln.
Besser wäre: Hinfahren und es jedem Sportler überlassen, ob er bei der Siegerehrung eine Plakette für ein freies Tibet trägt. Damit macht man der chinesischen Führung ihre Propagandaschau kaputt. Das ist viel wirkungsvoller, als Absage oder Verlegung!
schaefmar (23.03.2008, 13:27 Uhr)
Freiheit für Tibet
Zuerst mal zu...Eingebürgert29......die Art wie sie hier ihre Beiträge formulieren, lässt den Schluss zu, daß sie auch nicht all zu viel von den Menschenrechten halten. Sie beleidigen jeden, der hier seine Meinung vertritt. Dies soll eine faire Diskussion sein. So nun zum wesentlichen. Ich finde man kann schon Druck auf China ausüben. Auch China ist von anderen abhängig...oder wie sagt der Buddhismus.....alles ist voneinander abhängig. China kann auch ohne uns nicht. Wenn wir alle zusammen für Freiheit stehen, können wir China zum umlenken zwingen. Und das ohne Gewalt. Es kann nicht sein, daß sich die Politik nur um ihren Geldbeutel sorgen macht und wie einer der drei Affen die Augen zuhält. Es ist wichtig! Wichtig zu zeigen, daß es nicht richtig ist, wie China sich verhält!..........FREE....TIBET.......
ganzbaf (23.03.2008, 09:12 Uhr)
Man sollte ....

ein generelles Warenimportverbot in die EU (oder wenigstens Deutschland) in Erwägung ziehen.
.
Keine Geschäfte mit staatskriminellen "DDR-Ländern"...!
Aprotheus (22.03.2008, 20:58 Uhr)
@Eingebuergert29
Das gleiche sagte viele in den 80 über Irak und USA.
Japans Armee ist zwar klein, zählt zu den drei modernsten Armeen der Welt!
Russland hat schon öffters Verträge gebrochen. Indien ziehlt nur auf China, die wollen ihren alten Grenzstreit regeln. Mann du bist ja total mit der Propaganda vollgesaugt. Wach auf Deutscher!
Gerhard45 (22.03.2008, 17:43 Uhr)
Eingebuergert29
nachdem was Sie schreiben, wenn Sie es ehrlich meinen, sind Sie natürlich ausgenommen.
Eingebuergert29 (22.03.2008, 17:37 Uhr)
An Gerhard45
Argumente statt Beschimpfungen Herr Gerhard45!
Anstatt die 0815 Meldungen und hohlen Behauptungen der Massenmedein wiederzugeben erwarte ich konstruktive objektive Argumente!
Ich warte!
Ansonsten bitte ich um Schweigen!
Gerhard45 (22.03.2008, 17:33 Uhr)
Junge, Junge,
wenn ich die unwissenden und dümmlichen Kommentare lese, kommt einem die Galle hoch.
Eingebuergert29 (22.03.2008, 17:32 Uhr)
An J.Gruber
Isoliert China!?...Ich lach mich tot.....
Wisst ihr was für Verheerende Folgen dies auf die Amerikanische und europäische Wirtschaft haben könnte!?
Die Vergeltung bzw. die Antwort Chinas wäre gewaltig!
Ohne China würde die Wirtschaft in Europa und vorallem Amerika in kurzer Zeit kollabieren.
Dagegen ist die aktuelle Finanz und Weltwirtschaftskrise ein Furz!
Findet heraus, was ich damit meine!
Ich habe keine Lust jeden Vollidioten und dummen Bildzeitungleser über die enorm wichtige Rolle Chinas in der Weltwirtschaft aufklären!
Eingebuergert29 (22.03.2008, 17:19 Uhr)
An Aprotheus
Präventivschlag!? Gehts noch!?
Dein Wissen = 0.00000
Erst einmal haben weder Indien noch Russland irgendwelche Differenzen mit China. China und Rusland haben letztes Jahr sogar ein militärisches Pakt miteinander vereinbart!
Nun, dann bleibt nur noch Japan. Grosse Differenzen gibt es zwar nicht, so dass es in einem Krieg ausarten könnte. Japan fürchtet sich mehr vor Nord Korea.
Übrigens Japans Armee ist ein Furz und schlecht ausgerüstet im Vergleich zur grössten Armee der Welt, China!
Aber allein dein Gedanke ist schon ein Witz!
Aprotheus = Dumbass
Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dass China die Aktivitäten der CIA und deren logistische Unterstützung für die Dalai Lama Bande offenlegt und in den Medien über die sogenannten "Aufstände" im Klartext redet!
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