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23. März 2008, 11:05 Uhr

China wirft Dalai Lama Aufhetzung vor

China bleibt bei seinen schweren Vorwürfen gegen den Dalai Lama: Dessen "Clique" wolle die Olympische Spiele beschädigen. Gleichzeitig wurden die Unruhen in Tibet und anderen Regionen für eingedämmt erklärt. Allerdings blieben die meisten Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten, es sind noch massive Militärverbände im Einsatz.

Ein tibetischer Mönch hält bei einem Protestmarsch in London ein Plakat mit dem Gesicht des Dalai Lama hoch© Carl Court/EPA

China erhebt weiter schwere Vorwürfe gegen den Dalai Lama. Die kommunistische Regierung wirft dem Oberhaupt der Tibeter vor, die Unruhen in Lhasa angezettelt zu haben. Ziel der "Dalai-Clique" sei es, dem Ansehen Chinas vor Beginn der Olympischen Spiele zu schaden, schrieb die Zeitung "Tibet Times" am Sonntag. Es handele sich um einen Kampf auf Leben und Tod "zwischen uns und dem Feind". "Das böse Motiv der Dalai-Clique ist es, in einer sensiblen Zeit Ärger hervorzurufen und sogar Blutvergießen zu verursachen, um Olympia in Peking zu beschädigen", schrieb die Zeitung weiter.

Unruhen im Griff

Die Zeitung "Renmin Ribao" berichtete, die Gruppe um den Dalai Lama nehme die Olympischen Spiele als Geisel, um Zugeständnisse in der Frage der Unabhängigkeit Tibets zu erpressen. Die chinesische Regierung erklärte die Unruhen in Tibet und angrenzenden Regionen unterdessen für eingedämmt. Die meisten dieser Gebiete waren von der Außenwelt abgeschnitten, ein massives Militäraufgebot war im Einsatz. Eine unabhängige Bestätigung der Berichte war nicht möglich.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag, in den betroffenen Gebieten kehre wieder Normalität ein. Im Bezirk Aba in der Provinz Sichuan hätten mehr als die Hälfte der Geschäfte wieder geöffnet. Der Chef der Kommunistischen Partei in dem Bezirk, Kang Qingwei, wurde mit den Worten zitiert, alle Regierungseinrichtungen und wichtigen Unternehmen arbeiteten normal, die Schulen würden am Montag wieder öffnen. Xinhua hatte aus Aba berichtet, dass Polizisten in Notwehr vier Gewalttäter erschossen hätten. Es war das einzige Mal, dass die chinesischen Behörden Schüsse auf Demonstranten einräumten.

Auch in Xiahe in der Provinz Gansu kehre nach Unruhen in der vergangenen Woche wieder Ruhe ein, berichtete Xinhua. "Der Alptraum ist vorbei. Alles scheint Vergangenheit zu sein", wurde ein örtlicher Händler zitiert, Jiang Fuxing. Auch in Maqu in Gansu habe die Regierung wieder die Kontrolle übernommen. 70 Prozent der Läden in der Stadt seien von Gewalttätern zerstört worden, hieß es.

"Der Alptraum ist vorbei"

Die Proteste begannen am 10. März in Tibet. China gibt die Zahl der Toten bei den Unruhen offiziell mit 22 an. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung in Indien wurden 99 Menschen getötet, 80 in Lhasa und 19 in Gansu.

Aus Protest gegen die Niederschlagung der Proteste in Tibet durch China hat eine thailändische Teilnehmerin des olympischen Fackellaufs ihren Rückzug angekündigt. Narisa Chakrabongse erklärte am Sonntag, sie wolle auf diese Weise die Botschaft an die chinesische Regierung senden, dass die Welt ihre Handlungen nicht akzeptiere. In Thailand sollen insgesamt sechs Personen das olympische Feuer tragen. Die Fackel wird im April auf dem Weg nach Peking in Thailand erwartet.

Offiziell 94 Verletzte bei Unruhen in Gannan

Bei Unruhen in dem von Tibetern bewohnten Gebiet Gannan der westchinesischen Provinz Gansu sind nach offiziellen Angaben insgesamt 94 Menschen verletzt worden. Seit Beginn der Proteste vor mehr als einer Woche sei aber nur ein "Zivilist" verletzt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Alle anderen Verletzten seien demnach Angehörige der Polizei oder Funktionäre. In den Orten Xiahe, Machu, Luchu, Jone und Hezuo habe es Ausschreitungen gegeben. Laut Xinhua herrscht nun jedoch Ruhe in Gannan sowie in der ebenfalls betroffenen Region Aba in der Provinz Sichuan. Exiltibetische Organisationen hatten von mindestens 39 Opfern durch Schüsse von chinesischen Truppen in Aba in Sichuan und Machu in Gansu berichtet.

Abstimmung

Sollten die Olympischen Spiele in China boykottiert werden?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
O.Bi (24.03.2008, 13:18 Uhr)
@ Mannebacher
Wenn Sie statt Argumente und Fakten vorzutragen, nur dazu fähig sind jemanden persönlich anzugreifen, brauchen Sie sich nicht wundern, dass mit Ihnen keiner diskutiert, schon gar nicht kontrovers.
Viel Erfolg mit Ihren Beinen in oder auf der von Ihnen gewünschten Substanz.
Nuvla (24.03.2008, 07:27 Uhr)
ganzbaf, das Saarland ...
... war aber nicht etwa "unterdrückt" von Frankreich ? So, wie die Südtiroler auch nicht geknechtet werden von Italien.
Wieso durfte dann das Saarland aber frei bestimmen, das Südtirol hingegen darf es keinesfalls ?
Sie sehen, ganzbaf, mit den Vergleichen ist das so eine Sache. Sie sind alle meistens nicht völlig stimmig.
LaoLu (23.03.2008, 23:58 Uhr)
Zusammenfassung:
@Mannebacher: 1. Wenn einem dann nichts mehr einfällt, kommt der
"von Chinesen bezahlte Agitator"
2. Die Eskalation in Tibet hat sich mir anders dargestellt. Mag sein, daß die Tibeter nicht geschossen haben. Man kann einen Menschen aber auch mit Knüppeln, Messern oder sogar nur mit Fäusten und Stiefeln böse zurichten.
Und,
@tripex, einfache Antwort auf eine einfache Frage: das IOC. Die machen das immer.
tripex (23.03.2008, 21:09 Uhr)
Wer hat den Chinesen
eigentlich das Recht gegeben, die Olympischen Spiele auszutragen? Die haben es einfach nicht verdient. Den Fehler kann man heute sehen und leider nur durch einen Boykott rueckgaengig machen. Leider hat kein Staat den Mumm, einen generellen Boykott auszurufen, also bleibt nur der individuelle der Sportler oder eben der riesigen Masse der Verbraucher, die Unmengen "made in China" kaufen. Ich hoffe immer noch, dass in Zukunft immer mehr und mehr Menschen mit Kopf kaufen. Und wer als Sportler den Mumm hat, eine tibetanische Flagge in Peking zu zeigen verdient allerhoechsten Respekt.
ganzbaf (23.03.2008, 20:42 Uhr)
"Dann wäre er auch legitim....
"...im Baskenland, gegen Spanien ? Und im Südtirol, gegen Italien ?"
---
Bei gleicher Ausgangslage (wie gewaltsame Unterdrückung einer Minderheitenkultur, Religion und Grundrechte etc.)
selbstverständlich!
.
PS: 1955 durfte sich das Saargebiet in einer Volksabstimmung frei entscheiden ob französisch/deutsch oder unabhängig.
(-:
Knuffiman (23.03.2008, 19:10 Uhr)
Nuvla
die hintergründe sind aber doch vollkommen verschiedene. das theater mit den chinesen geht doch schon seit den 15. jahrhundert, wenn ich mich nicht im jahrhundert vergriffen hab. meines wissens duldeten die die tibeter eher eine lehenherrschaft, als das radikale regime der chinesen. bitte um korrektur wenn ich das falsch interpretiere :D
Nuvla (23.03.2008, 18:07 Uhr)
@Knuffiman
"Einverleibung offensichtlich nicht erwünscht". Und deshalb ist ein Aufstand lobens- und begrüssenswert ?
Dann wäre er auch legitim im Baskenland, gegen Spanien ? Und im Südtirol, gegen Italien ?
Motte07 (23.03.2008, 17:40 Uhr)
Eine seltsame Diskussion
Die plötzliche Boykott-Diskussion empfinde ich als extrem heuchlerisch, schliesslich weiß die Welt nicht erst seit heute, was das für ein Regime ist. Man kann nicht blauäugig die Spiele an solch ein Land vergeben und sich dann hinterher wundern und Boykott-Aufrufe starten.
Die Meisten wussten schon 2001, dass China/Beijing die Spiele nicht verdient hat, Paris oder Toronto wären damals schon die bessere Wahl gewesen.
Knuffiman (23.03.2008, 17:15 Uhr)
@ Nuvla
ja aber im märz 1959 passierte das gleiche wie heute. eigentlich war mit china alles anders vereinbart und wurde damals wie heute mit waffengewalt seitens chinas niedergeschlagen. was ich mich frage, "warum gehen die tibeter auf die strasse um friedlich zu demonstrieren ?? ich denke was china macht liegt nicht in ihrem sinn, ergo = protest.
ob es früher ein feudalsystem gab oder nicht, die einverleibung seitens chinas ist von den tibetern offensichtlich nicht erwünscht.
Nuvla (23.03.2008, 17:03 Uhr)
Bis zu seiner Besetzung durch China ...
... war Tibet ein theokratischer Feudalstaat, in dem noch Leibeigenschaft, Sklaverei und Folter herrschten. So sah der Staat des Dalai Lama aus.
Erst die Chinesen haben diesen mittelalterlich strukturierten Staat einigermasssen zivilisiert und wirtschaftlich auf die Beine gebracht.
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