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1. März 2004, 08:52 Uhr

UNO schickt Friedenstruppen nach Haiti

Nach der Flucht von Präsident Aristide hat der Weltsicherheitsrat die Entsendung einer Friedenstruppe nach Haiti beschlossen. Ihr Auftrag: Die Wiederherstellung von Stabilität und Ordnung in dem von Unruhen erschütterten Karibikstaat.

Ausschreitungen in Port-au-Prince© Yuri Cortez/AFP

Zwölf Stunden nach dem Rücktritt von Präsident Jean-Bertrand Aristide sind am Sonntag die ersten internationalen Friedenstruppen in Haiti eingetroffen. Wie Augenzeugen berichteten, landeten nach einer kanadischen Vorhut am Sonntagabend (Ortszeit) zwei Militärflugzeuge mit US-Soldaten auf dem Flughafen von Port-au-Prince. In New York erteilte der Weltsicherheitsrat einer multinationalen "Übergangstruppe" ein Mandat. Sie soll die öffentliche Ordnung sichern, nachdem militante Aristide-Anhänger am Sonntag in der Hauptstadt fürchterlich gewütet hatten. Aristide war nach US-Medienberichten auf dem Weg in die Zentralafrikanische Republik.

In Port-au-Prince bot sich am Sonntag ein Bild der Verwüstung. Die gefürchteten "Chimères", Aristides Schlägertrupps, hatten am Sonntag wahllos um sich geschossen, Häuser ausgeraubt, Banken aufgebrochen, mindestens zwei Tankstellen angezündet und hunderte kleine Geschäfte geplündert und damit die Existenzen der Händler vernichtet. Erst gegen Nachmittag sammelte sich die Polizei, um gegen die Plünderer einzuschreiten. Bis zum Abend war völlig unklar, wie viele Menschen durch den Terror der "Chimères" und den Polizeieinsatz am Sonntag ums Leben kamen.

Zerstörungen in Port-au-Prince

"Es sieht aus, als ob ein Hurrikan durch die Stadt gegangen wäre", sagte eine Bewohnerin des Vorortes Petion-Ville. Die Zerstörungen vom Sonntag seien schlimmer gewesen als während aller Unruhen der vergangenen Tage und Wochen zusammen. Auch Universitätsgebäude wurden geplündert. Die "Chimères" verwüsteten außerdem den privaten Kabelsender Tele Haiti sowie den Radiosender Vision 2000, und sie bedrohten ausländische Journalisten.

Der UN-Sicherheitsrat erteilte der multinationalen Übergangstruppe für Haiti ein Mandat für zunächst drei Monate. Sie soll von den USA geführt und von Frankreich, Kanada sowie mehreren Mitgliedern des karibischen Staatenbundes (CARICOM) verstärkt werden. Ihre Aufgabe ist es, in dem Karibikstaat für Ruhe und Ordnung zu sorgen und die Versorgung der Bevölkerung durch die Vereinten Nationen und andere Hilfsorganisationen zu ermöglichen. Nach Ablauf des Mandats wollen die Vereinten Nationen eine Friedenstruppe nach Haiti entsenden.

Aristide hatte am Sonntagmorgen erst nach stundenlangen Verhandlungen mit französischen und amerikanischen Diplomaten seinem Rücktritt zugestimmt, der dann von Premierminister Yvon Neptune verkündet wurde. Nach Informationen aus Oppositionskreisen drohten die Diplomaten Aristide mit einer Anklage wegen Drogenhandels, falls er nicht freiwillig gehe. Ein Mitarbeiter des Kontrollturms des Flughafens berichtete, Aristide sei in Handschellen zum Flugzeug geführt worden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Bangui: Aristide landet in Zentralafrikanischer Republik

Der zurückgetretene haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide ist heute in der Zentralafrikanischen Republik eingetroffen. Dies meldete der staatliche Rundfunk in Bangui. Aristide sei mit seiner Frau und drei weiteren Begleitpersonen angekommen. Quellen für die Meldung wurden nicht genannt.

Sicherheitsbeamte am Flughafen von Bangui erklärten, die Maschine mit Aristide an Bord sei gegen 7.15 Uhr gelandet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP konnte das Flugzeug auf dem Rollfeld beobachten. Ein Auto des Außenministeriums der Zentralafrikanischen Republik fuhr am Flughafen vor.

Die Zentralafrikanische Republik war eines der Länder, über die als mögliches Exil für Aristide spekuliert worden war. Der bisherige haitianische Präsident hatte nach dreiwöchigen Unruhen am Sonntag dem Druck der Rebellen und des Auslands nachgegeben und sein Land verlassen. Seine Amtsgeschäfte übernahm der Vorsitzende Richter am Obersten Gerichtshof Haitis, Boniface Alexandre.

 
 
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