HOME

Tuareg und Islamisten rufen Gottesstaat aus

Ein Land im Chaos: Seit Monaten regieren in Mali die Waffen. Nach einem Militärputsch ist der Norden des Landes in der Hand von Islamisten und bewaffneten Rebellen. Gemeinsam haben diese einen islamistischen Staat ausgerufen.

In Mali haben sich die Tuareg-Rebellen und die Islamistengruppe Ansar Dine nach Angaben des britischen Medienunternehmens BBC zusammengeschlossen und auf die Errichtung eines islamischen Staates im Norden des Landes geeinigt. In der Stadt Gao sei ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet worden. "Wir sind für die Unabhängigkeit von Azawad", erklärten sie darin, "wir akzeptieren den Islam als Religion". Der Koran sei die "Quelle des Rechts". Das Abkommen wurde mit Salutschüssen gefeiert, wie Augenzeugen berichteten.

"Es stimmt, dass ein Abkommen unterzeichnet worden ist", sagte ein Kommandeur der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) in Timbuktu der BBC. Oberst Bouna Ag Attayoub erklärte: "Die Islamische Republik Azawad ist nun ein unabhängiger, souveräner Staat."

Die Vereinbarung wurde den Angaben zufolge in der Stadt Gao getroffen, die die Rebellen Anfang April zusammen mit den beiden anderen strategisch wichtigen Städten Kidal und Timbuktu eingenommen hatten. Schon wenige Tage später hatten die Islamisten angekündigt, in den eroberten Gebieten die Scharia einführen zu wollen. Dagegen hatte sich die MNLA bisher gesträubt. Was die jetzt getroffene Vereinbarung genau vorsieht, war zunächst unklar.

Verbindungen zu al Kaida

Flüchtlinge aus Gao hatten bereits im April erklärt, dass nun im Norden Malis das islamische Recht gelte. Frauen dürften sich nicht mehr kleiden, wie sie wollten und müssten ihren Kopf bedecken. Bars und Nachtclubs in Gao seien dem Erdboden gleichgemacht worden, erklärten Malier, die in Niger Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt sind bereits 300.000 Menschen aus der Region geflohen.

Der Separatistengruppe Ansar Dine werden Verbindungen zur Terrororganisation al Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Die Islamisten hatten die MNLA nach dem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako am 22. März bei der Eroberung von Nord-Mali unterstützt. Das Gebiet, das die Rebellen für sich beanspruchen und das sie "Azawad" nennen, reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger, der außerhalb von Timbuktu verläuft.

Das westafrikanische Mali steckt in der Krise, seit es einer Gruppe von Soldaten im März gelungen war, die Macht an sich zu reißen und Präsident Amadou Toumani Touré zu stürzen. Die Putschisten warfen Touré vor, die Tuareg-Rebellen und bewaffnete Islamisten im Norden des Landes nicht ausreichend bekämpft zu haben. Nach dem Putsch gelang es diesen dann binnen Tagen, Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen.

ono/DPA/AFP/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren