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Charles Taylor kommt nie wieder frei

Der frühere liberianische Machthaber Charles Taylor muss weitere 44 Jahre im Gefängnis verbringen. Das UN-Tribunal verurteilte den 64-Jährigen wegen seiner Kriegsverbrechen.

Der frühere liberianische Präsident Charles Taylor wird wohl den Rest seiner Tage hinter Gittern verbringen: Das UN-Tribunal für Sierra Leone verkündete am Mittwoch in Den Haag, dass der 64-Jährige wegen Kriegsverbrechen 50 Jahre ins Gefängnis muss. Da das Gericht ihm die bereits abgesessene Zeit anrechnete, bleiben knapp 44 Jahre. Er kann allerdings in Berufung gehen. Die Staatsanwaltschaft hatte 80 Jahre gefordert.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit Taylors Mitschuld an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bürgerkrieg Sierra Leones. Zwar habe Taylor die Täter lediglich unterstützt, jedoch bringe seine damalige Position als Präsident Liberias besondere Verantwortung mit sich.

Mit "Blutdiamanten" bezahlt

Taylor unterstützte die Kriegsherren im Nachbarland und ließ sich mit "Blutdiamanten" bezahlen. In dem mehr als zehnjährigen Konflikt mordeten, vergewaltigten und verstümmelten Milizen die Bevölkerung und zwangen Kinder zum Dienst als Soldaten. Mehr als 50.000 Menschen wurden getötet.

Taylor ist das erste ehemalige Staatsoberhaupt, das seit den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg von einem internationalen Gericht verurteilt wurde. Er musste sich für seine Taten im Zeitraum zwischen November 1996 und Januar 2002 verantworten. Taylor war bereits im April schuldig gesprochen worden.

Er hatte die Vorwürfe immer wieder als "Lug und Trug" bezeichnet. In einen schwarzen Anzug gekleidet und mit goldenen Manschettenknöpfen ausgestattet nahm er das Urteil mit geschlossenen Augen entgegen. Zuletzt hatte er Mitte Mai erklärt, er habe "alles für den Frieden" in Sierra Leone getan. "Jesus Christus wurde in seiner Zeit vorgeworfen, ein Mörder zu sein", sagte Taylor einmal der BBC.

fw/DPA/Reuters/AFP/DPA/Reuters

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