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25. September 2008, 07:41 Uhr

Bush schlägt Alarm - Krisentreffen

Wahlkampf-Moratorium von John McCain, überraschende TV-Ansprache des Präsidenten und ein Krisentreffen im Weißen Haus: Die Sorge vor einem Kollaps der Wirtschaft lässt in Washington die Alarmglocken schrillen. US-Präsident George W. Bush warnte vor dramatischen Folgen der Finanzkrise und rief Demokraten und Republikaner zum Schulterschluss auf.

Wird das Fernseh-Duell zwischen Obama und McCain abgesagt? Die Finanzkrise wirbelt auch den US-Wahlkampf durcheinander© Paul J. Richards/AFP

US-Präsident George W. Bush hat in einer überraschend einberufenen Fernsehansprache vor dramatischen Konsequenzen in der schwelenden Finanzkrise gewarnt. Falls sich Kongress und Regierung nicht "so schnell wie möglich" auf das vorgeschlagene 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket einigen könnten, drohe eine Rezession mit kaum absehbaren Folgen. "Unsere gesamte Wirtschaft ist in Gefahr."

"Millionen Amerikaner könnten ihren Arbeitsplatz verlieren", sagte Bush am Mittwochabend (Ortszeit). Zudem drohe Panik auf dem Finanzsektor. Zugleich lud Bush die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain zu einem Dringlichkeitsgespräch ins Weiße Haus ein. Das Treffen sei gemeinsam mit anderen Senatoren für Donnerstag (21.55 Uhr MESZ) vorgesehen. Ziel sei es, eine schnelle Verabschiedung des Rettungsplans zu erreichen. Wie der TV-Sender CNN meldete, haben beide Kandidaten bereits zugesagt, nach Washington zu kommen.

McCain unterbricht Wahlkampf

Die Finanzkrise überschattet immer mehr den Präsidentschaftswahlkampf: Angesichts der ernsten Lage und der stockenden Beratungen über einen Rettungsplan hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat McCain seinen Wahlkampf unterbrochen. Er werde sich persönlich in die Beratungen zwischen Kongress und Regierung einschalten.

Zugleich forderte der 72-jährige Senator McCain, die für Freitag geplante erste Fernseh-Debatte mit seinem demokratischen Gegner Barack Obama zu verschieben. Dies lehnte Obama, der ebenfalls dem Senat angehört, ab. "Das ist genau die Zeit, in der die Amerikaner etwas von uns hören wollen", begründete der 46-jährige schwarze Senator seine Haltung. Kommentatoren im US-Fernsehen gehen davon aus, dass die Debatte wie geplant stattfindet.

In einer gemeinsamen Erklärung appellieren beide Kandidaten, die Parteipolitik hinter sich zu lassen und zusammenzuarbeiten. "Jetzt ist die Zeit, dass Demokraten und Republikaner im Geist der Zusammenarbeit zum Wohle des amerikanischen Volkes zusammenkommen", hieß es in der von einem Obama-Sprecher verbreiteten Erklärung. Das von der Regierung vorgelegte 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket sei zwar fehlerhaft, dennoch dürften die Bemühungen um eine Lösung nicht fehlschlagen. "Wir dürfen keine wirtschaftliche Katastrophe riskieren."

Demokraten einigen sich auf Entwurf für Rettungsplan

Das erst am vergangenen Freitag von der Regierung vorgeschlagene Rettungspaket ist im Kongress auf scharfe Kritik von Demokraten und Republikanern gestoßen. Zwar herrscht grundsätzliche Bereitschaft zu schnellem Handeln, doch gibt es ernste Einwände. Vor allem wird eine parlamentarische Aufsicht über das Milliardenprogramm an in Not geratene Bankhäuser gefordert. Außerdem müssten die Manager solcher Finanzinstitute, denen unter die Arme gegriffen wird, auf ihre extrem hohen Gehälter verzichten. Vor allem die Demokraten verlangen auch Hilfen für Hausbesitzer, die im Zuge der Krise in Not geraten sind.

Die Demokraten einigten sich am Abend auf einen eigenen Gesetzesentwurf. Die Partei verfüge über genügend Stimmen, um den Vorschlag zu verabschieden und ihn Präsident George W. Bush zur Unterzeichnung vorzulegen, sagte der demokratische Vorsitzende des Finanzmarktausschusses des Repräsentantenhauses, Barney Frank. Er erklärte weiter, die von der Regierung angestrebten 700 Milliarden Dollar könnten schrittweise zur Verfügung gestellt werden. Zudem seien Kontrollmechanismen nötig. Zwar müssten noch einige Details geklärt werden, dies könne jedoch schnell geschehen. Für Donnerstag sei ein Treffen mit den Republikanern geplant.

"Ich bin ein starker Anhänger des freien Unternehmertums", sagte Bush. Daher habe auch er zunächst Einwände gegen das staatliche Hilfsprogramm gehabt. "Aber derzeit herrschen keine normalen Bedingungen". Deshalb habe er sich für die geplanten Eingriffe der Zentralbank entschieden.

"Lasst uns die Politik beiseite stellen", begründete McCain die Unterbrechung seines Wahlkampfes. "Es ist Zeit, dass beide Parteien zusammenkommen". Er verglich die derzeitige Finanzkrise mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Jetzt sei erneut Patriotismus und gemeinsames Zusammenrücken notwendig. Auch Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke hatten am Mittwoch erneut zu einer raschen Einigung aufgerufen.

Wie es heißt, will McCain "alle Parteiauftritte und TV-Werbespots" für die nächsten Tage aussetzen. TV-Kommentatoren werteten den Schritt des 72-Jährigen als einen Versuch, sich als "staatsmännischer Retter" zu präsentieren, der die Streitereien der Politik überwinden könne. Man erwarte von dem langjährigen Senator jetzt besonderen Einsatz. "Allerdings ist McCains Strategie mit erheblichen Risiken verbunden", meinte ein CNN-Kommentator.

joe/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
ecomoc4u (26.09.2008, 08:04 Uhr)
@man sollte nicht vergessen...
das am 9/11 feige terroristen einen letzten versuch unternahmen, den dollar nochmals dem währungsangleich an den euro zu entziehen.
.
als rahmenbedingung für dieses pompöse spektakel wurde islamischer terror, börsencrash und krieg gegen araber gewählt.
gmathol (26.09.2008, 02:30 Uhr)
@man sollte nicht vergessen...
...das Bush Helfeshelfer in Europa hatte! Dazu gehoert neben Schroeder auch die geradezu unterwuerfige jetztige Kanzlerin.
Das Steinbrueck jetzt auftritt und Unsinn redet pass genau ins Bild.
Geld kann man schnell einsparen: Streichung bei Militaer und Beendigung des Afghanistankrieges, keine Subventionen mehr fuer deutsche Spielbanken und um Himmels Willen setzt die Manager der KfW endlich an die Luft.
gmathol (26.09.2008, 02:26 Uhr)
Bush Heist: Give us the money or we fear you to death!
Die Bush Praesidentschaft geht so zu Ende wie sie begann, mit Dummheit.
Fragt sich nur was Cheney und seine Mossad Gehilfen noch an Terroranschlaege in den USA oder sonstwo planen.
Schaeuble hat ja Cheney mal besucht!
verdad (25.09.2008, 18:03 Uhr)
wie lange noch
wer interessiert noch was diese wahnsinnige denkt
bei die UN Treff haben so weizen Leute geredet, wichtige Sachen für unsere Welt aber hier werden noch an eine verrückter hängen, aufwachen deutschland!
MrPommeroy (25.09.2008, 15:37 Uhr)
@ Nightmare online
Auch mit Deinem letzten Kommentar gehe ich ziemlich konform. Wobei ich Unkenntnis relativieren würde durch den „naiven Versuch, dort Demokratische Strukturen einzuführen“. Es hätte (mit viel Glueck) auch klappen können, hinterher ist man immer schlauer und eine Anleitung gibt es nicht. Das wird sich aber noch zeigen. Zumindest gab es wohl keinen Plan b für ein Nichtaufgehen der Demokratisierung / Befriedung.
Was den privaten Grund angeht: man kann es sich bei einem Flachgeist wie Bush vorstellen, kennt aber nicht die tatsächliche Macht des Präsidenten in den ihm umgebenden Gremien, bzw. – und das ist bei Bush wohl kritisch – dessen Anfälligkeit Fremdmeinungen unkritisch zu übernehmen, sich beeinflussen zu lassen. Ich denke, wenig Präsidenten füllen dieses Amt mit voller Würde aus, aber entscheidend ist das Umfeld, das sie sich aus Beratern und Gremien schaffen. Und hier kann man, Stichwort „neocons“, auch „industrielle Verknüpfungen“ bei Bush nur die Hände über den Kopf schlagen. Die sind alle sehr stark ideologisch verbohrt bis hin zu Condi. Du hast Powells‘ Abgang zurecht angesprochen.
Jedenfalls nutzt Bush auch die typischen amerikanischen Reflexe in einer Situation wie 9/11 „hervorragend“ für seine Linie aus. Hoffentlich ists bald vorbei.
nightmare_online (25.09.2008, 13:54 Uhr)
@Endbenutzer
Ich glaube noch nicht mal das es bei den US-Ölkonzernen Befürchtungen bezüglich Gewinneinbrüchen gab. Es gab schlicht die Gier nach noch mehr Gewinnen. Und dafür (nicht nur aber auch) sind ein paar hundert Tausend Iraker gestorben, und ein paar Tausend US-Bürger.
endbenutzer (25.09.2008, 13:45 Uhr)
@Putinki:
"..Die Konsequenz wird sein, dass Sie und wir alle ärmer werden müssen, damit die Ärmsten menschenwürdig leben können..."
.
Ich gebe gerne ein Stückchen ab. Das muss aber nicht heißen, dass wir automatisch deswegen gleich "ärmer" werden müssen. Auch wieder so ein Totschlag-Argument. Immer schön die Angst schüren arm zu werden. Dabei haben im Grunde genommen doch nur die multinationalen Großkonzerne (und die Freunde deines Lieblingspräsidenten) Angst, etwas von ihrem Profit abgeben zu müssen..
Putinki (25.09.2008, 12:51 Uhr)
nightmare_online, endbenutzer
Sie und ihre Freunde sind auf dem richtigen Weg. Sie haben erkannt, dass jedes Land ersteinmal an sich denkt (vor allem die USA).
Dann sollen die Rohstoffländer nicht ausgebeutet werden. Das ist auch richtig und ALLE westlichen Industriestaaten müssen da ein sehr schlechtes Gewissen haben. Dann sollten diese Staaten auch ihre Handelsrestriktionen lockern, damit die armen Länder auch etwas vom Wohlstand haben. Das ist auch richtig.
Sind Sie bereit, die Konsequenzen ohne großen Palaver zu akkzeptieren und ohne sich hinter utopischen Traumlandschaften zu verstecken? Die Konsequenz wird sein, dass Sie und wir alle ärmer werden müssen, damit die Ärmsten menschenwürdig leben können.
tricky_dude (25.09.2008, 11:35 Uhr)
@endbenutzer
"übers Ohr hauen..."
Ich frage mich vor allem ob man andere Völker aufs Maul hauen muß, für niedrige Rohstoffpreise. Betrachte man die Verluste, Kriegskosten und folgende Kosten dann ist das ein kaufmännisches Verlustgeschäft.
nightmare_online (25.09.2008, 11:33 Uhr)
@MrPommeroy
Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Der Mix der verschiedenen Interessen, der zur Invasion im Irak geführt hat, ist in der Tat das Problem, weil die Komplexität der ganzen Geschichte gegen unendlich erhöht wird. Ich glaube z.B. das die Ideologie der Neocons bezüglich der heilsbringeden Wirkung der Demokratie (oder was die Kerls dafür halten) und der "freien Marktwirtschaft" in Kombination mit der Unkenntnis über die reale Lage dort ebenfalls eine relevante Rolle gespielt hat.
Meine These ist aber, das neben den von Ihnen genannten Interessen dieser feine Herr ganz persönliche, private hatte.
Was den erhobenen Zeigefinger angeht, der hier in den Beiträgen (aber auch anderswo) erhoben wird, na also, das ist doch die ultimative Spezialität dieses Landes und seiner Bürger. Vor allem wenns um die moralischen Verfehlungen andere geht. :-)
Das gerade D - zumindest allgemein gesprochen - von der US-Poltik profitiert, ist klar. Ob das in diesem Fall ebenfalls so ist bezweifle ich allerdings.
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