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20. November 2004, 11:13 Uhr

Krieg in der CIA

Es herrscht Aufruhr bei der CIA. Top-Agenten reichen aus Protest gegen den neuen Direktor Porter Goss und die Politik des Weißen Hauses ihre Rücktritte ein. Die Zeit der Abrechnung hat begonnen. Von Katja Gloger, Washington

Vereidigung im Weißen Haus: Präsident George W. Bush, CIA-Direktor Porter Goss mit seiner Ehefrau Mariel, Stabschef Andrew Card (v.l.n.r.)© Roger L. Wollenberg/UPI/Gamma

Von Lügen und Intrigen ist die Rede, Von Krieg und Säuberungen. Von einer "Schurken-Organisation" und einem "Aufstand gegen den Präsidenten" Wohlwahr: Die Ereignisse bieten Stoff für einen Thriller der Extraklasse. Und die Hauptrolle spielt der US-Geheimdienst CIA.

Denn was im Moment im CIA-Hauptquartier Langley am idyllischen Westufer des Potomac-Flusses passiert, kann den ohnehin ziemlich ramponierten Ruf des Geheimdienstes vollends ruinieren. Die Moral ist ohnehin schon ganz unten. Und das in Zeiten, in denen die USA den weltweiten Krieg gegen den Terror führen.

Es herrscht Aufruhr bei der CIA, dem wohl immer noch wichtigsten Geheimdienst der Welt: Acht hochrangige Mitarbeiter haben ihren Rücktritt eingereicht. Am vergangenen Freitag räumte CIA-Vizedirektor John McLaughlin nach 32 Dienstjahren seinen Posten. Er führte "persönliche Gründe" an - die nur mühsam verschleiernde Floskel für einen Riesenkrach mit dem neuen CIA-Direktor Porter Goss. Auch die beiden hoch angesehenen stellvertretenden Chefs der für die weltweite Spionage zuständigen "Direktion für Operationen" Stephen Kappes und Michael Sulick nahmen ihren Hut. Ihr Vorgesetzter James Pavitt war nach 31 Dienstjahren schon im Sommer zurückgetreten. Seitdem warnt er: es herrsche ein Klima von "Boshaftigkeit und Rachsucht, schlimmer, als ich es jemals erlebt habe."

Vieles spricht dafür, dass auch in der CIA die Zeit der Abrechnung begonnen hat. Nach dem klaren Wahlsieg Bushs wird die politische Kontrolle hergestellt. Zu offenkundig schien den Politstrategen im Weißen Haus in den vergangenen Monaten die angebliche Obstruktion aus den Reihen der CIA, zu unbotmäßig die öffentliche Kritik am Irak-Krieg des Präsidenten, zu pessimistisch die Prognosen. Da bezeichnete der republikanische Senator John McCain die CIA als "Schurken-Organisation" - gleich nach "Schurkenstaaten" wie Nordkorea oder Iran. Und das konservative Wall Street Journal sah in der CIA gar "einen Quell des Aufstandes gegen den Präsidenten" – das klang schon fast so, als befinde man sich im Irak.

Für Bush, für den bedingungslose Loyalität als politisches Prinzip gilt sowie für seine Leute im Weißen Haus schien die CIA als Haufen oppositioneller Demokraten, die nur darauf warteten, dass Bush die Wahl verliere. Hatte da nicht ein hochrangiger Mitarbeiter als "Anonymus" ein Buch geschrieben, in dem er die Fehler im Kampf gegen den Terror anprangerte und die Arroganz der politischen Führung beklagte? Hatte nicht eben jener "Anonymus" Michael Scheuer auch noch reihenweise Bush-kritische Interviews geben können und damit sein Buch in die Bestsellerlisten katapultiert?

Indiskretionen aus dem Innenleben des Geheimdienstes häuften sich. Nicht die CIA allein habe die Fehleinschätzungen im Vorfeld des Irak-Krieges zu verantworten, hieß es, sondern die politisch gewollte Zuspitzung aus dem Pentagon und dem Weißen Haus. Dort seien die eigentlich Verantwortlichen zu suchen. Und schlimmer noch: Im Juli, während Wahlkämpfer Bush hartnäckig die angeblichen Erfolge im Irak pries ("Die Freiheit marschiert") fand ein Geheimdienst-Memorandum seinen Weg in die Öffentlichkeit, in dem genau das Gegenteil stand: in den kommenden 18 Monaten werde sich die Lage im Irak dramatisch verschlechtern, hieß es im wichtigen "National Intelligence Estimate", der Lageeinschätzung, die eigentlich nur für den Präsidenten bestimmt ist.

Viele in der CIA meinen, sie müssen jetzt die katastrophalen Fehler des Präsidenten und seiner Gefolgsleute ausbaden. Denn vor dem Irak-Krieg habe man sich die Kritik gefallen lassen müssen, die CIA sei zu vorsichtig mit ihren Einschätzungen, könne keine handfesten Informationen liefern. Dann hieß, die CIA habe ihre dürftigen Informationen manipuliert, um es dem Präsidenten recht zu machen.

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