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3. September 2009, 19:12 Uhr

Messias mit schlechten Werten

Gesundheitsreform, Afghanistan, Haushaltsdefizit: Selten ist ein Präsident in den USA so schnell in Ungnade gefallen wie Barack Obama. Nun läuft ihm die Zeit davon und er muss auf volles Risiko gehen. Von Katja Gloger

 
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Allein auf weiter Flur: Barack Obama muss derzeit an sehr vielen Fronten kämpfen© Alex Wong/Getty Images

Jeder hört es, jeder sagt es, jeder weiß es - und doch tut es immer wieder weh. Jener Prozess im Leben eines Politikers, den man "Ankunft in der Realität" nennt. Noch ist jeder amerikanische Präsident vom Gipfel seiner fast königlichen Amtseinführung auf den harten Boden der Tatsachen geplumpst. Und meistens hat es kaum länger gedauert als ein erstes halbes Jahr. Mehr als verlängerte Flitterwochen mit dem amerikanischen Volk war keinem vergönnt.

Es war also vorauszusehen, dass sich auch Barack Hussein Obama entzaubern würde. Einmal im Amt, in den Schraubstöcken der Macht, würde er das sorgsam gepflegte Image des Messias verlieren. Und wenn es nach seinen Beratern ging, dann sollte er das auch: denn auch Obama, der Präsident, sei schließlich nur ein Politiker - angewiesen auf Mehrheiten, auf Kompromisse. Ein Absturz war also vorauszusehen.

Niemand hätte erwartet, dass es so schnell gehen würde

Aber niemand hätte erwartet, dass es schnell gehen würde, so rasant. Innerhalb von nur vier Monaten sank seine Zustimmungsrate um acht Prozentpunkte auf nunmehr 53 Prozent. Heute glauben 59 Prozent aller Amerikaner, dass ihr Land in die falsche Richtung geht. "Schon in den ersten neun Monaten seiner Präsidentschaft hat er sein politisches Kapital aufgebraucht”, analysiert George W. Bushs einstiger Ober-PR-Stratege Karl Rove nahezu genüsslich: " Und dabei steht ihm die härteste Arbeit noch bevor. Ein gigantischer Sturm braut sich zusammen. Ein perfekter Sturm. Und er kommt genau auf die Demokraten zu."

Es war ein schlechter August für Obama, ein brandgefährlicher August. Als ob ihm in diesem August die Kontrolle entglitten sei. Erst hat er die Linke in seiner Partei enttäuscht. Seine präsidiale Vorsicht etwa, wenn es um Verfahren gegen mögliche Folterer der CIA und der Befehlsgeber im Weißen Haus ging. Diese Rücksicht wurde ihm als Nachsicht ausgelegt - und als machtpolitisches Kalkül.

Grandioser Sieg für Obama? Von wegen!

Er wusste zwar, sein größtes Projekt würde auf maximalen Widerstand stoßen: die Gesundheitsreform. Endlich eine Krankenversicherung für jeden Amerikaner, das hatte Obama während des Wahlkampfes versprochen, jeden Tag neu. Ein Gesetz sollte noch vor der Sommerpause im Kongress erarbeitet und verabschiedet werden, überparteilich, patriotisch - ein grandioser Sieg für Obama. Von wegen.

Denn dann begannen die Townhall Meetings. In den Wahlkreisen sind sie im Sommer eine Institution. Abgeordnete legen dabei Rechenschaft über ihre Arbeit im Kongress ab, und normalerweise ist es dort stickig wie langweilig. In diesem Sommer aber trafen die Abgeordneten aus Washington auf einmal auf tobende Bürger, zornig, schreiend, einige hatten sogar Waffen dabei, es kam zu Handgemengen. Abgeordnete, Senatoren kamen nicht zu Wort, ein paar schienen aufrichtig entsetzt über die Wut, die ihnen da entgegenschlug, Es war ein Aufstand gegen die geplante Gesundheitsreform, ein gut organisierter Aufstand von rechts. Zum ersten Mal musste Obama, Über-Kommunikator der Nation, zurückstecken. Er hatte noch nicht einmal etwas zu verteidigen: Bis heute gibt es keinen einheitlichen Gesetzesentwurf. Gleich mehrere Vorschlage, je Tausende von Seiten dick, kursieren in mehreren Ausschüssen, erst am 15. September soll ein Entwurf vorliegen, und auch das ist nicht gewiss. "Obama verbrachte wohl mehr Zeit damit, seinen Hund auszusuchen als mit der Reform der Krankenversicherung", höhnt der republikanische Gouverneur Haley Barbour aus Mississippi.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Obama gegen die Kritik plant und warum die Amerikaner so vehement gegen eine Krankenversicherung sind

Seite 1: Messias mit schlechten Werten
Seite 2: Obama zeigt sich nicht mehr
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
bernie-abg (04.09.2009, 08:45 Uhr)
@PreachTheGospel...
...geh beten, aber halt dich aus der Politk raus denn davon hast du keine Ahnung.
Btw. die USA stecken in dem großen Schlamassel weil sich zu viele deiner Sorte in die Politik eingemischt haben!
GrundlRoland (04.09.2009, 08:39 Uhr)
Obama
Es war doch zu erwarten, daß Wirtschaft, Big-Oil, die Republikaner mit ihrer religiösen Eifererbasis mit den sicherlich finanzierten Medien mobil gegen Obama machen. Die Reichen fürchten halt daß sie in Zukunft eventuell nicht mehr soviel abkassieren können. Also muß über die Medien versucht werden dies zu beeinflußen.
Dies ist dasselbe Drehbuch wie in Deutschland.
romeodelta (04.09.2009, 08:33 Uhr)
Yes we can
nur die tatsächlichen "Strippenzieher der Macht" sagen "no you can't"
jetrabbit (04.09.2009, 04:26 Uhr)
was bush hinterlassen hat
kann selbst ein messias nicht mehr korrigieren... das war der gipfel des despotentums.
Oagnehm (04.09.2009, 04:08 Uhr)
Worum geht's eigentlich?
In Deutschland ist seit Helmut Schmidt kein
Politiker mit Format in den Medien erschienen.
Barak Obama ist ein intelligenter Politiker mit besten Absichten.
Die Kleinschreiber hierzulande kennen so etwas gar nicht, und sollten sich deshalb auf den Merkel?schen Dorfzirkus beschraenken.
JimPanse (04.09.2009, 00:17 Uhr)
Eigentlich habt ihr beide Recht...
...und wieder Keiner. Wenn man im Sturm steht und mit dem Dreck aufräumen will, muss man sich zuweilen auch schmutzig machen. Es gibt wohl zuviele Nebenkriegsschauplätze. Das es kein Prozess von ein paar Monaten wird scheinen alle Kritiker nicht zu verstehen, mahnen zur Weitsicht, motzen aber über keine raschen Ergebnisse. Das er sich selber nie als "Heilland" verkauft hat, sondern stets von realen Problemen und VIEL Arbeit geredet hat, hat wohl auch keiner gehört. Wer erwartet dass der jahrelange Mist von Bush innerhalb von 9 Monaten zu beseitigen wäre hat Politik nicht verstanden. Daher sollte man froh sein, dass überhaupt der WILLE da ist Veränderung zu wollen und ihm Zeit geben.
chatahootchee (03.09.2009, 20:42 Uhr)
PROBLEM: ALLES AUF EINMAL
Das hat sich der Erloeser wohl selbst eingebrockt: Alles auf einmal zu loesen. Er will die Krise(n) bewaeltigen, die Gesundheitsreform bewaeltigen (wo doch die wenigstem Amerikaner wissen, worum es geht), er will in Israel-Palestina vermitteln, und, und, und.
Er hat sich linke Idioten als Czar geholt und sich mit Nancy Pelosi verbuendet. Sogar seine eigene Partei, die Demokraten !! @Josh62) hat Probleme mit ihm, dem Erloeser.
Mein Ratschlag: Geplanter vorgehen und nicht alles in den ersten 6 Monaten regeln wollen.
Josh67 (03.09.2009, 20:08 Uhr)
Er sollte
mit eisernem Besen ausfegen und das ganze Lobbiistengesocks entfernen und den Rebuplikanern entschlossen entgegentreten!
Ich hoffe er knickt nicht ein!
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