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22. Juli 2009, 18:26 Uhr

Obama bangt um Jahrhundertreform

Sechs Monate nach seinem Amtsantritt bläst Barack Obama ein harter Wind ins Gesicht. Längst nicht alles, was der US-Präsident angepackt hat, ist ihm geglückt, siehe Arbeitslosigkeit, Guantánamo oder Afghanistan. Und nun steht mit der Gesundheitsreform auch noch sein wichtigstes innenpolitisches Projekt auf der Kippe.

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Gegenwind für den Präsidenten: Obamas Pläne für eine Gesundheitsreform stoßen mittlerweile selbst bei Demokraten auf Skepsis© Chip Somodevilla/Getty Images

Es könnte seine erste große Schlappe werden, verbunden mit einem Einbruch seiner Autorität. Noch gibt sich Barack Obama optimistisch und kampfeswillig, der US-Präsident hat die Gesundheitsreform zur Chefsache gemacht, doch er ist in die Defensive geraten. Beinahe täglich tritt er vor die Kameras, muss sein Vorhaben verteidigen. "Es wird noch viel mehr schlaflose Nächte geben", sagte er vor einigen Tagen voraus. Ein halbes Jahr ist Obama im Amt, doch nicht alle Projekte sind ihm gelungen. Mit der Gesundheitsreform steht jetzt sein zentrales innenpolitisches Reformwerk auf dem Spiel. Noch vor der Sommerpause sollen wichtige Entscheidungen fallen - für Obama sind die bisher kritischsten Wochen seiner Amtszeit angebrochen. Schon sprechen viele von einem Showdown. "Was ist, wenn die Reform scheitert?" fragt der TV-Sender CNN.

Befürworter nennen es eine "Jahrhundertreform", Kritiker fürchten den Weg in die Staatspleite - die Debatte ist zum ideologischen Glaubenskrieg geworden. Doch es sind nicht nur Republikaner, Industrielle oder Ärzte, die sich querlegen. Es sind Senatoren und Abgeordnete aus den eigenen Reihen, die der Mut verlässt. "In jedem Rennen sind die letzten Meilen die härtesten", versucht Obama zu beruhigen. Das klingt wie das Pfeifen im Walde.

Obamas Reformpläne spalten Amerika

Neueste Umfragen besagen, dass die Hälfte der Amerikaner Obamas Reformpläne ablehnt, lediglich 44 Prozent stehen hinter ihm. 20 junge demokratische Abgeordnete schrieben kürzlich einen Brief, in dem sie "erhebliche Bedenken" äußern und vor negativen Folgen für die Wirtschaft warnen. Steigende Kosten für Versicherungen würden die ohnehin krisengeschüttelten Unternehmen zusätzlich belasten. Jüngste Vorschläge, die Reform durch eine "Reichensteuer" zu bezahlen, lösten unter Demokraten Bauchschmerzen aus - bei Republikanern freilich einen Sturm der Entrüstung.

Dabei ist die Einsicht, dass eine Reform überfällig ist, in beiden Lagern verbreitet: Die jährlichen Gesundheitsausgaben belaufen sich auf über zwei Billionen Dollar (1,4 Billionen Euro), verbrauchen ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts - es ist das mit Abstand teuerste Gesundheitssystem der Welt. Die Pro-Kopf-Ausgaben sind rund doppelt so hoch wie in Deutschland. Doch 46 Millionen von 300 Millionen Amerikanern sind ohne Krankenversicherung. Schwindelerregende Arzt- und Krankenhauskosten zwingen immer mehr Amerikaner dazu, ihre Häuser zu verkaufen. Die galoppierenden Ausgaben gefährden "die finanzielle Stabilität des Staates", warnt Obama.

Der Haken: Auch die Reform kostet Geld, das nicht vorhanden ist. Mehrere Entwürfe, die derzeit in beiden Parlamentskammern beraten werden, beziffern die Kosten für die nächsten zehn Jahre auf sage und schreibe eine Billion Dollar. Die Strategie, den teuren Privatkassen mit einer staatlichen Kasse Konkurrenz zu bieten, brandmarken Republikaner als "sozialistisches Machwerk". Die Positionen haben sich verhärtet, eine Einigung wird zusehends schwieriger.

"Mister Präsident, es ist Zeit, das Gesetz vom Tisch zu nehmen", appellierte John Boehner, republikanischer Fraktionschef im Repräsentantenhaus. Die Republikaner sehen die Debatte als Chance, nach der Wahlniederlage im November endlich aus dem Tal der Tränen zu gelangen. Auch das erschwert eine vernünftige Kompromisssuche.

Begeisterung für Obama lässt nach

Kein Zweifel, dem Präsidenten bläst der Wind ins Gesicht. Noch ist Obama populär, doch jüngste Umfragen zeigen, dass seine Beliebtheit sinkt. Als er im Januar ins Weiße Haus einzog, stimmten noch 81 Prozent der Amerikaner seiner Politik zu, heute sind es nur noch 55 Prozent, wie aus einer in Washington veröffentlichen Studie des Instituts GfK Roper Public Affairs & Media hervorgeht. Der Rückgang lasse Zweifel aufkommen, ob Obama seine wichtigsten und schwierigsten Ziele - die Durchsetzung einer Gesundheitsreform und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit - erreichen könne, analysierten die Autoren der Studie. Eine Mehrheit der Amerikaner ist demnach wieder der Ansicht, dass sich die USA auf einem falschen Kurs befinden. 54 Prozent der Befragten vertreten diese Meinung, gegenüber 46 Prozent vor einem Monat.

Längst nicht alles, was Obama in diesem ersten halben Jahr anfasste, ist ihm geglückt: Die Arbeitslosigkeit steigt, das superteure Konjunkturprogramm zeigt kaum Wirkung. Sein Wahlversprechen, das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba binnen Jahresfrist zu schließen, scheint kaum mehr einzuhalten. Und in Afghanistan sterben derzeit mehr US-Soldaten als je zuvor. Am Mittwochabend Ortszeit (03 Uhr MESZ) will Obama auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus seine eigene Bilanz ziehen.

Peer Meinert, DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Julian2225 (22.07.2009, 22:36 Uhr)
Call him a waaaambulance!
Der nur fuer Banken und die Wallstreet 800Milliarden teure Bailout Plan hat nicht funktioniert, wie sollte er auch, und somit ist der Glaube dahin an die Allwissenheit Obamas. Er hat sich sein eigenes politisches Grab geschaufelt und das Loch ist so tief das er nicht wieder herauskommen wird!
Zunaechst hies es "wenn der Bailout Plan nicht durch den Kongress geht wird Martial Law ausgerufen werden muessen"...weil es nicht schnell genug ging und ALLE Skeptiker hatten Recht, nur Obama will davon noch imemr nichts wissen!
Ich war Obama supporter aber selbst ein 1.Semester Student in economy haette ihm sagen koennen wie es kommt und das damit keine Arbeitsplaetze geschafft werden sondern nur der Wallstreet geholfen wird und somit soll er nun nicht weinen wenn ihm das Volk, dem er leere Versprechungen machte, wegrennt! Auch wenn der health care plan vom Papier her bemerkenswert ist und fuer viele Amerikaner lebensnotwendig ist, wird es ihn wegen seinen Fehlern nicht durchbekommen!
Aussenpolitsch hui, innenpolitsch eine absolute Null!
starmax (22.07.2009, 21:21 Uhr)
@oppenwehe - Nein, Goldaman Sachs
stellt auch unter Obama wieder die Regierungs-Mannschaft in den wesentlichen Teilen:
Wall Street (die "Finanzmarkte" regulieren die USA mit Hilfe ihrer Attrappe Obama. Eindeutig und unbestreitbar, und mit schlimmem Ausgang...
Aquarius2 (22.07.2009, 20:47 Uhr)
Nr. 1 winkt und lächelt,
während im Hintergrund "regiert" wird.
Er hat eben nur zu schnell ge-/versprochen und vorher nicht die eigentlichen Strippenzieher gefragt.
.
Wir träumen alle weiter von Demokratie ...
oppenwehe (22.07.2009, 20:23 Uhr)
@ starmax
Ich muss Ihnen widersprechen. Obama ist keine Attrappe. Er muss jedoch mit dem fertig werden, was ihm seine Vorgänger überlassen haben. McCain habe ich im Oktober live in Cincinnati, Ohio erlebt. Dort hat er davor gewarnt, dass Obama die Finanzmärkte regulieren und so Millionen Amerikaner um ihre Ersparnisse bringen werde.
facilidad_de_ser (22.07.2009, 20:21 Uhr)
@Sternchen2020
Zitat "Obama er steht noch immer am Beginn einer völligen Veränderung und er geht Schritt für Schritt vor, am Ende mit großem Erfolg."
------------------------
Obama hat bis jetzt leider überhaupt nichts verändert von dem was er vor der Wahl verändern wollte, wie kommst Du also darauf so etwas zu schreiben? Du solltest Dich doch ein mehr an den Fakten orientieren, auch wenn er natürlich toll aussieht.
dekanus (22.07.2009, 19:57 Uhr)
Die US und A...
haben immer Geld für die Rüstungsindustrie. Aber für die eigenen Bürger haben Sie kein Geld? Japp. Das ist Amerika. Proud to be an American. Lieber alle Amerika in den Irak schicken. Dann hätte sich das mit der Gesundheitsreform geklärt. ;-)
starmax (22.07.2009, 19:54 Uhr)
Er wird scheitern,
denn er ist nur eine Attrappe, dieser Präsident. Ferngesteuert von Wall Street. Wir werden bald das Ende dieses Landes als Hegemon erleben, dessen Bürger mit über 230.000 Dollar pro Kopf vershuldet sind bei uns und dem Rest der Welt.
Juris1 (22.07.2009, 19:22 Uhr)
Die einzigen, die über das Gesundheitsstem schimpfen sind die Ärzte.
Ich als Beamter finde das Gesundheitssystem unausgewogen. Mit persönlich wäre es lieber mit einer Karte zum Arzt zu gehen als zwei Monate hinter die Kosten für die schon bezahlte Arztrechnung hinterherzulaufen. Und Ärzte in Deutschland die meckern, weil sie mit monatlich knapp 40.000* Euro aus dem Kassenanteil (priv. Patienten kommen noch dazu) nicht auskommen, den kann nicht mehr geholfen werden.
(* ungef. Durchschnittsverdienst HNO-Arzt z.B: in Castrop-Rauxel).
-
In Amerika wird viel Geld verdient und viel Geld für das Gesundheitssystem ausgegeben, so man es denn hat.
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Die meisten Menschen fallen dort durch das Raster. -
-
Die Reform von Obama wird deshalb sich nicht durchsetzen, weil er ein schwarzer Präsident ist, der Visionen hat. Das lässt der Geldstaat Amerika nicht zu und Obama wird scheitern - so oder so.
Sternchen2020 (22.07.2009, 19:21 Uhr)
Unsinn!
Was hier medial wieder aufgepustet wird, ist wirklich einmalig. Obama muss kämpfen, das ist klar. Aber er steht noch immer am Beginn einer völligen Veränderung und er geht Schritt für Schritt vor, am Ende mit großem Erfolg.
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Republikaner und Demorkaten haben sich schon immer gegenseitig im Weg gestanden. Das ist jetzt nicht anders, als zu allen anderen Zeiten auch. Dennoch - die Wende hat begonnen und Obama wird den Weg gehen. Langsam, aber stetig und am Ende mit großem Erfolg.
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Die Meiden sollten aufhören, alles zu zerreden, weil sonst nicht viel los ist. Das Erbe, das Obama angetreten hat, war gewaltig. Das ist kein Spaziergang, was er da veranstaltet. Und es wäre erfreulich, wenn er einwenig Solidarität erfahren könnte. Auch von der ausländischen Presse aus Europa.
oppenwehe (22.07.2009, 18:55 Uhr)
Vergleich
"Die jährlichen Gesundheitsausgaben belaufen sich auf über zwei Billionen Dollar (1,4 Billionen Euro), verbrauchen ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts - es ist das mit Abstand teuerste Gesundheitssystem der Welt. Die Pro-Kopf-Ausgaben sind rund doppelt so hoch wie in Deutschland. Doch 46 Millionen von 300 Millionen Amerikanern sind ohne Krankenversicherung. Schwindelerregende Arzt- und Krankenhauskosten zwingen immer mehr Amerikaner dazu, ihre Häuser zu verkaufen."
Darüber sollten wir nachdenken, wenn wir mal wieder über unser deutsches Gesundheitssystem schimpfen...
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