Snowden auf dem Weg nach Moskau

23. Juni 2013, 10:11 Uhr

Der ehemalige US-Geheimdienstler Edward Snowdon hat Hongkong verlassen und soll sich auf dem Weg nach Moskau befinden. Die russische Hauptstadt ist aber wohl nur eine Zwischenstation.

Edward Snowden, Prism, USA, Island, Wikileaks, Tempora, Hongkong, Moskau

Edward Snowden enthüllte das Spähprogramm Prism über die internationale Presse. Wo genau er sich in Hongkong versteckt hält, ist öffentlich nicht bekannt.©

Der von den USA gesuchte Geheimdienstspezialist und Informant Edward Snowden hat seinen Fluchtort Hongkong an Bord einer russischen Passagiermaschine verlassen. Trotz eines dringlichen Antrags der USA auf Festnahme wegen Geheimnisverrats ließen ihn Hongkongs Behörden am Sonntag ausreisen. Der 30-Jährige flog mit Aeroflot nach Moskau, wie die Zeitung "South China Morning Post" berichtete. Russland sei aber nicht das eigentliche Ziel, Snowden werde von Moskau zu einem anderen Ort weiterreisen, hieß es.

Spekulationen zufolge soll Snwoden sich auf dem Weg nach Venezuela befinden. Snowden wolle über Moskau und Havanna nach Caracas fliegen, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Sonntag aus Kreisen der russischen Fluggesellschaft Aeroflot. Demnach soll Snowden am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in Moskau landen und am Montag nach Havanna und von dort nach Caracas weiterreisen.

Wikileaks-Experten sollen Snowden geholfen haben

Snowden hatte vor zwei Wochen massive Spionage der USA im Internet enthüllt und damit weltweit Empörung ausgelöst. Die US-Regierung erhob Anklage wegen Geheimnisverrats und beantragte seine Festnahme in Hongkong. Die Behörden schickten den Antrag aber als unvollständig mit der Bitte um zusätzliche Angaben wieder zurück, teilte die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion laut Radio RTHK mit. Bislang fehlten "ausreichende Informationen" für eine Prüfung. So habe es "keine rechtliche Grundlage" gegeben, Snowden an der Ausreise zu hindern, hieß es in der Mitteilung.

Laut Wikileaks haben Rechtsexperten der Enthüllungsplattforn Snowden dabei geholfen, in einem "demokratischen Land" politisches Asyl zu bekommen. Auch habe Wikileaks bei seiner "sicheren Ausreise" aus Hongkong geholfen, ließ die Enthüllungsplattform auf Twitter verlauten.

Enthüller von "Prism" und "Tempora"

Snowden hatte im Mai das geheime Spähprogramm Prism des US-Geheimdienstes NSA enthüllt, mit dem das Internet und der Telefonverkehr umfassend überwacht werden.

Auf Snowden gehen auch die Berichte über das umfassende mutmaßliche Ausspähprogramm "Tempora" des britischen Geheimdienstes zurück, das derzeit die deutsche Politik empört. Die britische Zeitung "Guardian" hatte Samstag unter Berufung auf Snowden als erstes über das umfassende Spähprogramm berichtet. Demnach überwacht der britische Geheimdienst nach in ungeahntem Ausmaß weltweit Telefon und Internet. Der Abhördienst GCHQ (Government Communications Headquarters) könne täglich bis zu 600 Millionen Telefonverbindungen erfassen, zitiert die britische Tageszeitung den in Hongkong untergetauchten IT-Spezialisten Snowden. GCHQ sei "schlimmer als die US(-Kollegen)". Neben E-Mails, Einträgen im sozialen Netzwerk Facebook oder auch Telefongesprächen werden laut "Guardian" für das britische Spionageprogramm auch persönliche Informationen der Nutzer 30 Tage lang gespeichert.

Die "South China Morning Post" hatte zuvor ebenfalls unter Berufung auf Snowden berichtet, die US-Behörden zapften chinesische Mobilfunkanbieter an und hätten schon Millionen SMS-Daten gesammelt. US-Spione seien überdies ins System der renommierten Tsinghua Universität in Peking eingedrungen, über das ein Großteil der chinesischen Internetkommunikation läuft. Auch der asiatisch-pazifische Glaskabelnetzbetreiber Pacnet sei "gehackt" worden.

Zum Thema
Politik
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern