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11. Februar 2009, 08:19 Uhr

Wie die Regierung die Krise meistern will

USA

Die amerikanische Regierung will sich mit einer Kombination milliardenschwerer Hilfen gegen die Finanzkrise stemmen. Mit drastischen Worten stellte Finanzminister Timothy Geithner die Pläne vor. Was plant die Obama-Regierung im Einzelnen? Von Sebastian Bräuer und Mark Schrörs

US-Finanzminister Geithner konnte den hohen Erwartungen nicht gerecht werden© Win McNamee/Getty Images

Entscheidende Teile des Finanzsystems seien beschädigt. Dies führe zu einer gefährlichen Dynamik, die gestoppt werden müsse, sagte Timothy Geithner. Bei seiner Vorstellung der Pläne äußerte sich Geithner allerdings deutlich weniger konkret, als Marktteilnehmer zunächst gehofft hatten. Vor allem bei der zentralen Frage, in welcher Form und zu welchem Preis Washington den Banken ihre toxischen Wertpapiere abnehmen möchte, blieb Geithner genaue Antworten schuldig. Die Kernpunkte seiner Strategie: Die Bilanzierung der Banken soll transparenter werden, Investmentfonds der Regierung sollen die auf Immobilien basierenden Wertpapiere der Banken aufsaugen, die Kreditmärkte sollen mit bis zu 1000 Milliarden US-Dollar angekurbelt werden und Hausbesitzer vor dem Verlust ihrer Immobilie bewahrt werden.

Investoren reagierten ernüchtert. Der Dow Jones, der zuvor nur leicht im Minus gelegen hatte, stürzte während Geithners Rede um 250 Punkte ab. "Man darf nicht zwei Wochen eine große Rede ankündigen und dann lediglich skizzieren, was man machen möchte", sagte ein konsternierter Händler an der New York Stock Exchange. Wir stellen die von Geithner vorgestellten Maßnahmen im Einzelnen vor (siehe linke Kastenspalte).

Kapitalspritzen

Die US-Regierung möchte die Bücher der Banken unter die Lupe nehmen. "Wir wollen, dass die Bilanzsummen sauberer und stärker werden", sagte Geithner. Um dies zu erreichen, werde es erneut Kapitalspritzen für die Institute geben, die dies nach Einschätzung Washingtons nötig haben. Dabei möchte die Regierung stärker als bisher Wert darauf legen, dass die unterstützten Banken die Kreditvergabe ausweiten. Bei den Bemühungen der Vorgängeradministration, den Finanzsektor zu stützen, standen Kapitalspritzen im Mittelpunkt. Geithners Vorgänger Paulson hatte dafür die erste Hälfte des 700 Milliarden US-Dollar schweren Rettungspakets ausgegeben.

Bad Bank

Ein Investmentfonds soll die auf Immobilien basierenden Wertpapiere der Banken aufsaugen. Den finanziellen Grundstock liefert die Regierung, allerdings erhofft sie sich Investments privater Unternehmen wie Hedge-Fonds und Beteiligungsfirmen. Das Programm soll mit einem Volumen von 500 Milliarden US-Dollar gestartet und auf bis zu 1000 Milliarden US-Dollar ausgeweitet werden. Offen bleibt jedoch die Bewertung der Schrottpapiere. Derzeit gibt es für sie oftmals keinen Markt, was die Preisbildung schwierig macht.

Belebung der Kreditmärkte

Die US-Notenbank Fed möchte mit bis zu 1000 Milliarden US-Dollar die Kreditverbriefungsmärkte ankurbeln. Mit der Unterstützung von Unternehmen, die Kredite verbriefen, möchte Washington indirekt unter Druck geratenen Bürgern helfen, wieder leichter an Kapital zu kommen. Es geht um die Zweitmärkte von Krediten an mittelständische Unternehmen, Studenten, Kreditkartenbesitzer und Autokäufer. Die Vorgängeradministration hatte dieses Programm bereits im vergangenen November vorgestellt. An der Entwicklung war Geithner in seiner damaligen Funktion als Chef der New Yorker Notenbank maßgeblich beteiligt. Damals war jedoch lediglich ein Umfang von bis zu 200 Milliarden US-Dollar geplant gewesen.

Mit der Ausweitung der Unterstützung von Kreditverbriefungen könnte die Bilanz der Fed auf mehr als 3000 Milliarden US-Dollar anschwellen. Das ist mehr als die gemeinsame Bilanzsumme der vier größten US-Banken. US-Notenbankchef Ben Bernanke betonte am Dienstag bei einer Anhörung vor dem US-Senat, dass das Programm zur Ankurbelung der Kreditmärkte in Kürze starten soll. Zugleich sagte er den Abgeordneten zu, dass die Fed angesichts ihrer beispiellosen Eingriffe in einzelne Märkte überprüfen werde, ob sie für die Öffentlichkeit transparent genug ist.

Hilfe für Hausbesitzer

Finanzminister Geithner möchte angeschlagenen Hausbesitzern entgegenkommen, denen die Zwangsversteigerung droht. Zahlreiche Kongressabgeordnete hatten ihre Zustimmung für weitere Bankenrettungen davon abhängig gemacht, dass die US-Regierung auch Hausbesitzern zur Hilfe kommt. Im Vorfeld von Geithners Rede war spekuliert worden, dass dieser Teil des Pakets 50 Milliarden US-Dollar kosten wird. Geithner nannte jedoch keine Summe und sagte auch nicht, in welcher Form er die Hypothekenbedingungen erleichtern möchte.

KOMMENTARE (3 von 3)
 
emmultishop (12.02.2009, 10:07 Uhr)
Ist JETZT die Zeit für Komplementäre Währungen

z.B. Barter... Der Tauschhandel ist die ursprünglichste Form des Handels. Dabei werden Waren oder Dienstleistungen direkt gegen Waren oder Dienstleistungen getauscht ohne die Verwendung einer Währung.... http://abc-markets.blogspot.com/
MICROGOD (11.02.2009, 16:40 Uhr)
Sterntaler
100.000$/km² macht das, auf die Grundfläche der USA bezogen. Nix wie rüber!
Blacky007 (11.02.2009, 15:58 Uhr)
Ich hege meine Zweifel
dass diese Finanzkrise überhaupt noch zu meistern ist. In 10 bis 15 Jahren wird es vermutlich zu einer Währungsreform kommen müssen und er Dollar verschwindet so spurlos, wie einst die DM. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man sonst diese horrende Verschuldung jemals wieder abbauen sollte. Schulden aufnehmen, um Schulden aus Schulden zu auszugleichen kann auf Dauer nicht funktionieren.
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