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4. Juni 2009, 10:26 Uhr

"Obama ist unsere große Hoffnung"

In Kairo herrscht Ausnahmezustand: Die meisten haben frei, Schulen und Universitäten sind geschlossen. Alle warten auf US-Präsident Barack Obama und seine Rede an die muslimische Welt. Es wird ein diplomatischer Drahtseilakt, die Erwartungen sind hoch. Aber in der ägyptischen Hauptstadt herrscht vorsichtiger Optimismus. Von Steffen Gassel, Kairo

Obama, Kairo, Mubarak, Rede

Er war lange krank, ein Treffen war ungewiss: Ägyptens Präsident Hosni Mubarak empfängt Barack Obama© Amr Nabil/AP

Für Farghali Marham und seine Tochter Fairus ist der Weg zu Barack Obama schon am Eingang der Kairoer Universität zu Ende. "Wir sind gekommen, um ihn zu begrüßen. Ihm nur winken zu dürfen, wäre eine große Ehre für uns", sagt der 55-jährige Familienvater. "Ich sage meinen Kindern immer, dass Obama unsere große Hoffnung ist. Er ist das Licht im Dunkeln für den Nahen Osten."

Ausnahmezustand in Kairo

Durch die schmiedeisernen Gitterstäbe des Einfahrtstors schimmert die hohe Kuppel hinüber, unter der der amerikanische Präsident heute Mittag seine lang erwartete Rede an die muslimische Welt halten will. Doch Vater und Tochter dürfen nicht hinein. Aus Angst vor Anschlägen ist nur ein handverlesenes Publikum aus Stundenten und Persönlichkeiten der ägyptischen Gesellschaft zugelassen, wenn Barack Obama ans Rednerpult tritt.

Schon Stunden vor der Ankunft des US-Präsidenten herrscht Ausnahmezustand in Kairo. Weite Teile der Innenstadt sind abgeriegelt, auch anderswo sind die Straßen leer wie selten. Die meisten Arbeitgeber haben ihren Angestellten frei gegeben, Schulen und Universitäten sind geschlossen, die laufenden Abschlussexamen unterbrochen und aufs Wochenende verschoben worden.

"Viel besser als Bush"

E-Mails machen die Runde, in denen die Regierung die Menschen auffordert, entlang der Route, auf der Obamas Tross sich durch die Stadt bewegen wird, in den Häusern zu bleiben. Jubelfeiern entlang der Straßen sind nicht erwünscht, sogar auf die Balkons zu gehen, ist verboten. Doch auch ohne diese Maßnahmen dürfte der US-Präsident in Ägypten keinen überschwänglichen Empfang erwarten, wie ihn ihm die Berliner vergangenen Sommer unter der Siegessäule bereitet haben. Es ist eine Mischung aus abwartender Skepsis und vorsichtigem Optimismus, mit der viele Menschen hier Obamas Besuch entgegensehen.

"Sicher, er ist viel besser als Bush. Aber die Probleme sind doch immer noch dieselben", sagt Nabil Nabawi. Der Chef des Amtes für Stadtreinigung und -verschönerung sitzt in einem Straßencafé vor der prächtigen Sultan Hassan Moschee, die Barack Obama am Nachmittag besuchen will. Er und seine Kollegen hatten in den vergangenen Tagen viel zu tun: Sie haben Bordsteinkanten weiß getüncht, holprige Straßen neu geteert, Blumenkübel aufgestellt, Bäume getrimmt. Überall dort, wo der US-Präsident erwartet wird, haben sie Kairo herausgeputzt.

Ägypter wünschen sich Trendwende nach Bush

Was der Stadtreiniger von Obama erwartet? "Es muss endlich den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern lösen. Der hält doch den Fortschritt im ganzen Nahen Osten auf", sagt der 60-Jährige. "Solange es nicht zwei Staaten für zwei Völker gibt, wird auch Ägypten nicht vorankommen." Sein Kollege Nabil Ismail bringt die Stimmung auf den Punkt. "Bush hat uns gezwungen, Amerika zu hassen. Wir wünschen uns, dass uns Obama Amerika wieder lieben lässt. Wir sind bereit, ihm eine Chance zu geben."

Nicht nur nach seiner Haltung im Nahost-Konflikt werden die Menschen in Ägypten Barack Obama beurteilen. Es gibt noch ein anderes Thema, das ihnen mindestens ebenso wichtig ist - auch wenn nur wenige offen darüber reden: Obamas Umgang mit dem Regime von Präsident Hosni Mubarak. Der 81-Jährige regiert das Land am Nil seit fast drei Jahrzehnten mit eiserner Hand. Wer sich zu lautstark für Demokratie und Menschenrechte einsetzt, muss mit Gefängnis und Folter rechnen.

Obama könnte Fehler alter Präsidenten wiederholen

Doch seit Wochen machen in Kairo Gerüchte die Runde, der Präsident sei schwer krank. Für viele Ägypter ist die Aussicht, dass der alte Diktator vielleicht bald abtreten könnte, Anlass zum Aufatmen. Umso schlechter kam hier Anfang März die Nachricht über den inoffiziellen Washington-Besuch von Mubaraks Sohn Gamal an, den der Vater gern als Nachfolger installieren will. Der Thronfolger wurde in der US-Hauptstadt mit Senator John Kerry und anderen hochrangigen Politikern empfangen, es soll auch Treffen mit engen Mitarbeitern Obamas hinter verschlossenen Türen gegeben haben.

"Wenn er so weitermacht, dann läuft Obama Gefahr, genau in die Fußstapfen seiner Vorgänger zu treten. Die haben alle von Demokratie geredet und gleichzeitig die Diktatoren im Nahen Osten gestützt", sagt Aamel Wassef, ein Künstler, dessen Atelier nahe der Sultan Hassan Moschee im Stadtteil Seyyida Zainab liegt. Er erwartet vom US-Präsidenten auch ein paar deutliche Worte zur ägyptischen Politik.

"Ohne Amerikas Hilfe haben wir keine Chance"

"Hier werden Blogger ins Gefägnis gesteckt, weil sie den Präsidenten oder den Islam kritisieren. Schon wenn man in der Zeitung über die schlechte Gesundheit Mubaraks schreibt, bekommt man Probleme", sagt Wassef. "Wenn Obama die Erbfolge von Gamal Mubarak unterstützt, würde er seine Glaubwürdigkeit bei uns komplett zerstören."

Familienvater Mahram macht sich mit seiner Tochter wieder auf den Heimweg. Auch er hofft, dass Obama seiner Kairoer Rede Taten folgen lässt, die im Nahen Osten nach so vielen Jahren Stillstand und Krieg endlich etwas zum Besseren verändern. "Er muss die Menschen unterstützen, die sich bei uns für Freiheit und Demokratie einsetzen. Ohne Amerikas Hilfe, haben die doch keine Chance", sagt der 55-Jährige. "Wenn Obama das tut, kann er in ein paar Jahren wiederkommen und in einer offenen Limousine mitten durch Kairo fahren. Dann werden die Menschen auf den Straßen stehen und ihm zujubeln. Und er braucht keine Angst zu haben, dass ihm etwas passiert."

Nahost/Europa-Reise Obamas Am Mittwoch ist Barack Obama in der saudischen Hauptstadt Riad gelandet. Anschließend reist der US-Präsident weiter nach Kairo, wo er seine lang erwartete Rede an die islamische Welt hält. Am Donnerstagabend fliegt Obama nach Dresden, wo er sich am Freitag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft. Nach einer Pressekonferenz besuchen die beiden die Dresdner Frauenkirche, im Anschluss geht es zum ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald. Danach geht es weiter zum US-Stützpunkt in Landstuhl (Pfalz), wo Obama im Irak und in Afghanistan verletzte Soldaten besucht. Schließlich fährt der US-Präsident zur letzten Station: In Frankreich nimmt er am Samstag an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day) teil.

Von Steffen Gassel, Kairo
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Administrator (04.06.2009, 13:50 Uhr)
Liebe User,
eine sachliche Diskussion zu diesem Thema scheint nicht möglich zu sein, daher schließen wir die Kommentare an dieser Stelle.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
sachsenwini (04.06.2009, 13:15 Uhr)
@ Ansichtssache .Ich habe nicht lügen sondern lesen gelernt

Hier ein paar Zeitungszitate:
"Israel droht Iran im Atomstreit
Im Streit über das iranische Atomprogramm hat der israelische Vizeregierungschef Schaul Mofas der Führung in Teheran offen mit einem Militärschlag gedroht.
TEL AVIV/BERLIN - „Wenn der Iran sein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen fortsetzt, werden wir angreifen“, sagte Mofas der Tageszeitung „Jediot Achronot“.
"Israels Vize droht Iran mit Militärschlag
Säbelrasseln gegen Teheran: Der stellvertretende israelische Regierungschef Schaul Mofas hat Iran offen mit einem Angriff gedroht, sollte der Nachbarstaat sein umstrittenes Atomprogramm nicht beenden."
*
"Israel droht offen mit Militärschlag
Im Streit um das iranische Atomprogramm hat Israel genug von internationalen Sanktionen. Vizeregierungschef Mofas droht der Führung in Teheran mit Angriff."
*
"Wenn der Iran sein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen fortsetzt, werden wir angreifen"
Ansichtssache (04.06.2009, 13:03 Uhr)
Diese Feigheit
vor dem Islam ist unglaublich !
chelestex (04.06.2009, 12:58 Uhr)
@Ansichtssache
Aber solange nicht mal der Westen (vor allem Politiker, Presse) dies erkennen und aussprechen (dürfen), wird auch weiterhin die Mär vom "toleranten Islam" gepredigt.
tv-update: Gerade sagte Obama, der "Islam hat eine lange Tradition der Toleranz", verweist auch dabei auf das friedliche Zusammenleben in Cordobas Geschichte (kein Wort vom Dhimmistatus Andersgläubiger), meinte weiterhin, eine verschleierte Frau wäre doch nicht unterdrückt und ergänzte zu einem ausgesprochenen "Mohammed", noch ein "Friede sei mit ihm" (seit wann machen dies Christen oder an was immer er glaubt?).
Ich sitz grad recht fassungslos vorm tv, obwohl eigentlic nix anderes zu erwarten war.
HombreUno (04.06.2009, 12:57 Uhr)
@Administrator
Wenn hier Sprüche fallen wie:
"...übrigens ist das in deutschland nicht arg viel anders, mag ja sein, daß das was im 2 wk passiert ist einfach nicht in ordnung war und beschämend, aber..."
(krischi (4.6.2009, 12:43 Uhr))
dann wäre es wohl Zeit den Kommentar zu schliessen.
Ansichtssache (04.06.2009, 12:57 Uhr)
sachsenwini (4.6.2009, 12:55 Uhr)
"
Bisher hat nur Israel ständig damit gedroht, den Iran anzugreifen."
????
wo hast du so lügen gelernt ?!
sachsenwini (04.06.2009, 12:55 Uhr)
Bisher hat nur Israel ständig damit gedroht, den Iran anzugreifen.

Vom Iran selbst ist noch keine Kriegsgefahr ausgegangen.
Diese verdrehte Übersetzung von der Drohung Ahmadinedschads, Israel auszuradieren, ist zwar längst widerlegt, wird aber immer wieder behauptet.
Aber auch dadurch wird sie nicht wahrer.
Ansichtssache (04.06.2009, 12:46 Uhr)
@chelestex
sehe ich auch so; der Islam ist an sich schon Terror in seiner Lebensauffassung. Andersgläubige werden als "Ungläubige" verachtet; Frauen haben nur wenig oder gar keine Rechte; es werden mittelalterliche Strafen verhängt usw. Solche Staaten sollten isoliert werden! Der Islam ist eine wachsende Gefahr für die westliche Staatengemeinschaft.
sachsenwini (04.06.2009, 12:45 Uhr)
Obama versucht endlich, wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

Bushs arrogante und selbstherrliche Art, die Welt nach seiner Sicht in gut und böse einzuteilen hat ein Ungleichgewicht verursacht.
Seine Art, die Kriegsverbrechen Israels zu tolerieren und nur die der Palästinenser zu verurteilen, und ihnen jedes Existenzrecht abzusprechen, hat Hass und Terror genährt.
Dazu kommt die einseitige manipulierte Berichterstattung.
.
Es wird für Obama sehr schwer, wieder Vertrauen zu gewinnen und den verbitterten Hass zwischen Völkern und Religionen zu mäßigen, aber er hat ein Zeichen gesetzt.
.
Er soll gut auf sich aufpassen, denn viele, die im und mit dem Krieg ihre Geschäfte machen, sind nicht an friedlichen Lösungen interessiert.
chelestex (04.06.2009, 12:37 Uhr)
Ich schau gerade Obamas Rede...
...und seine konsequente Leugnung der Zusammenhänge zw. Islam und dem islamischen Fundamentalismus bzw. Terrorismus ist entweder Unwissenheit, Ignoranz oder kalkulierte Verschleierung -gefährlich ist das alles. (sinngemäß: der Islam ist nicht Teil des Problems des islam.Terrorismus) Und man wird ihm dafür wieder ordentlich applaudieren...
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