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21. Mai 2011, 09:39 Uhr

Zoff zwischen Obama und Netanjahu

Freunde waren Barack Obama und Benjamin Netanjahu noch nie. Doch mit seinem Nahost-Coup hat der US-Präsident den israelischen Premier jetzt offen gegen sich aufgebracht. Hilft das dem Nahost-Frieden? Unterstützung für Obama kommt von der EU und Russland.

Die Stunden vor der Nahost-Rede Barack Obamas müssen geradezu dramatisch gewesen sein. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ es sich nicht nehmen, persönlich bei Außenministerin Hillary Clinton anzurufen. Der Präsident müsse die Passagen über die israelisch-palästinensischen Grenzen vor 1967 aus seiner Rede herausnehmen, forderte er scharf. Richtig ärgerlich geworden sei Netanjahu, berichtet die "New York Times". Doch genutzt hat alles nichts, Clinton ließ den Anrufer abblitzen. Ist das der neue Umgangston zwischen zwei engen Verbündeten?

Auch einen Tag später: Die Stimmung hat sich nicht wirklich verbessert. Kühl, ohne jedes Lächeln äußerten sich die beiden Männer nach einem Treffen im Weißen Haus vor die Presse. Sie gaben sich nicht einmal Mühe, die Gegensätze schön zu reden. "Offensichtlich haben wir Differenzen", sagte Obama. Zwar sprach er von der israelisch-amerikanischen Freundschaft, verurteilte Hamas und betonte Israels Sicherheitsbedürfnis. Doch in der Sache gab er keinen Millimeter nach. Echte Freundschaft sieht anders aus.

Auch Netanjahu hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf. Israel "kann nicht zu den Grenzen von 1967 zurück gehen". Diese Grenzen ließen sich nicht verteidigen. Auch hier: Nicht mal einen Hauch von Zugeständnissen.

Nicht einmal ein Anflug des Lächelns

Doch mehr noch als Worte verriet die Körpersprache der beiden. Als Netanjahu zu einer längeren Passage über die leidvolle jüdische Geschichte ansetze, stützte Obama das Kinn in die Hand, verkroch sich förmlich in seinen Sessel - typische Geste kühler Zurückhaltung. Und danach beim Händeschütteln - nicht einmal der Anflug eines Lächelns huschte den beiden Männern übers Gesicht.

Lange nicht mehr hing der Haussegen so schief zwischen Israel und den USA. Auch Beschwichtigungen, Obama habe lediglich ausgesprochen, was im Grunde schon längst US-Politik ist, helfen da nichts. Indem Obama erstmals öffentlich von den Grenzen vor dem Sechstagekrieg sprach, hat er faktisch ein Tabu gebrochen. Und dass er damit Netanjahu persönlich reizt, war ihm ebenfalls bewusst.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden Männer längst zu Gegenspielern geworden sind. Unter der Hand wird im Weißen Haus längst klargemacht, dass sie sich gegenseitig nicht über den Weg trauen: Die Amerikaner glauben, dass Netanjahu in Grunde keine echten Friedensverhandlungen will und lediglich geschickt versucht, den Palästinensern die Schuld für ein erneutes Scheitern in die Schuhe zu schieben. Von einem "Mangel an Vertrauen" wird gesprochen.

"Arabischer Frühling" unkalkulierbar

Doch Obama treiben auch ganz andere Sorgen um: Die politischen Erschütterungen, die seit Monaten den Nahen Osten und Nordafrika heimsuchen, werden immer unkalkulierbarer. Niemand vermag zu sagen, wie sich die künftigen Machthaber in Ägypten und Tunesien langfristig zu Israel verhalten. Zusätzliche Unwägbarkeiten bringt die Versöhnung zwischen Fatah und Hamas mit sich. Geradezu Kälteschauer lösten die jüngsten Proteste von Palästinensern in den Grenzregionen zu Israel aus.

Washington fürchtet, dass der "arabische Frühling" weiter an Fahrt gewinnt - und zu einer Bedrohung für Israel führen könnte. Daher dringt Obama darauf, dass Israel jetzt Bewegung zeigt und sich zu Konzessionen bereiterklärt. Zugleich will Obama die Gunst der Stunde, die Dynamik der revolutionären Veränderung nutzen. Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Nahost-Quartett begrüßt Obamas Vorschlag

Unterstützung für US-Präsident kommt aus der EU, aus Russland und von der Uno: Das Nahost-Quartett stellt sich hinter Obamas Friedensvorschlag für die Region. Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern müsse dringend gelöst werden, heißt es in einer Erklärung des Quartetts, die vom Büro der EU-Außenbeauftragen Catherine Ashton am Samstag in Brüssel verbreitet wurde. Dem Quartett gehören außer der EU die USA, Russland und die Vereinten Nationen an. "Das Quartett bekräftigt seinen deutlichen Appell an die Beteiligten, derzeitige Hindernisse zu überwinden und direkte bilaterale Verhandlungen zu beginnen, ohne Verzögerung und ohne Vorbedingungen", hieß es in der Mitteilung.

Peer Meinert/DPA
 
 
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