Seinen Glauben hält Mitt Romney aus dem US-Wahlkampf heraus. Dabei durchlief er als Mormone eine der härtesten Karriereschulen der Welt. Die Religion lehrt Selbstdisziplin und Hartnäckigkeit. Von Martin Knobbe, New York

Friede, Finanzen, Familie: Die oft kritisch beäugten Mormonen legen Wert auf konservative Werte.© Brian Snyder/Reuters
Er schien wie ausgewechselt, wie er da seinen Gegner äußerlich kühl, aber innerlich voller Leidenschaft anging, wie er souverän lächelte, wie er schlagfertig konterte. Als hätte es die Wochen zuvor nicht gegeben, die unsägliche Zeit, in der eine unglückliche Formulierung die andere jagte, kein politisches Profil sichtbar war und die Umfragewerte von Tag zu Tag sanken, genauso wie Zahl der positiven Kommentare in den Zeitungen.
Beim Fernsehduell gegen Barack Obama am Mittwochabend aber wirkte Mitt Romney, der angezählte Herausforderer, wie neu geboren. Und man fragte sich: Woher hatte er plötzlich diese Energie? Wie hat er sich aus dem Delirium der letzten Wochen befreit? Was machte ihn so kämpferisch?
Ein Teil der Antwort findet sich in Mitt Romneys Religion. Der Republikaner ist Mormone. Und das Leben als Mormone ist eine der härtesten Karriereschulen der Welt. Sie lehrt vor allem eines: Selbstdisziplin und Hartnäckigkeit.
Der stern hat berühmte Menschen getroffen, die wie Romney der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" angehören, wie die Organisation der Mormonen offiziell heißt. In der aktuellen Ausgabe erzählen sie, wie ihnen ihr Glaube geholfen hat, im Leben erfolgreich zu sein und auch herbe Niederlagen zu verschmerzen.
"Wir sind eine erfolgsorientierte Kirche", sagt zum Beispiel Bill Marriott, der 80-jährige Hotel-Mogul, beim Interview in der Unternehmenszentrale bei Washington. "Wir wollen hier auf Erden erfolgreich sein, in unserem Familienleben und im Dienst für die Kirche. Das schlägt sich dann auch nieder in Erfolg im Beruf." Marriott erinnert sich, dass ihn vor allem die Zeit bei den mormonischen Pfadfindern abgehärtet hat. "Ich musste 50 Nächte im Freien verbringen, um ein Abzeichen zu bekommen. Ich habe gelernt, viel auszuhalten und hartnäckig an mein Ziel zu glauben."
Der Basketballprofi Mark Madsen, der neun Jahre lang in der NBA für die Los Angeles Lakers spielte, glaubt ebenfalls, dass ihn nach sportlichen Niederlagen vor allem seine Religion motiviert hat, weiterzukämpfen. "Für mich ist eine der wichtigsten Botschaften unserer Schriften: Sei aktiv! Tu was!, so Madsen im Interview. "Ich war bei den Lakers nicht der beste Werfer, aber mein Trainer sagte: Du bringst die Energie ins Team. Auch deshalb, weil ich immer versucht habe, genug Schlaf zu bekommen, und keinen Tropfen Alkohol getrunken habe, wie es die Regel bei uns Mormonen ist. Energie zu verbreiten, das ist meine Fähigkeit, mein Geschenk von Gott."
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Die vollständigen Interviews mit Bill Marriott und anderen berühmten Mormonen, finden sie auch als Videos im neuen stern-eMag.
Lesen Sie im neuen stern: Die Macht der Mormonen - welchen Einfluss die Glaubensgemeinschaft auf die amerikanische Gesellschaft hat.