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"Trump schreddert die Regeln und verbrennt die restlichen Fetzen"

Es war der Abend der Außenseiter: In New Hampshire siegen Donald Trump und Bernie Sanders. Das Establishment leckt sich die Wunden. Die Presse urteilt einhellig: Die US-Politik wird nicht mehr so sein wie bisher.

Trump triumphiert

Griff nach der Macht: Donald Trump triumphiert in New Hampshire

Da ist er wieder, der Gewinner: "Menschen von New Hampshire, vergesst das niemals: Mit Euch hat es angefangen!" Nach seinem deutlichen Sieg bei den US-Vorwahlen in New Hampshire stimmte Donald Trump sein ihm eigenes Triumphgeheule an. Nicht ganz zu Unrecht, denn obwohl der Multimilliardär seit langer Zeit in den Umfragen vorne lag, waren 34 Prozent der Stimmen ein klares Signal an seine innerparteiliche Konkurrenz: an der Ego-Maschine führt kein Weg mehr vorbei. Zumal er mehr als doppelt so viele Stimmen bekam wie der Zweitplatzierte, John Kasich. Der hatte unerwartet noch 16 Prozent geholt. Die anderen Verfolger – Ted Cruz und Marco Rubio - spielten so gut wie keine Rolle.


Sein Sieg, darin sind sich die Beobachter einig, ist auch ein Sieg der Außenseiter gegen das politische Establishment. Wie groß die Ablehnung des "Systems Washington" ist, zeigte sich auch bei den Demokraten. Dort schlug der Linke Bernie Sanders die ehemalige First Lady Hillary Clinton um Längen. "Gemeinsam haben wir eine Botschaft gesendet, die von der Wall Street bis nach Washington, von Maine bis Kalifornien widerhallen wird", rief der Bewerber seinen Anhängern zu. 60 Prozent der Stimmen, Clinton landete bei gerade einmal 39, scheinen ihm Recht zu geben. Noch vor wenigen Wochen hätte niemand auch nur einen Pfifferling auf den selbst ernannten demokratischen Sozialisten gegeben. Nun liegt er nach zwei Vorwahlen klar vor der Kandidatin des Establishments.

Das schreibt die Presse zum Wahlausgang in New Hampshire

"Süddeutsche Zeitung"
Das moderate "Establishment" der Republikanischen Partei tut sich auch deswegen so schwer mit Trump, weil so viele Kandidaten um die Stimmen der Gemäßigten werben. Jeb Bush, Marco Rubio, John Kasich und Chris Christie verwenden enorme Energie darauf, einander niederzumachen. Es ist nicht abzusehen, wann diese Rivalität endet; alle haben gute Gründe, noch eine Weile im Wettbewerb zu bleiben. Es könnte passieren, dass Trump derweil mit seinem Hass-Wahlkampf beinahe unbehelligt der Nominierung entgegen trampelt.

"The Guardian"

Trumps Sieg ist nicht nur ein Sieg über sich balgende Senatoren, deren einziger Antrieb zu sein scheint, der jeweils bessere Trump-Herausforderer sein zu wollen - ein Streit, der nur Trumps Botschaft bestätigt, über diese Art Politikergezänk zu stehen. Sein Sieg ist auch ein Sieg über die Normen und Konventionen der US-Politik. Trump hat in New Hampshire nicht nur das Regelbuch zerrisssen, er hat es zerschreddert und die restlichen Fetzen verbrannt.

"Washington Post"

Die früheren und die aktuellen Parteichefs verdammen ihn, die einzigen beiden republikanischen Kongress-Abgeordneten für New Hampshire verweigern ihm die Unterstützung. Und der konservative Eigentümer der größten Zeitung in der Region nennt ihn einen "Dummenfang" - auf der Titelseite. Doch Donald Trump hat trotzdem gewonnen. Sein Sieg mit 18-Prozentpunkten Vorsprung zeigt der Republikanischen Partei die Grenzen ihrer Macht auf; in einer Zeit, in der Wut auf Washington und Frust auf Politik vorherrscht. Viele Republikaner mögen verstört sein angesichts von Trumps Aufstieg, aber wie sie ihn stoppen wollen, wissen immer weniger.  

"Vox.com"
Donald Trump ist auf dem besten Weg, von den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden. Sein Triumph bei der Wahl im November ist zwar unwahrscheinlich, aber längst nicht mehr unmöglich. Trump ist kein Witz und kein Clown. Er ist ein Mann, der demnächst über Krieg und Frieden entscheiden könnte, der darüber befindet, welche Regelung verschärft oder erleichtert wird, der bestimmt, welche Richter an den Obersten Gerichtshof kommen und der die USA international repräsentieren wird. Das ist dann keine politische Unterhaltung, das ist dann Politik. Trump ist der gefährlichste Kandidat seit langem. Er verbindet fürchterliche Ideen mit einem alarmierenden Temperament, er ist ein Rassist, ein Sexist, ein Demagoge, ein Narziss, ein Rowdy und ein Dilettant. Und er lügt ständig so penetrant, dass ihm vermutlich gar nicht auffällt, wie er die Wahrheit verbiegt. He delights in schoolyard taunts and luxuriates in backlash.

NBC News

Vor acht Jahren haben Frauen Hillary Clinton im Wahlkampf noch geholfen, doch dieses Mal wird sie von den "Schwestern" einfach ignoriert. Obwohl Clintons Team in New Hampshire nicht müde wurde zu betonen, wie gut die Chance auf die erste US-Präsidentin derzeit stehen, haben sich die weiblichen Wähler von ihr abgewendet. Satte elf Prozentpunkte hat sie bei dieser Wählergruppe verloren. Clinton hat ihr Geschlecht in den letzten Tagen vor der Vorwahl in New Hampshire immer wieder zum Thema gemacht – auch um die Stimmen der vielen, jungen Frauen wiederzubekommen, die in Scharen ins Lager von Bernie Sanders gewechselt sind. Vergeblich.
"Washington Post"

Wie auch Donald Trump verlässt Bernie Sanders New Hampshire mit einem so klaren Sieg, den man nur von einem Spitzenkandidaten erwartet, der die ungeteilte Begeisterung der gesamten Parteibasis genießt. Allerdings trommeln die etablierten Demokraten allesamt für Hillary Clinton. Sie mag die Unterstützung der großen Namen haben, aber es ist Bernie Sanders, der bei den jungen Wählern gewinnt und den unentschiedenen - also denjenigen, die auch einst Barack Obama ins Weiße Haus verholfen haben.

CNN

Dass Bernie Sanders und Donald Trump gewinnen würden, ist keine große Überraschung. Beide haben die Umfragen wochenlang angeführt. Und doch fühlt sich dieses Ergebnis revolutionär an. Diese beiden Männer haben die Alteingesessenen geschlagen, sie tun alles, was sie traditioneller Weise nicht tun sollten, fahren trotzdem Sieg um Sieg ein und führen solide. Die Politik ist nicht mehr dieselbe.

"Die Welt"

Das Ergebnis von New Hampshire stürzt beide Parteien in die Krise. Bei den Demokraten verkörpert niemand so sehr das Establishment wie die Clintons, denen Parteifunktionäre im ganzen Land verpflichtet sind. Sanders hat mit einem Abstand von 21 Prozent einen Erdrutschsieg errungen, der Clintons Kampagne landesweit in Schwierigkeiten bringen könnte. Besonders beunruhigend für Hillary ist Sanders' Vorsprung bei den 18- bis 29-Jährigen, die zu 85 Prozent den Senator aus Vermont gewählt haben, ähnlich wie schon in Iowa. Sanders hat auch 55 Prozent der Frauen und fast jede andere demografische Gruppe für sich gewonnen. Clinton hatte nur Erfolg bei den über 65-Jährigen und denen, die über 200.000 Dollar im Jahr verdienen. Diejenigen, die "Ehrlichkeit" für den wichtigsten Wert in einem Politiker halten, haben zu 91 Prozent Sanders gewählt – was zeigt, dass Hillary ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem hat.


Zusammenstellung: nik
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