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In New Hampshire trennt sich heute die Spreu vom Weizen

Verliert Donald Trump abermals? Wie ergeht es Hillary Clinton? In New Hampshire geht es heute für einige Möchtegern-Präsidentschaftskandidaten schon um alles. Sieben Fragen und Antworten zur zweiten Vorwahl in den USA.

Hillary Clinton vs. Donald Trump

Hillary Clinton und Donald Trump gelten derzeit als die aussichtsreichsten Bewerber um die Kandidatur für die Präsidentschaft. Vor allem bei Trump, der zunächst eher verlacht wurde, ist das eine überraschende Entwicklung.

Wer US-Präsident werden will, muss die Vorwahlen in New Hampshire gewinnen - dies ist eine der wenigen zuverlässigen Vorhersagen im unendlichen US-Präsidentschaftswahlkampf. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Umgekehrt heißt das: Wer dort am Dienstag leer ausgeht, kann eigentlich gleich seine sieben Wahlkampfsachen packen und aufgeben. Bei den Konservativen stehen acht von noch insgesamt elf Kandidatenanwärter auf der Kippe, und für Hillary Clinton könnte New Hampshire bittere Erinnerungen an 2008 wecken. 

Warum sind die Vorwahlen in New Hampshire so wichtig?

  • Rein zahlenmäßig hat der Bundesstaat nur eine geringe Bedeutung für die Kandidatenkür. Aber dort und in Iowa, wo die ersten Vorwahlen stattfinden, aus denen dann die eigentlichen US-Präsidentschaftskandidaten hervorgehen, sind eine Art Testsystem. "Die politische Landschaft beider Parteien ist voll mit den Leichen zuvor wahrscheinlicher Präsidenten, die in diesen frühen Staaten entweder nicht gewonnen oder diesen Test ausgelassen haben", schreibt die Expertin Elaine C. Kamarck in ihrem Buch "Primary Politics." Oder frei nach Frank Sinatra: "If you can make it there, you can make it anywhere."

Wer hat bei den Republikanern die besten Chancen?

  • Glaubt man den Umfragen, dann liegt Donald Trump deutlich vor den beiden Konkurrenten Ted Cruz, der die erste Vorwahl in Iowa für sich entscheiden konnte und Marco Rubio, der letzten Hoffnung der gemäßigten Republikaner. Das allerdings war vor einer Woche in Iowa ähnlich - und dennoch setzte sich am Ende der erzkonservative Cruz durch.

Was spricht für Donald Trump?

  • Die Frage müsste eher lauten: Was spricht überhaupt für Trump? Denn der Bundesstaat im Nordosten gilt als sehr liberal und wenig anfällig für Populismus – verfügt also über ein Wählerklientel, das eher moderate Kandidaten bevorzugt - wie zum Beispiel einen Marco Rubio. Allerdings gibt es in New Hampshire eine große Zahl von libertär eingestellten Bewohnern, die sich einen schlanken Staat wünschen, der sich möglichst gar nicht in das Leben der Menschen einmischen sollte - die könnten sich von Trumps liberaler Einstellung zu Wirtschaftsthemen angezogen fühlen.

Was spricht für Ted Cruz?

  • Die Frage müsste eher lauten: Was spricht gegen Ted Cruz? Neben der freiheitlichen Einstellung ist New Hampshire auch für seine "Ungläubigkeit" bekannt. Auf ausgewiesen christliche Kandidaten legen die Bewohner wenig Wert. Weshalb es der erzkonservative Cruz, der in Iowa noch stark im Lager der Evangelikalen punkten konnte, schwer haben dürfte.

Wer macht bei den Demokraten das Rennen?

  • In den Umfragen sieht es nach einer klaren Entscheidung aus. Der linke Bernie Sanders führt bei den Demokraten haushoch, Hillary Clinton hat New Hampshire dagegen wohl schon aufgegeben. Sanders' Stärke liegt auch daran, dass er aus dem Nachbarstaat stammt. Außerdem hat es der 74-Jährige geschafft, mit seinen unkonventionellen Ideen die Herzen der Jugend zu erobern. In Iowa errang er 84 Prozent der Stimmen in der Gruppe der 17- bis 29-jährigen Wähler, Clinton nur 14.

Verliert Hillary Clinton hier das Rennen um die Kandidatur?

  • In den letzten Jahrzehnten ist nie ein Kandidat US-Präsident geworden, der nicht mindestens eine der beiden Vorwahlen in Iowa oder in New Hampshire gewonnen hat. Bei der ersten Abstimmung vor einer Woche war der Vorsprung der Ex-Außenministerin nur hauchdünn, eine Niederlage jetzt könnte dazu führen, dass Konkurrent Sanders überraschend die Favoritenrolle zukommt. Dabei war die Ausgangslage vor wenigen Wochen noch umgekehrt: Da war Clinton als Präsidentschaftskandidatin bereits gesetzt, während Bernie Sanders als alter, linker Spinner galt. New Hampshire war für die frühere First Lady schon einmal ein Wendepunkt. Zwar gewann sie 2008 die dortige Vorwahl, hatte im weiteren Vorwahlkampf aber keine Chance mehr gegen einen anderen "Underdog". Sein Name: Barack Obama.

Wie verlässlich sind die Umfragen?

  • Nach dem eher überraschenden Vorwahl-Ergebnis in Iowa, zweifeln viele Amerikaner an der Aussagekraft von Umfragen. "Wir fokussieren uns zu stark auf sie. Und es gibt für so ziemlich jeden eine Umfrage, der ein bestimmtes Ergebnis sucht, was ihm gefällt", sagte der Politikwissenschaftler Dean Spiliotes der Nachrichtenagentur DPA. Zumal es in New Hampshire eine große Gruppe gibt, die schwer einzuschätzen ist. Abstimmen dürfen nämlich alle registrierten Wähler - also nicht nur eingetragene Demokraten und Republikaner. Wer keiner der beiden Parteien angehört, ist als "unabhängig" registriert und kann sich frei zwischen den Bewerbern beider Parteien entscheiden. Die Rede ist immerhin von rund 43 Prozent der Wähler. "Das macht es viel weniger berechenbar, weil die Parteien nicht kontrollieren können, was diese große Gruppe von Wählern in der Mitte tut", so Spiliotes.  
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