. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Oktober 2008, 13:23 Uhr

Der General zieht einen Schlussstrich

Colin Powells Wahlempfehlung für Barack Obama ist ein herber Schlag für John McCain. Denn der Ex-Außenminister und Republikaner stellt sich so schützend vor den unerfahrenen Kandidaten der Demokraten. Ein Ritterschlag zum richtigen Zeitpunkt. McCains Schlussoffensive ist erst einmal ausgebremst. Von Tobias Betz

Stellt sich auf Obamas Seite: der ehemalige Außenminister und Republikaner Colin Powell© Brendan Smialowski/ AFP Photo

Endlich ist es raus. Der ehemalige Außenminister und General Colin Powell unterstützt den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Seit Monaten kursierten Gerüchte darüber in den US-Medien. Powell selbst ließ die Öffentlichkeit lange im Unklaren. Zwar hatte er stets lobende Worte für Obama, doch festlegen wollte er sich nicht. Am Sonntag hat Powell nun sein Geheimnis gelüftet, und sein Auftritt in der politischen Talkshow "Meet the Press" war bemerkenswert. Ein Meilenstein in einem eh schon bemerkenswerten Wahlkampfjahr.

In sieben Minuten fasste Powell zusammen, warum er Obama für den geeigneteren Kandidaten halte. Sieben Minuten, die wie ein Schlussstrich unter den langen Wahlkampf wirkten. Ein Plädoyer für eine Obama-Präsidentschaft, präzise, eloquent vorgetragen, und in seiner Argumentation überzeugend. Sein Fazit: Obama habe Stil und Substanz. Er erfülle die Kriterien, ein erfolgreicher Präsident, ein außergewöhnlicher Präsident zu sein. "Ich glaube, er ist eine Figur des Wandels."

Normalerweise haben die Empfehlungen von Politikern in den USA wenig Einfluss auf Wahlergebnisse. Meist sind sie nur Futter für die hungrigen Medien, die sich im Konkurrenzkampf um die heißeste Nachricht darauf stürzen und sich ausführlich damit beschäftigen. Doch Colin Powells Bekenntnis zu Obama ist mehr als nur eine Nachricht, seine Empfehlung hat Gewicht.

Powell beseitigt Zweifel an Obama

Zum einen, weil Powell als General, ehemaliger Vorsitzender des Generalstabs und Außenminister über reichlich Erfahrung auf dem Gebiet der Nationalen Sicherheit und Außenpolitik verfügt. Dass ausgerechnet er nun dem jungen Obama den Vorzug gibt vor dem langjährigen Senator und Vietnamkriegs-Veteran McCain, dürfte auch die letzten Zweifel an Obamas Fähigkeiten als Präsident und Oberkommandierender der Streitkräfte aus dem Weg räumen. Powell habe damit "Erfahrung" als Argument gegen Obama beseitig, und zwar in nur einem einzigen Statement, räumte Newt Gingrich, Republikaner und ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses, ein. McCain muss damit rechnen, dass Powells Worte auch beim Wähler ankommen. Denn Powell wird trotz seiner Befürwortung des Irakkriegs noch immer in der Bevölkerung geschätzt. Seine Popularitätswerte in den Umfragen liegen bei über siebzig Prozent.

Zum zweiten, weil Colin Powell damit seiner eigenen Partei in den Rücken fällt und ein Beweis für Obamas Anziehungskraft auch bei Republikanern ist. Obama wird mit Powells Hilfe zum überparteilichen Kandidaten, der integriert, der ein zersplittertes Amerika wieder vereinen kann. Powell arbeitete für drei republikanische Präsidenten, spielte 1995 selbst mit dem Gedanken einer Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, war ein gerngesehener Gast und Redner auf Parteitagen und Wahlkampfveranstaltungen. Nun kehrt er in aller Öffentlichkeit dem Bewerber der Konservativen den Rücken und wird somit gleichsam zum Symbol für einen Machtwechsel im Weißen Haus. Das könnte konservative Demokraten und unabhängige Wähler überzeugen, und sogar moderate Republikaner auf die Seite von Obama ziehen. Einen Namen für diese Gruppe gibt es bereits: Obama-Republicans.

Unterstützung in einer kritischen Phase

Bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt der Wahlempfehlung. Normalerweise sprechen sich Politiker schon früh im Wahlkampf für einen der beiden Bewerber um den Präsidentenposten aus. Kommt Powells Unterstützung also zu spät? Mitnichten, sie kommt vielmehr in einer kritischen Phase für Obama. Zwar führt er in allen nationalen Umfragen und ist auch in den wichtigen "Swing States" vorne, doch die Erfahrung aus dem Vorwahlkampf der Demokraten lehrt, dass sich Obama immer dann schwer tat, wenn ihn Demoskopen und Kommentatoren favorisierten. Obamas Schwäche: Den Sack auch zuzumachen, den Sieg einzufahren. "Closing the deal" nennen die Amerikaner das. Da kommt Powell gerade recht, denn er sorgt für neues Feuer in Obamas Wahlkampfmotor und versperrt nun wie ein großer Brocken McCains Weg ins Weiße Haus.

Überraschend ist, dass Powell sein Plädoyer für Obama mit einer harschen Kritik an McCain und seiner Vizekandidatin Sarah Palin verknüpfte. McCain habe unsicher gewirkt, wie man mit den wirtschaftlichen Problemen umgehen soll. "Jeden Tag gab es einen anderen Ansatz", kritisierte Powell. Die Versuche Obama als Muslim und als Terroristenfreund zu brandmarken hätten ihm "Sorge bereitet". McCains-Kampagne sei zu weit gegangen. Sein schärfstes Urteil hatte Powell jedoch für McCains Vize Sarah Palin parat: Sie sei nicht qualifiziert, Präsident zu sein. Damit liefert Powell den Demokraten reichlich Wahlkampfmunition und nahm schon mal die Gründe vorweg, warum McCain diese Wahl wohl verloren haben dürfte. Die Kritik an McCains Art des Wahlkampfs sei "vernichtend", urteilte denn auch Dan Balz, Politikveteran bei der "Washington Post".

McCain verliert wertvolle Zeit

Powells späte Wahlempfehlung ist für McCain bedrohlich, denn im schlimmsten Fall könnte Powell wie der entscheidende Dominostein wirken, der Obamas Sieg in Bewegung setzt. Aber selbst, wenn sich am Ende nur wenige Wähler von Powells Argumenten überzeugen lassen, der Auftritt des Ex-Generals kostet McCain wichtige Zeit. Die US-Medien werden sich in den nächsten Tagen vor allem mit Powell beschäftigen, McCain dürfte es da schwer haben, seine Botschaften noch ans Wählervolk zubringen. Für McCain ein herber Rückschlag, denn die Zeit für ein Comeback wird allmählich knapp.

Eines schloss Powell jedoch aus: Aktiv Wahlkampf werde er nicht für Obama machen, versicherte Powell. Ein schwacher Trost für McCain. Denn ein Wahlkämpfer Powell sei gar nicht nötig, meint Mark Halperin vom US-Magazin "Time". Powells Worte am Sonntag waren schon mehr als genug.

Von Tobias Betz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
SinBringer (21.10.2008, 11:02 Uhr)
@albundy
Ich weiß nicht in welchem Hier und Jetzt Sie sich so aufhalten, Fakt ist, dass Powell gefakete Unterlagen von der CIA und dem Verteidigungsministerium untergejubelt bekam.
---
Er war einerseits Aussenminister der USA andererseits aber eben auch eines der wenigen wirklich angesehenen Mitglieder der Bush-US-Regierung der immer auch ein wenig die Scherbenhaufen hinter Bush aufgeräumt hat und sich darum bemühte mit den Partnern der USA einen wohlwollenden Austausch zu erreichen, zum beiderseitigen Vorteil.
---
Mit diesem Hintergrund trat er bewußt von den eigenen Leuten (CIA/Verteidigungsministerium/Bush) fehlinformiert vor die UNO um die Resolution gegen den Irak anzustreben, guten Glaubens und reinen Gewissens, denn er hatte ja die Unterlagen schwarz auf weiß vor sich auf die er sich stützte und im Grunde sein von allen geschätztes Ehrenwort dafür hergab, daß die geschilderten Tatsachen auch wirklich so seien.
---
Powell ist kein Vorwurf zu machen ihm ist auch nicht vor zu werfen er habe nach dem Erkennen der gefälschten und bewußt falsch ausgelegten Unterlagen nicht immerhin SEINE Konsequenzen gezogen (Regierung verlassen) und er hat selber zugegeben, daß er sich für diesen Auftritt schäme und ihn ungeschehen machen würde, wenn er denn könne. Kann das irgendeiner der Hardliner und Falken der Bush-Regierung noch von sich behaupten ausser ihm?
---
Colin Powell ist sowohl mit McCain als auch mit Obama befreundet, bereits seit Jahren, hier stützt nicht der eine Schwarze den Anderen, sondern ich denke Powell geht es einzig und alleine darum das für ihn richtige zu tun, auch wenn er selber damit bei den Republikanern sein politisches Grab schaufeln mag.
---
Der Mann ist alt und erfahren genug, er hat mehr gesehen als so ein bisschen Pillepalle - immerhin hat er meines Wissens nach freiwillig zwei Einsatzzyklen in Vietnam hinter sich - um sich wegen einem kleinen Pöstchen unter Obama krumm zu machen. Der Mann hat einfach Stil und Rückgrat und durchaus auch ein gewisses Maß an Ansehen nicht nur weltweit sondern auch im eigenen Land, er hat ausgesorgt, also kann man ihm nicht wirklich niedere Beweggründe unterstellen ... solche Unterstellungen sind eher schrecklich erbärmlich.
Gisella (20.10.2008, 21:56 Uhr)
Nachtrag
-gallahd-er war übrigens der Aussenminister in der ersten Bush-Phase. Hat aber dann in der zweiten Hälfte nicht mehr kandidiert.
Gisella (20.10.2008, 21:54 Uhr)
@gallahad

Was wollen Sie mir weismachen? Es war Collin Powell der mit Bleistift-Zeichnungen die "rollenden Labore" des Saddam erklärt hat und es ging um den Angriff auf den Irak nach dem 9.11. und nicht um die Verteidigung Kuweits, Ich habe diese Farce im amerik. Fernsehen verfolgt , der CIA Tennant saß hinter ihm. Ich bin doch nicht blöd.er hat seinen Kopf für Bush hingehalten -schade, um diesen Mann.
Johann58 (20.10.2008, 20:13 Uhr)
@albundy69
welches sinkende Schiff? Wenn man McCain, Palin, und wenn Bush noch was sagt, dann auch dieser, hoert, dann ist doch alles in Butter, ernst Krise ja aber wir koennen sie meistern wir wissen genau wie und der amerikanische Mittelstand wird's schon richten. Sarah Palin macht es mit Gottvertrauen statt mit Wissen und Erfahrung, was soll da noch schief gehen. Dass der Rassismus eine olle spielt ist ja nun auch nichts wirklich neues. Fakt ist, dass viele Weisse Obama nicht waehlen werden wegen seiner Hautfarbe und dem was so an Luegen verbreitet wird. Wenn du die Frau gesehen hast, die McCain gefragt hat; kann ich Obama ueberhaupt trauen, er ist doch Mmoslem und Araber? Dann weist du was mit rassismus gemeint ist. Das hat sogar McCain dazu bewogen Obama zu verteidigen, was ihm wirklich hich anzurechnen ist.
albundy69 (20.10.2008, 17:42 Uhr)
@nightmareonline und fordperfect
lieber ford, merken sie sich hier eins: sobald sie hier eine wahrheit auch nur andeuten, zieht einer der millionen angeschlossenen gutmenschen die keule auf der "rassist", "antisemit", "innländerfreund", u.s.w. steht und sie sind ein wehrloses opfer.
Verehrter Nightmare: was wollen sie mit Ihren Andeutungen "rassimus..." andeuten ? Fakten sind ehrlicher als verklausuliertes Gesülze !
-----
Zum Thema : Hätte Powell nicht jahrelang Zeit gehabt SEINE Form der Wahrheit zu erkennen, SEINE Form der Wahrheit zu sagen ? JETZT, 14 Tage vor der Wahl fällt es ihm ein ? In der deutschen Sprache habt ihr ein Sprichwort, welches Ratten und sinkende Schiffe zusammennennt .... !
-----
Sucht Powell etwa einen neuen Job ?
Brother helps brother ? Condi eventuell als Finanzministerin ?
Johann58 (20.10.2008, 17:21 Uhr)
@schiri05
Ja, da war was, aber wenn Sie wenigsten ein wenig nachgeforscht haetten, waere Ihnen nicht verborgen geblieben, dass Colin Powell zum einen nicht mehr angetreten ist bei der 2. Amtszeit von Bush und dass er wenn auch Jahre spaeter seinen Fehler eingestanden hat und vom schwaerzesten Punkt in seiner politischen Karriere gesprochen hat. Seine Unterstuetzung fuer Obama adelt diesen wirklich, da Colin Powell hohes Ansehen in den USA hat.
@galahad610
Dass er Staabschef im 1. Golfkrieg war, hat nichts mit seinem Auftritt 2002 vor den Vereinten Nationen zu tun bei dem er ja nun wirklich nur Fake Dokumente vorgelegt hat. Ausserdem war zwischenzeitlich ja dann auch der Bush ein anderer.
nightmare_online (20.10.2008, 16:54 Uhr)
Zumindest
... hatte Powell das Rückgrat, zurückzutreten, nachdem er offensichtlich vor der UN die Unwahrheit gesagt hatte. Soviel Rückgrat hatte der Rest der Bush-Administration nicht, obwohl zu vermuten ist das der eine oder andere - im Gegensatz zu Powell - mit ziemlicher Sicherheit wusste das die Informationen nicht korrekt waren.
Insofern hat der Mann was, was dem Rest des Bush-Krieger völlig abgeht: Anstand.
@FordPrefect: Hier die Rass(ist)en-Karte zu spielen ist peinlich. Mächtig peinlich.
Schiri05 (20.10.2008, 16:42 Uhr)
Da war doch was....
Colin Powell war doch der Politiker, der die Weltgemeinschaft belogen hat in Punkto Rollende Labore etc. . Das sojemand überhaupt noch Wahlkamphilfe leisten kann und diese dann auch noch als Ritterschlag empfunden wird, gibt es auch nur in den USA, wo die Halbwertzeit von Fakten und Taten nur noch bis zum nächsten Tag dauert.
galahad610 (20.10.2008, 16:24 Uhr)
wahlkampfhilfe...
nun ja..es tut mir leid für den MENSCHEN mc cain,aber es war absehbar..und ich glaube auch richtig,denn palin(die "hockey-mom")sollte genau DAS sein und nicht die vize.präsidentin der usa...und:
@giesella:
er war stabchef im ERSTEN golfkrieg..da ging es nicht um rollende labore sondern um die befreiung kuwait´s..nur so am rande..:-)
Ford.Prefect (20.10.2008, 16:13 Uhr)
Nachtigall....
Hilft hier vielleicht der eine Bruder dem anderen?
MEHR ZUM ARTIKEL
US-Wahlkampf Republikaner Powell steht zu Obama

Im Endspurt zur US-Präsidentenwahl hat der demokratische Kandidat Barack Obama prominente Unterstützung aus dem Lager der Republikaner erhalten: Der frühere Außenminister Colin Powell stellte sich hinter Obama - obwohl er seit Jahrzehnten mit dem republikanischen Kandidaten John McCain befreundet ist. mehr...

US-Wahlkampf "Washington Post" setzt auf Obama

Mit der "Washington Post" hat die erste große US-Zeitung ihre Empfehlung im Rennen um die Präsidentschaft gegeben: Sie setzt auf Barack Obama. Den Wahlkampf von John McCain nennt sie enttäuschend. Obama warnt derweil seine Anhänger, die Demokraten könnten es noch vermasseln. mehr...

US-Wahlkampf Obama gewinnt härtestes TV-Duell

Das dritte und letzte Aufeinandertreffen brachte die schärfsten Auseinandersetzungen: Die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain warfen sich beim letzten TV-Duell gegenseitig schlechte Wirtschafts- und Finanzpolitik vor. Kritik gab es auch für einen schmutzigen Wahlkampf. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe