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14. Januar 2009, 10:30 Uhr

"Wir haben in Guantànamo gefoltert"

Nacktverhör, Schlafentzug, Demütigung mit Büstenhalter und Slip: Eine hochranginge Vertreterin der US-Regierung hat erstmals die Folter von Insassen des Gefangenenlagers Guantànamo auf Kuba zugegeben - und abscheuliche Details geschildert.

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Guantànamo auf Kuba: Etwa 255 Männer sind noch in dem Lager inhaftiert© Randall Mikkelsen/DPA

Eine hochrangige Vertreterin der scheidenden US-Regierung von Präsident George W. Bush hat erstmals die Folter von Häftlingen im Gefangenenlager Guantànamo eingeräumt. Der wegen der Planung der Anschläge vom 11. September angeklagte Mohammed Al-Kahtani sei dort 2002 misshandelt worden, sagte Susan Crawford, die im Verteidigungsministerium für die Kontrolle der Militärtribunale im Lager zuständig ist, der "Washington Post". "Wir haben Kahtani gefoltert. "Seine Behandlung entsprach der rechtlichen Definitionen von Folter." Deshalb habe sie die Anklage gegen Kahtani wegen Kriegsverbrechen im Mai 2008 zurückgewiesen, erklärte die ehemalige Richterin. Präsident George W. Bush und sein Vize Dick Cheney haben wiederholt erklärt, die USA foltere nicht.

Crawford berichtete von Demütigungen Kahtanis. Dieser sei gezwungen worden, nackt vor einer weiblichen Ermittlerin zu stehen. Er sei an 48 von 54 Tagen jeweils 18 bis 20 Stunden verhört worden. Ihm sei ein BH angezogen und ein Tanga-Slip über den Kopf gezogen worden. Außerdem sei Kahtani durch einen Militärhund eingeschüchtert und an der Hundeleine durch den Raum geführt worden. Seine Mutter und Schwester hätten die Militärs als Huren beschimpft. Dies seien genehmigte Methoden gewesen, die jedoch übermäßig aggressiv und zu lang andauernd angewendet worden seien, sagte Crawford: "Es war die Kombination vieler Dinge, die seine Gesundheit verletzte. Es war beleidigend und unangebracht." Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dem Blatt, die "angewendeten Spezialmethoden" seien seinerzeit rechtmäßig gewesen.

Kahtani war im Januar 2002 in Afghanistan festgenommen und nach Guantànamo gebracht worden. Ihm war 2001 die Einreise in die USA verweigert worden. Der Anklage zufolge hat er die Anschläge vom 11. September 2001 mit geplant und hätte der 20. Flugzeugentführer sein sollen. Crawford bezeichnete Kahtani als einen "sehr gefährlichen Mann", den man unter keinen Umständen freilassen dürfe. Die Errichtung des Gefangenenlagers für "ungesetzliche feindliche Kämpfer" halte sie grundsätzlich für richtig, sagte Crawford. Die Umsetzung sei jedoch mangelhaft.

Das Pentagon warnte unterdessen vor ehemaligen Guantànamo-Insassen. 61 frühere Häftlinge des US-Gefangenenlagers sein nach ihrer Freilassung zum Terrorismus zurückgekehrt. In 18 Fällen lägen entsprechende Beweise vor, bei 43 weiteren deuteten Geheimdienstinformationen darauf hin. Damit sei die vermutete Rückfallquote auf elf Prozent gestiegen. Im März 2008 war die Quote noch mit sieben Prozent angegeben worden. Pentagon-Sprecher Geoff Morrell wollte weder Namen nennen noch sagen, in welche Länder die ehemaligen Guantànamo-Insassen entlassen wurden. Bislang wurden 520 Inhaftierte aus dem Marinestützpunkt freigelassen oder in Gefängnisse in anderen Teilen der Welt überstellt.

Der gewählte US-Präsident Barack Obama will Guantànamo schließen und dies nach Angaben eines Beraters möglicherweise schon in der ersten Woche nach seinem Amtsantritt anordnen. Dennoch dürfte es noch eine Weile dauern, bis das umstrittene Lager tatsächlich dicht gemacht wird, da zuvor noch Aufnahmeländer für diejenigen Häftlinge gefunden werden müssen, die weder in ihre Heimat zurückkehren können noch in den USA bleiben wollen. Rund 255 Männer sitzen noch in dem Lager auf dem US-Marinestützpunkt auf Kuba. Von ihnen sollten nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium rund 110 eigentlich nie mehr freikommen, weil sie eine Gefahr für die USA werden könnten.

Das Lager Guantànamo war unter Bush eingerichtet worden und wurde zum Symbol besonders aggressiver Verhörmethoden, die den USA den Vorwurf der Folter eingebracht haben.

Reuters/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
dutchinmex (14.01.2009, 20:28 Uhr)
110 die ohne öffentlichen Prozess
und Beweise nie mehr freikommen? In China hätten diese Leute mehr Menschenrechte. Das zeigt mal wieder, daß die Bevölkerung der USA nicht weniger primitiv ist als die von z.B. Sudan.
stwberlin (14.01.2009, 19:46 Uhr)
Foltern oder nicht ?
Das wirklich schlimme an Guantanamo ist doch, dass diese Menschen nie ein faires Gerichtsverfahren bekommen haben, und somit ohne eine rechtskräftige Verurteilung gedemütigt wurden. Das Ausmass dieser Demütigung ist dann bereits uninteressant.
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Wer rechtskräftig verurteilt ist, verliert gewisse Persönlichkeitsrechte (z.B das auf Freiheit des Wohnortes). Inwieweit diese Begrenzung bei wirklich gefährlichen Terroristen auch das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit ausschliesst, kann nur diskutiert werden, wenn vorher ein funktionierendes demokratisches System in einem fairen Verfahren durch seine Judikative ein klares, dem geltenden Recht entsprechendes Urteil gesprochen hat.
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Genau das haben die USA falsch gemacht.
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Darüber erst zu verurteilen, und anschliessend "harte Mittel" einzusetzen, um weitere Gewalt einzugrenzen, kann man sicher reden.
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Niemals aber kann man ernsthaft über eine Abschaffung der Gewaltenteilung in einer Demokratie diskutieren.
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Bush ist dafür direkt verantwortlich und gehört dafür auch vor ein internationales Gericht. Seine Immunität fällt ja nun...
kepe (14.01.2009, 19:17 Uhr)
Nordamerika
hat seine eigenen Regeln - im Sport und in der Politik. Als aktuelles Beispiel kann dafür das Endspiel in der Eishockey-Weltmeisterschaft der Junioren stehen.
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Aber wieviel Kultur soll eine "zivilisierte Gesellschaft" haben, die seit 200 Jahren existiert?
hiro42 (14.01.2009, 18:35 Uhr)
Amerikanische Gefängnisse
Das Guantanamo inakzeptabel ist versteht sich von selbst. Interessant ist aber das viele Amerikaner Guantanamo für recht human und angemessen halten, weil die Situation in den regulären amerikanischen Gefängnissen auch nicht besser sei. Noch Fragen?
Salzsteuer (14.01.2009, 18:06 Uhr)
Ja glauben die gringos wirklich
das aus Menschen die sie jahrelang gefoltert haben nunmehr christlich-fundamentalistische Missionare werden?
Amerikaner, sind das nicht die Menschen die den Indianern das Land gestohlen haben bevor sie diese ermordeten und jetzt bestimmen wollen wer dort wohnen darf??
Lou123 (14.01.2009, 16:29 Uhr)
Ok,
ich wollte es nur wissen, da ich bisher noch nichts von chemischen Waffen gehört habe. Dem Bericht der Times nach, kann man dann auch den Bogen zu Waffenlieferungen durch Deutschland spannen.
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Die Frage nach Propaganda wird doch wohl noch gestattet sein, oder? Konfliktparteien kann man schliesslich alles zutrauen. Oder sensationlüsternen Nachrichtenagenturen: http://www.zombietime.com/reuters_photo_fraud/ ;)
Clibanarius (14.01.2009, 16:01 Uhr)
Er,...
...verdad, meint damit vermutlich Phosphorbomben, welche umstritten sind ob sie konventionelle oder chemische Waffen ob ihrer Wirkungsweise. Und das Israel dies Waffen einsetzt, vermeldet http://tinyurl.com/8wscez
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Aber vielleicht verbreitet die Times nur "antiisraelische Propaganda" und fälscht Bilder.
Lou123 (14.01.2009, 15:39 Uhr)
@verdad
Chemische Waffen sind geächtet. Richtig ist, das die USA und einige andere Staaten noch diese Waffen besitzen.
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Hast du irgendwelche Beweise oder zumindest Quellen anhand derer man deine Behauptungen überprüfen kann, oder ist das nur antiisraelitische Propaganda?
hevosenkuva (14.01.2009, 15:14 Uhr)
Überraschende Rückfallquote?
Folter, Demütigung, Willkür, Ausserkraftsetzung der Menschenrechte: eigentlich sollte die Rückfallquote viel höher sein. Die meisten sind wohl doch einfach unschuldig in die Klauen des Welt-Sheriffs geraten – oder geraten worden.
verdad (14.01.2009, 15:09 Uhr)
usa raus von guantanamo
ihr Heuler das wusste jeder sogar Merkel und wie lange erlaubt ihr das usa deutschland benutz um Terror zu üben, israel wirft gerade jetzt auch chemischen Waffen gegen palestina die durch deutschland von usa bekommen, wie lange noch erlaubt diese zivilizierte land das usa hier ihr basis hat mein gott macht die augen auf von wo kommt wirklich das Terror
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