. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
3. September 2008, 06:34 Uhr

"Alles spricht gegen die Republikaner"

Er war Bushs wichtigster Redenschreiber und erfand einst den Begriff "Achse des Bösen". Doch David Frum hat sich seither zum Kritiker gewandelt. Im stern.de-Interview erläutert er, warum die Republikaner ein gewaltiges Problem bei diesen Wahlen haben und McCains Vizewahl Sarah Palin ein riskantes Spiel ist.

Skeptischer Blick: Obwohl McCain jetzt auch die konservativen Herzen zufliegen, kann er sich eines Wahlsieges nicht sicher sein© REUTERS/Shannon Stapleton

Herr Frum, nach dem grandiosen Auftritt Obamas in der vergangenen Woche - wie sollen die Republikaner diese Wahlen überhaupt noch gewinnen?

Die Republikaner haben in der Tat ein gewaltiges Problem. Und dies ist nicht das Thema Irak, sondern die Wirtschaft. Denn vom starken Wirtschaftswachstum in den ersten Jahren der Bush-Regierung hat die amerikanische Mittelklasse so gut wie gar nicht profitiert. Und so ist es nicht erstaunlich, dass heute vier von fünf Amerikanern glauben, das Land sei auf dem falschen Weg. Und zwei von drei Amerikanern sind unzufrieden mit dem Präsidenten. Die Menschen sind sehr pessimistisch, was die Wirtschaft betrifft. Die Stimmung ist so schlecht wie seit 1992 nicht mehr...

... damals gewann ein unbekannter Gouverneur aus der Stadt Hope in Arkansas die Wahlen. Er hieß Bill Clinton...

... ja, aber das heißt nicht, dass in diesem Jahr Barack Obama gewinnen wird. Auch, wenn eigentlich alles gegen die Republikaner spricht.

Welche Chancen räumen Sie dem immerhin 72-jährigen Kandidaten John McCain ein?

In diesem Jahr wollen die Wähler Wandel. Aber Wähler sind eben auch vorsichtig, sie wollen eigentlich keine Risiken eingehen. Und genau so positioniert sich John McCain gerade - als erfahrener Kandidat des Wandels ohne Risiko - ganz anders als Obama.

Doch McCain gehört der Partei Bushs an, er befürwortet den Krieg im Irak, versteht nur wenig von Ökonomie und er gilt als unberechenbarer Außenseiter.

Genau diese Außenseiter-Rolle könnte ihm in diesen Wahlen sogar helfen. Denn John McCain hat die Regierung, sogar Präsident Bush, immer wieder kritisiert. Vor allem bei den Themen Steuern und Irak hat er sich mit Bush regelrecht angelegt. Er forderte ja schon früh, die Zahl der Truppen substanziell zu erhöhen. Er wich von dieser Überzeugung nicht ab. Und jetzt zeigt sich: John McCain hatte Recht, der Präsident hatte Unrecht. Außerdem gilt McCain als Reformer, als einer, der sich nicht scheut, die Regierung zu kritisieren - auch wenn die eigene Partei gerade die Macht hat. Und jeder im Land kennt ihn.

Welche Folgen hat die überraschende Wahl der völlig unbekannten Alaska-Gouverneurin Sarah Palin als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin?

Offenbar erhoffte man sich mit ihrer Nominierung eine positive Reaktion bei Frauen und Wechselwählern, den Unabhängigen. Aber jetzt scheint es, als ob vor allem die Konservativen in der Partei regelrecht begeistert von ihr sind. Seit ihrer Nominierung gibt es eine regelrechte Spenden-Welle, innerhalb weniger Tage gingen mehrere Millionen Dollar Wahlkampfspenden ein.

Nach offiziellen Angaben waren es mehr als zehn Millionen Dollar.

Aber natürlich ist diese Entscheidung zugleich ein Risiko: Wenn dem Präsidenten etwas passieren würde, dann läge das Schicksal der freien Welt in den Händen einer Frau, die bis vor wenigen Jahren Bürgermeisterin einer Kleinstadt in Alaska war.

Die Dame überrascht mit Neuigkeiten - wie etwa der Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter, einer Schülerin.

Die konservative Parteibasis sieht das eher als Bestätigung für die Standfestigkeit und die richtigen Überzeugungen Palins: gegen Abtreibung, für eine große Familie. Außerdem führt man dies als Beweis für die angebliche Einseitigkeit der angeblich linken Medien an. Die Presse habe mehr als ein Jahr lang über den Sexskandal des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Edwards geschwiegen, heißt es jetzt.

Dennoch - hat sich McCain diese Entscheidung gut überlegt?

Offiziell heißt es ja, Sarah Palin habe einen rigorosen Prüfungsprozess durchlaufen. Aber es gibt Hinweise darauf, dass es doch eine Entscheidung in letzter Minute war. Aber innerhalb der Partei sieht man sie im Moment durchaus positiv. Sie hat eine gute Story - als Kämpferin gegen die Korruption. Sie ist eine charismatische Persönlichkeit. Ich kann schon verstehen, was McCain an ihr gefällt. Sie ist ihm in einigen Dingen ähnlich.

Aber verprellt er sich so nicht die unabhängigen Wechselwähler, die er für einen Wahlsieg dringend braucht?

Das kann im Moment niemand sagen. Und wäre ich ein Mitarbeiter in Obamas Stab, dann würde ich genau darauf zielen: Diese Entscheidung war ein riskantes Spiel, und sie zeigt, dass der weißhaarige Kandidat John McCain das eigentliche Risiko in dieser Wahl ist - und dass Barack Obama vielmehr der Vorsichtige ist, der für verlässliche Politik steht. Ich fürchte, dass dies der größte Schaden ist. McCains Slogan ist: "Das Land zuerst". Aber stellt er wirklich das Land über alles andere, wenn er eine unerfahrene Kleinstadtbürgermeisterin zur Vizepräsidenten macht? Es wird nicht einfach für die Republikaner, das Land wünscht einen Wechsel, man will den alten Amtsinhaber und seine Partei nicht mehr. Aber man weiß auch: für den Durchschnittswähler gelten die Demokraten, gilt Barack Obama als zu links. Und letztlich wird auch diese Wahl in einigen wenigen Wahlkreisen, in einigen wenigen Bundesstaaten entschieden. Und nur darum wird es letztlich gehen.

Zur Person David Frum, 48, gilt als einer der Neokonservativen in der Republikanischen Partei. Der ehemalige Redenschreiber George W. Bushs gehörte zu den Befürwortern des Irak-Krieges. Doch er wandelte sich vom Bush-Bewunderer zum Kritiker der Regierung und der Republikanischen Partei. Der will er ein Reformprogramm verordnen, etwa auch eine "grüne Revolution".

Interview: Katja Gloger
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
ecomoc4u (04.09.2008, 09:34 Uhr)
@chatahootchee
in der tat spricht vieles gegen mccain. aber er kann mit "terror", "energie" etc... punkten.
ich sage es mal ganz anders...
obama = muslim
mccain = gegen weisse.
obama ist mir sympatisch, er versucht die masse mit allgemeiner vernunft zu überzeugen. mccain setzt auf die angst der bürger, und die vormachtsstellung der usa. vor allem aber wird mccain den zionisten gewaltig zuspielen, also gegen die weisse mehrheit, so wie bush es bereits getan hat.
das ist meine persönliche ansicht.
chatahootchee (03.09.2008, 19:32 Uhr)
VERSTEH ICH NICHT
Ich lebe im gelobten Land und lebe gut mit den Leuten. Ich habe auch die Welt bereist, kann daher mit den billigen Klischees von ritchie und elliottsmith nichts anfangen.
Noch unverstaendlicher, und dies mit allem Respekt, ist fuer mich der Beitrag von johann58. Erstens schliesse ich mich dem Kommentar von 042020 an, aber zweitens faellt der gute Johann auf die Worthuelsen eines BHO 'rein. Was ist Change durch Obama und Biden? Dass er jetzt sogar befreundete Nationen ueberfallen will?
Uebrigens, wenn BHO sagte, dass McCain zu 90% mit Bush gestimmt hat, dann ist die korrekt. ABER, dies waren einstimmige Zustimmungen im Senat, also auch die von einem BHO.
Zum Schluss ein Kommentar zu 'stern.de': Die ueberschriftenmacher haben das Interview nicht verstanden. Lausig wie so oft.
042020 (03.09.2008, 18:56 Uhr)
der Johan58
und trotzdem bleibt er in Atlanta ?
muss eben doch besser sein als in "D"
Johann58 (03.09.2008, 17:20 Uhr)
Das System
in den USA ist das Problem, nicht die Bevoelkerung. Die Allgemeinbildung schlecht, die meisten Eltern nicht in der Lage sich um den Nachwuchs zu kuemmern und dann so schnell wie moeglich ein zwei Jobs um irgendwie den Amerikanischen Traum doch noch zu verwirklichen. Das Auto hat Henry Ford erfunden, das Telefon Graham Bell, den Computer die Fa. IBM. und kein Mensch tut etwas dagegen, dass die US in dem Glauben irgenetwas aendert. Das groesste Land der Erde, das Land mit den tollsten Autos und das einzige land, welches einen Menschen auf den Mond geschossen hat (Originalton Mitt Romney). Dabei hat das Land wie die meisten anderen liebenswerte Menschen, die hilfsbereit und sendenwillig sind, geben wenn sie koennen und nicht merken wie sie von Ihrer Regierung und den Kreditgesellschaften verarscht werden, ausgenutzt und dann wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen werden. Nachdem ich gelernt habe, dass die Amerikaner die Care Pakete nach dem Krieg privat finanziert haben, und selbst wirklich arme Menschen den ehemaligen Feind bedingungslos unterstuetzt haben, ist es eigentlich nur schade, dass sie nun wieder mit Luegen, falschen Versprechungen und der Bigotterie Ihrer politischen Fuehrung in die naechste Katastrophe gestuerzt werden. 4 oder 8 weitere Jahre im Geiste George W. und die Bevoelkerung geht baden.
elliottsmith (03.09.2008, 16:04 Uhr)
@ritchie
Wobei ich hinzufügen würde, dass die Amerikaner, die nach Europa kommen, im Vergleich zu den christlichreligiösen Fundamentalisten im Land sogar zum großen Teil noch aufgeschlossen sind. Die, die ich davon kenne, konnten alle nicht verstehen, dass Bush gewählt wurde. Die, die Bush die Mehrheit geschenkt haben, sind nicht daran interessiert die Welt zu bereisen, weil sich ja alles was von Bedeutung ist bereits im eigenen Land befindet. Die Amerikaner schmoren zum großen Teil viel zu sehr im eigenen Saft. Obama repräsentiert mit seinen Ansichten zwar nicht die Mehrheit der Amerikaner, aber vielleicht schafft er ja einen Meinungsumschwung, wenn die amerikanischen Wähler nicht zu ängstlich sind.
ritchie (03.09.2008, 15:32 Uhr)
Das Land ist schön, aber...
die Leute. Es könnte einem ja egal sein, aber es ist nun mal die mächtigste und wohl auch aggressivste Macht der Erde. Jeder Ami wird so erzogen, das nur er im gelobten Land lebt; alle anderen Länder der Erde sind dazu im Vergleich minderwertig. Mit dieser infantilen Geisteshaltung gehen sie gegen den Rest der Welt vor.
andreas_n (03.09.2008, 13:18 Uhr)
immer wieder erstaunlich,
wie der grundtenor eines artikels im stern so fundamental von dem abweicht, was einem die headline verheissen will...
MEHR ZUM ARTIKEL
Republikaner 70 intime Fragen an Sarah Palin

Das Vorleben von Sarah Palin scheint die Republikaner kalt erwischt zu haben - und das, obwohl Parteistrategen die Gouverneurin, die Vize-Präsidentin der USA werden könnte, doch durchleuchtet hatten. 70 intime Fragen musste Palin beantworten, darunter auch welche zu ihrer Ehe. mehr...

Parteitag der US-Republikaner Bush lobt McCain aus der Ferne

Sie sind keine Freunde. Dennoch hat US-Präsident George W. Bush John McCain, den designierten Kandidaten der Republikaner, auf deren Parteitag per Videobotschaft gepriesen - als Mann, den Amerika nun brauche. mehr...

Parteitag der Republikaner McCains gefährliche Unbekannte

Es klingt wie eine Posse, für John McCain ist es bitterer Ernst. Binnen einer Woche hat sich die zunächst bejubelte Wahl Sarah Palins zur Stellvertreterin als möglicher Flop erwiesen. Wegen der Schwangerschaft ihrer Tochter - aber nicht nur deswegen. Die Zweifel an McCains Urteilskraft wachsen. mehr...

McCains Vizekandidatin 17-jährige Tochter schwanger

Nur drei Tage nach ihrer Nominierung als Kandidatin für das Vizepräsidentenamt hat Sarah Palin bestätigt, dass ihre 17-jährige Tochter Bristol schwanger ist. Pikant: Die 44-jährige US-Republikanerin gilt als stramm konservativ und strikte Abtreibungsgegnerin. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe