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4. September 2008, 06:11 Uhr

Offensive "Hockey Mum"

Familie, Provinz, amerikanische Stärke - Sarah Palin hatte ihren Auftritt auf dem Parteitag der US-Republikaner ganz unter das Zeichen traditioneller Werte gestellt. Besonders beim Thema Familie konterte sie die Vorwürfe des Gegners - und streifte auch den heißesten Punkt der vergangenen Tage.

Umjubelt: Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin auf dem Parteitag der US-Republikaner

Die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter hatte Sarah Palin in den vergangenen Tagen etwas ins Zwielicht gebracht. Schließlich dient es der Glaubwürdigkeit der konservativen und sehr religiösen Vizepräsidentschaftskandidatin nicht unbedingt, wenn ihre unverheiratete Tochter ein Kind erwartet. Auf dem Parteitag in St. Paul/Minnesota erwähnte sie den heiklen Punkt nicht explizit, sagte aber, dass auch die Palins eine ganz normale Familie "mit allen Höhen und Tiefen" gemeint seien, in der auch die Freude mit "Herausforderungen" verbunden seien - eine Anspielung auf die Kritik der vergangenen Tage.

Gleich mehrere Minuten widmete die fünffache Mutter ihren Kindern, ihrem Mann und ihren Eltern, alle im Saal anwesend Palin gab sich quasi als "Mutter von nebenan, oder in ihren Worten als "durchschnittliche Hockey Mum". So werden in Amerika normale Mütter genannt, die ihre Kinder beispielsweise zum Eishockey begleiten.

Mit ihrer Familie versuchte die 44-Jährige auch politisch zu punkten. Ihr 19-jähriger Sohn habe sich freiwillig für den Irak-Krieg gemeldet, und ihr Mann sei Gewerkschafter, sagte Palin. Genau bei letzteren, weißen Arbeitern, hat der politische Gegner Barack Obama, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Nachholbedarf bei den Wählern. Überhaupt Palins Mann: Mit ihm sei sie seit der High School zusammen, seit zwei Jahrzehnten verheiratet - und er sei immer noch ihr "Kerl", sammelte Palin Treuepunkte bei der konservativen Klientel.

Palin gilt vor allem als wichtig im Hinblick auf den Stimmenfang im ländlich geprägten und tief religiösen Mittleren Westen. Folglich sprach die Gouverneurin von Alaska, früher Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt Wasilla, von den Herausforderungen, die ihre Arbeit als Kleinstadtbürgermeisterin mit sich gebracht hätte. "Ich komme aus einer kleinen Stadt", betonte Palin und gewann damit den Jubel der Delegierten. Die Gefolgschaft der Republikaner speist sich viel mehr als die der Demokraten aus der Provinz. Die Bemerkung konterte allerdings auch einen Vorwurf der Demokraten, Palin sei zu unerfahren und weise nur als Provinzpolitikerin Routine auf.

Programmatisch stürzte sich Palin vor allem auf die Energiepolitik, aufgrund der immens gestiegenen Spritpreise ein wichtigs Thema in den USA. Amerika müsse mehr Öl und Gas fördern, um unabhängiger von der "Gnade" der ausländischen Lieferanten wie Russland zu werden, sagte die Gouverneurin des rohstoffreichen Alaska und forderte mehr Pipelines. Sie propagierte aber auch einen Energiemix aus Kernkraft, Kohle und Alternativen Energien.

Während sie beim republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain vor allem seine Eignung als starker Führer, als "Commander in Chief" hervorhob, verschonte sie den Gegner Barack Obama weitgehend. Zwar spottete sie mit Hinblick auf das von Obama abgelehnte Gefangenenlager Guantanamo, dass ihm die "Rechte von Terroristen" offenbar wichtiger seien, als den Irak-Krieg zu gewinnen - obwohl doch jetzt der Sieg bevorstehe.

Es war aber Palins Vorgänger als Redner, Rudy Giuliani, vorbehalten, auf Obama einzudreschen. Der unterlegene Bewerber der Republikaner und ehemalige Bürgermeister von New York nahm sich das Lieblingsthema seiner Partei vor: Obamas angebliche Unerfahrenheit. Er sei kein "Commander in Chief", sagte Giuliani. Er habe keine Krisen bewältigen müssen und sei statt eines Führers nur ein "Prominenten-Senator".

John McCain wurde auf dem Parteitag offiziell zum US-Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei nominiert. Bei der Abstimmung der Einzelstaaten erhielt er die notwendige Zahl von Delegiertenstimmen. Seine Antrittsrede will er in der Nacht zum Freitag halten.

ben
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
mats123 (05.09.2008, 09:20 Uhr)
@dimmelmann
Und wieder gilt der alte Foren-Grundsatz: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Sie brauchen nur die früheren Forenbeiträge der Obama-Fans hier durchzulesen, und Sie werden genau die Schmähungen dort finden, die ich kritisiert habe, nämlich dass McCain schon allein aufgrund seines Alters diffamiert wird und Palin aufgrund ihrer fünf Kinder als Gebährmaschine diskreditiert wird. Also lieber erst mal lesen, bevor losgewettert wird.
ganzbaf (04.09.2008, 23:25 Uhr)
Und den Idianermassenmord...

und Kontinentaldiebsthl ))-:
Aber Amerikaner sind halt auch nur "rübergemachte" Europäer.
indie80 (04.09.2008, 19:27 Uhr)
Perspektive
graw82 schreibt:"Und man Gründe für die ganze Misere sucht, dann bringt der Kabarettist Hagen Rether das schon ganz gut auf 'nen Punkt: "Als wir (Europäer) angefangen haben uns aufzuklären mit Kant, Voltaire und Co, haben die dort angefangen, Sklaven zu halten. Da kommt man nach 200 Jahren zu völlig anderen Ergebnissen." CHEERS!"
Johann58: "Der amerikanische Traum schlechthin, auf den Muell mit allem was die Europaeer in den letzten 200 Jahren erdacht erfunden und weiterentwickelt haben."
Wenn ich die beiden Kommentare lese, möchte ich noch mal eben darauf hinweisen,dass die USA vor über 200 Jahren die Demokratie, Pressefreiheit, Gewaltenteilung... "erfunden haben und wir deutsche unter anderem vor ca 60 Jahren 6 Mio. Juden umgebracht haben.
dimmelmann (04.09.2008, 17:39 Uhr)
@mats123
lieber mats, gottseidank verstehst du soviel von Amerika!!! Wer McCain kritisiert, ist ein linker Hetzer und diskrimiert gern Alte! Wer Symphatien für Obama äussert, ist ein tumber Tölpel, der sich von dessen Wahlkampfmaschinerie blenden lässt!! So einfach hättest du es gern! Selbst die Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika waren fortschrittlicher und weniger bigott als diese Ansammlung von Kriegstreibern und Waffennarren!!!
mats123 (04.09.2008, 13:45 Uhr)
Linke Verleumder und Diskriminierer
All die linken Genossen, die hier gegen McCain und Palin wettern, offenbaren ihren geistigen Horizont und ihre antidemokratische, diskriminierende Haltung.
Es ist unsäglich, wie einem McCain hier allein aufgrund seines Alters das Recht auf eine Kandidatur abgesprochen werden soll.
Auch ist es primitiv, immer McCain mit Bush junior gleichzusetzen. Die beiden trennt mehr als sie verbindet. Aber um das zu wissen, müsste man ja etwas Ahnung von amerikanischer Politik haben.
Und dann eine Frau, die fünf Kindern das Leben geschenkt hat, als Gebährmaschine zu diffamieren und ihr das Recht, als Vize zu kandidieren abzusprechen, zeigt welch Geistes Kind die Linken sind. Ihr solltet euch schämen, so schlecht über Kinder und Mütter zu reden.
Abgesehen davon ist der Artikel des stern schlecht recherchiert und zeugt von großer Unkenntnis der amerikanischen Gesellschaft. Nicht alles, was dort gesagt wird, kann man 1:1 ins Deutsche übersetzen.
shine (04.09.2008, 10:32 Uhr)
Re: Unglaublich
>> Unglaublich. Wie bescheuert muss man sein,
>> sich darauf zu freuen und stolz zu sein, das der
>> eigene Sohn in den Krieg zieht?
Naja, wenn man glaubt, daß dieser Krieg "Gottes Wille" ist? Dann schon...
dimmelmann (04.09.2008, 10:31 Uhr)
der jetzige Präsident
der aus einem brennenden Busch den Befehl bekommen hat, die Welt anzuzünden,, sucht würdige Nachfolger...die Waffenindustrie und Öllobby spendet schließlich nicht umsonst!
jac87 (04.09.2008, 10:16 Uhr)
@mats123
Dabei bitte nicht vergessen, dass Obama in seiner "kurzen" Zeit mehr erreicht hat als McCain und Palin zusammen. In seinem Staat gibt es bereits ein Model des Social Healthcare.
McCain ist einfach zu alt um dieser imsensen Belastung und Aufgabe gerecht zu werden. An Palin stört mich mehr, als die "Unerfahrenheit", ihre mitteralterlichen Ansichten, wie z.B. keinen Aufklärungsunterricht in der Schule. McCain hat sie doch nur nominiert um bei den konservativen zu punkten. Ich frage mich wirklich ob er sich je Gedanken darum gemacht hat, dass Palin Präsidentin sein könnte, wenn er sterben sollte.
SinBringer (04.09.2008, 10:09 Uhr)
Stark?!?
Entschuldigung, für mich ist diese "Lady" einfach nur religiös verblendet und ziemlich "einfach" gestrickt.
Wie dumm muss man sein, Abtreibungen rundweg zu verdammen, Aufklärung als Werk des Teufels anzusehen und seine 17jährige Tochter in eine Ehe zu zwingen mit der eigenen Einstellung, wohlwissend, dass ein Teenager nicht in der Lage sein KANN eine Entscheidung fürs Leben zu treffen, weil ihm die Erfahrungen fehlen, die er dafür benötigen würde?
Ich bin selber Vater eines Kindes und bin entsetzt mit welcher Selbstverständlichkeit man dort die eigene Wertewelt auf ein Kind stülpt, das eigentlich ein Recht hat seine Erfahrungen selber zu machen und sich eine eigene Meinung zu bilden und ich bin mir sicher, diese Chance hatte das Kind niemals in seinem 17jährigen Leben ... traurig, traurig wie rückständig, rückwärtsgewandt und religiös verblendet politische Führungskräfte sein können.
---
@mats
Ich halte es durchaus für einen immensen Unterschied, ob jemand 10 Jahre in der Landespolitik tätig ist, zumindest eine hervorragende juristische Ausbildung an einer Eliteuni hinter sich hat und im Senat tätig ist oder - wie Palin - einen Bachelor für Kommunikationswissenschaften macht , mehrere Jahre bestenfalls als Gebährmaschine arbeitet um dann Bürgermeisterin ihres Dorfes zu sein.
---
Man bedenke einfach einmal wievielen Einflüßen die verglichenen Personen ausgesetzt waren ... wer wird wohl von mehr von der Welt erlebt haben und bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen, wer hat schonmal über den Tellerrand des eigenen Horizonts hinaus geschaut?
Ach und ich bin alles andere als "links" nur eben auch nicht schmerzbefreit für die akute Blödheit der Welt solange nur das Markenzeichen "konservativ" draufgedruckt wird. Den Lemming können Sie also durchaus stecken lassen und mal das Köpfchen einschalten.
endbenutzer (04.09.2008, 10:07 Uhr)
@mats123:
Komisch finde ich auch, dass du Menschen, die nicht mit der Politik der Republikaner einverstanden sind, gleich als "Linke Lemminge" bezeichnest. Nicht alles was demokratisch ist, muss gleich wieder links sein.
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