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29. Juli 2011, 18:02 Uhr

Déjà-vu in Washington

Die USA steuern auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Ein beispielloser Vorgang? Mitnichten. Die Situation erinnert fatal an einen Schuldenstreit aus dem Jahre 1979. Nur war die Dimension der US-Verschuldung damals noch eine andere. Von Martin Kaelble

USA, US-Schuldenkrise, Jimmy Carter, Schulden

Kurz vor der Pleite: Jimmy Carter saß vor 32 Jahren in der Schuldenfalle© Brian Alpert/Getty Images

Selbst eine Last-Minute-Einigung im politischen Tauziehen um die Schuldenobergrenze kann für die USA teuer werden - das lehrt die Geschichte: Denn entgegen landläufiger Meinung waren die USA schon einmal formal zahlungsunfähig, 1979. Die Umstände gleichen erschreckend der heutigen Situation. Gelernt hat man in Washington daraus ganz offenbar nicht.

Auch damals kämpften Kongress und Weißes Haus erbittert um die Anhebung der Schuldengrenze. Dabei ging es allerdings um ein Limit von 830 Milliarden Dollar. Aus heutiger Sicht ein übersichtlicher Betrag: Derzeit streitet man bei 14.300 Milliarden Dollar um ein Höchstlimit, das rund siebzehn Mal so hoch liegt.

Auch damals machten es die Republikaner dem jungen demokratischen Präsidenten nicht einfach. Der hieß Jimmy Carter und rang ebenso verzweifelt um eine Einigung wie heute Barack Obama. Kurz vor Verstreichen der Deadline warnte der damalige Finanzminister Michael Blumenthal eindringlich, die USA seien nur noch Stunden entfernt von der ersten Pleite ihrer Geschichte. Der dramatische Appell zeigte Wirkung. Im allerletzten Moment gelang der Deal: Am 2. April 1979 wurde die Obergrenze schließlich heraufgesetzt.

Der Scheck aus Washington kam zu spät

Zu spät jedoch für den US-Verwaltungsapparat: Eine Reihe technischer Pannen bei der Abwicklung der Auszahlungen sorgte dafür, dass die Schecks aus Washington ein paar Tage zu spät kamen. Insgesamt bei drei Anleihen erfolgte die Zahlung nicht mehr pünktlich - dabei ging es um nicht weniger als 120 Millionen Dollar.

Erst Mitte Mai waren alle Ausstände beglichen. Damit lag formal gesehen eine Insolvenz vor: Denn sobald ein Staat eine Forderung nicht pünktlich bedient, gilt das allgemein als Zahlungsausfall. Das US-Finanzministerium betrachtet das Ganze gleichwohl bis heute lediglich als reine Zahlungsverzögerung. Teure Panne

Die Verzögerung hatte ihren Preis. Washington erklärte sich zu Entschädigungen für die Anleger bereit. Doch damit nicht genug: Wie die Finanzwissenschaftler Terry Zivney und Richard Marcus herausgefunden haben, stiegen die Refinanzierungskosten der USA in der Folge deutlich.

Die Renditen auf US-Anleihen waren mindestens über sechs Monate höher als es sonst der Fall gewesen wäre. Der Zins für die Anleihen stieg laut Zivney und Marcus um 0,6 Prozentpunkte. Damit dürfte die Panne Washington schätzungsweise mehrere Hundert Millionen Dollar gekostet haben.

Gefunden in... ...der Financial Times Deutschland.

Von Martin Kaelble
 
 
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