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5. März 2008, 09:52 Uhr

Hillary muss sich schmutzig machen

Ja, Hillary Clinton hat drei wichtige Vorwahl-Siege eingefahren, sie hat wieder einmal ein Comeback geschafft. Aber sie hat zugleich verloren. Denn hinter Konkurrent Barack Obama stehen nach wie vor mehr Delegierte. Nun bleibt Clinton nur noch eine Chance. Von Katja Gloger, Washington

Sie hat wieder einmal viele überrascht: Hillary Clinton© EPA/MICHAL CZERWONKA

"Ich laufe mich doch gerade erst warm", hatte sie vor ein paar Tagen noch gelacht, und schon damals klang es mehr wie eine Drohung als ein Scherz. Will sie Barack Obama jetzt wirklich den Krieg erklären, seine Glaubwürdigkeit zerstören? Möchte Hillary Clinton wirklich Wahlkampf für die Republikaner machen? Ausgerechnet Rush Limbaugh, der erzkonservative Provokateur des amerikanischen Talk-Radios, brachte es auf den Punkt: er hatte seinen republikanischen Zuhörern empfohlen, bei den Vorwahlen doch bitte für Hillary Clinton zu stimmen - damit sie weiterhin im Rennen um die Kandidatur bliebe. Dann ginge "die Seifenoper" weiter, sagte er. Und er meinte: sollen sich die beiden doch ruhig gegenseitig niedermachen.

Offenbar ist Hillary Clinton fest entschlossen, ihm diesen Gefallen zu tun.

Wichtiger Sieg in Ohio

In den letzten Tagen hatte sie sich als glückliche Kriegerin präsentiert, übermüdet, aber gut gelaunt, sie hatte geschäkert, war sogar noch in Comedy-Shows aufgetreten und hatte über ihr Double gelacht. Ansonsten hatte sie auf Angriff gegen Obama geschaltet. Und dabei hatte sie vor allem auf den Faktor Angst gesetzt.

Gestern Abend musste sie eigentlich die beiden Bundesstaaten Texas und Ohio gewinnen. Nach elf Siegen in Folge musste sie Barack Obama stoppen. Texas und Ohio waren ihre Festungen, in denen lag sie schon mal mit 20 Prozent vorn. Doch je besser die Meinungsumfragen für Obama in den vergangenen Wochen wurden, desto niedriger wurde die Hürde für das Clinton-Camp. Erst galt: Hillary Clinton müsse beide Staaten mit überwältigender Mehrheit gewinnen. Dann hieß es, ein Sieg in beiden Staaten reiche aus, um den Wahlkampf fortzuführen. Zum Schluss ging es nur noch um einen echten Sieg in Ohio. Und immerhin, den holte sie.

Gestern Abend, es war 23.15 Uhr Ortszeit in Columbus, Ohio, trat sie 15 Minuten vor ihre Fans, es regnete Konfetti, sie las vom Teleprompter und sie sagte: "Ich bin gestolpert und bin wieder aufgestanden, ich arbeite hart und ich gebe niemals auf. Wie sagt man doch: Wer Ohio gewinnt, der gewinnt Amerika. Wir werden weitermachen und zwar bis zum Ende. Ich fange gerade erst an. Und ich bin eine Kämpferin."

Jetzt wird sie den Wahlkampf nach Pennsylvania tragen. Dort wird am 22. April gewählt. Das ist in sieben Wochen - eine Ewigkeit in diesem mörderischen Wahlkampf. Sie ist grimmig entschlossen. Und wenn das nicht reicht - und es wird nicht reichen, um Obama bei der Delegiertenzahl zu überholen - dann könnte sie weiterkämpfen. Und wenn es sein muss, vielleicht sogar auch bis zum Parteitag im August. Dort werden die Super-Delegierten entscheiden, die Parteifunktionäre, die an kein Wählervotum gebunden sind.

Doch obwohl Hillary Clinton gestern Abend gewonnen hat: Sie hat auch verloren.

Sie hielt zwar ihre Festung Ohio, einen der ärmsten Staaten in den USA , sie hielt ihre klassische Wählerkoalition: die weißen Frauen, die älteren Wähler, die Niedrigverdiener - obwohl auch dort Obama seinen zunächst großen Rückstand aufholte. Und auch in Texas hat sie zumindest einen Teil des Wahlgangs gewonnen.

Aber sie verlor. Denn immer noch, immer mehr gilt die grimmige Realität in diesem Vorwahlkampf: Hillary Clinton hat nicht genug Delegierte hinter sich, um Barack Obama bei den Wahlen in den kommenden Wochen überholen zu können. "Die Mathematik spricht einfach gegen sie", heißt es im Obama-Lager.

Clinton muss nun alle Register ziehen

Hillary Clinton weiß, sie hat nur eine Chance - den psychologischen Sieg. Sie muss ihre Partei überzeugen, dass sie, die harte Arbeiterin, wählbar ist, und nicht der nette Redner aus Chicago. Und dabei lautet das Motto: "Go negative". In den kommenden Wochen muss sie den charismatischen Botschafter der Zukunft klein kriegen, seine Glaubwürdigkeit zerstören. Und dabei nutzt man natürlich auch die Schmierentaktik, die man bei den Republikanern stets so kritisiert. Es geht um den Sieg mit allen Mitteln - um Wahlkampf nach klassischer Clinton Art. Wie sagte Bill Clinton einst, als er ins Oval Office einzog: "Man muss eben tun, was man tun muss."

Doch das bereitet manchem Demokraten ordentlich Kopfschmerzen. Denn würde sich der Wahlkampf immer weiter ziehen, würde der immer negativer werden, könnten Hillary und Bill die demokratische Partei mit in den Abgrund ziehen. Und Obama gleich dazu.

Die vergangenen Tage boten einen Vorgeschmack. Sie hatte alle Register ziehen lassen. Eine TV-Werbung, ein unschuldig schlafendes Kind, es ist mitten in der Nacht, und wer nimmt im Weißen Haus den Hörer ab, wenn etwas Schlimmes passiert? Etwa ein Unerfahrener wie Obama?

Sie hatte sich über die Presse beschwert, die angeblich zu kritisch mit ihr umgehe. Sie duckte sich weg, als man sie aufforderte, ihre Steuererklärung zu veröffentlichen - denn die würde auch Auskunft über die Geschäftsgebahren ihres Mannes geben. Und sie nutzte einen günstigen Termin. Denn zufällig begann gestern das Gerichtsverfahren gegen den zwielichtigen Chicagoer Geschäftsmann und politischen "Fixer" Tony Rezko. Rezko hatte 150000 Dollar für Obamas Wahlkampf gespendet, vor Monaten schon hatte Obama das Geld an Wohltätigkeitsorganisationen weitergegeben. Doch jetzt will man wissen: Wie viele Spendenveranstaltungen organisierte Tony Rezko für Obama? Wieviel Geld sammelte er für ihn? Gab es etwa Geschäftsbeziehungen irgendwelcher Art?

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Obama Gesetze gebrochen hätte. Und doch geriet er zum ersten Mal seit Wochen in die Defensive: auf einer Pressekonferenz redete er um die Sache herum, und als es ihm zuviel wurde, grummelte er, er habe jetzt keine Zeit mehr und eilte unter Protestrufen der Reporter davon.

Zum ersten Mal zeigte Barack Obama Nerven. Denn anders als bei Hillary Clinton basiert sein Wahlkampf auf seiner persönlichen Glaubwürdigkeit, seiner Ehrlichkeit und Integrität. Er kann sich keinen Fehler leisten. Und bislang hat er bewusst einen negativen Wahlkampf vermieden. "Niemand wird dämonisiert", hatte er seinen Wahlkampfmanagern befohlen, "ich trete niemandem gegen das Schienbein." Und hatte sich als Gentleman präsentiert, der bei Fernsehdebatten Hillary Clinton den Stuhl zurechtrückte.

In den vergangenen Tagen begann die Entzauberung des Barack Obama. Und das ist gut so. Er selbst muss jetzt die Realität in seinen Wahlkampf einführen. Sonst tun es andere. Hillary Clinton. Und ganz sicher John McCain, der Kriegsheld, der immer gut ist für einen ordentlichen Kampf.

Seit über 13 Monaten tobt dieser Vorwahlkampf. Er wurde, vor allem durch Barack Obama, zum Fest Demokratie. Aber jedes Fest muss ein Ende haben. Amerika will Gewinner sehen. Einen Sieger. Und da draußen, da wartet John McCain. Und sein Motto heißt: Gib niemals auf.

Von Katja Gloger, Washington
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Pengolodh (05.03.2008, 21:42 Uhr)
Indirekt
Während der letzten Diskussionen hat niemand Obama stottern hören, während Frau Clinton sich überzeugte, daß "Medwedjew" ein schwieriger Name ist. ;)
Lassen wir doch diese Cliches. Jeder weiß, daß Frau Clinton schon mal eine Gesundheitsreform vergeigt hat, und das nicht aus sachlichen Gründen, sondern wegen Politikunfähigkeit. Sie kann nur eine Art von Team: "ich bin der Boss". Und damit ging damals eben der Teil der demokratischen Unterstützung für das Projekt den Bach runter, den sie "erfolgreich" vor den Kopf gestoßen hat.
Daß sie daraus nichts gelernt hat, beweist sie jetzt: ein Angebot an Obama, ihn gnädig als Juniorpartner zu akzeptieren, wo er immer noch fast 100 Delegierte Vorsprung hat. Sie kann nicht anders, und deshalb wird sie verlieren. Und McCain wird gewinnen. Damit kann ich leben, der Mann ist wenigstens ehrlich. Ich habe eine Brieffreundin, ausgerechnet in Ohio. Wenn es Obama/McCain wäre, würde sie Obama wählen. Wenn es Hillary/McCain wird, wird sie McCain wählen. So einfach ist das. Und deshalb haben bisher meist die Republikaner den Präsidenten gestellt: selbst wenn die Demokraten mal stark waren, haben sie ihre Stärke gegen sich selbst ver(sch)wendet.
042020 (05.03.2008, 19:47 Uhr)
@Hannes58
schreibst das alles gut, doch am Nov. ich kann wahlen. (kannst du)
und habe noch nie es verpasst meine stimme abzugeben (seit JFK) doch
musst mir glauben, jeder das ist jeder ist und ware besser wie Hillary. und im Nov. werden wir wieder einen Rep. sehen.
bis dann ?
pietta (05.03.2008, 16:30 Uhr)
Würde das von Obama gefordert?
Stünde Mr Obama im Wahlkampf am gleichen Punkt wie Mrs Clinton, wer würde von ihm verlangen, aufzugeben? Die Obama-Fans würden einen hysterischen Schreikampf bekommen, die Presse ihn anbetteln weiterzumachen. Aber eben: Im Fall Clinton heisst die Devise: Clinton-Bashing, egal, was sie macht, Verherrlichung von Mr Obama, egal, was er macht. Die Presse huldigt dem Kult um den vermeintlichen Heilsverkünder, hat sich einlullen lassen von seinem Popstargehabe. Charisma heisst das dann – man mag den inflationär bemühten Begriff schon gar nicht mehr lesen bzw. hören. Zugegeben, er sieht nicht schlecht aus und das weiss er auch zu genüge. Auch bringt er eine Prise Black chic mit. Die USA und gerade auch die Welt brauchen jedoch keinen Popstar und Heilsverkünder, der mangels Rüstzeug inhaltslose Reden zum Besten gibt.
Johann58 (05.03.2008, 15:27 Uhr)
@pengolodh
Ich weiss nicht wie viel Sie unmittelbar vom Wahlkampf in den USA mitbekommen haben und ob Sie in der Lage sind oder waren die Debatten bei CNN live mit zu verfolgen. Eines hat sich in allen Debatten herausgestellt und darauf hat Hillary in den letzten Wochen immer wieder hingewiesen: Obama ist ein glaenzender Redner, er hat Charisma und versteht es wei kein zweiter bei den kandidaten egal welcher Partei die Zuhoerer in seinen bann zu ziehen. Wenn es aber darum geht Rede und Antwort zu stehe, ein Konzept vorzustellen und seinen Plan fuer das Gesundheitswesen oder das Verhalten gegenueber illegalen Immigranten zu erlaeutern, geraet er unter Druck, faengt an zu stottern, nach Worten zu suchen und lenkt ab um auf ein andere Thema zu gehen. Ich war zu Beginn der Vorwahlen ihm gegenueber sehr positiv eingestellt und habe meine Meinung korrogiert. Hillary istnicht der Weisheit letzter Schluss, aber sie hat ein Konzept insbesondere was das Gesundheitswesen in den USA angeht. Das angeblich reichste Land der Erde und ca. 50.000.000 sind ohne Krankenversicherung. Obama will nichts daran aendern. Er erzaehlt etwas von Eigenverantwortung, meint aber im Grunde, und so verstehen ihn auch die Mehrzahlt der Schwarzen, wir bieten vielleich ein preiswerte Krankenversicherung an aber wenn ihr die nicht abschliessen wollt, dann bleibt alles so wie es ist. Man muss das Gesundheitswesen in den USA kennen und verstehen, dann kann man seine Aussage beurteilen. Das gleich gilt fuer illegale Immigranten, den Irak und Afghanistan Krieg, Die immobilienkriese und die anstehende Rezession in den USA, nichts Konkretes, kein Plan, kein roter Faden aber wunderschoene Worte.
Hillary hat nachdem sie mit Fakten gegen ihn nichts ausrichten konnte die Schlammschlacht gewaehlt. Das ist nicht schoen aber fuer die USA normal.
042020 (05.03.2008, 15:01 Uhr)
@PENGOLODH
niemand und ich meine niemad hat es besser erkannt als Sie.
Hillary geht es 100% nicht um Amerika, sondern wie gesagt, wer den hohrer abnimmt in wh. haus um
3 am morgens.und fur Fr. Glogner,
sie wurde besser ubers kochen schreiben? -BIASED-
Pengolodh (05.03.2008, 13:57 Uhr)
Noch schmutziger?
Da hat die Autorin wohl einige Wochen geschlafen, schmutzig und negativ ist Clintons Wahlkampf schon lange.
"In den kommenden Wochen muss sie den charismatischen Botschafter der Zukunft klein kriegen, seine Glaubwürdigkeit zerstören."
Was kann sie denn, außer "zerstören"? Was hat es mit ihrer gefeierten Erfahrung und Kompetenz auf sich? An einer Gesundheitsreform hat sie sich schon mal versucht, und hat es seinerzeit grandios an die Wand gefahren. Ihr Spot zeigt doch auch, daß es ihr nicht um Amerika geht, sondern um die Frau, die da im Weißen Haus den Hörer abnimmt... in ihren Träumen. McCain wird sie die schmutzige Arbeit machen lassen, Obama aus dem Rennen zu nehmen. Und dann wird er sie väterlich lächelnd besiegen. Schließlich ist er ja nicht als Opportunist bekannt, der mal für den Krieg, mal dagegen ist, je nachdem, was gerade populärer ist.
Johann58 (05.03.2008, 13:07 Uhr)
good bye Obama?
Obama hat sich in den letzten Wochen durch sein arrogantes Verhalten und die vermeintliche Unverletzlichkeit von 12 Siegen hintereinander selbst demontiert.
Er hat sich schon wie der Praesident aufgefuehrt, glaubt die Welt belehren zu koennen und alleine durch Demagogie und Charme mangelndes Wissen und Erfahrung auszugleichen. Es ist zu frueh fuer Obama, in 8 Jahren vielleicht.
figaroo (05.03.2008, 11:45 Uhr)
was für ein..
einseitiger artikel...gähn.. journalismus sieht für mich anders aus..
stesocom (05.03.2008, 10:34 Uhr)
Hillary kämpft an allen Fronten. Sie entwickelt sich zum Kampftier!
Na, wer hätte das gedacht ! Hillary kann doch noch gewinnen. Leider hat sie aber nur wenige Delegierte mehr auf ihre seite schleusen können, als erhofft. Psychologisch gesehen, waren diese 3 Siege – insbesondere die in Ohio und Texas – für Clinton sehr wichtig. Der Fight zwischen der damaligen First Lady und dem smarten Barack Obama geht weiter. Unter Umständen bis zum demokratischen Parteitag im August. Dann, solle Mrs. Clinton nur wenig hinter Mr. Obama sein, wird sie das Rennen machen, denn es gibt noch die sog. Super-Delegierten. Eine besondere Parteispitze, die vorher schon als stimmberechtigt dastehen.
Hier hat Hillary Clinton mit Hilfe ihres Mannes bereits alle nur möglichen Registerfäden gezogen.Im übrigen ! Sicherlich schadet dieses „Gehacke zweier Kandidaten“ der demokratischen Partei, doch wird die Zeit bis November ausreichend sein, die elende republikanische Garde, die die U.S.A nicht nur wirtschaftlich in 8 Jahren heruntergezogen hat, sondern auch dieses Land in der gesamten Welt als unsympathisch und kriegstreibend darstellte, aus den höchsten Ämtern zu wählen.
ganzbaf (05.03.2008, 10:21 Uhr)
Andererseits....
beläßt der lage Zwekampf den Fokus der Öffentlichkeit auf den Demokraten.
Das ist natürlich auch ein Stück weit kostelose Dauer-Eigenwerbung. Es darf nur nicht ZU negativ werden, klar.
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