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4. Januar 2008, 11:42 Uhr

Huckabee zündelt am Präriefeuer

Vor wenigen Monaten hätte niemand einen Dollar auf ihn gewettet, nun geht er aus der ersten Vorwahl als Sieger hervor: Mike Huckabee, Baptist und ziemlich konservativ. Er will aus den Amerikanern wieder ein stolzes Volk machen und hofft, ein "Präriefeuer der Hoffnung zu entfachen". Von Giuseppe di Grazia, Des Moines

Familie, Gott und USA: Die Huckabees sonnen sich im Siegesglanz© Tannen Maury/EPA/DPA

Die Nacht des Siegers beginnt mit einem Gebet. Sechs Frauen und zwei Männer bilden in einem Bankettsaal des Embassy Suites Hotels in Des Moines einen Kreis und geben sich die Hände. Sie schließen die Augen, und eine der jungen Frauen bittet zuerst Jesus, dann Gott um Hilfe für den Mann, an den sie hier auf Erden in Iowa glauben. Sie erfleht Kraft für den Mann, der das Land so führen wird, wie Gott es führen würde. Sie bittet um Beistand für den Mann, der im Land Gottes wieder Gottes wahre Werte predigen wird. Sie bittet um den Sieg für diesen Mann, der der nächste Präsident der USA werden soll. Der Mann heißt Mike Huckabee, und wie die acht evangelikalen Christen später zugeben, kannten sie diesen Mann bis vor einem halben Jahr noch nicht mal. Jetzt sehen sie in ihm den Retter für ihr krankes Land. Und sie sind nicht allein.

Der Sieger dieser Nacht kommt zwei Stunden nach dem Gebet seiner Anhänger in den Saal. Es wird Marschmusik gespielt. Etwa 300 Leute jubeln ihm zu. Farmer, Mechaniker, Lehrer, junge Eltern tragen ihr Baby auf den Armen. Die kleine Gebetsgruppe darf ihn auf die Bühne begleiten. Auch Chuck Norris ist da, der Action-Star, der Huckabee im Wahlkampf unterstützt hat. Huckabee weiß schon seit gut einer Stunde, dass er es geschafft hat: Er hat die Vorwahlen der Republikaner in Iowa gewonnen. Das ist an diesem Abend nicht mehr die Überraschung.

Den ärgsten Konkurrenten abgehängt

Die größere Überraschung ist, dass er seinen ärgsten Konkurrenten Mitt Romney weit hinter sich gelassen hat. 34 zu 25 Prozent. Romney gab 15-mal so viel Geld aus wie Huckabee, er hatte die beste Walkampfmaschine, Huckabees Bustouren übers Land wurden von seiner 25 Jahre alten Tochter Sarah organisiert. Geld und Organisation haben gegen Glauben und Leidenschaft verloren. Huckabee hatte in den letzten Wochen den Menschen in Iowa immer wieder gesagt: "Eure Stimme ist nicht käuflich. Ich weiß das." Jetzt, oben auf der Bühne mit dem Riesenplakat "I like Mike" im Rücken, sagt er: "Ich hoffe, wir werden heute Abend für immer die Art und Weise verändern, wie Amerikaner ihr politisches System sehen und wie wir Präsidenten wählen. Menschen sind wirklich wichtiger als der Geldbeutel."

Mike Huckabee lag im Mai vergangenen Jahres ganz weit hinten. Er hatte noch nicht mal die Aussicht auf vier Prozent der Stimmen. Er war Baptistenprediger gewesen, danach, immerhin, zehn Jahre ein ordentlicher Governeur in Arkansas. Er war ein Provinzler in diesem Rennen der großen Männer wie New Yorks ehemaliger Bürgermeister Rudy Giuliani. Er ist in den letzten Monaten durch Iowa gereist, dieses kleine Agrarland, das so wichtig ist, weil es als erstes entscheiden darf. Er hat viele kleine Orte aufgesucht, die so schöne indianische Namen haben wie Indianola, Osceola, Ottumwa oder Maquoketa. Er hat dort nichts anderes getan, als auf die Bühne zu steigen, mit Bands auf der Bassgitarre Songs der Rolling Stones oder von Bruce Springsteen zu spielen und danach zu den Leuten zu sprechen.

Er will alle wieder stolzer machen

Er hat den Farmern, Mechanikern, Lehrern und jungen Eltern erzählt, dass er Iowa und das ganze Land wieder stolzer machen will auf Amerika. Dass er den Amerikanern den American Dream wieder ermöglichen will. Dass ihm die Familie heilig ist. Dass er das Land ein Stück weiter vor den Millionen von illegalen Einwanderern verschließen will. Dass es der nächsten Generation besser gehen muss als dieser. Manchmal hat er auch Unsinn zu außenpolitischen Dingen erzählt, aber das hat ihm hier keiner übel genommen.

Er hat Anekdoten aus seinem Leben erzählt, wie er 50 Kilo abnahm und nun Marathon läuft. Wie er als Sohn armer Eltern aufwuchs. Er hat von seiner ersten Gitarre erzählt, die er mit elf von seinen Eltern bekam und die 99 Dollar ein ganzes Jahr lang abbezahlen mussten. Und am Ende hat er den Leuten immer wieder gesagt: "Ich schaue euch in die Augen, und ich werde euch immer die Wahrheit sagen. Denn Amerika braucht einen Präsidenten, der die Wahrheit sagt. Und ich bin aufrichtig. Glaubt mir das." Und die Menschen in Iowa glauben ihm, dem Mann, der an die Irrtumsfreiheit der Bibel glaubt.

Die religiösen Rechten bei den Republikanern

In Iowa machten dieses Mal etwa 40 Prozent der religiösen Rechten die republikanischen Wähler aus. Das sind doppelt so viele wie beim letzten Caucus. In den Umfragen sagen die Leute, die ihn wählen wollten, es sei nicht der Religion wegen, sondern weil er die Werte verkörpere, die ihnen wichtig wären. Was bei vielen von Huckabees Anhängern vermutlich dasselbe ist.

Mike Huckabees Geschichte ist eine der außergewöhnlichten Erfolgsgeschichten des amerikanischen Wahlkampfes. Und natürlich liebt Amerika solche Geschichten. Aber wird Amerika Mike Huckabee auch noch lieben, wenn es mehr weiß über ihn? Wenn das ganze Amerika weiß, dass er strikt gegen Abtreibung ist, dass er die Bibel für glaubwürdiger hält als Darwins Lehren, dass Männer nur mit Frauen glücklich werden können und Frauen nur mit Männer? Wird er die Dotcom-Jungs in Kalifornien mit seinen rührseligen Geschichten und seinem schlagfertigen Charme genauso zur Wahl treiben wie die Farmer in Iowa? Werden die Männer von der Wall Street ihm mit seinem Plädoyer für die kleinen und mittleren Betriebe genauso vertrauen wie die Handwerker in Iowa?

Auswärtsspiel in New Hampshire

Am nächsten Dienstag wird in New Hampshire gewählt. Dort lag Huckabee bis zur Wahl in Iowa abgeschlagen an vierter Stelle. New Hampshire ist ein Staat, in dem die religiösen Rechten nicht eine solche Rolle spielen wie in Iowa. New Hampshire ist für den selbst ernannten Führer der Christen ein Auswärtsspiel. Huckabee glaubt trotzdem, dass er auch andere Wählerschichten für sich begeistern kann und glaubt, dass das, was in Iowa geschah, "ein Präriefeuer der Hoffnung entfachen wird". Huckabee macht eine Pause. Er spricht dann weiter, und mit jedem Wort spricht er immer schneller, und mit jedem Wort jubeln seine Anhänger immer lauter: "Es startet hier in Iowa, aber es endet hier nicht, sondern nimmt seinen Weg durch alle anderen Bundesstaaten und endet in 1600 Pennsylvania Avenue" - das ist die Adresse des Weißen Hauses. Noch in der Nacht macht sich Mike Huckabee auf zur nächsten Partie - dem Auswärtsspiel in New Hampshire.

Von Giuseppe di Grazia, Des Moines
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
chatahootchee (04.01.2008, 18:41 Uhr)
@antwone
Und warum wohl??
Punito (04.01.2008, 17:34 Uhr)
Was die Familie Bush

in ihren Amtszeiten an politische
Scherben und den damit verbundenen
menschlischen Leid im eigenen Staat
und auch anderen Staaten dieser Welt angerichtet hat , wird kein Nachfolger
egal welcher politischen Partei angehörend in der kommenden Legislaturperiode beseitigen können .
Zu den typischen Wahlkampfgetöse der Kandidaten sie seien "Christen" kann
ich nur müde abwinken .
Die Spitzen der Regierung sind meiner
Meinung nach vom Wohl und wehe ihrer
Wahlkampfsponsoren abhängig .
Würde Obama der nächste Präsident
der U.S.A. werden , wäre dies ein Novum im mehr oder minder latent rassistischen Amerika des 21.Jahrhundert .
antwone (04.01.2008, 16:23 Uhr)
Obama=Hillary=Bush=Huckabee
Letzen Endes kann man sich in Bezug auf die Arrogante Aussenpolitik sicher sein das sich nichts ändern wird...
flashback02 (04.01.2008, 16:09 Uhr)
Huckabee und Bush...
...sind sich viel ähnlicher, als die meissten Leute wissen. Von daher wollen wir alle mal lieber hoffen, das Obama die Wahl gewinnt. Beispiele? Huckabee ist für die Todesstrafe, ist großer Unterstützer der Waffenlobby und gegen Waffengesetze, möchte die Truppen im Irak aufstocken, ist als religiöser Eiferer gegen Homos (denn es sind Sünder, tsts). Aber das Beste ist: Er glaubt allen Ernstes an die biblische Schöpfungsgeschichte und möchte diese im US-Schullehrplan gleichberechtigt (!!!) neben der Evolutionstheorie aufnehmen und unterrichten lassen. Da kann es mit seinem Intellekt nicht weit her sein, möchte ich mal sagen...
aureolus (04.01.2008, 15:36 Uhr)
Intoleranz...
ist die bestimmende Eigenschaft aller monotheistischen Religionen.Fanatische Christen sind genau so gefaehrlich wie fantische Muslime.Die Geschichte beweist uns das.Die Bibel gehoert verboten denn sie ist Hassliteratur.
Es reicht. 2000 Jahre Mord und Totschlag im Namen von diesem Jesus sind genug.Ein Irrer der glaubt die Welt sei 6000 Jahre alt als Praesident der USA waere eine Katastrophe. Kommt das Mittelalter wieder ?
Laverana (04.01.2008, 15:35 Uhr)
FYI
http://de.wikipedia.org/wiki/Mike_Huckabee#Politische_Positionen
Man darf nur hoffen, dass dieser Siegeszug ganz bald wieder beendet wird!
Alex64 (04.01.2008, 15:30 Uhr)
Ihr alle
… dürft doch gerne glauben was ihr wollt …
Und ich hoffe ja immer noch darauf, dass der zitierte Satz von der „Irrtumsfreiheit“ der Bibel nur eine Übertreibung des Stern war – denn ansonsten muss ich mich schon fragen, warum jemand dieser Couleur denn nicht als religiöser Fanatiker bezeichnet werden soll.
Und bevor jetzt wieder die „christlichen“ hier aufheulen – die Bibel hat nicht nur ein neues Testament ….
MRP66 (04.01.2008, 15:25 Uhr)
Zu Anemone
Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Ob jemand sagt dass er gläubiger und bekennender Christ sei, oder ob jemand danach handelt, ist ein großer Unterschied (siehe GWB).
Obama hat enge Beziehungen zum Council of Foreign Relations (CFR), seine Frau ist
Vollmitglied. Da läuten schon die Alarmglocken. Jeder der in diese Institution war/ist,
indem David Rockefeller übrigens die Schirmherrschaft hat, hatte schon immer für die
Lobby entschieden, egal ob Demokrat oder Republikaner. DAS CFR setzt sich für das
One World Goverment ein. Das hieß Kriege, Schwund der Bürgerrechte und totale
Überwachung. Man sollte sich nicht von der smarten Hülle täuschen lassen.
Zu Angela Merkel. Wenn Sie so Christlich wäre, müssten in unserem Lande bestimmt
Keine veramten Kinder zu Arche u.ä. gehen um gefüttert zu werden. Es würde keine neue
Überwachungsinstitution geben und die politische Kälte würde abnehmen statt zunehmen.
chatahootchee (04.01.2008, 15:22 Uhr)
RELIGIOES
zu sein ist sicher keine schlechte Eigenschaft und sich dazu zu bekennen noch lange kein Grund, von Aussenstehenden verteufelt zu werden.
Was war denn der Grund, dass die Pilgerer nach Amerika auswanderten: Die Suche nach und das Erlangen einer religioeser Freiheit. Dies ist bis heute die Basis des amerikanischen Lebens. Und dieses Leben ist sicherlich nicht schlecht.
Anemone (04.01.2008, 14:34 Uhr)
Dem stimme ich zu:
falsche und undurchdachte Kommentare.
Wißt ihr nicht, daß ebenso Barak Obama ein gläubiger, bekennender Christ ist?
Die wirklichen Christen unter unseren Politikern (ja, es gibt sie!!) wagen kaum noch, Gott auch nur zu erwähnen - sie beten allerdings regelmäßig zusammen.
Die einzige, die es noch immer wagt, diesem Volk öffentlich Gottes Segen zu wünschen, ist Angela Merkel. Der Bundespräsident ist diesmal eingeknickt vor den Antichristen.
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