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19. Januar 2004, 14:20 Uhr

John Kerry führt in Iowa

Im US-Bundesstaat Iowa finden die ersten von 50 Vorwahlen der Demokraten zur Präsidentschaftskandidatur statt. Nach Umfragen führt John Kerry überraschend vor Howard Dean.

Er gehört zu den Favoriten der Demokraten: der Senator von Massachusetts und Vietnam-Veteran John Kerry (60)© Rick Wilking/Reuters

Mit einem Kopf-an-Kopf-Endspurt sind die demokratischen Präsidentschaftsbewerber im US-Bundesstaat Iowa am Montag auf die Zielgerade zum Kampf um das Weiße Haus gelaufen. Die vier aussichtsreichsten Kandidaten, die Präsident George W. Bush bei der Wahl im November herausfordern wollen, waren am Wochenende fast rund um die Uhr im Einsatz, um schwankende Wähler noch für sich zu gewinnen. Ihre Terminpläne für Montag waren bis zur letzten Minute vor den alles entscheidenden Parteiversammlungen am Montagabend randvoll.

John Kerry führt

In der jüngsten Umfrage hatten sich die Gewichte weiter zu Gunsten der Senatoren John Kerry (26 Prozent) und John Edwards (23) verschoben. Die bislang Führenden, Ex-Gouverneur Howard Dean (20) und der Kongressabgeordnete Richard Gephardt (18), fielen weiter zurück. Nach Angaben des "Des Moines Sunday Register" schlossen allerdings die Hälfte der Befragten, die sich für einen Kandidaten ausgesprochen hatten, nicht aus, dass sie sich noch umstimmen lassen.

Im so genannten Caucus-System in Iowa nehmen die Parteimitglieder an einer der knapp 2000 Parteiversammlungen teil, und müssen öffentlich die Hand für einen Kandidaten heben. Wer nicht 15 Prozent der Stimmen bekommt, scheidet in dem Bezirk aus. Seine Wähler können sich dann für einen anderen Kandidaten aussprechen. Der Sieg in Iowa ist die erste Etappe auf dem Weg zum Weißen Haus. Vorwahlen finden bis Frühsommer in allen 50 Bundesstaaten statt. Der Herausforderer für Bush wird Ende Juli auf einem Parteitag in Boston gekürt.

Mit Hilfe der Gewerkschaften

"Hier geht es nicht um mich, sondern darum, dass wir einen Präsidenten bekommen, der für die arbeitende Bevölkerung da ist!" sagte Gephardt (62) am späten Sonntagabend in der Iowa-Hauptstadt Des Moines in einem voll besetzten Hotelsaal. Er setzt vor allem auf Gewerkschafter, die mit Riesentrucks in den Straßen von Iowa Stärke demonstrierten. "Dies ist ein Land, in dem der Sohn eines Fabrikarbeiters den Sohn eines Präsidenten schlagen kann!" rief Edwards (50) unter dem Jubel seiner Fans. Der Senator aus North Carolina war in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, hat es als Rechtsanwalt aber zu einem Millionenvermögen gebracht.

"Ich weiß gar nicht, ob Edwards schon aus den Windeln war, als ich 1969 aus Vietnam zurückkam", sagte Kerry (60) mit einem Seitenhieb auf den jugendlich wirkenden Konkurrenten ohne Militär-Erfahrung. Dean (55) war am Morgen überraschend nach Georgia geflogen, um sich mit Ex-Präsident Jimmy Carter vor den Kameras zu zeigen. Am Abend präsentierte er in Davenport erstmals seine Frau Judith Steinberg Dean in Iowa. Die Ärztin hatte bislang ihre Praxis in Vermont weiter geführt. Dean war deswegen kritisiert worden.

Insgesamt acht Kandidaten im Rennen

Insgesamt sind in Iowa 530 000 Demokraten registriert. Weil das Rennen so eng ist, rechnet die Partei mit einer Rekordbeteiligung an den Parteiversammlungen. Beim letzten spannenden Wahlkampf 1988 hatten 125 000 Wähler teilgenommen. Gewinner war damals Gephardt, der aus Geldmangel wenig später das Handtuch warf. Insgesamt sind acht Kandidaten im Rennen. Dem linken Kongressabgeordneten Dennis Kucinich (57) und dem schwarzen Prediger Al Sharpton (49) wurden kaum Chancen eingeräumt. Der ehemalige NATO-General Wesley Clark (59) und Senator Joe Lieberman traten in Iowa gar nicht an.

 
 
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