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8. Januar 2008, 10:15 Uhr

Wenn alte Clinton-Liebe rostet

New Hampshire entscheidet über die Zukunft der Clintons - wieder einmal. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton schaffte dort vor sechzehn Jahren sein Comeback. Nun muss es ihm seine Frau Hillary gleichtun. Doch vieles deutet darauf hin: Geschichte wiederholt sich nicht. Von Tobias Betz

Auch bei diesem Wahlkampf treten die Clintons geschlossen auf: Vorne steht Kandidatin Hillary, hinter ihr Eheman Bill und Tochter Chelsea© Elise Amendola/ AP

Es war die Stunde des Comeback-Kid. New Hampshire im Februar 1992. Bill Clinton war zurück im Rennen um die Kandidatur für die Präsidentschaft. Die Vorwahl und sein zweiter Platz hier im Nordosten der USA hatte ihn gerettet, und ebnete ihm den Weg ins Weiße Haus. Die Wochen zuvor hatten seiner Kampagne schwer zugesetzt. Sogar ein vorzeitiges Ende seiner Kandidatur schien möglich.

Gerüchte über eine Affäre mit Jennifer Flowers hatten den Kandidaten Clinton damals in Erklärungsnot gebracht. Nach eigenen Angaben hatte er sie Ende der 70er Jahre kennengelernt. Er war damals Justizminister im Bundesstaat Arkansas, sie eine Reporterin für einen lokalen Fernsehsender. Flowers interviewte den jungen, ehrgeizigen Politiker Clinton und man kam sich näher. An die Öffentlichkeit gelangte nichts, bis die Boulevardzeitung “Star” kurz vor den Vorwahlen in New Hampshire die Geschichte herausfand. "Meine Zwölf-Jahres-Affäre mit Bill Clinton", hieß der Artikel. In diesem Interview plauderte Jennifer Flowers über ihre Beziehung mit Clinton. Ehepaar hält zusammen Ein Schock für den damaligen Gouverneur von Arkansas. Die Berater waren in Sorge: Wie würde Hillary darauf reagieren? Doch die betrogene Ehefrau blieb gefasst, und stellte sich an seine Seite. Gemeinsam entschieden sie, in einem Fernsehinterview zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen. Zur besten Fernsehzeit, gleich nach dem Endspiel im American Football, waren beide für Millionen Amerikaner zu sehen. Und diese wurden Augenzeugen eines Stücks amerikanischer Fernsehgeschichte.

Gleich zu Anfang stellte Bill Clinton klar: Er habe niemals eine Affäre mit Flowers gehabt. Als der Journalist Steve Kroft nicht locker ließ, und die Beziehung der Clintons eine “Abmachung” nannte, hatte Hillary genug. “ Ich liebe ihn und ich respektiere ihn und ich weiss es zu schätzen, was er hinter sich hat und was wir hinter uns haben. Und wissen sie, falls das den Leuten nicht genügt, dann sollen sie eben nicht für ihn wählen.” Der Liebesbeweis überzeugte. In einer Umfrage des Senders ABC sprachen sich 80 Prozent dafür aus, dass Bill Clinton weiter im Rennen der Demokraten bleiben sollte.

Noch mehr Skandale

Doch die Spekulationen um den vermeintlichen Seitensprung waren damit noch nicht beendet. Auf einer Pressekonferenz im New Yorker Waldorf-Astoria Hotel legte die angebliche Geliebte Flowers nach. Vor einer Schar von Journalisten und live übertragen vom Nachrichtensender CNN präsentierte sie gemeinsame Telefongespräche mit Bill. Diese hatte sie heimlich aufgenommen.

Und dann der zweite Schlag noch vor der Abstimmung in New Hampshire. Dieses Mal nicht unter die Gürtellinie, sondern direkt in das amerikanische Herz. Dort, wo der Stolz auf das Vaterland seinen Platz hat. Das “Wall Street Journal” warf Bill Clinton mangelnden Patriotismus vor, weil dieser nicht in Vietnam gekämpft hatte. Ein Reserveoffizier-Programm hatte ihn vor dem Abmarsch nach Südostasien bewahrt. Der Imageschaden für Clinton war groß, weil lange unklar blieb, ob es nicht doch einen Einberufungsbefehl gegeben hatte.

Vom Untergang zum Comeback

Die beiden Anschuldigungen brachten Clintons Wahlkampagne mächtig ins Straucheln, und seine Umfragewerte begannen zu sinken. Der einstige klare Favorit für die Nominierung der Demokraten fiel hinter seine Mitbewerber zurück. Die Vorwahl in New Hampshire drohte sein Untergang zu werden. Doch es wurde überraschend sein Comeback. Sein Charisma, die Hilfe vieler Freunde und der kämpferische Einsatz seiner Frau hievten ihn zurück in die Erfolgsspur. Zwar musste er sich an diesem Abend noch dem ehemaligen Senator aus Massachusetts, Paul Tsongas, geschlagen geben, doch das Signal war eindeutig: Ich bin wieder da, ich habe überlebt. Mit vollem Enthusiamus rief Bill Clinton am Abend der Menge zu: “Ich werde niemals vergessen, wer mir eine zweite Chance gegeben hat, und ich werde für euch da sein bis der letzte Hund tot ist.”

16 Jahre später. Schon wieder New Hampshire. Und wieder braucht ein Clinton die Hilfe dieses Bundesstaates, um den Weg ins Weiße Haus weitergehen zu können. Nach ihrer Niederlage in Iowa, muss Hillary Clinton in New Hampshire gewinnen. Ein zweiter Zieleinlauf hinter Barack Obama, und ihre Chancen auf eine Kandidatur wären ernsthaft in Gefahr. Schon jetzt ist das Momentum, der Vorteil des Augenblicks, auf der Seite Obamas. Die Prognosen sehen den Senator aus Illinois vorne. In einer Umfrage der Zeitung “USA Today” kommt er auf 41 Prozent, während sich nur noch 28 Prozent für Hillary Clinton aussprechen.

Ein unsicheres Ende

Es scheint, als hätten die Bewohner von New Hampshire sogar den Mann vergessen, dem sie einst das politische Überleben gesichert haben. Bill Clinton wollte sich nun, da seine Frau ihn um so mehr braucht, noch einmal richtig in den Wahlkampf stürzen. Gleich am Freitag, dem Tag nach dem Desaster in Iowa, warb er in New Hampshire um Unterstützung für seine Frau. “Hillary hat gute Pläne” sagte er und “sie ist eine Botschafterin des Wandels von Format”. Doch der Applaus an der Universität von New Hampshire fällt zurückhaltend aus. Keine Jubelstimmung wollte aufkommen, viele Sitze blieben leer. Manche hatten sogar schon vorzeitig den Raum verlassen. Der Mann, der früher wie ein Rockstar ganze Hallen füllen konnte, droht ebenfalls im Strudel der Euphorie um den ersten schwarzen Präsidenten zu versinken.

Von Tobias Betz
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
gmathol (08.01.2008, 23:13 Uhr)
Hillary Clinton ist der Garant fuer die ...
...Fortsetzung der Bush Politik. Gleiche Lobbies und gleiche fatale wirtschaftliche Politik.
Der demokratisch erstarkte Kongress erstickte im eigenen Morast und fehlender Parteidisziplin. Hinzu kommt noch die fatale Veto-Faehigkeit des Praesidialamtes in den USA. Jedes Gesetz kann vom Praesidenten abgelehnt werden und diese Moeglichkeit wurde geschickt genutzt.
Es braucht eine Menge neuer nicht in Washington gewachsener Politiker um wirkliche Aenderungen durchzufuehren. Das braucht es uebrigens auch in der Bundesrepublik Deutschland.
chatahootchee (08.01.2008, 21:33 Uhr)
"ALLE
lieben Hillary" versuchte der Stern seinen Lesern erst vor einigen Wochen klar zu machen. Woher der "Stern" dies hatte, war mir nie klar.
Sie ist eine Machtpolitikerin und man weiss hier zu viel ueber ihre Wutausbrueche. Sie kokettiert mit ihrer "Erfahrung" als First Lady. Das bedeutet nichts.
Gleiches ist allerdings ueber Obama zu sagen. Hat er die Erfahrung, erster Mann im Lande oder oberster Befehlshaber zu sein? Sicher auch nicht.
Warten wir die naechsten Monate ab. Es wird spannend. Ich glaube nicht, dass sich die Clintons einfach geschlagen geben. Irgendeine smoking gun werden sie sicher im Keller haben.
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