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24. August 2008, 17:42 Uhr

Die Clinton-Anhänger geben nicht auf

Die P.U.M.A.s haben nur ein Ziel: Sie wollen die Kandidaten-Kür von Barack Obama in Denver vereiteln und Hillary Clinton zur Präsidentin der USA machen. Dass ihre Strategie ein Scheitern der demokratischen Partei bedeuten könnte, ist ihnen vollkommen egal. Von Matthias B. Krause, New York

Wenn Hillary Clinton nicht auf dem Wahlzettel steht, wollen einige ihrer Anhänger lieber am Wahltag zu Hause bleiben oder sogar McCain wählen© Ethan Miller/Getty Images

Sie nennen sich P.U.M.A. Und genauso wie das gleichnamige Tier fauchen sie nicht nur, sie beißen auch. Die vier Buchstaben stehen für "Party Unity My Ass", was sehr frei übersetzt bedeutet: Die Geschlossenheit der Partei geht mir am Hintern vorbei. Ihr Ziel: Hillary Clinton zur Präsidentin der Vereinigten Staaten zu machen, um jeden Preis. "Es ist noch nicht zu spät", sagt P.U.M.A.-Sprecher William Bower, "es fehlen ihr nur ein paar Delegierte, um Barack Obama abzufangen." Theoretisch ist das durchaus möglich, gut 200 der fast 800 demokratischen Superdelegierten müssten dazu in letzter Minute auf dem Parteitag kommende Woche in Denver das Lager wechseln. Doch das würde die Partei zerreißen. Außerdem hat Clinton selbst bereits im Juni ihre Niederlage eingestanden und ihre Anhänger aufgefordert, künftig für den Sieger zu arbeiten.

"Sie haben Hillary die Vorwahl gestohlen"

Eine Bitte, die bei fast einem Drittel ihrer Fans auf taube Ohren stieß. Sie fühlen sich verraten und verkauft und geben in den Umfragen an, am 4. November entweder zu Hause zu bleiben oder für Republikaner John McCain zu stimmen. Diese Zahl ist in den vergangenen Monaten entgegen den Vorhersagen der Politstrategen erstaunlich konstant geblieben. Der "Heilungsprozess", den Obama der Partei versprach, zeigt bislang wenig Wirkung. Für Diane Mantouvalos gibt es ohnehin nichts, was sie noch umstimmen könnte. "Ich habe ein Jahr meines Lebens für Hillary Clinton geopfert", sagt die PR-Beraterin aus Florida, "und ich glaube die Geschichte nicht, die die Medien mir verkaufen wollen. Obama hat die Vorwahlen nicht gewonnen, sie haben sie Hillary gestohlen." Sie, das sind in Mantouvalos Augen die Parteibonzen, namentlich der Vorsitzende der Demokraten Howard Dean und die mächtige demokratische Parlamentspräsidenten Nancy Pelosi.

Mantouvalos warb im Vorwahlkampf wochenlang in Pennsylvania, um den Bundesstaat für Clinton zu gewinnen. Sie kreierte eine Webseite für Hillary-Anhänger und ist nun Sprecherin von "JustSayNoDeal" (Sag' einfach: kein Deal), einer Sammelorganisation für hardcore Clintonistas, zu der auch Bower mit seinen P.U.M.A.s gehört. Wieviele Enttäuschte sich dahinter verbergen, kann niemand genau sagen. Aber sie nehmen für sich in Anspruch, für jene knapp 30 Prozent der 18 Millionen Clinton-Wähler zu sprechen, die sich partout nicht mit Obama zufrieden geben wollen. Besonders in den konservativen Medien wie Rupert Murdochs "FoxNews" und dem Magazin "US News & World Report" bekommen sie in letzter Zeit viel Platz. Dass Clinton in Denver nun zumindest auf dem Wahlzettel steht, verbuchen sie als greifbaren Erfolg ihrer Kampagne.

Verschwörung gegen Clinton

Die andere Seite des politischen Spektrums wirft Mantouvalo und Bower vor, republikanische Maulwürfe zu sein. Beide weisen das energisch von sich. "Ich bin seit ich denken kann eine Demokratin", sagt Mantouvalo. Bower verweist auf seine Arbeit als Facebook-Manager für Hillary Clinton und als Blogger auf der liberalen Webseite "Huffington Post". "Nicht wir sind es, die die demokratische Partei kaputt machen", sagt er, "das haben sie schon ganz allein geschafft." Was genau passierte und wie Obama die Macht an sich riss, darüber haben die Clintonista zwei Dokumentarfilme produziert, die sie in Denver ausgewählten Superdelegierten zeigen wollen. Ihre Verschwörungstheorie geht ungefähr so: Dass Obama die Vorwahlen gewinnt, war ausgemachte Sache zwischen Dean und Pelosi. Um das zu erreichen, setzten sie Geld ein, mit dem sie unentschlossene Superdelegierte in ihr Lager zogen. Ihr Motiv: Macht. "Hillary ist unglaublich stark", sagt William Bower, "aber Obama ist jung und unerfahren. Er wird sich viel stärker auf Dean und Pelosi verlassen müssen, als Hillary das getan hätte."

Mit aller Macht werden Bower und Mantouvalo daran arbeiten, die Sache in Denver in letzter Minute noch zu drehen. Bower hat Hoffnung, Mantouvalo nicht so richtig. Sie sagt: "Ich bin eine realistische Frau. Aber man muss es versuchen." Wenn es nicht klappt, dann weiß sie noch nicht, was sie am 4. November, dem Wahltag, macht: Zu Hause bleiben oder McCain wählen, obwohl sie den so "langweilig wie Abwaschwasser" findet. Bower hat sich schon entschieden. Seine Stimme geht an Hillary Clinton - und wenn sie nicht auf dem Wahlzettel stehen sollte, will er John McCain wählen. "McCain ist ein besserer Kandidat als Obama", sagt er, "und ich will das Verhalten der demokratischen Partei nicht goutieren." Außerdem könnte Hillary Clinton natürlich schon in vier Jahren einen neuen Anlauf nehmen, sollte Obama scheitern.

Von Matthias B. Krause, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
LaoLu (25.08.2008, 07:59 Uhr)
schreien Sie nicht, das macht nichts richtiger
Wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe, sehen Sie das so:
-
- der (Vor)Wähler hat gesprochen, aber der hat ja eh keine Ahnung, das muß, falls erforderlich, von den Wissenden korrigiert werden -
-
Ja?
chatahootchee (25.08.2008, 06:27 Uhr)
WOBEI ER RECHT HAT,
der Leipziger Orgelspieler!
LaoLu (25.08.2008, 05:58 Uhr)
Ruhig, chatahootchee, ruhig-
Sie waren doch gar nicht gemeint!
Johann Sebastian und der mit dem biblischen Namen lagen mir quer - und P.U.M.A. ist natürlich ein Musterbeispiel für gelebte Demokratie
chatahootchee (25.08.2008, 05:25 Uhr)
@LAOLU
Nicht allgemeines Gebloedele, bitte Details. Zeigen Sie doch mal Ihr Demokratieverstaendnis.
Ist es nicht so, dass die Clintons gehofft haben, wieder in's Weisse Haus zu ziehen? Ist es nicht so, dass die Clintons sich so richtig vergaloppiert haben im Vorwahlkampf? Die glaubten doch, dass es fuer sie ein Durchmarsch wird.
Nun hat ein unerfahrener Jungspund groesste Chancen, Kandidat zu werden. Zwar nur Kandidat (er wird kein Praesident), aber HRC muss jetzt noch vier Jahre warten. Boese fuer Bill ...
LaoLu (25.08.2008, 02:28 Uhr)
Das sagt was zum Demokratieverständnis -
- bei PUMA und bei einigen Kommentatoren hier...
chatahootchee (25.08.2008, 01:33 Uhr)
DA MUSS BHO ...
... halt noch mal in die Tasche greifen und HRC's restliche Schulden abzahlen.
Ich glaube nicht, dass die machthungrigen Clinton's so einfach aufgeben. Die ganze Welt, ausser einigen Medien, weiss doch, wass BHO fuer ein unerfahrener Flip-Flopper ist.
Eisenbaer (24.08.2008, 20:12 Uhr)
Das kennen wir doch irgendwo her...
Diese Art von Demokratieverständnis kennen wir doch irgendwo her? Hat nicht auch bei uns mal ein (sozial-)demokratischer Ex-Politiker zum Wahlboykott seiner eigenen Partei ausgerufen, weil ihm eine Kandidatin missfiel?

Und hat er dann im Endeffekt eigentlich nur sich selbst und seiner eigenen Reputation geschadet? Warum sollte es in den USA anders laufen?

Außerdem hat Hillary Clinton mit ihrer Schmutzkampagne gegen Obama selbst für ihre Demontage gesorgt. Die Frau ist jetzt doch "personan non grata" für weite Teile "ihrer" Partei.
saulus (24.08.2008, 20:00 Uhr)
Hillary Clinton
wäre für die USA die beste Wahl gewesen, und vor allem für den Rest der Welt.
Obama ist nur ein Medienrauschen, der nächste Präsident der USA wird McCain sein. Und die USA werden in der Welt weiter Krieg spielen - NO BLOOD FOR OIL!
jsbach (24.08.2008, 19:59 Uhr)
Trendumkehr: Politiker statt Popstar
Obama wirkt wie ein Popstar, der sich in die Politik verirrt hat. Gegen McCain hat er immer schlechtere Chancen, da die USA in eine Situation driften, in der es international zunehmend brenzlig wird (Iran, Rußland). Da setzen die Wähler lieber auf einen erfahren Politiker. Vielen Superdeligierten der Demokraten dürfte klar sein, daß der alte Haudegen Biden als Vizepräsident auch nicht wett machen kann, was Obama fehlt. Dennoch können sie jetzt nicht mehr für die erfahrenere Hillary Clinton stimmen, da sie durch den Vorwahlkampf beschädigt wurde.
Cienne (24.08.2008, 18:13 Uhr)
Oje
Wenn das stimmt, was da steht... Dann befürchte ich (Es ist ja Amiland), dass das sogar klappen könnte...
Hoffen wir, dass es nicht so sein wird.
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