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5. November 2008, 10:06 Uhr

Obama erringt historischen Sieg

Es war ein historischer Sieg und er war überwältigend: Barack Obama hat John McCain haushoch geschlagen und wird als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus einziehen. In seiner bewegenden Siegesrede vor Hunderttausenden Anhängern in Chicago sagte Obama, der Wandel sei nach Amerika gekommen.

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Er hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen: Barack Obama, der Kandidat der Demokraten© Steven Senne/AP

Yes, he can. Um 4.59 Uhr war es so weit. Die US-Nachrichtensender verkündeten: Barack Hussein Obama, der Kandidat der Demokraten, hat die Wahl zum 44. Präsidenten der USA gewonnen. Mit einem erdrutschartigen Sieg. Nach derzeitigem Stand der Ergebnisse summieren sich die Wahlmännerstimmen, die er in den bisher ausgezählten US-Bundesstaaten gewonnen hat, auf 338 Stimmen. 270 sind nötig, um den republikanischen Konkurrenten John McCain aus dem Feld zu schlagen. McCain kommt derzeit auf 163 Stimmen. Obama zieht somit als erster Schwarzer ins Weiße Haus in Washington ein.

Hunderttausende Anhänger hatten sich in Chicago im Grant Park versammelt, als der neu gewählte Präsident um 6 Uhr MEZ mit seiner Frau Michelle und seinen beiden Töchtern vor die Menge trat. "Der Wandel ist nach Amerika gekommen", sagte Obama in seiner umjubelten Siegesrede.

Obama sagte, das Land stehe angesichts zweier Kriege im Irak und Afghanistan sowie der gravierenden Finanzkrise vor enormen Herausforderungen. Es werde eine Zeit brauchen, die Wirtschaft anzukurbeln und "Allianzen zu reparieren". Aber er werde es schaffen. Obama beschwor seine Landsleute, über die Parteigrenzen hinweg für das Wohl der Nation zusammenzuarbeiten.

"Ein Beweis der Macht der Demokratie"

Die Wahl habe bewiesen, dass es die Vereinigten Staaten von Amerika gebe, über alle sozialen und ethnischen Grenzen hinweg. Es sei "ein Beweis der Macht der Demokratie", sagte ein strahlender Obama, der sich stolz auf die überwältigende Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen an der Wahl zeigte. "Ich werde immer aufrichtig mit Euch sein", versprach er seinen Anhängern. Er rief zur Zusammenarbeit auf und appellierte auch an jene Amerikaner, die ihn nicht gewählt hatten, ihn nun zu unterstützen. "Ich brauche Eure Hilfe, und ich werde auch Euer Präsident sein."

Nur 20 Minuten nachdem die Fernsehsender den Sieg Obamas verkündet hatten, war bereits der unterlegene John McCain in Phoenix in seinem Heimatstaat Arizona vor seine Anhänger getreten und hatte seine Niederlage eingestanden. Er gratulierte Obama ebenso wie der noch amtierende Präsident George W. Bush. McCain nannte die Wahl "historisch" und sagte, dass er es anerkenne, dass diese Wahl etwas Besonderes für schwarze Amerikaner sei. "Senator Obama hat etwas Großes für dieses Land geleistet. Und ich bewundere ihn dafür", sagte McCain. Er gratulierte auch Obamas künftigem Vizepräsidenten Joe Biden, den er einen "Freund" nannte.

McCain: Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg

"Es war die Ehre meines Lebens, diesen Wahlkampf führen zu dürfen", erklärte McCain. Er sagte, dass er es sehr bedauere, dass Obamas Großmutter diesen Tag nicht mehr erlebt habe. Sie war am Tag vor der Wahl gestorben. McCain dankte auch seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die ebenso wie McCains Frau Cindy und Palins Ehemann mit auf der Bühne stand. Am Tag nach der Wahl müsse die Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg beginnen, um den großen Herausforderungen gerecht zu werden, "mit denen die größte Nation der Welt" konfrontiert sei, sagte McCain weiter und forderte die Amerikaner auf, die politischen Gegensätze zu überwinden. Zum Schluss seiner kurzen Rede bedankte sich McCain bei seinen Helfern und räumte ein: "Der Fehler liegt bei mir und nicht bei Euch."

Bereits um 2.40 Uhr stand fest: Barack Obama gewinnt den Schlüsselstaat Pennsylvania, wo er in den Vorwahlen noch gegen Hillary Clinton verloren hatte. Um 3.39 Uhr dann der nächste entscheidende Sieg: der Bundesstaat Ohio. "As Ohio goes, so goes the nation", sagen die Amerikaner - wie Ohio wählt, so wählt die Nation. In den elf vergangenen Wahlen stand der Staat im Mittleren Westen immer auf der Seite des Siegers. Obama baute seinen Vorsprung schnell aus. Als anderthalb Stunden später die Ergebnisse in Kalifornien verkündet wurden, war klar: Obama hat die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erreicht. Die Demokraten sicherten sich außerdem die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus - damit sind die USA fest in demokratischer Hand.

Mit dem Sieg Obamas endete einer der längsten, teuersten und spannendsten Wahlkämpfe der US-Geschichte. Bis in den Sommer dieses Jahres hinein hatte der Senator aus Illinois sich bei bisweilen zermürbenden Vorwahlen zunächst gegen seine parteiinterne Konkurrentin Hillary Clinton durchsetzen müssen. McCains Nominierung hatte bereits im Winter festgestanden. Obamas Erfolg ist einer grandios klugen Wahlkampfführung geschuldet, der McCains Lager zu keinem Zeitpunkt hatte Paroli bieten können.

Obama gilt als Heilsbringer der USA

Mit dem 47-jährigen Obama hat nun ein Mann das Weiße Haus erobert, der einen Gegenentwurf bietet zur jetzigen Regierung von George W. Bush - liberal, überlegt, modern, offen. Immer wieder hat Obama in den vergangenen Monaten beteuert, dass es ihm darum gehe, die tiefe politische Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu überwinden und auf die gegnerische Partei, die Republikaner, zuzugehen. Mit diesen Attributen und viel strategischem Geschick ist es Obama in den vergangenen Monaten gelungen, in weiten Teilen der US-Bevölkerung fast schon den Status eines Heilsbringers zu erlangen. Seit John F. Kennedy hat wohl kein Kandidat und kein Präsident eine vergleichbare Aufbruchstimmung erzeugt, vergleichbare Emotionen geweckt. Das führte auch dazu, dass er, für einen Demokraten ungewöhnlich, so viele Spenden einsammeln konnte, dass er seinem Konkurrenten McCain gegenüber haushoch überlegen war.

Obama gilt nun als "President-elect", als gewählter Präsident. Seinen Amtseid soll er am 20. Januar 2009 ablegen. In der Übergangsphase bis dahin wird er sein Kabinett ebenso benennen müssen wie mehr als 1000 höhere Beamte in Washington. Die Regierung Bush hat bereits zugesagt, eng mit der neuen Regierungsmannschaft kooperieren zu wollen, um eine lückenlose Machtübergabe zu gewährleisten. Gerade in Zeiten einer Finanz- und Wirtschaftskrise sowie gefährlicher Einsätze des US-Militärs im Irak und in Afghanistan, wolle man keinesfalls ein Machtvakuum entstehen lassen.

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fgüs/nik/ukl/DPA

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KOMMENTARE (10 von 66)
 
Johann58 (05.11.2008, 14:47 Uhr)
@wowiki
Das kommt ja auf die betrachtungsweise an. Fuer die Republlikaner hat der Erdrutsch ja nun auch wirklich nichts positives. Gestern morgen hatte Carl Rowe ja bereits einen Erdrutsch angekuendigt, allerdings noch ein bischen dramatischer als eingetroffen. So gesehen kann man ja auch den Erdrutsch so betrachten, dass er etwas freigelegt hat indem er etwas anderes verschuettet hat. Also doch was positives.
Johann58 (05.11.2008, 14:41 Uhr)
es bewegt sich was
die politische Landkarte in Amerika hat sich veraendert, Minoritaeten in den USA gewinnen die Mehrheit, die Jugend will Zukunft und der Mittelstand kann von Bibelspruechen nicht leben. Es war aufregend und die Reaktion der Demokraten laesst schliessen, dass zumindest in Teilen die Rassenschranken ein wenig gelueftet werden. Da es ja nur besser werden kann, denn noch schlechter als die letzten 8 Jahre geht ja nicht mehr kann man Obama nur Glueck und ein hervorragendes Team wuenschen. McCain wird sich nicht voellig zurueckziehen, er hat sein Hilfe offen und meiner Meinung nach ehrlich angeboten. Colin Powell, auch aus dem anderen Lager steht zur Verfuegung. Joe Lieberman wird wohl auch wieder in die Demokratischen Reihen einschwenken. Mit Virginia und vielleich sogar North Carolina sind 2 der traditionellsten Republikanischen Staaten an Demokraten gegangen. Erstaunliche Dinge sind also passiert und hoffentlich lann Obama wenigstens einen Teil seiner Versprechen umsetzen.
saulus (05.11.2008, 14:39 Uhr)
@wowiki
"Mit einem erdrutschartigen Sieg."
In der Tat ist ein Erdrutsch immer ein sehr unerfreuliches Ereignis. Einen Erfolg kann man damit nicht beschreiben. Man lernt es normalerweise mit den Grundlagen des Handwerks, dass man derartigen Unsinn nicht Texten darf. Aber es ist ja eine Agenturmeldung und da trifft den Stern natürlich keine Schuld - höhere Gewalt, sozusagen :)
TFSTrader (05.11.2008, 13:37 Uhr)
Ja Erschreckend !!
Erschreckend wie manche User ihre meinungen rechtfertigen. Niemand sagt etwas gegen politische meinungsfreiheit aber dabei Rasistisch zu werden ist doch echt niveaulos
tricky_dude (05.11.2008, 12:36 Uhr)
Medizinmann
Es gibt hoffnungslose Fälle bei denen die Schulmedizin aufgibt und wirklich nur noch der Gang zum Medizinmann hilft. Der Vergleich gefällt mir! :-)
Gabeltier (05.11.2008, 12:33 Uhr)
Erschreckend
...wie einfach es sein kann, Präsident der USA zu werden. Die Schwarzen und jungen Leute der USA haben nun Ihren Kenianer ins Präsidentenamt gewählt. Aber seid nicht enttäuscht, wenn seine "Changes" nur Mehr-Belastungen für euch bedeuten, bzw. er nichts großes bewirken wird. McCain hat sich selbst den Weg zerstört, u.a. mit Palin.
Petarbo (05.11.2008, 11:20 Uhr)
Medizinmann für das 21. Jahrhundert...
...könnte President elect Barack Obama werden. Die "Krankheiten" an denen die Weltgesellschaft leidet werden freilich nur schwer zu kurieren sein. Viel Geduld ist gefragt; Enttäuschungen werden nicht ausbleiben.
Viel Glück für uns alle, und: Auf geht's, Sir.
Deiport (05.11.2008, 11:13 Uhr)
Ein guter Tag für unsere Welt.
Ein guter Tag für unseren Planeten.
Weil nicht zu letzt Obama die Wahlen gewonnen hat, sondern weil die Zeit und Ära von Bush und seiner Leute zu ende gegangen ist. Die säule der Freude und Begeisterung auf Obama ist unter anderem auch die Enttäuschung und Wut über die Bushregierung bzw deren Taten. in dem Sinne wollen wir hoffen, dass der neue President das beste daraus macht und die Welt zu etwas mehr Gerechtigkeit und Frieden verhilft.
laeppe (05.11.2008, 11:06 Uhr)
Der verlogene Bush - endlich abserviert
Ich hoffe auf eine neue Kultur in der
Politik. Luegner und Betrueger sollten keine Chance mehr haben
in Amerika und hier !!!!
Eurotrotter (05.11.2008, 10:49 Uhr)
Glückwunsch
Glückwunsch an das Amerikanische Volk für diese Wahl, es ist die bessere.
Zu denken gibt mir jedoch, daß das Projekt Obama mit über 1 Mrd. Dollar erkauft wurde. Kapital das auch bei unserer Wirtschafts- und Politmacht Nummer 1 sinnvoller eingesetzt werden kann und sollte. Armut ist in diesem Land ein Thema und Menschen sollten durch sich überzeugen und nicht durch Kapital und Werbespots im TV.
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