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22. Oktober 2008, 18:22 Uhr

Wie McCain es doch noch schaffen kann

Umfragen, Spenden, prominente Unterstützer: Momentan spricht alles für einen Wahlsieg des Demokraten Barack Obama. Doch sein Rivale John McCain hat das Rennen nicht verloren. Er will kämpfen, sogar auf fremdem Terrain. Ressentiments und sorglose Demokraten könnten ihm dabei helfen. Von Tobias Betz

Muss sich etwas einfallen lassen, will er die Präsidentschaftswahl noch gewinnen: der Republikaner John McCain© Brian Snyder/Reuters

John McCains Wahlkampagne ist schwer am Taumeln. Eigene Patzer, schlechte Umfragewerte, und dann auch noch der Doppelschlag von vergangenem Sonntag: Ex-Außenminister Colin Powell bekennt sich zu Obama und dessen Kampagne macht gleichzeitig Schlagzeilen mit einem neuen Spendenrekord. 150 Millionen Dollar für Obama allein im September.

McCain ist angeschlagen, doch politisch K.o. ist er noch nicht. Auch wenn manch einer der einflussreichen Analysten und TV-Experten ihn bereits abgeschrieben hat. Auch wenn es schon rumort in seiner eigenen Partei - konservative Kommentatoren, wie David Brooks von der "New York Times" oder Christopher Buckley vom Magazin "National Review", McCains Wahlkampf scharf kritisieren - der Kandidat McCain ist noch nicht Geschichte. Ein Wahlsieg ist noch möglich. Dafür kann er selbst noch einiges tun - auf anderes muss er hoffen.

Unbekannte Größe: Obamas Hautfarbe

Vor allem eine unbekannte Größe schwebt über all den umjubelten Wahlprognosen für Obama: seine Hautfarbe. Denn noch ist ungewiss, wie viele der weißen Wähler am Ende auch für ihn stimmen werden. So manch einer könnte in der Stille der Wahlkabine noch einmal ins Grübeln kommen: Will ich wirklich meine Stimme einem Schwarzen geben? Ein Schwarzer im Weißen Haus? Rassismus ist auch im Jahr 2008 noch immer ein Thema in den USA.

Das Phänomen ist nicht neu. Unter dem Namen "Bradley-Effekt" ist es seit Jahren bekannt. Damals, im Jahr 1982, kandidierte Tom Bradley, Bürgermeister von Los Angeles und Afroamerikaner, für den Gouverneursposten von Kalifornien. In den Umfragen lag er vor seinem republikanischen Rivalen, doch am Wahltag folgte die große Ernüchterung: Er hatte verloren. Wahrscheinlich lag es daran, dass sich weiße Wähler in den Umfragen für den schwarzen Bradley aussprachen, aber letztendlich doch für seinen weißen Konkurrenten stimmten.

Könnte Obama zum Bradley 2008 werden? Eine gemeinsame Studie der Nachrichtenagentur AP, Yahoo News und der Stanford Universität kam zu dem Schluss: Rassismus könnte Obama am Ende zweieinhalb Prozentpunkte kosten - bei einem engen Wahlausgang würde das für einen McCain-Sieg reichen. Rund vierzig Prozent aller weißen Amerikaner, so die Studie, verbinden mit Schwarzen zum Teil negative Eigenschaften: "Faul", "gewalttätig", "selbst verantwortlich für eigene Probleme". Nicht auszuschließen, dass solche Ressentiments auch Obama Stimmen kosten.

Doch auch bekennende Obama-Fans könnten McCain in die Hände spielen. Der US-Journalist Jack Shafer nennt dies das "Michigan Miracle", das Wunder von Michigan. Und meint damit: Demokratische Wähler könnten sich eines Wahlsiegs Obamas in Michigan und anderen Staaten so sicher sein, dass sie am Wahltag auf die eigene Stimmabgabe verzichten. Die Sorglosigkeit der eigenen Basis - Obamas-Strategen sind sich der Gefahr bewusst und auch der Kandidat selbst mahnte erst vor wenigen Tagen seine Unterstützer, auch weiterhin schwer für den Wahlsieg zu arbeiten.

Das Rennen wird enger

Denn traditionell wird das Rennen zum Wahltag hin noch einmal enger. Besonders dramatisch das Jahr 1980: Ronald Reagan lag nur zehn Tage vor dem Urnengang mit 39 zu 47 Prozentpunkten hinter seinem Rivalen Jimmy Carter - doch der Wahlsieger hieß bekanntlich Reagan. Wie stark die Prognosen irren können, musste auch Obama schon schmerzlich erfahren. New Hampshire, im Januar dieses Jahres. Viele Umfrageinstitute sahen Obama deutlich vor Hillary Clinton. Doch am Ende siegte Clinton beim zweiten Vorwahltermin der Demokraten und feierte ein überraschendes Comeback.

Auch die große Euphorie um den noch jungen Obama könnte für McCain sprechen. Denn noch ist nicht klar, wie viele der neu registrierten Wähler, vor allem Schwarze und junge Wähler, wirklich zur Wahl gehen werden. Laut der Nachrichtenagentur AP haben sich fünf Prozent mehr Demokraten als 2004 registriert. Doch gehen die auch zu Wahl?

Und was passiert im Fall eines Terroranschlags oder einer außenpolitischen Krise? Vertrauen die Amerikaner dann nicht vielmehr einem Erfahrenen, einem der sich auskennt in der Welt? Einem wie McCain?

Doch neben all den Unwägbarkeiten hat McCain noch zwölf Tage, selbst noch etwas für eine Wende zu tun.

Er muss eine Botschaft finden, die ähnlich griffig ist wie Obamas Slogan "Change", der vielzitierte Wandel. Und nach vielem hin und her, hat McCain nun etwas gefunden, was schon vielen Republikanern zuvor geholfen hat: das Sozialismus-Etikett. Das versucht er nun seinem demokratischen Rivalen anzuheften. Und dabei hilft ihm "Joe the plumber", Klempner Joe aus dem Staat Ohio. Bei jedem Wahlkampfauftritt erzählt er die Geschichte von dem einfachen Arbeiter, der ein kleines Unternehmen kaufen möchte, und sich Sorgen macht, wie viel Steuern er unter einem Präsidenten Obama zahlen müsste. Und dann erinnert McCain an Obamas Antwort. Dass der den Wohlstand staatlich verteilen wolle, hier in den USA, das sei doch unerhört. Und die Menge tobt. Obama ein Sozialist, vielleicht bleibt dieses Etikett tatsächlich noch an Obama heften.

Angst vor der Allmacht

Und noch etwas könnte McCain ausnutzen. Am 4. November werden auch Senat und Repräsentantenhaus gewählt. In beiden Kammern ist ein Sieg der Demokraten wahrscheinlich. McCain könnte nun Angst säen vor einer Allmacht der Demokraten: das kommt bei Amerikanern gut an. Denn nichts verabscheuen sie so, wie die politische Machtkonzentration in einer Hand. Der frühere republikanische Mehrheitsführer im Kongress, Newt Gingrich, forderte McCain in der Polittalkshow "This Week" genau dazu auf. Vielleicht hat McCain ja zugehört.

Dennoch, John McCain muss seine Kräfte bündeln, einige harte Entscheidungen treffen. Denn ihm fehlen das Geld und das Personal, um mit Obama im ganzen Land zu konkurrieren. Scheinbar haben McCains Strategen hier schon angepasst. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders "CNN" haben die Republikaner die Staaten Colorado, New Mexico und Iowa aufgegeben. Alle drei wählten 2004 noch für George W. Bush. Momentan liegt dort aber Obama vorne und zwar deutlich. Das würde bedeuten, dass McCain unbedingt die "Swing States" Nevada, North Carolina, Ohio und Virgina gewinnen muss. Und obendrein ein fulminantes Comeback braucht in Pennsylvania. Dort liegt er in den Umfragen durchschnittlich elf Prozentpunkte hinter Obama. Doch McCain will es wissen. Will kämpfen und hat dabei vor allem konservative Wähler aus der Arbeiterschicht im Westen Pennsylvanias und Unabhängige aus der Gegend um Philadelphia im Auge. Am Dienstag trat er gleich dreimal in der Gegend auf.

Rassismus, Sorglosigkeit der Demokraten und ein beherzter Schlussspurt in den letzten Tagen: Es könnte noch klappen für McCain. Es muss nur vieles passen.

Von Tobias Betz
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
Gisella (24.10.2008, 14:25 Uhr)
20%einwandern?????
-weilo viele Deutsche denken, dass dort alles besser ist-ist es aber nicht. Keinerlei soziale Absicherung, krank darfste auch nicht werden, und den Mund darfste auch nicht aufmachen, wenn du Ausländer bist.Amerika -als Land-wunderschön. Ansonsten-"bleibe im Lande und nähre dich redlich".
042020 (23.10.2008, 22:41 Uhr)
@Vincent_Vega
bitte erklare mir mal, warum 20% der
Deutschen in die US einwandern wurden
ware es ihnen erlaubt. wen doch hier
alles so schlecht und bloed ist ?.
(das ist von einem Readers Digest
survey)
PS sogar 71% der Inder wurden zu
uns kommen.
042020 (23.10.2008, 22:27 Uhr)
@gmathol
lese deine sachen immer so gerne ?
"they make my day"
Napalm wurde in N-Vietnam nicht abgeworfen.
irgenwo hast mal geschrieben, du lebst in der US ? ist das war ?
042020 (23.10.2008, 22:19 Uhr)
inge_je
wo auch immer bist, Danke
cgnanimal (23.10.2008, 11:17 Uhr)
wenn man die zeit zurück drehen könnte...
ich beobachte die wahlen in den usa sehr gespannt, und bin echt teilweise über die blödheit der amis mehr als beunruhigt...
eigendlich müßte uns doch diese wahl hier in deutschland doch ziemlich egal sein, jedem land den präsidenten, das es verdient,
soll heißen, wenn ganze bundesstaaten nicht mehr an darwins lehre glauben möchten, sondern den lieben gott für die welterschaffung besingen, na den passenden präsidenten hatten sie ja jetzt die letzten 8 jahre, NUR wie würde die ganze welt heute aussehen, wenn vor 8 jahen der gute gewonnen hätte, der mit den eigendlich mehr wählerstimmen abgegeben worden sind???
alles sehr verrückt, und deswegen bitte alle beten, damit am 04. Nov nicht niur die vernuft siegt, sonder auch der mit den meisten wählerstimmen...
Vincent_Vega (23.10.2008, 10:43 Uhr)
@mariahellwig
ja, aber die Besucher der Obama-Veranstaltungen müssen alles "fawny germans" sein, oder, äähh, etwas nicht? ;).
Wiebitte20081 (23.10.2008, 09:40 Uhr)
???
Wär doch gelacht wenn die da drüben nicht durch einen kleinen Hackentritt doch noch den Präsident kriegen den sie verdienen.Die werden es nie Lernen.
mariahellwig (23.10.2008, 09:27 Uhr)
Obama wird siegen
Meinungsumfragen sollte man stets misstrauisch gegenüber stehen.
Wenn man sich aber ansieht wie die Wahlkampfveranstaltungen besucht sind, spricht das eine deutliche Sprache. Wenn bei Obama weniger als 30000 Zuschauer sind, ist das schon wenig. In St.Louis waren es kürzlich 100.000. Von Berlin wollen wir erst garnicht reden. Wenn McCain's Reden 10.000 bejubeln, ist das schon viel.
Die demokratische Basis ist hoch motiviert. Ich gehe davon aus, daß die Wahl über die republikanischen Nichtwähler entschieden wird.
ganzbaf (23.10.2008, 09:24 Uhr)
Eigentilich ist es schamlos von den Reps...

diemal überhaupt einen eigenen Kandidaten in´s Rennen geschickt zu haben.
Bei den Schaden, den diese Vollnasen für die USA angerichtet haben frage ich mich, warum noch keiner die Auflösung der Republiknanischen Partei angemahnt hat?... ;-Pp
Vincent_Vega (23.10.2008, 09:18 Uhr)
@inge_je & 042020
Es ist ja in Ordnung, dass Ihr McCain wählt, schließlich seid Ihr als Amerikaner dazu berechtigt, den zu wählen, den Ihr für den Richtige haltet.
Allerding, liebe inge_je, verstehe ich Deinen Beitrag so, dass Du Obama einen Abschluss an einem (IUS-) College absprichst. Laut Biographie (okay,ist von Wikipedia) hat er auf Hawaii (Teil der USA) seinen High-School-Abschluss gemacht, in L.A. das Occidental College, und in New York die Clumbia-University besucht und, yep, abgeschlossen. Die weiteren Studien, Abschlüsse und Arbeiten spare ich mir, das wird zu lang. Das heißt aber auch: er ist ein in den USA geborener Amerikaner -dass der Vater ein kenianischer Student war ist da egal- mit US-Amerikanischer Mutter, die -Hut ab- zu einer Zeit, in der man den Schwarzen in den Südstaaten die Bürgerrechte verweigern wollte, ein Mischlingskind austrung un aufzog. Obama ist sommit nicht vollschwarz, wenn man schon Wert auf seine Farbe legt, dann bitte vollständig- und noch dazu in einer meist Nicht-Schwarzen Umgebung aufgewachsen. Das macht ihn für mich nicht gerade zu einem dieser "Schwarzen" die die Weißen so fürchten würden: schwarz, kaum Bildung, verwahrlost aufgewachsen in den Slums, am Ende noch vorbestraft. Also alles Eigenschaften, die wir heutigen Deutschen, seien wir doch mal ehrlich und objetkiv, gerne an den hiesigen Einwandererkindern festmachen, insebesondern wenn sie einen anatolischen Hintergrund haben.
McCain an sich wäre mmir vor acht Jahren lieber gewesen als Bush, denn schon damals hat sich auch im Wahlkampf gezeigt, dass er eigentlich nicht geeignet ist für das Amt und ironischerweise hat erst der 09/11 ihn zu einer Art "Führer" gemacht. die ersten Monate von Bushs Amtszeit waren („Teilzeitpräsidenten“) wohl nichts und dass McCain ein Kind aus Bangladesch adoptiert hat, stimmt NICHT gerade GEGEN IHN.
Auf die Äußerungen gmathols würde ich nichts geben, er verschlingt vermutlich zum Frühstück Lektüre voll mit VTs oder ähnlichem Krempel.
Weiter zur "Dummheit" von Euch Amis: Ihr habt Euer FOX, wir die Bild, Ihr ein marodes öffentlichens Schulsystem, wir...irgendwie auch, siehe Pisa. Wenn Ihr beiden allerdings in Deutschaldn lebt und noch die BILD genießt zusätzlich zu FOX, dann aber wirklich gute Nacht. :))
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