27. September 2008, 08:43 Uhr

Gentleman Obama umgarnt Krieger McCain

Lächeln und keine Fehler machen: So präsentierten sich die beiden Präsidentschaftsbewerber John McCain und Barack Obama im ersten TV-Duell. Dabei gab sich Obama reif und großzügig und stimmte auch mal seinem Kontrahenten zu. Von Matthias B. Krause

Das erste TV-Duell hatte keinen wirklichen Sieger: John McCain (l) und Barack Obama am Ende der Sendung©

Das Bühnenbild für die erste TV-Debatte der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten in Oxford, Mississippi war noch nicht abgebaut, da hatten die Wahlkämpfer von John McCain schon ein Video auf Youtube hochgeladen. Der 30-Sekunden-Film nutzte genüßlich, was sich als der einzige Fehler Barack Obamas während des 90-minütigen Streitgesprächs herausstellen könnte. Darin hatte er wenigstens achtmal gesagt: "Senator McCain hat völlig Recht...." Warum er seinem Gegenüber in einem ansonsten eher scharfen Schlagabtausch soviel Wohlwollen entgegenbrachte, blieb sein Geheimns. Vielleicht wollte Obama versöhnlich wirken, über den Dingen stehend, eben reif für die Präsidentschaft.

Republikaner John McCain jedenfalls erfolgte eine deutlich andere, aggressivere Strategie. Ein Dutzend mal beschuldigte er sein Gegenüber, nicht zu wissen, wovon er spreche. Manchmal schüttelte er ob dessen Anworten auch nur den Kopf und grinste herablassend. Den ganzen Abend über würdigte er Obama praktisch keines Blickes, und am Ende fasste er die Debatte für sich in einer letzten großen Breitseite zusammen: "Erfahrung, Wissen und Urteilsvermögen haben Vorteile und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Senator Obama das Wissen und die Erfahrung hat." Es war erwartet worden, dass mehr als 80 Millionen Menschen die beiden Präsidentschaftskandiaten zur besten Sendezeit am Bildschirm verfolgen, wen sie am Ende zum Sieger kürten, dürfte sehr von ihrer Voreinstellung abhängen.

Man kann McCains Auftritt als souverän interpretieren, gewitzt, scharf und kenntnisreich. Oder eben als herablassend, respektlos und gnadenlos populistisch. Auf jeden Fall verstand er es, praktisch auf keine Frage wirklich zu antworten. Stattdessen hämmerte er auf den Talking points, die ihm sein Wahlkampfteam auf den Weg gegeben hatte, wieder und wieder herum. Das wurde in keinem Bereich deutlicher als der Wirtschaft, die die ersten 40 Minuten der Debatte beherrschte. Auch in drei Anläufen gelang es Moderator Jim Lehrer nicht herauszufinden, wie McCain denn nun eigentlich zu dem 700 Milliarden schweren Rettungsplan für die Wall Street steht, über den sie gerade in Washington verhandeln.

Ob er dem Gesetz zustimmen werde, wenn seine Forderungen erfüllt seien, wollte Lehrer wissen. "Vielleicht", sagt McCain, "ich hoffe." Dabei hatte er noch am Freitagmorgen verkündet, die Demokraten und die Republikaner im Kongress seien so nahe an einer Einigung, dass er beschlossen habe, seinen Wahlkampf wieder aufzunehmen und nun doch an der seit langem geplanten Debatte teilzunehmen. Wenig deutet darauf hin, dass das stimmt. Aber etwas anderes blieb McCain kaum übrig, um sein Gesicht zu wahren. Schließlich war er am Donnerstag im Weißen Haus grandios mit seiner Abkündigung gescheitert, "die Nation in Zeiten der Krise" zusammenzubringen.

Obama allerdings wollte sich genauso wenig festnageln lassen. Die endgültigen Formulierungen des Gesetzes lägen noch nicht vor, sagte der Demokrat, "ich bin optimistisch, dass wir zusammen kommen." Immerhin nutzte er die Gelegenheit, McCain mit der Politik des so unbeliebten Präsidenten George W. Bush in Verbindung zu bringen. Die derzeitige Panik auf den Finanzmärkten und die Folgen für die Durchschnittsamerikaner seien das Ergebnis von acht Jahren verfehlter Wirtschaftspolitik, "entworfen von George W. Bush, unterstützt von Senator McCain. Ihre Theorie besagt im Wesentlichen, dass wir Regeln und Verbraucherschutz zerschlagen, mehr und mehr zu denen geben, die schon alles haben und irgendwie wird der Wohlstand nach unten durchsickern".

Doch damit hatte Obama sein Pulver auch schon verschossen. Er eröffnete McCain die Möglichkeit, sich als Weltmeister des Sparens anzupreisen, seinen Rotstift, mit dem er der Verschwendung in Washington an den Kragen gehen will, dramatisch in der Luft schwenkend. Er könne sich sogar eine totale Ausgabensperre vorstellen, sagte McCain, mit Ausnahmen nur für lebenswichtige Dinge wie das Militär und die Rentenkasse. Obama entgegnete mit seinem vielleicht besten Satz des Abends: "Das würde bedeuten, ein Beil zu benutzen, wo ein Skalpell notwendig ist."

Die zweite Hälfte der Debatte, die sich wie verabredet um die Außenpolitik drehte, wirkte dann wie eine große Quizsendung, in der die Kandidaten alles daran setzten, mit der Nennung möglichst vieler Namen, Daten und Länder ihr Wissen unter Beweis zu stellen. Natürlich griff McCain Obama dafür an, dass der die erfolgreiche Militäroffensive im Irak abgelehnt hatte. Und selbstverständlich zog Obama McCains Urteilsvermögen in Zweifel, weil der den Irakkrieg von Anfang an unterstützte. Das klang alles sehr nach den Standardwahlreden, die die beiden praktisch tagtäglich irgendwo im Land halten, nur dass sie dieses Mal auf ein und derselben Bühne standen.

Auf McCains Spezialgebiet gab Obama sich keine Blöße, der vermeintliche Vorteil des Republikaners reichte nicht einmal zu einen Punktsieg. Unter dem Strich dürfte es McCain kaum gelungen sein, den schlechten Eindruck auszulöschen, den sein kopfloser Aktionismus in der aktuellen Wirtschaftskrise ausgelöst hatte. Das mit soviel Wirbel und künstlichem Drama im Vorfeld begleitete Streitgespräch in Mississippi wird als eines der weniger spannenden in die Geschichte präsidialer Debatten eingehen.

Die beiden Kandidaten für die Vizepräsidentschaft, Sarah Palin und Joseph Biden können es am kommenden Donnerstag in St. Louis besser machen. Ihre Chefs kreuzen die Klingen noch zweimal, am 7. Oktober in Nashville und am 15. Oktober in Hempstead vor den Toren New Yorks.

 
 
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KOMMENTARE (10 von 30)
 
tricky_dude (28.09.2008, 10:04 Uhr)
@042020
Don´t they already asked if they can come to Germany, just in case. :-)
Wer weiß vielleicht ist McCain gar nicht soo schlecht, aber hoffen wir das es ihm möglichst lange gut geht, denn wenn ihm was passiert gibt es nämlich eine Mrs. President Palin!!
Schlimm genug als Vice-President.
As if Dan Quayle wasn´t enough!
hamburg123 (28.09.2008, 08:51 Uhr)
Danke USA
Eure verfehlte Wirtschaftspolitik und die Bankenkrise wird weltweit Auswirkungen haben. Die Krise wird sich bald auch auf die Realwirtschaft in Deutschland auswirken. Danke USA!
hamburg123 (28.09.2008, 08:47 Uhr)
Peinliche Kommentare
Die McCain-Unterstützer können leider keine Argumente liefern, warum man McCain wählen sollte. Was für inhaltliche Vorteile in der Sozial-,Wirtschafts- und Aussenpolitik hat McCain? Warum sollte man McCain wählen?
tagora-sagittara (28.09.2008, 01:05 Uhr)
Zitat: "Erfahrung, Wissen und Urteilsvermögen haben Vorteile"
Genau,... gebt dem Mann eine M16 und schickt ihn in den Irak,... da kann er seine Erfahrung praktizieren.
Obama,... bei seinem Alter kann man mit einer gehörigen Portion Idealissmus kalkulieren.
Glaubt mir,... ich seh`s an mir wie das erlebte nagen kann!
Johann58 (27.09.2008, 23:26 Uhr)
@402020
Na, deine Kommentare strotzen ja wieder vor ueberschaeumender Intelligenz. Die Welt freut sich auf McCain, endlich geht es weiter wie die letzten 8 Jahre, keine Bank geht mehr pleite, das Ausland kauft keine Filetstueckt mehr zum Schnaeppchenpreis und wenn im Golf von Mexiko und Alaska endlich offshore und in Naturschutzgebieten nach Oel gebohrt wird, wird auch den Golf richtig sauber halten und das bischen Umweltzerstoerung hat man in ein paar Jahrzehnten auch wieder so langsam im Griff. Das Benzin wird auch sofort billiger, wenn dann in 10 - 15 Jahren Oel aus den neu erschlossenen Oelquellen verarbeitet wird und morgen ist Amerika unabhaengig von Fossilen Brennstoffen wenn dann in 20 Jahren die ab Januar 2009 geplanten AKW's ans Netz gehen. Nun werden sich die Amerikaner ja waehlen wen sie wollen und nicht wen die Europaeer gene moechten, aber eines musst du dir mal ueberlegen, will Amerika eigentlich einen Platz in der Welt beansprochen oder erwartet Amerika, dass sich der Rest der Welt um einen Platz in Amerika bewerben muss? McCain will letzteres, denn das ist gestern wieder deutlich geworden, Amerika unter McCain beansprucht die alleinige Fuehrerschaft in der Welt und nur das was Amerika macht ist gut, alles andere ist schlecht. Im uebrigen habe ich noch garnicht gewusst, dass die USA die groesste Exportnation der Welt sind, zeigt mal wieder von dem ausserordentlichen Witrschaftsverstand von McCain.
042020 (27.09.2008, 23:05 Uhr)
tricky-dude
wir senden diese die fur NOBAMA sind eben nach Deutschland, bei euch darf ja doch auch alles rein.
nun ohne spass, es gibt nur die zwei,
konnte auf bessere denken, so macht
man seine wahl. und meine ist McC.
und geht es noch mehr den Bach runter (was ich nicht glaube) kann
ich mir selber in den hintern
>kicken< oder nach "D" auswandern.
nun unsere Freunde ? UR63/Hamburg123
haben die (wie typisch Deutsch) nichts zu sagen gehen sie mit IQ usw
aufeinander los.
FYI, Fast Food, nun wusste nicht das Sauerkraut und Bockwurst schlau macht ?
glaube beide haben ihr wissen uber die US was im Stern steht, und das it meist nicht richtig.(anti-ami)
Waffennarren, wieder mal keine ahnung in meiner strasse, 12 Hauser, bin der einzige der waffen hat. und was ich habe sind alte sammelstucke, nicht zum schiessen. doch was solls, 99%
der deutschen wissen ja alles besser
deswegen zahlen sie 19% MWS.
have a nice Sunday, we are having
(black Angus) steaks tomorrow.
sorry no McD.
UR63 (27.09.2008, 20:48 Uhr)
@hamburg123
Mit dem IQ einer mittelmäßig begabten Stubenfliege sollte man hier nicht rumtrollen...
hamburg123 (27.09.2008, 20:42 Uhr)
@UR63
Ja wenn sie nichts von mir wollen, lassen sie mich gefälligst in Ruhe! Also nerven sie mich gefälligst nicht! Der geistige Dünnschiss, den sie hier verbreiten, geht einem ziemlich auf den Geist!
tricky_dude (27.09.2008, 19:11 Uhr)
@hamburg123
McCain würde niemals seine Truppen in eine persönliche Vendetta hetzen wie George W. Bush!! Besonders wegen seiner Erfahrungen in Vietnam. Außerdem traue ich ihm solche unverschämten Lügen bezüglich der (Geister-)Massenvernichtungswaffen im Irak nicht zu.
Trotzdem traue ich ihm einen Wechsel in Washington,DC nicht zu. Er ist ein Politiker des 20ten Jahshunderts und die Welt braucht einen Präsidenten des 21ten Jahrhunderts. Ich habe bewußt "die Welt" geschrieben, weil ein Untergang der USA deart nachhaltige Folgen für die gesamte Erde hätte, unter denen noch unsere Enkelkinder leiden würden.
Das würde den Islamisten und sonstigen Fanatikern, die gerne die gesamte Welt in die Steinzeit zurück bomben wollen, um ihre mittelalterliche Weltordnung zu verbreiten, sehr gefallen.
Nein, ich bon überzeugt das Mccain ein guter Minister im Kabinett Obama wäre. Aber der Präsident muß einen entschiedenen Wechsel darstellen. Wir kennen alle die Scheiße aus dem letzten Jahrhundert und aus den letzten 8 Jahren zur Genüge.
UR63 (27.09.2008, 18:55 Uhr)
@hamburg123
Ich will nichts von Ihnen!
Bilden Sie sich mal nix ein!
Ihr Zitat:Eine ungebildete Schicht, die an ihren Waffen und der Jagd hängt keine Ahnung von Politik hat und ordentlich Fast-Food spachtelt. So wie 042020 zum Beispiel!
Kennen Sie die Gewohnheiten von 042020??
Wer im Glashaus....
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