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19. Oktober 2008, 18:59 Uhr

Republikaner Powell steht zu Obama

Im Endspurt zur US-Präsidentenwahl hat der demokratische Kandidat Barack Obama prominente Unterstützung aus dem Lager der Republikaner erhalten: Der frühere Außenminister Colin Powell stellte sich hinter Obama - obwohl er seit Jahrzehnten mit dem republikanischen Kandidaten John McCain befreundet ist.

Colin Powell war der erste Außenminister unter Präsident George W. Bush© AP

"Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Generationenwechsel darstellt", erklärte Powell. Es falle ihm nicht leicht, seinen langjährigen Freund John McCain zu enttäuschen. Aber an diesem Wendepunkt der amerikanischen Geschichte sei ein Präsident nötig, der nicht einfach die alten Politikrezepte mit ein paar neuen Aspekten weiterführe.

Powell und Obamas republikanischer Rivale McCain sind seit 25 Jahren befreundet. Sowohl Obama als auch McCain seien qualifiziert genug, Oberkommandierender der Streitkräfte zu sein, sagte Powell. Obama sei aber besser geeignet, das Ansehen der USA in der Welt wieder zu stärken. Der dunkelhäutige pensionierte General und ehemalige Generalstabschef betonte, seine Entscheidung für den ebenfalls dunkelhäutigen Obama habe nichts mit der Hautfarbe zu tun.

Powell äußerte Enttäuschung über den negativen Ton in McCains Wahlkampf sowie über dessen Entscheidung, Sarah Palin zur Vizepräsidentschaftskandidatin zu machen. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Gouverneurin von Alaska im Bedarfsfall die Präsidentschaft übernehme, sagte er. "Ich glaube nicht, dass sie bereit ist, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein.

Obama stellt Spendenrekorde in den Schatten

McCain hatte in seinem Wahlkampf immer wieder versucht, Obama die Kompetenzen als Oberkommandierender abzusprechen. Powell, der bislang stets auf Seiten der Republikaner war, gilt als äußerst erfahrener Außen- und Sicherheitspolitiker und entkräftet dieses Argument damit nochmals. Zuletzt dominierten angesichts der Finanzkrise im Wahlkampf allerdings Wirtschaftsthemen. McCain verglich seinen Rivalen am Samstag mit europäischen Sozialisten, die eine Umverteilung von Privatbesitz durchsetzen wollten. Obama konterte, dass McCain jeglichen Bezug zu amerikanischen Durchschnittsbürgern verloren habe. Beide Kandidaten bemühten sich am Wochenende um traditionell republikanische Staaten, in denen die Demokraten sich diesmal gute Chancen ausrechnen. McCain, der in den Umfragen zunehmend hinter Obama zurückgefallen ist, schien dabei stark aus der Defensive heraus zu agieren.

Auch finanziell ist Obama im Vorteil. Der demokratische Kandidat stellt alle Spendenrekorde bisheriger Präsidentschaftskampagnen in den Schatten: Einschließlich September hat er 605 Millionen Dollar (450 Millionen Euro) Spenden eingenommen. Im vergangenen Monat allein waren es 150 Millionen Dollar, wie Wahlkampfmanager David Plouffe am Sonntag mitteilte. Damit hat Obama seinen finanziellen Vorsprung vor seinem republikanischen Rivalen weiter ausgebaut. McCain hat sich entschlossen, im Herbst die öffentliche Wahlkampffinanzierung in Anspruch zu nehmen, womit er für September und Oktober nur maximal 84 Millionen Dollar zur Verfügung hat. Obama nahm unterdessen erste Vorbereitungen für eine Übernahme der Regierung auf. So kam kürzlich eine Gruppe von Experten zusammen, die den Übergang in der Präsidentschaft organisieren soll, wie am Freitagabend aus Kreisen der Demokratischen Partei verlautete. Auch McCain hat ein solches Übergangsteam gebildet.

Unterdessen stehen der republikanischen US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin und ihrem Mann Todd wegen der Entlassung eines ranghohen Beamten weitere Ermittlungen ins Haus. Noch in dieser Woche werde das Paar von einem Vertreter der staatlichen Personaldirektion getrennt befragt, erklärte ihr Anwalt Thomas Van Flein. Geprüft werden soll, ob Palin bei der Entlassung des Beamten gegen Ethikgesetze verstoßen hat.

Ein Parlamentsausschuss in Alaska hatte Palin des Amtsmissbrauchs beschuldigt. Ein Untersuchungsbericht kam zu dem Schluss, dass die von Palin verfügte Entlassung des Beauftragten für die öffentliche Sicherheit zwar legal gewesen sei. Palin und ihr Mann hätten aber aus persönlichen Motiven unzulässig Druck auf diesen und andere Beamte ausgeübt. Der vom Parlament eingesetzte Ermittler erklärte, Palin habe gegen Alaskas Ethikgrundsatz für Regierungsmitglieder verstoßen. Darüber formell zu entscheiden, ist im nördlichsten US-Staat allerdings nicht Aufgabe des Parlaments, sondern der staatlichen Personaldirektion. Diese müsste dem Senatspräsidenten ein Disziplinarverfahren empfehlen, das neben dienstlichen Konsequenzen auch eine Geldstrafe bis zu 5000 Dollar (3700 Euro) nach sich ziehen könnte. Sollte es zu einem Disziplinarverfahrens kommen, wäre es allerdings erst lange nach der Präsidentenwahl abgeschlossen.

Glen Johnson/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
mramorak (23.10.2008, 06:52 Uhr)
Die Amerikaner wählen schon viellänger...
Ja, die Amerikaner wählen schon viellänger als wir und dennnoch gibt es so viele superschlaue Deutsche, die seit Monaten versuchen, den Amerikanern Wahlunterricht zu geben. Nach jeder Wahl ist Amerika demkratisch geblieben, was der Hauptgrund ist, dass sich soviele Deutsche darüber ärgern; wir waren nur etwa 30 Jahre wirklich demokratisch. Unsere Bundeskanzlerin versuchte, vor sie selber etwas von Demokratie verstanden hatte, unseren demokratischen Freunden, Demokratie-Vorlesungen zu halten. Der Hochmut scheint der einzige, wirkliche Wolkenkratzer in Berlin zu sein
bernie-abg (22.10.2008, 23:19 Uhr)
@042020...
...gerade wurde die Kleider-, Friseur- und Make-Up Rechnung für S.Palin veröffentlich.
Rd. 100.000$, bezahlt aus der Rep.Wahlkampfkasse.(kicher)
noch Fragen in den lieben USA?
042020 (22.10.2008, 20:12 Uhr)
Obama Freunde
gerade wurde Frau Obama's
Hotel Snack rechnung veroffendlicht:Hotel: Waldorf-Astria
2 Lobster Hors D'oeuvres $50.00
2 whole steamed Lobsters $100.00
1 iranian osetra caviar $100.00
1 Sollinger Champagne 44.00
tot: 344.00
20% service charge 68.00
ny tax 34.59
noch fragen im lieben Deutschland ?
AttaTroll (20.10.2008, 14:58 Uhr)
Powells Unterstützung
Na, wenn dieser Schuss mal nicht nach hinten losgeht. Schon vergessen: Colin Powell ist der Mann, der vor der Versammlung im UN Sicherheitsrat gelogen und betrogen hat und versucht hat, die ganze Welt für dumm zu verkaufen. Wenn MICH so jemand unterstützen würde, dann würde ich mir das entschieden verbitten und mich öffentlich von ihm ganz weit distanzieren. Selbst wenn Powell damals auf Druck von seinem Präsidenten gehandelt hat, spricht das nicht für ihn. Er ist jemand, der lieber kuscht und lügt und keiner der aufsteht und Rückgrat zeigt. Unterstützung von Powell? - "Change" sieht anders aus...
muemmelfrau (20.10.2008, 10:28 Uhr)
@Inteliewengzbestie
Ihre Wahlempfehlung hat 2000 und 2004 auch sicherlich G.W.Bush gelautet.
Wie richtig sie damit gelegen haben zeigt die bilanz von G.W. *g* (ich müsste lachen, wenns nicht so traurig wäre).
Sie sind eine wahre Inteliewengzbestie...^^
Johann58 (20.10.2008, 02:22 Uhr)
die Hoffnung
stirbt Zuletzt. Unabhaengig wie weit Obama vone liegt, egal wie daemlich sich Sarah Palin anstellt, McCain ist leider noch lange nicht aus dem Rennen. Die Propaganda und der bis heute noch nicht ausgepackter Schmutz koennen noch so vieles aendern. Da ja bereits die Demokaten rueckwirkend bis Jimmy Carter fuer die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht werden, kann man sich ausmalen was noch so alles kommen kann. Dass sich Colin Powell auf Obama's Seite schlaegt ist nicht ueberraschend, aber es wird genuegend Idioten geben, die aus seinem Rueckzug so etwas wie Nestbeschmutzung machen und es gegen Obama verwenden. Amerika ist mitnichten mit Deutschland und dem Ende der Kohlzeit zu vergleichen.
ganzbaf (20.10.2008, 01:21 Uhr)
Stimmt nicht

Die Weisheit der Vielen schägt sogar Einstein!
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,379714,00.html
(-;
Neuseelaender (20.10.2008, 01:11 Uhr)
In der Masse dumm?
Hoimar von Ditfurth hat in einem seiner Buecher gesagt, der Einzelne mag es besser wissen, in der Masse aber ist der Mensch dumm. Ich traue es den Amerikanern durchaus zu, McCain zum Praesidenten zu machen - hinterher war's natuerlich keiner.
SethusCalvisius (20.10.2008, 00:40 Uhr)
@Inteliewengzbestie
Ich sehe das wie Sie, bei McCAin weiß man, was man bekommt. Und deshalb kann meine Wahlempfehlung nur Obama heißen. McCains verzweifelte Versuche, sich von Bush abzusetzen, kommen zu spät. Das glaubt ihm keiner mehr. Und nach Bush gibt es nur eins, was zählt: Hauptsache, anders! Da spielt es auch keine Rolle, ob Obama schwarz oder weiß ist oder ob er genügend politische Erfahrungen hat. Die Furcht, mit McCain könnte alles so weitergehen wie bisher, wird schon für Obamas Wahlsieg sorgen. Wir hatten ja vor 10 Jahren nach der Kohl-Aera eienn ähnlichen Effekt, und das, was Kohl bei uns angerichtet hat, war ja im Vergleich zu Bush harmlos.
makira (19.10.2008, 22:50 Uhr)
Powell
Hab mich schon immer gefragt was der bei den Reps macht. Er war das einzige Mitglied der Regierung Bush der halbwegs akzeptabel ist. Trotzdem hat er diesen Schwachsinn vor der UNO abgezogen. Zumindest ist er abgetreten als er mitgekriegt hat dass man ihn voll verarscht hat. Sollten die Amis McCain/Palin wählen kann ich nicht anders als zu sagen, dass das Volk völlig verblödet ist und es nicht anders verdient hat.
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