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28. Oktober 2004, 15:48 Uhr

Splitter, Splatter und Sprücheklopfer

Wie Teresa Heinz die Republikaner gegen sich aufgebracht hat, weshalb Robert de Niro keine italienischen Preise annimmt und warum Verwandte von Präsident Bush John Kerry wählen - Szenen eines Wahlkampfes.

Wahl per E-Mail: Astronaut Leroy Chiao© Alexander Nemenov/AFP

Geld stinkt nicht

Der jetzige US-Präsidentschaftswahlkampf hat schon einen Platz in der Geschichte. Noch nie wurde in einem Rennen um das Weiße Haus so viel Geld gesammelt und ausgegeben wie diesmal, und dazu für eine Schlammschlacht, die ebenfalls alle Rekorde bricht. Sage und schreibe rund eineinhalb Milliarden Dollar an Spenden sind bisher an die beiden Spitzenbewerber George W. Bush und John Kerry, deren Parteien - Republikaner und Demokraten - sowie an diverse andere Kandidaten und politischen Gruppen geflossen. Das ist etwa doppelt so viel wie zum selben Zeitpunkt im Wahlkampf 2000.

Die Ironie dabei: Es gibt in den USA ein neues Gesetz zur Wahlkampffinanzierung, das den Einfluss des Geldes auf die Wahlen verringern soll. Dies, so zeigen Statistiken und auch der Wahlkampfverlauf, ist ein Flop. Die neuen Begrenzungen für Riesenspenden von Unternehmern und Gewerkschaften an die Parteien haben nämlich dazu geführt, dass Schlupflöcher im Reformgesetz gesucht und gefunden wurden - mit noch schlimmeren Auswirkungen.

Die großen Spenden - zum Teil über zehn Millionen Dollar auf einen Schlag - fließen nunmehr an politische "Schattengruppen", die die Arbeit für die Kandidaten und die Parteien erledigen und dabei praktisch keinen Einschränkungen unterliegen. Das gilt nicht nur für das Geld, sondern auch für den Stil: Wo die Spitzenbewerber sich selbst noch Zurückhaltung auferlegen müssen, schlagen die Gruppen in ihrer Wahlkampfwerbung rücksichtslos zu, auch wenn es unter der Gürtellinie ist. Diese Organisationen sind es beispielsweise, die hauptsächlich die Kontroverse um das Engagement der beiden Kandidaten während des Vietnamkriegs bestritten haben. In der letzten Woche vor der US-Präsidentenwahl greifen Republikaner und Demokraten noch einmal tief in die Kasse: Insgesamt 40 Millionen US-Dollar (32 Millionen Euro) wollen die gegnerischen Lager allein in Fernsehspots investieren.

Astronaut wählt in Raumstation

Der amerikanische Astronaut Leroy Chiao wird bei der Wahl seine Stimme per E-Mail abgeben. "Ganz sicher werde ich mein staatsbürgerliches Recht ausüben und meine staatsbürgerliche Pflicht erfüllen", sagte er. Die US-Astronauten, von denen die meisten in der Gegend von Houston in Texas wohnen, erhielten das Recht zur Wahlausübung im Weltall vor einigen Jahren in einem eigens dafür verabschiedeten Wahlgesetz. Unterzeichnet wurde dieses Gesetz vom damaligen texanischen Gouverneur: George W. Bush.

Schwarzenegger vergleicht Kennedy mit einem Kürbis

Im Wahlkampf schreckt Arnold Schwarzenegger vor Witzen über Verwandte nicht zurück. Bei einem Auftritt zur Unterstützung eines republikanischen Kandidaten für das kalifornische Parlament verglich der Gouverneur den Onkel seiner Frau, den Demokraten Edward (Ted) Kennedy, mit einem Kürbis. Auch Kerry wurde nicht geschont. "Meine Kinder haben gerade einen schönen Kürbis nach Hause gebracht, aber wissen Sie was? Ich werde ihn zurückbringen, weil es ein demokratischer Kürbis ist. Er hat die orange Farbe von John Kerrys Haut, und die Rundungen von Teddy Kennedy", sagte Schwarzenegger. Er liebe es, Witze über den Onkel seiner Frau zu machen, fügte der Ex-Schauspieler hinzu. "Er ist einer meiner liebsten Verwandten. Er kommt zu mir nach Hause und isst allen Kuchen und alle Nachspeisen, die wir haben."

Privatflieger stören Bush-Rede

Zwei private Kleinflugzeuge haben Wahlkampfveranstaltungen von Präsident Bush gestört. Die Maschinen drangen versehentlich in den gesperrten Luftraum über den beiden Veranstaltungen in Florida ein und wurden von Kampfjets abgefangen, wie Behörden mitteilten. Für Bush habe keine Gefahr bestanden, betonte ein Sprecher des Weißen Hauses.

Iran würde Bush wählen

Ausgerechnet aus Iran hat Präsident Bush Unterstützung erhalten. Nach Worten von Hasan Rowhani, dem Leiter des Nationalen Sicherheitsrats in Iran, gibt Teheran Bush den Vorzug vor Kerry. Historisch gesehen habe die Demokratische Partei dem Iran mehr geschadet als die Republikaner, sagte er. "Wir wünschen nicht, dass die Demokraten die Regierung übernehmen." Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass sich eine iranische Regierung derart offen zum amerikanischen Wahlkampf geäußert hat.

"Wir sollten nicht vergessen, dass es die meisten Sanktionen und der größte wirtschaftliche Druck gegen den Iran in der Amtszeit (des früheren US-Präsidenten Bill) Clinton gab", sagte Rowhani. "Und wir sollten auch nicht vergessen, dass Bush - trotz seiner scharfen und unbegründeten Rhetorik gegen den Iran - von der Praxis her gesehen keine gefährlichen Aktionen gegen Iran unternommen hat", fügte Rowhani hinzu. Bush hatte Iran zusammen mit Irak und Nordkorea in einer "Achse des Bösen" eingereiht und beschuldigt, Mitglieder der al Qaeda Unterschlupf zu gewähren. Die Demokratische Partei pflegt in ihrer Außenpolitik dem Thema Achtung der Menschenrechte mehr Bedeutung zuzumessen als die Republikaner.

Teresa Heinz Kerry und die Fettnäpfchen

Teresa Heinz Kerry (66), Präsidentschaftskandidatengattin mit einer Schwäche für Fettnäpfchen, musste sich bei der amerikanischen First Lady Laura Bush entschuldigen. Sie hatte in Frage gestellt, dass Laura Bush jemals einen richtigen Beruf hatte. "Ich weiß nicht, ob sie jemals einen richtigen Job gehabt hat. Die Erfahrung, die sie einbringt, stützt sich also auf wichtige Dinge, aber andere Dinge", sagte sie in einem Zeitungsinterview. Heinz Kerry leitet seit gut zehn Jahren die milliardenschwere Stiftung ihres verstorbenen Ehemanns John Heinz aus der Ketchup-Familie.

Die Republikaner sind trotz der Entschuldigung aufgebracht. Die Frau von Senator John Kerry halte Hausarbeit wohl nicht für "richtige Arbeit", meinte Bush-Beraterin Karen Hughes. Nach einem republikanischen Aufschrei teilte Teresa in einer Erklärung mit: "Ich hatte vergessen, dass Laura Bush Lehrerin und Bibliothekarin war... Es tut mir Leid, dass ich mich an ihre frühere wichtige Arbeit nicht erinnert hatte." Bushs Vertraute Karin Hughes spottete nur. "Das machte es ja fast noch schlimmer: Sie scheint vergessen zu haben, dass Muttersein auch ein richtiger Job ist", sagte sie dem Sender CNN. "Die meisten Frauen werden gekränkt sein, weil sie frei aussuchen wollen, was richtig für sie ist: zu Hause in der Familie oder außerhalb zu arbeiten."

Die gebürtige Portugiesin ist bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihren Mann John Kerry musste neulich klarstellen, dass Teresa ausschließlich ihre eigene Meinung äußert. Bei einem Wahlkampfauftritt meinte sie, es würde sie nicht wundern, wenn Osama bin Laden rechtzeitig zur Wahl noch gefasst würde. Bei der traditionellen Reise durch den Südwesten im blauen Wahlkampfsonderzug begrüßte sie die wartende Menge mit dem Satz "Ich liebe Nevada". Leider war sie in Arizona.

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