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16. Oktober 2008, 08:51 Uhr

Wie Joe der Klempner McCain blamierte

Das letzte TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten hat Barack Obama klar für sich entschieden. Während der Kandidat der Demokraten die Ruhe selbst war, versuchte John McCain verzweifelt einen Angriffspunkt zu finden. Der wichtigste Mann des Abends war jedoch Joe der Klempner. Von Matthias B. Krause

Barack Obama legt John McCain demonstrativ die Hand auf den Rücken. Im letzten TV-Duell hat Obama wieder die Oberhand behalten© Charles Dharapak-Pool/Getty Images

Er schoss gezielt, er schoss aus der Hüfte, er schoss über die Schulter. Doch egal, was er auch versuchte, alles ging vorbei. Oder schlimmer: kam zurück. Doch das schlimmste war, dass man John McCain ganz genau ansah, wie er mit jeder Minute wütender wurde, wie am Ende seine Verzweiflung wuchs. Es war eine feurige Debatte, die sich der republikanische Präsidentschaftskandidat am Mittwochabend vor den Toren New Yorks mit seinem demokratischen Konkurrenten lieferte. Geändert hat das dritte und letzte Aufeinandertreffen von McCain und Barack Obama jedoch nichts. Der junge Politiker aus Chicago, der schon Hillary Clinton zur Verzweifelung trieb, war durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Mit Umfragen im Rücken, die ihn deutlich vorne sehen und teilweise einen Erdrutschsieg in 19 Tagen vorhersagen, wirkte er einmal mehr nicht wie die riskante Wahl, zu der ihn die Republikaner so gerne machen würden, sondern wie ein Präsident in Wartestellung.

McCain dagegen wird sich seine wenigen noch verbliebenen Haare raufen, dass er sein Mienenspiel nicht besser unter Kontrolle hatte. Vor allem, wenn Obama sprach. Dann schrieb er wie wild auf seinem gelben Schreibblock herum, verzog das Gesicht zur Grimasse, rollte mit den Augen, presste ein wölfisches Lächeln zwischen schmalen Lippen hervor. Paul Begala, einst Berater der Clintons, sagte beim Kabelsender CNN: "Diese Bilder von seinen Reaktionen bringen ihn um. Der sah wieder aus wie der grummelige McNasty." David Gergen, Berater von drei Präsidenten auf beiden Seiten des politischen Spektrums, drückte es nüchterner aus: "Er sah böse aus. Er hatte Probleme, sich unter Kontrolle zu halten. Es war fast eine Lehrstunde im Wut-Management."

Obama bleibt kühl

Auf der anderen Seite erntete Obama sogar von Leuten Anerkennung, die ihn normalerweise sehr kritisch betrachten. Roger Simon, konservativer Kommentator der einflussreichen Webseite politico.com, schrieb: "Nach 90 Minuten unter kochend heißen TV-Scheinwerfern war Obama immer noch so kühl, ein Eiswürfel wäre auf seiner Stirn nicht geschmolzen." Dabei waren die Geschosse, die McCain los ließ, gar nicht von schlechten Eltern. Schon ziemlich früh in der Debatte blickte er seinem Kontrahenten direkt in die Augen und sagte: "Senator Obama, ich bin nicht Präsident Bush. Wenn Sie gegen Präsident Bush antreten wollen, hätten Sie das vor vier Jahren tun müssen." Dann versprach er, das Ruder in der Wirtschaftspolitik umzulegen.

Doch McCains Freude über seinen - höchst wahrscheinlich sorgfältig einstudierten - kurzen verbalen Haken währte nicht lange. Obama entgegnete beinahe entschuldigend, aber mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen: "Wenn ich manchmal Ihre Politik mit der von George Bush verwechselt habe, dann liegt das daran, dass Sie in zentralen wirtschaftlichen Fragen, die für das amerikanische Volk wichtig sind - Steuern, Energie, Priorität der Ausgaben - ein entschlossener Unterstützer von Präsident Bush waren." Wo McCain es wahlweise mit den Fäusten oder dem Säbel versuchte, blieb Obama beim Florett. Statt etwa die republikanische Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, Sarah Palin, direkt zu kritisieren, sagte er Dinge wie: "Sie ist eine fähige Politikerin." (Nicht: Sie ist eine fähige Anführerin). Oder: "Sie hat die Basis der Republikanischen Partei begeistert." (Nicht aber die unentschiedenen Wähler, die sich mehr und mehr von ihr abwenden.)

"Wenn ich Präsident bin, musst Du null Dollar Strafe zahlen"

Natürlich durfte an diesem Abend auch nicht Bill Ayers fehlen, der Gründer einer terroristischen Vereinigung in den 60er Jahren, der mittlerweile als Professor an der University of Chicago lehrt und mit dem Obama am Anfang seiner politischen Karriere in Berührung kam. Palin behauptet derzeit bei jedem Wahlauftritt, Obama sei mit einem Terroristen befreundet. McCain unterstellte ihm in der Debatte, er verharmlose seine Beziehung zu dem Ex-Terroristen. Obama entgegnete: "Wenn Leute mir so etwas unterstellen, sprechen wir nicht über die Sachthemen." Und an anderer Stelle noch einmal: "Es macht mir nichts aus, in den kommenden drei Wochen angegriffen zu werden. Aber was sich das amerikanische Volk nicht leisten kann, sind vier weitere Jahre einer verfehlten Politik."

McCains Wahlstrategen hatten sich eine weitere Flanke ausgeguckt, auf der sie Obama angreifen wollten. Bei einem Wahlkampfstopp in Toledo, Ohio, hatte der in einem Gespräch mit einem Klempner namens Joe Wurzelbacher etwas in der Richtung gesagt, dass er "Wohlstand verbreiten wolle". Das klingt in den Ohren von McCains Männern offensichtlich wie die Ausrufung des Sozialismus. Jedenfalls gaben sie ihm auf, den Spruch und "Joe the plumber" so oft wie möglich zu erwähnen.

Als McCain behauptete, Obamas Reform des Gesundheitssystems werde "Joe the plumber" bestrafen, wenn der für seine Angestellten keine Krankenversicherung kaufe, schlug er zurück. "Hallo Joe", sagte Obama, direkt in die Kamera guckend, "falls Du da draußen bist: Wenn ich Präsident bin, musst Du null Dollar Strafe zahlen. Null. Kleinunternehmen wie Deines sind in meinem Plan von Strafen befreit." McCain fiel fast die Kinnlade runter. Es wird ein paar Tage dauern, bis die Umfragen herauskommen, die Zeugnis über Sieger und Verlierer ablegen. Aber einer steht jetzt schon fest. Joe Wurzelbacher sind nach dieser Debatte seine 15 Minuten im nationalen Rampenlicht garantiert.

Von Matthias B. Krause
 
 
KOMMENTARE (10 von 40)
 
gmathol (17.10.2008, 01:06 Uhr)
Joe the plumber - hmmm - found this
Die Obama Falle funktionierte nicht:
Joe the Plumber? Nope. Joe the Tax Dodger. Joe the Relative of Charles Keating. Hilarious.
According to Lucas County, Ohio court records, there is a Samuel Joseph Wurzelbacher who has a state income tax lien of $1,182.98. According to the court record he lives on a street that is part of the Lincoln Green subdivision.
And Joe the Plumber's Father appears to be Robert Wurzelbacher right wing fanatic and contributor who is the son in law of..... you're not going to believe this. Charles Keating.
This just gets better and better.
hamburg123 (16.10.2008, 23:48 Uhr)
@tricky_dude
Stimmt schon, aber unter Reagan haben auch die Rüstungsausgaben massiv zugenommen und in Sachen Rüstung wurde damit ein neues Zeitalter eingeleitet. Zudem wurden unter Reagan üble Diktaturen, so zum Beispiel die brutale Diktatur in Nicaragua, wodurch hundert Tausende zu Tode kamen.
Johann58 (16.10.2008, 22:33 Uhr)
@hamburg123
Die Idee mit der Steuersenkung fuer den Mittelstand ist so schlecht nicht, es ist nur nicht klar ob es ueberhaupt bei einem Haushaltsdefizit von moeglicherweise 1 Trillion Dollar machbar sein wird. McCain will ja auch die Steuern senken und innerhlab von 4 Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen, wofuer Obama mindesten 10 Jahre veranschlagt. Wer aber mal betrachtet was Mittelstand in den USA bedeutet, wundert sich, dass die Leute ueberhaupt Steuern bezahlen muessen. Das Durchschnittseinkommen in den USA wird total ueberschaetzt. Im uebrigen finde ich den @40... schiess mich tot lustig und denke das ist so ein Fake Kommentator, der ein wenig provozieren will, denn viel Amerikaner sind gar nicht so uebel, die wissen allerdings nicht von der elt und haben in Ihrem Leben noch nicht vom EURO gehoert oder denken Pag sei ein Vorort von Paris, was aber nicht an den Leuten sondern an ihrem Bildungssystem liegt, was Obama ja bekanntlich aendern will.
tricky_dude (16.10.2008, 22:26 Uhr)
@hamburg123
Jimmy Carter war in keinen Krieg verwickelt. Sein Nachfolger Reagan eigentlich auch nicht. Zumindest offiziell.
hamburg123 (16.10.2008, 20:07 Uhr)
Welcher US-Präsident
war eigentlich nicht in einem Krieg verwickelt?
Wiebitte20081 (16.10.2008, 18:47 Uhr)
Grimassen die 2te
Wenn der ,,Komiker"die Wahl gewinnt kriegen wir einen 3ten Weltkrieg.Der Typ ist Wahnsinnig.
Johann58 (16.10.2008, 18:43 Uhr)
@042020
entschuldige bitte, aber ich bin dir ja noch eine Antwort schuldig; ich bin nicht Nachts ueber den Rio Gande gekommen Spanisch ist ja nicht meine MUttersprache, sondern ganz offen am hellerlichten Tag mit meinem Visum ueber einen Flughafen und der/die officer der Einwanderungsbehoerde fanden nichts daran auszusetzen, dass jemand sein Geld in den USA investiert. Immerhin generiere ich ja Jobs statt sie ins Ausland zu verlagern. Wenn ich darueber hinaus die Kommentare selbst in erzkonservativen Blaettern und im Internet lese, liege ich ja nicht so falsch mit meiner Betrachtungsweise. Albert Einstein hatte das sicher auch so gesehen.
jsbach (16.10.2008, 18:37 Uhr)
Oberbefehlshaber Obama
Falls Obama die Wahl gewinnt – was trotz der günstigen Prognosen keinesfalls sicher ist – wird er schwer die Heilserwartungen erfüllen können, die auf ihm lasten. Vor allem aber wird auch er alles dafür tun, die weltweite politische und militärische Vormachtstellung der USA wieder auszubauen, Finanzdebakel hin oder her. Gespannt darf man sein, wie er den Iran zur Räson bringen wird, denn dessen atomare Aufrüstung wird kein Präsident der USA dulden können. Die Rolle des Oberbefehlshabers wird Obama möglicherweise schneller ausfüllen müssen, als im lieb ist.
Johann58 (16.10.2008, 18:03 Uhr)
@042020
da ist sie endlich unsere 4 mit den vielen Nullen oder die Null mit der 4. Auf deinen Kommentar zur Debatte habe ich gewartetund ich muss sagen, du hast mich nicht enttaeuscht, jede Menge klarer Kommentar zur Debatte. Ich freue mich immer ueber deinen Kommentar und fuehle mich geehrt, dass du mich in die Naehe von Albert Einstein rueckst. Ich betrachte es unter dem Motto; quod lizet jovi non lizet bovi.
tricky_dude (16.10.2008, 17:38 Uhr)
Gesichtsmimik
Also die Comedians haben jetzt schon genug Munition durch McCains Grimassen. Wie wird das wenn er wirklich gewinnt? Futter für John Stewart und Saturday Night Life.
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