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27. Juli 2008, 13:50 Uhr

Zwischen Hoffnung und Dreistigkeit

Die Auslandsreise war für Barack Obama ein voller Erfolg. Sein republikanischer Rivale, John McCain, zeigt unterdessen von Tag zu Tag mehr Frust ob des großen Schattens, dem er nicht zu entkommen scheint. Obamas Kritiker bescheinigen ihm jedoch, er habe sich zu weit vorgewagt. Von Matthias B. Krause

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Ende einer Reise: Barack Obama winkt zum Abschied, bevor er in sein Flugzeug steigt© Reuters

Die rasante Rundreise hinter sich, bejubelt, geliebt und hoffiert, hätte Barack Obama erschöpft und zufrieden in den Sessel sinken sollen. Doch stattdessen machte er sich auf dem Rückflug von London nach Chicago Gedanken darüber, was noch immer schiefgehen kann. "Die Leute zu Hause machen sich Sorgen um die Benzinpreise und ihre Hypotheken und drohende Zwangsversteigerungen - und eine Woche lang sehen sie mich durch die Welt düsen", sinnierte der demokratische Präsidentschaftsanwärter, "es ist einfach, das als vom Volk und seinen alltäglichen Problemem entfernt darzustellen. Doch wir dachten, es war das Risiko wert."

In der Tat hätte Obamas Trip nach Afghanistan, in den Irak, den Mittleren Osten und schließlich nach Berlin, Paris und London kaum besser laufen können. Der irakische Premierminister Nuri al-Maliki machte für den Kandidaten eigenhändig Wahlwerbung, indem er dessen Plan, die kämpfenden US-Truppen bis 2010 abzuziehen anpries. Der jordanische König brach eigens seinen Urlaub ab, um mit Obama zu sprechen. In Berlin kamen 200.000 zu seiner Rede vor der Siegessäule und in Paris bereitete Präsident Nicolas Sarkozy ihm einen "königlichen Empfang" ("Washington Post"). Die TV-Sender und Zeitungen berichteten, als handle es sich um wichtige Staatsbesuche. Selbst konservative Kommentatoren wie William Bennett sagten bei CNN anerkennend: "Das ist wirklich ein teuflisch guter Lauf, den er da hat." Frank Rich, einer der einflussreichsten liberalen Kommentatoren des Landes, erklärte in der "New York Times" sogleich: "Wie Obama zum handelnden Präsidenten wurde."

John McCain, Obamas republikanischer Rivale, zeigte von Tag zu Tag mehr Frust ob des großen Schattens, dem er nicht entkam. Da mochte er mit noch so scharfen Worten zurückschießen. Obama vollführe "eine vorzeitige Siegesrunde", klagte er. Dann wieder, dem Demokraten sei es wichtiger, die Wahl zu gewinnen als den Krieg im Irak. Er warf ihm vor, dass er einen Besuchstermin bei im Irak verwundeten amerikanischen Soldaten in Deutschland gestrichen habe und nannte ihn "arrogant" und "rücksichtslos". Es wirkte ein wenig hilflos, wie MCain in einem deutschen Restaurant in Columbus, Ohio mit Mittelständlern sprach und kurzfristig den Dalai Lama zu sich einlud. Doch trotz allem trifft er womöglich einen Nerv, wenn er in einer Radioansprache sagt: "Ich fühle mich ein bisschen zurückgesetzt von Obama. Und vielleicht geht ihnen das auch so."

Vor allem im konservativen Lager finden sich Stimmen, die sagen, Obama habe sich zu weit vorgewagt. Robert Schlesinger beschreibt das im Magazin "US News & World Report" so: "Die Berlin-Rede könnte als Meilenstein auf Obamas Weg zur Präsidentschaft erinnert werden, oder als der Wendepunkt, an dem sich seine Wahlkampagne zu weit in Richtung Dreistigkeit statt in Richtung Hoffnung bewegt hat." David Brooks, der konservative Kommentator der "New York Times", der bislang meist gute Worte für den Demokraten hatte, ätzte: "Obama hat von einer Woche schöner Bilder profitiert. Aber am Ende ist Optimismus ohne Realitätssinn keine Eloquenz. Das ist nur Disney."

Erst im Laufe der kommenden Woche lässt sich sagen, welche Wirkung Obamas Ausflug auf die Wählerschaft wirklich hatte. Die ersten Umfragen, die den Effekt der einwöchigen globalen Obamania messen, werden in wenigen Tagen veröffentlicht. Diejenigen, die Mitte des Monats erhoben worden waren, zeigen ein Bild, das McCain gefallen muss. Danach holt er in den Swingstates Michigan und Minnesota auf, in Colorado überholte er Obama gar und liegt nun knapp an der Spitze. Landesweit hat Obama weiterhin die Nase mit etwa fünf Prozentpunkten vorne. Aber das besagt wenig, denn im November werden die Wahlmännerstimmen aufgeschlüsselt nach den Bundesstaaten zusammengezählt, die landesweite Stimmenmehrheit ist bedeutungslos. Die Ergebungen bestätigen zudem, dass der junge Senator dringend etwas dagegen unternehmen muss, dass ihn immer noch viele als die deutlich riskantere Wahl ansehen. Selbst nach eineinhalb Jahren Wahlkampf haben sie den Eindruck, ihn nicht so gut zu kennen wie Alt-Senator McCain.

Ob ihm sein Auslandstrip in dieser Frage geholfen hat, sei dahingestellt. Gerade die Wechselwähler legen viel weniger Wert darauf, vom Rest der Welt gemocht zu werden, als etwa die Jungen und jene am linken politischen Spektrum. Ronald Brownstein, Kommentator des "National Journal", Hauspostille aller Kongressabgenordneten, faßt das so zusammen: "Europäische Jubelstürme helfen Obama bei den Starbucks-Leuten, aber es bleibt abzuwarten, ob sie seine Aussichten bei den Dunkin´ Donuts-Kunden ebenfalls versüßen." Auch einige Anhänger von Hillary Clinton, die Obama im demokratischen Vorwahlkampf knapp besiegte, sehen seine Reise ausgesprochen skeptisch. Susie Tompkins Buell, eine von Clintons größten Spendensammlerinnen, sagte der "Los Angeles Times": "Die, die ich kenne, stossen sich an diesen Rock Star-Veranstaltungen. Bei diesen Spektakeln geht es mehr um den Kandidaten als um die Partei und die Themen, die uns am Herzen liegen."

Und natürlich ließen sich die amerikanischen Night Talker die Gelegenheit nicht entgehen, das Ganze auf die Schippe zu nehmen. Jimmy Kimmel, Zyniker vom Dienst bei ABC, lästerte: "Sie lieben Barack Obama wirklich in Deutschland. Er ist da drüben ein Rock Star. Das ist sehr beeindruckend - bis man feststellt, dass sie da drüben auch David Hasselhoff anhimmeln."

Von Matthias B. Krause
KOMMENTARE (10 von 30)
 
ecomoc4u (29.07.2008, 17:22 Uhr)
@mupfeline
wenn nicht mccain, und auch nicht obama, wer soll den der nächste president der usa werden.
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während wir hier immernoch über die beiden illuminati puppen spekulieren, wächst in der usa die erkenntnis, das nur noch RON PAUL die katastrophe verhindern kann.
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RON PAUL ist ohne frage, die einzige hoffnung des demokratischen amerikanischen volkes. möge er die nötige mehrheit bekommen...
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die usa müssen sich von den banksters befreien, die gesetzte der urväter müssen wieder installiert werden. die FED muss wieder in regierungshand gebracht werden.
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wunschdenken...? wir werden es sehen, wenn alle freiheitsliebenden und demokratischen us bürger nach washington maschieren...
gmathol (28.07.2008, 11:10 Uhr)
Verzeihen wir den Berlinern doch den kleinen Fehler...
...die jubeln nun mal fuer alles und wer wurde nicht schon alles in Berlin bejubelt.
Die glauben auch noch immer das die US Airforce die sie bombardierte eine Luftbruecke zur Rettung der Stadt gegen boese Russen bereitgestellt hat.
Das Die Wiedervereinigung nicht kam weil die USA die Militarisierung Deutschlands wollten das interessiert auch keinen mehr.
Der Empfangsort fuer Obama war goldrichtig: Tiergarten und als sein Konkurrent McCain vor einem Kaeseregal in einem Supermarkt sprach , sprach Obama vor der durch Hitler aufgestellten Siegessaeule.
nightmare_online (28.07.2008, 10:54 Uhr)
Ich lach mich weg!
Das spricht Obama in Berlin. Tausende wollen ihn sehen. Was zumindest für die Deutschen, die zugegen waren, nicht mehr und nicht weniger war als ein Ausdruck der Hoffnung. Hoffnung darauf, das das "gute Amerika", jenes das während der Bush-Zeit zu schlafen schien, sich wieder zu Wort meldet. Jenes Amerika, das nicht Krieg als Lösung aller Probleme sieht. Das nicht foltert und Leute nach Gutdünken unter Entzug der Menschenrechte einsperrt. Das keine Kreuzzüge führt. Das nicht den Klimawandel leugnet.
Ob Obama all diese himmelhohen Erwartungen erfüllen kann (oder will) mag bezweifelt werden. Was sich hier mancher aber zusammenschwadroniert über den angeblichen "Messias" ist schlicht und ergreifend vollkommen lächerlich. DIE SELBEN Leute, die noch vor nicht allzulanger Zeit über Antiamerikanismus in D schwadronierten, faseln heute darüber das die Deutschen angeblich Obama blind nachlaufen. Es ist wirklich zu offensichtlich das dahinter nichts anderes steht als die blinde Anhängerschaft zu McCain und der GOP.
albundy69 (27.07.2008, 17:43 Uhr)
pm-magazin
ja wie bescheuert muss man sein um etwas über barack hussein obama zu lernen im pm-magazin zu lesen ?
als nächstes werden beck oder merkel ihre erklärungen wohl im mickymaus magazin publizieren !
meyko (27.07.2008, 17:01 Uhr)
wir haben nur eine Chance....
da war er also, der Kandidat für das amerikanische Präsidentenamt. Er hat zwar nicht wörtlich gefragt "Wollt Ihr den totalen Krieg..." aber wenn er sagt, dass er alle anderen mit in Amerikas (unrechtmässigen) Krieg ziehen will, dann darf man ihm das glauben- Und was macht das (Berliner) Volk - es jubelt....
Unsere einzige Chance zu verhindern, dass unsere Amerika so sehr liebende Kanzlerin diesem Wunsch entspricht, ist sie im September 2009 nicht mehr zu wählen. Zur zeit gibts, glaube ich, nur zwei Parteien, die keine Soldaten ins Ausland schicken würden.
Wahlprogramme lesen!
Johann58 (27.07.2008, 16:26 Uhr)
was hat Bush gemacht?
Bush hat von den Europaeern gefordert im Irak Krieg mitzumachen und als sich einige Staaten, zu denen Gott sei Dank Deutschland gehoert hat geweigert hat im blind zu folgen, hat er uns diffamiert, beleidigt und in die Naehe der Terroristen gebracht. Es gibt eine nicht unbetraechtliche Zahl von Amerikanern, die fest davon ueberzeugt sind dass Deutschland die Terroristen der 9/11 Angriffe ausgebildet hat. Angela Merkel waere wenn damals schon Kanzler gewesen blind der Aufforderung Bush's gefolgt und Deutsche Soldaten stuenden heute in Bagdad. Die Welt hofft ja nun gemeinsam mit Deutschland, dass die Politik in Amerika einen Wandelvollzieht. Ob Obama das leisten kann und will sei dahingestellt. Was Obama in der Vergangeneheit geleistet hat oder nicht ist egal vor dem Hintergrund was George W. Bush geleistet hat als Gouverneur von Texas (Hangman Bush) ein paar Firmen in die Pleite gefuehrt und ansonsten nur Sohn. Sein Bruder Jeb war schliesslich ausgewaehlt Praesident zu werden. Eigentlich kann es doch nur besser werden mit wen auch immer, so lange es keine Nachfolge von Bush ist (McCain ist nur Nachfolger von Bush). Der Hype in Deutschglnad ist sicher uebertrieben aber doch wohl davon gepraegt, dass man hofft, dass die Kriegstreiberei der US Administration endliuch aufhoert. Die Positionen von Obama habe sich aus wahltaktischen Gruenden in den letzten Monaten sehr negativ gewandelt und hoffentlich besinnt er sich, sollte er tatsaechlich gewaehlt werden, dessen was mal seine ursprunglichen Positionen waren. Ausserdem ist fuer die USA zu wuenschen, dass ein schwarzer Praesident Obama integrierend agiert und der Rassismus weniger latent wird.
BrunoK (27.07.2008, 15:40 Uhr)
Meinungsfreiheit
Vollkommen richtig Herr/Frau MarthaMuse.
In Berlin war es nicht erlaubt, Plakate oder Transparente zu zeigen. Das wollte der Herr Obama nicht.
So sieht also das Demokratieverständnis des Präsidentschaftskanditaten aus, Meinungsfreiheit und Gegenstimmen werden nicht geduldet.
Politiker misst man nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten.
mupfeline (27.07.2008, 15:20 Uhr)
@MarthaMuse
Genau so ist es - und die dämliche Obama-Anhängerschar in Europa jubelt ihm noch zu ...
mupfeline (27.07.2008, 15:18 Uhr)
Was würden die deutschen Obama-Anhänger 1
wohl einem Mister Bush erzähen wenn DER gefordert hätte dass Europa mehr Soldaten schicken müsse um die US-Bürger finanziell zu entlasten.
Also - WAS hättet ihr dem erzählt, dem Mister Bush?!?
Auch Mr. Obama wird zuallererst und immer die Interessen der USA vertreten. Dieses Gewese um den Kerl ist schon lachhaft. Er befürwortet die Todesstrafe, er will mehr Soldaten, er befürwortet das Raketenschild und drängt auf die führende Rolle der USA. Leute - was macht er anders als Bush???
MarthaMuse (27.07.2008, 15:07 Uhr)
Kandidatenkandidat, mehr nicht
Ach, ich werde es nicht leid, zu schreiben, dass Obama nur ein Kandidatenkandidat ist, mehr nicht. Einer, der offen zeigt, was der Rest der westlichen Welt außerhalb der USA für ihn ist: Menschenmasse, über die er zu verfügen gedenkt. Bush der jüngere hat Europa mal als den Vorgarten der USA bezeichnet, Obama praktiziert diese Aussage. Er wartet nicht auf Einladungen, er reist einfach an und die willfährigen Berliner sperren tagelang einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte. Keiner traut sich, dem Mann mit seiner Hybris einfach mal die Grenzen aufzuzeigen. Schon bevor er gewählt ist, wird ihm gehorcht; man weiß ja nicht, wie übel er vielleicht als Präsident im Nachhinein eine solche Ablehnung nehmen wird. Die Berliner haben kurzerhand antichambriert und getan, was der Kandidatenkandidat gefordert hat.
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Ich habe mich im Vorwahlkampf interessiert umgeguckt, um einmal etwas über den Mann zu erfahren, aber da gab es nichts zu erfahren. Er hat den Wechsel gepriesen, als ob Wechsel an sich schon eine Qualität wäre. Wohin der Wechsel gehen soll und wieso sein Wechsel besser ist als der der anderen, war nicht zu erfahren.
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Obama sieht sich selber als Nachfolger von JFK; er wartet nicht, ob andere ihn so sehen, er inszeniert sich und seine Frau selbst so. Er drängt den Vergleich schamlos auf, seine Frau -noch schlimmer als er- kopiert die in den USA extrem beliebte Jackie Kennedy so penetrant, dass man speien möchte, und verkauft das als ihren Stil. Sie kopiert peinlich bis hin zur Außenrolle bei den künstlich geglätteten Haaren.
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Was haben wir inhaltlich von Obama erfahren? Nicht wirklich viel. Er ist Verfechter der Todesstrafe, was die Jubler an der Siegessäule zu Sympathisanten eines Todesstrafenbefürworters macht. Ob die sich dessen bewusst sind? Eher nicht. Es ist nicht mehr unanständig, einen Todesstrafenbefürworter zu hofieren. Das hat sich schon bei Clinton gezeigt, der zu seinen Zeiten als Gouverneur Minderjährige hinrichten ließ. Irgendwann geriet das in Vergessenheit und es war wichtiger, von wem er oral befriedigt wurde.
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Obama gibt von Anfang an den Pop-Star. Vielleicht sind die Amerikaner ihn schon vor der Wahl leid und vielleicht rächt sich sein präsidiales Auftreten vor der Wahl in Europa für ihn ganz bitter. Die Amerikaner mischen sich zwar extrem gern in die inneren Angelegenheiten anderer Völker und Länder ein, aber ihre inneren Angelegenheiten, inklusiver der Präsidentenwahlen, regeln sie gern allein. Sie werden sich nicht zwingen lassen, Obama im Nachgang zu seiner Reise durch die Welt, bei der er den Pseudopräsidenten gab, auch wirklich zu wählen. Sie wählen den nicht, weil es vom Ausland so erwartet wird. Im Gegenteil, es kann den Mann die Wahl kosten, so getan zu haben, als sei sein Wahlgewinn reine Formsache.
P.S. : Die blödsinnigen Spielereien mit seinem Namen sollten den Schreibern hier eigentlich zu billig sein. Der Mann kann nur wirklich nichts dafür, wie seine Eltern ihn genannt haben.
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