Snowden könnte sich den USA stellen

28. Juni 2013, 16:02 Uhr

Edward Snowdens Vater fürchtet eine Manipulation seines Sohnes durch Wikileaks. Er ist überzeugt, dass der Informant in die USA zurückkehren würde, wenn er etwa den Gerichtsort selbst wählen dürfte.

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In welche Richtung wird Edward Snowden den Moskauer Flughafen Scheremetjewo wieder verlassen? Diese Aeroflot-Maschine flog jedenfalls in die kubanische Hauptstadt Havana.©

Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist nach den Worten seines Vaters Lonnie Snowden unter bestimmten Bedingungen zur Rückkehr in die USA bereit. Wenn sein Sohn bis zum Beginn des Prozesses nicht ins Gefängnis müsse und den Gerichtsort selbst wählen könne, sei er zuversichtlich, dass sich der 30-Jährige den US-Behörden stellen werde, sagte Snowdens Vater dem Fernsehsender NBC. Er selbst habe seinen Sohn seit April nicht mehr gesehen. Die USA beschuldigen den IT-Spezialisten des Geheimnisverrats und der Spionage, weil er umfangreiche Spähaktivitäten amerikanischer und britischer Geheimdienste enthüllt hat.

NBC berichtete ergänzend, Snowdens Vater wolle sich noch im Laufe des Tages schriftlich an US-Justizminister Eric Holder wenden, um ihn über die Bedingungen seines Sohnes zu informieren. Der flüchtige Ex-Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA hält sich nach offiziellen russischen Angaben seit Sonntag im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf und bemüht sich um politisches Asyl in Ecuador. Vor seinem Flug nach Russland war Snowden nach Hongkong geflohen.

Moskau macht US-Behörden Vorwürfe

Zugleich äußerte Snowdens Vater die Sorge, sein Sohn werde von anderen Personen, darunter Mitgliedern von Wikileaks, manipuliert. Die Enthüllungsplattform unterstützt den Computer-Experten nach eigenen Angaben bei dessen Flucht.

Im Falle Snowden hat Moskau den US-Behörden Versäumnisse vorgeworfen. Die US-Behörden hätten Russland "bewusst in eine Zwickmühle gebracht", indem sie sie zu spät darüber informiert hätten, dass Snowdens Reisepass ungültig gemacht wurde, sagte ein Regierungsvertreter in Moskau am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax.

"Diese ganze Sache wäre nie passiert"

Hätten die russischen Behörden von dem ungültigen Pass gewusst, "wäre Herr Snowden vermutlich nicht nach Moskau geflogen, und diese ganze Sache wäre nie passiert", sagte der Regierungsvertreter. Snowden sitzt nach russischer Darstellung seit sechs Tagen im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo fest. Nach Angaben eines russischen Vertreters kann er erst ausreisen, wenn ein Land ihm politisches Asyl zusagt.

Snowden, der als IT-Spezialist für den US-Geheimdienst NSA gearbeitet hatte, war am 20. Mai nach Hongkong gereist und schickte von dort an mehrere Zeitungen Dokumente zu geheimen NSA-Programmen zur Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation. Auch ein britisches Ausspähprogramm legte er offen.

tkr/kmi/AFP/Reuters
 
 
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