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"Star-Spangled Banner" auf Spanisch

Sie singen die US-Hymne auf Spanisch und demonstrieren für eine einfachere Einbürgerung illegaler Einwanderer. Für den 1. Mai planen Aktivisten die größte Protestaktion seit Jahrzehnten. Präsident Bush ist "not amused".

Ein Streit um eine spanische Version der amerikanischen Nationalhymne hat in den USA die Debatte über neue Einwanderungsgesetze verschärft. Präsident George W. Bush sprach sich entschieden gegen eine übersetzte Version des "Star-Spangled Banners" aus. "Die Nationalhymne sollte auf auf Englisch gesungen werden", sagte er. "Und ich bin der Meinung, dass Leute, die Bürger dieses Landes werden wollen, sie auch auf Englisch lernen sollten."

Am 1. Mai sollen in den ganzen USA Massendemonstrationen abgehalten werden, um eine leichtere Einbürgerung von illegal Eingewanderten zu erreichen. Die meisten dieser schätzungsweise zwölf Millionen Menschen stammen aus Spanisch sprechenden Ländern wie Mexiko.

"Wir wollen Teil dieses Landes sein"

Die spanische Version der Nationalhymne war nach einer früheren Protestwelle im April entstanden. Damals hatten die Veranstalter Karten mit dem englischen Text und phonetischen Untertiteln für Spanisch Sprechende verteilt. "Nuestro Himno" ("Unsere Hymne") wurde dann von Lation-Musikern wie Gloria Trevi, Ivy Queen und Carlos Ponce aufgenommen.

Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf einer CD soll der National Capitol Immigration Coalition zu Gute kommen, die sich für liberalere Einwanderungsgesetze einsetzt. "Es gibt Leute, die werden uns angreifen, egal was wir tun", sagte deren Koordinator, Juan Carlos Ruiz, zu dem Streit. "Wir wollen Teil dieses Landes sein. Wir wollen Amerika besser machen."

Keine wörtliche Übersetzung

Ein Teil des Streites stammt daher, dass der 1814 von Francis Scott Key verfasste Text der Hymne nicht wörtlich übersetzt wurde. So finden sich neue Zeilen wie "Wir sind Brüder, das ist unsere Hymne". "Wir wollten die Bedeutung des Liedes wiedergeben", sagte Ruiz. "Es hat einen Latino-Beat und einen Reggaeton-Beat, was im Prinzip unsere Musikkultur ist." Kritiker wie die Internet-Kolumnistin Michelle Malkin sprechen dagegen von "The Illegal Alien Anthem" (etwa: "Hymne der illegalen Einwanderer"). In den USA gibt es auf Bundesebene keine formelle Amtssprache.

37 Millionen Illegale in den USA

Im Kongress ist wenige Monate vor den Wahlen im November ein heftiger Streit darüber entbrannt, wie mit den illegalen Einwanderern verfahren werden soll. Die politische Bedeutung entsteht durch die große und schnell wachsende Zahl der US-Bürger aus dem spanisch-mexikanischen Kulturkreis, den Hispanics. Diese sympathisieren zum Teil mit den "illegals". Seit 2001 sind sie amtlichen Zahlen zufolge mit 37 Millionen Menschen vor den Schwarzen die größte Minderheit in den USA. Bis 2050 werden schätzungsweise ein Viertel der US-Amerikaner hispanischer Abstammung sein. Im Jahr 2000 sprachen 28 Millionen der 262 Millionen US-Bürger Spanisch.

Besonders für Bushs Republikaner stellt die Einwanderungsfrage daher eine Zwickmühle dar. Ein Gastarbeiterprogramm könnte ihnen in Arizona, New Mexico oder Florida wichtige Stimmen sichern. Auf der anderen Seite sehen sich Abgeordnete mit wütenden Wählern konfrontiert, die die illegale Einwanderung als untragbare Belastung für das Gesundheits- und Schulsystem sehen.

Größte Proteste seit den 60er Jahren erwartet

Die für Montag geplanten Massendemonstrationen sollen mit einem "nationalen Boykott" verbunden werden. Die Veranstalter hoffen auf zwei bis drei Millionen Teilnehmer allein in Los Angeles. Es könnten die größten Proteste seit den Bürgerrechts-Märschen der 60er Jahre werden. "Wir werden Los Angeles, Chicago, New York, Tuscon, Phoenix und Fresno dicht machen", kündigte der Gewerkschaftler Jorge Rodriguez an. In Chicago hat sich die Katholische Kirche dem Aufruf angeschlossen. Auch Arbeitgeber haben ihre Unterstützung erklärt. "Wir nennen es einen Tag der Solidarität mit den Einwanderern", sagte der Vorsitzende des hispanischen Handelsverbandes in New York, Eduardo Giraldo.

Der 1. Mai ist in den USA kein Feiertag. "Labor Day" ("Tag der Arbeit") wird am ersten Montag im September gefeiert.

Matthew Robinson/Reuters/Reuters
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