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7. November 2007, 14:31 Uhr

Honeymoon à la Sarkozy

Wenn sich da nicht zwei gefunden haben: Innenpolitisch unter Druck stehen sie beide, um so mehr streicheln sich die Präsidenten George W. Bush und Nicolas Sarkozy gegenseitig die Seele. Ganz nebenbei restaurieren sie die bisher so angespannten Beziehungen ihrer Staaten. Von Astrid Mayer, Paris

Präsident Bush (l.) und der französische Staatschef Sarkozy genießen ihr Treffen sichtlich© Kevin Lamarque/Reuters

Da treffen sich zwei, die innenpolitisch gerade eine Menge Schwierigkeiten haben und denen ein bisschen Unterstützung und Glamour ganz gut tut: Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy besucht George Bush in Washington. Der neue Regierungschef bringt eine frohe Botschaft mit: Er liebt - im Gegensatz zur Mehrheit seiner Landsleute - Amerika und die Amerikaner.

Das Ende der Eiszeit

"Ich will die Herzen der Amerikaner wieder erobern", hat Sarkozy kurz nach seiner Ankunft in Washington erklärt, und damit klar gemacht, dass er andere Saiten aufziehen will als sein Vorgänger Jacques Chirac. Mit dem sind etliche Amerikaner beleidigt, seit er sich weigerte, am Krieg gegen Saddam Hussein teilzunehmen.

Importverbote für französischen Käse, Hektoliter französischen Rotweins, der in Rinnsteinen landete und die Umbenennung der "French Fries" (Pommes Frittes) in "Freedom Fries" waren die Folge. Nun will Sarkozy einen neuen Honeymoon einläuten.

"Ein neues Frankreich zeigen"

Außer seiner Liebeserklärung über "zwei freie Völker, die die Freiheit verteidigen" hat er noch eine Delegation im Schlepptau, die sich sehen lassen kann: Seinen sozialistischen Außenminister Bernard Kouchner, die Justizministerin und die Staatssekretärin für Menschenrechte, die beide Einwandererkinder sind.

"Wir wollen das Bild eines neuen Frankreich zeigen", sagte Sarkozy während seines Besuchs, "eines offenen, vielseitigen Frankreichs, eines Frankreichs, das Freund der USA ist".

Sarkozy liebt Amerika - sein Volk nicht

Ob sein Volk, das sich derzeit auf einen breit angelegten Streik gegen Sarkozys Wirtschaftspolitik vorbereiten muss, wenigstens diesbezüglich hinter ihm steht, ist sehr zweifelhaft. Es gibt in Frankreich eine starke anti-amerikanische Tradition, eine Mischung aus Anti-Kapitalismus, der Abneigung gegen eine kulturelle Dominanz des amerikanischen Modells und dem Bedürfnis, selbst eine Supermacht zu sein. Bei der letzten Umfrage zum Thema vor fünf Jahren fanden nur 39 Prozent der Franzosen die USA "sympathisch", während 16 Prozent geradezu eine Antipathie hegten.

Die französischen Unternehmer hingegen, von denen ein gutes Dutzend mit ihm nach Washington reisten, begrüßen Sarkozys Schwenk in der USA-Politik. Der Chef des Unternehmerverbandes hofft auf schwungvollere Geschäfte, wenn die Vorbehalte gegen die aufmüpfigen Franzosen sich in den USA abschwächen. Sarkozy hat in seinen Gesprächen mit Bush auch Themen angesprochen, bei denen kein Konsens herrscht: Er wünscht sich einen stärkeren Dollar und mehr Engagement der USA beim Klimaschutz. Bush dürfte freundlich zugehört haben: In einem Jahr tritt er ohnehin ab.

Streitthema Iran

Das einzig wirklich heiße Thema ist der Umgang mit dem Iran, wo der französische Außenminister vor einigen Wochen mit markigen Worten eine militärische Intervention an den Horizont stellte, die USA hingegen abwiegeln. Ansonsten dürfte Sarkozy sich ungestört seiner "Streicheltherapie", wie das französische Nachrichtenmagazin "Nouvel Observateur" den neuen Schmusekurs nennt, widmen können.

Desinteresse bei den US-Medien

George Bush freut das Werben seines Kollegen aus dem kleinen Land jenseits des Atlantiks sicher, aber die us-amerikanische Öffentlichkeit tangiert es nicht sonderlich. Keine der großen Tageszeitungen der Ostküste, keine der wichtigen Fernsehsender haben Sarkozys Besuch auch nur erwähnt. CNN hat Sarkozys Anliegen im Vorfeld immerhin etwa zwei Minuten gewidmet und den Präsidenten freundlich mit "Sar-cosy" betituliert. das Wort "cosy" bedeutet in etwa "behaglich" oder auch "gemütlich". Die andere Bezeichnung war weniger schmeichelhaft: "Speedy Sarkozy".

Von Astrid Mayer, Paris
 
 
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