17. April 2012, 09:08 Uhr

Jim Yong Kim "erfreut" über Wahl an Weltbankspitze

Im Ringen um die Führung der Weltbank haben die USA einen Angriff der Schwellenländer abgewehrt und stellen erneut den Präsidenten. Der US-Akademiker Jim Yong Kim wird am 1. Juli seinen Dienst in Washington antreten.

Kim, Wahl, Weltbank, USA, Zoellick, Jim Yong Kim, Mediziner

Kein Finanzfachmann und trotzdem neuer Weltbank-Chef: Der Mediziner Jim Yong Kim tritt©

Der US-Akademiker Jim Yong Kim hat sich "erfreut" über seine Wahl zum neuen Weltbankchef gezeigt. "Ich freue mich, Robert Zoellick nachzufolgen", hieß es in einer von der Weltbank verbreiteten Erklärung Kims. Den Mitgliedstaaten der Bank dankte er für die "große Unterstützung", die er erhalten habe. Kim lobte zudem die beiden unterlegenen Kandidaten, die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala und Kolumbiens Ex-Finanzminister José Antonio Ocampo. Er werde deren Erfahrungen in die Arbeit der kommenden Jahre einfließen lassen, erklärte er.

Die unterlegene Kandidatin Okonjo-Iweala gratulierte Kim zu seiner Wahl. Sie habe mit ihm telefoniert und eine "hervorragende Unterhaltung" gehabt, sagte sie in Abuja. "Ich möchte Jim Yong Kim gratulieren", fügte sie hinzu. Zum Auswahlprozess sagte die Nigerianerin indes, es sei "klar, dass dieser offener, transparenter und abhängig von der konkreten Leistung gestaltet werden muss". Okonjo-Iweala hatte sich noch vor der Wahl geschlagen gegeben und dies unter anderem damit begründet, dass die Abstimmung im Voraus entschieden gewesen sei.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) gratulierte Kim ebenfalls und erklärte, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Zugleich dankte Niebel den unterlegenen Bewerbern für ihre Beteiligung und begrüßte, "dass die Schwellen- und Entwicklungsländer eine stärkere Rolle für sich in der Weltbank reklamieren". Die Bundesregierung erwarte von Kim, dass er die Reformen der Weltbank konsequent fortsetze.

Mediziner auf Finanzposten

Kim leitet derzeit die Elite-Universität Dartmouth im Staat New Hampshire. Der gebürtige Südkoreaner ist Mitbegründer der humanitären Einrichtung "Partners in Health", die sich seit 25 Jahren für die medizinische Behandlung von Armen in der Welt einsetzt. Zudem war der Arzt einst Direktor der Aids- und HIV-Abteilung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er war vor gut drei Wochen überraschend von US-Präsident Barack Obama nominiert worden, obwohl er anders als fast alle Vorgänger kein Finanzfachmann ist.

Die Weltbank wird seit ihrer Gründung traditionell von einem Amerikaner geführt, während der Internationale Währungsfonds (IWF) als Schwesterorganisation stets eine europäische Spitze bekommt. Erstmals waren diesmal aber auch Gegenkandidaten zu dem US-Bewerber zugelassen worden. Alle drei waren in der vergangenen Woche interviewt worden. "Ihre Kandidatur bereicherte die Diskussion über die Rolle des Präsidenten und die künftige Ausrichtung der Weltbank", hieß es in einer Mitteilung des Exekutivrates. Alle drei hätten große Unterstützer mehrerer Mitgliedstaaten gehabt.

Kritiker bemängelten den Auswahlprozess als unfair gegenüber armen und aufstrebenden Ländern. Okonjo-Iweala räumte kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung ein, keine Chancen auf das Amt zu haben. Es handele sich um einen Posten, bei dessen Besetzung politisches Gewicht und Einfluss eine Rolle spielen. "Daher kriegen ihn die USA", zitierte sie die britische Zeitung "The Guardian" auf ihrer Website. "Ich höre ernsthafte Bedenken zur Transparenz", bemängelte auch der südafrikanische Finanzminister Pravin Gordhan kurz vor der Wahl.

Die Weltbank - ein Kind des Zweiten Weltkriegs

Zoellick hatte im Februar erklärt, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Seinen Worten zufolge ist die Weltbank heute "stark, gesund und für neue Herausforderungen gut positioniert", so dass er sich anderen Aufgaben widmen könne. Er lobte die Wahl seines Nachfolgers: "Jim hat Armut und Verwundbarkeit durch seine beeindruckende Arbeit in Entwicklungsländern aus erster Hand gesehen", sagte er laut einer Mitteilung.

Die Hauptaufgabe der Weltbank mit 187 Mitgliedsländern und rund 9000 Mitarbeitern weltweit liegt seit den 1960er Jahren in der Entwicklungshilfe und im Kampf gegen die Armut. Ihre vergebenen Kredite und Bürgschaften belaufen sich auf mehr als 50 Milliarden Dollar (38,2 Mrd Euro). Ihre Gründung geht auf die Konferenz in Bretton Woods 1944 zurück. Ursprünglich sollte sie nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen schaffen, wovon auch Deutschland lange profitierte.

jwi/DPA/AFP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Weltbank-Präsident Robert Zoellick, der Aufräumer

Er verhandelte 1989 über die deutsche Einheit und diente als stellvertretender US-Außenminister. Jetzt soll der erfahrene Spitzendiplomat Robert Zoellick auf Wunsch von Präsident Bush die Weltbank leiten. Doch kaum designiert, steht er schon in der Kritik.

Affäre um Weltbank-Chef Paul Wolfowitz tritt ab

Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz tritt zum 30. Juni von seinem Amt zurück. Dies teilten das Direktorium der Weltbank und Wolfowitz mit. Der frühere US-Vizeverteidigungsminister stand seit Wochen wegen Günstlingswirtschaft massiv in der Kritik, hatte einen Rücktritt bislang aber abgelehnt.

Washington Memo Wolfies selbstgerechtes Sitzfleisch

Washington D.C. braucht keine Unterhaltungsshows. Washington D.C. hat die Daily Soap Paul Wolfowitz. Und wie jede Seifenoper findet auch der Weltbankchef trotz aller Peinlichkeiten kein Ende.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?