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9. Juni 2007, 14:12 Uhr

Die USA machen dicht

Die Visafreiheit für Europäer hält US-Heimatschutzminister Michael Chertoff für ein Sicherheitsrisiko. Er hat schärfere Einreisebestimmungen für Europäer angekündigt. Die Folge den Abschottung: Touristen meiden schon jetzt die Vereinigten Staaten.

Sicherheit geht für ;Minister Chertoff vor© Sebastian Derungs/Reuters

"Wir möchten den Sicherheitsstandard durch eine elektronische Reisegenehmigung erhöhen", sagte Chertoff dem Spiegel. Reisende ohne Visum müssten sich danach 48 Stunden vor Abflug in den USA online registrieren und einen Fragebogen ausfüllen. Zur Begründung nannte Chertoff die drohende Gefahr durch islamistische Extremisten in Europa: "Wenn wir die Bereiche identifizieren, wo wir verwundbar sind, wird klar, dass die Visafreiheit für Europäer dazugehört."

Gleichzeitig machte Chertoff deutlich, dass die USA im Streit mit der EU über Passagierdaten nicht nachgeben wollen. "Letzten Endes werden die Europäer erkennen müssen, dass wir die Entscheidung, wen wir in unser Land lassen, niemals einer anderen Regierung an Heim stellen werden." Chertoff warnte vor den Konsequenzen, wenn die USA die Daten künftig nicht mehr verwenden dürften und es in den USA zu einem neuen Anschlag käme: "Was würden die Angehörigen der Opfer sagen? Sie würden uns vorwerfen: Sie haben den Tod meiner Familie verursacht."

Sicherheitsvorschriften bremsen USA-Tourismus

Die massiven Sicherheitsvorschriften bei der Einreise in die USA schrecken nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen ReiseVerbandes, Klaus Laepple, die Touristen ab. "Die Amerikaner tun sich und den Touristen keinen Gefallen", sagte Laepple der DPA. "Die USA haben alles getan, um die Einreise zu erschweren." Die Probleme würden bereits bei der Buchung einer Reise beginnen. "Wir müssen im Prinzip schon im Reisebüro anfangen, unsere Kunden auszufragen", sagte Laepple, der selbst ein Reisebüro in Düsseldorf betreibt. Bereits vor dem Start des Flugzeuges müssten dann Unmengen an Daten übermittelt werden.

Nach einer Übersicht des Auswärtigen Amtes zählen dazu etwa die Zahlungsart, in der Vergangenheit nicht angetretene Flugreisen oder auch der Name des Buchungs-Bearbeiters. Bei der Grenzkontrolle werden dann elektronische Fingerabdrücke genommen. Häufig würden auch Laptops durchsucht, kritisiert Laepple. Da bestehe dann die Gefahr, dass Daten gestohlen würden.

Lieber in die Karibik

Im vergangenen Jahr zählte die USA nach Angaben der Travel Industry Association (TIA) knapp 1,4 Millionen Reisende aus Deutschland - 1999 waren es noch zwei Millionen. Für dieses Jahr wird nur ein leichtes Plus von zwei Prozent erwartet. Dabei gibt es in Deutschland seit Jahren einen Fernreiseboom - nicht zuletzt wegen der Währungsentwicklung.

"Der starke Euro hilft hier ungemein", sagte Laepple. Die USA würden davon aber kaum profitieren. "Die Kunden sagen: Kann es nicht etwas anderes sein?" Kanada, die Karibik oder auch Asien seien zum Beispiel wesentlich unkomplizierter und würden ebenfalls vom schwachen Dollar profitieren.

Reuters/DPA

 
 
KOMMENTARE (10 von 29)
 
Hegel (11.06.2007, 02:46 Uhr)
USA-Einreise
Das Ereignis des 11.09.2001 hat leider viele Scharfmacher in der Politik verleitet, bürgerliche Rechte einzuschränken. - Das gilt vornehmlich für die USA - aber auch für Europa.
Als ich das erste Mal via USA nach Südamerika flog, war ich sehr skeptisch in Hinblick auf die Einreisekontrollen, die mich in Miami erwarten würden. Schon das einchecken in Hamburg war mit einem außerordentlich unangenehmen Ereignis verknüpft. Eine Angestellte der Continental Airlines zeigte mit dem Finger auf mich und rief: "Ich habe Sie für eine Sonderkontrolle ausersehen, folgen Sie mir!" Ich dachte in diesem Augenblick nur, bleibe ruhig. "Setzen Sie sofort Ihre Sonnenbrille ab", befahl sie mir dann. - Empört antwortete ich: "Was fällt Ihnen eigentlich ein, so mit mir zu sprechen. Warum soll ich meine Sonnenbrille (optisch) abnehmen." Die barsche Anwort: "Ich muß prüfen, ob Ihr Reisepaß nicht gefälscht ist!" Daraufhin erwiderte ich, das sei Sache der Behörden und verlangte ihren Vorgesetzten. Dieser erschien und dachte nicht daran, sich für seine Kollegin, die hämisch grinsend daneben stand, zu entschuldigen. - Nachdem ich die Sonderkontrolle meines Gepäcks und meines Passes überstanden hatte, wurde ich am Counter beim Gepäckeinchecken gefragt: "Wohin reisen Sie, wer holt Sie am Flughafen ab, wo werden Sie dort wohnen und was wollen Sie in Lateinamerika?" Meine Antwort: "Das ist privat, das geht Sie gar nichts an." Ich war so empört über alles und bemerkte leider zu spät, daß in der Zwischenzeit mein Trolly (Inhalt: Laptop etc.) nicht mehr neben mir stand. Ich befragte nunmehr die Angestellten der besagten Airlines, ob sie etwas hierzu gesehen hätten. Einer der Angestellten bekam einen roten Kopf. Das veranlaßte mich, ihn ausdrücklicher zu dem Verbleib meines Trollies zu befragen und bekundete, die Polizei rufen zu wollen. Nun "gestand" er, meinen Trolly an sich genommen und auf den Namen eines anderen Fluggastes eingebucht zu haben. Mein lapidarer Kommentar: "Oh, in meinem Trolly hatte ich aber eine Bombe versteckt!"
Das zur Güte dieser "Sicherheitskontrollen".
Meine anschließenden Erfahrungen mit US-Immigration Officers war bisher sehr "angenehm". Allerdings vermied ich, mich von dunkelhäutigen Beamten kontrollieren zu lassen - nicht aus "rassistischen", sondern aus psychologischen Gründen. Die Praxis gab mir Recht. - Warnen kann ich nur vor dem manchmal wenig geschulten Sicherheitspersonal privater Firmen, das seine Machtbefugnisse ausspielen möchte nach dem Motto: Wenn Schiet wat ward! - In Newark forderte mich eine schwarze Dame vom privaten Sicherheitsdienst barsch auf: "Legen Sie Ihren Gürtel ab!" Meine Anwort, Gott verzeihe mir, war: " Nein,ich bin kein US-Kriegsgefangener!" Und ich ging unbehelligt durch die Kontrolle, wo ich danach ein altes amerikanisches Ehepaar (beide "Hosen-Träger") ohne Hosenträger antraf, das sich krampfhaft bemühte, die rutschenden Hosen festzuhalten. Ich konnte es nicht lassen und meinte zu Ihnen: "Na, wohl ein bisschen peinlich so dazustehen,keine Zivilcourage gehabt?" --Ja, wenn Blicke töten könnten, ich wäre sofort tot gewesen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die meisten Amerikaner sind genauso nette Zeitgenossen wie wir!


GordonBleu (10.06.2007, 22:50 Uhr)
home of the brave - land of the free?
ähmmm ... hat die amerikanische armee sich bei ihrem überfall auf den irak eigentlich auch um einreisebestimmungen gekümmert?
naja, am amerikanischen wesen soll die welt von mir aus genesen!
die europäer sind doch selber schuld, wenn sie sich von der hegemonialmacht jenseits des atlantiks ständig am nasenring durch die weltpolitische manege führen lassen.
testsieger2006 (10.06.2007, 12:05 Uhr)
eigene Schuld
(1) sollten wir nicht vergessen, von wo aus die letzte Phase der Anschläge des 11. Sept. geleitet wurde. (2) seitdem wir mit unserer Staatsbürgerschaft nicht mehr sorgfältig umgehen und auch radikal-fundamentalistische Muslime aus "humanitären Gründen" einbürgern, sind wir eben auch nicht mehr unverdächtig. (3) Ich halte den IRAK-Krieg (nicht den Einmarsch in Afganistan) für einen Fehler. Trotzdem mag ich dieses Land und nehme die Einreise- und Kontrollprozedur auf mich. Wer das nicht will, soll daheim bleiben oder woanders hin.
oscarherz (10.06.2007, 11:54 Uhr)
gleiches Recht
Nach dem wir die Rückkehr zum Stasistaat bei der inneren Sicherheit erleben, sollten folgerichtig bei der Einreise von Amerikanern das DDR-Grenzregime wieder eingeführt werden. Ich habe das Gejaule noch in den Ohren, als Brasilien die Gleichbehandlung praktizierte.
hoho16 (10.06.2007, 11:12 Uhr)
Gegenseitige Anerkennung der Grenzbestimmungen ...

"... die Einreisebestimmungen nach Deutschland sollten sich an den Einreisebestimmungen der Länder für deutsche Staatsbürger orientieren."
Da sollte sich die EU drum kümmern. Gegenseitigkeit muss sein.
Die Sache könnte dann so ablaufen:
Eine besonderen Schalter bei der Grenzkontrolle für US Bürger, dieselbe Prozedur mit Fotos und Fingerabdrücken wie für Europäer in den USA, die Ausdrucke werden den Einreisenden ausgehändigt, die sie nach Passieren der Grenzkontrolle in einen dafür bestimmten Aktenvernichter stecken müssen.
Das wäre dann 'gegenseitige Prozedur' mit gleichem Papier- und Zeitaufwand, aber ohne sich auf das hysterische Verhalten der USA hinabzulassen
Gernspieler (10.06.2007, 11:03 Uhr)
Gerne nach USA!
Wenn man unsere erste Einreise 1974 mit heute vergleicht, besteht natürlich ein großer Unterschied, aber die Welt hat sich nach dem 11. September verändert, vor allem das Sicherheitsbedürfnis der USA.
Eine Wiederholung soll verhindert werden. Das kann ich nachvollziehen.
Vor 2 Jahren sind wir auf unser Reise nach San Francisco während einer Zwischenstation in NYC fotografiert worden und uns sind Fingerabdrücke abgenommen worden. Nächstes Jahr wollen wir wieder hin, in die Rocky Mountains und Yello Stone. Ob wir dann diese Prozedur wiederholen müssen, denke ich mal nicht.Als Urlauber hat man Zeit, und so schlimm sind die Kontrollen nicht. Man fühlt sich als Fluggast sicher und lässt das über sich ergehen. Umständlich wird es aber, wenn wieder die Visumspflicht eingeführt werden sollte. Das wäre ein Rückschritt in die 70er Jahre.
American (10.06.2007, 02:49 Uhr)
Fingerabdruecke
@die Briten: "Ausserdem muss man in den USA die Fingerabdrücke auch hinterlegen wenn man einen Führerschein macht, deshalb verstehen die Amis die Aufregung überhaupt nicht."
Quatsch. Für einen US-Fuehrerschein muss man keine Fingerabdruecke machen oder hinterlegen.
@doci1: "so ein bullshit, ich würde gern dieses land besuchen, was sehr schöen natur hat, aber ja nun da gibt es ein problem, es ist voller amerikaner."
Well, tough sh.. That's the way the cookie crumbles.
tripex (09.06.2007, 23:35 Uhr)
Fingerabdruecke+Foto
Ich bin ueber Honolulu nach Canada geflogen (ueber den Stopover wusste ich bis zur Landung nichts) und musste unfreiwillig Fingerabdruecke und Gesichtsfoto abgeben (werden forever gespeichert). Und das nur fuer nicht mal 2 Stunden Aufenthalt. Das ist mir noch in keinem anderen Land passiert. Wem das natuerlich nichts ausmacht, der spricht nicht unbedingt von harten Einreisebestimmungen.
inge_je (09.06.2007, 22:28 Uhr)
Einreise
Es muss keiner zu uns kommen, ihr koennt alle in Deutschland bleiben und ueber uns herziehen. Wir wohnen hier und wir hatten noch nie Probleme mit der Einreise und Ausreise. Und wir kennen genuegend Auslaender die wie wir hier ein und ausfliegen. Mann kann natuerlich der Presse mehr glauben als selbst zu erleben. In manchen anderen Laendern sind die Grenzen schlimmer als bei uns. Aber ich sag immer, es muss keiner zu uns kommen der nicht will, wir vermissen jedenfalls keinen.
042020 (09.06.2007, 22:04 Uhr)
doci1
must eben nach Texas/Arizona/N.Mexico oder Calif.
da hat es schon so viele oder mehr Mexikaner illegale (wie alt einwohner)da kannst sagen warst in Mexica.
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