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29. Mai 2007, 06:36 Uhr

Ausschreitungen wegen TV-Sender-Aus

Weil der venezolanische Sender RCTV angeblich unterschwellige Putschbotschaften ausgestrahlt haben soll, wurde ihm kurzerhand die Sendelizenz entzogen. 5000 Demonstranten lieferten sich daraufhin gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Polizei ging gegen die Demonstranten mit Wasserwerfern und Tränengas vor© Gregorio Marrero/AP

Nach der Abschaltung eines regierungskritischen Fernsehsenders ist es in Venezuela zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa 5000 Kundgebungsteilnehmer vor. Diese versammelten sich anschließend auf einem anderen Platz in der Hauptstadt Caracas und forderten "Freiheit". Einige warfen Steine und Flaschen auf die Polizei, die wiederum Tränengas einsetzte.

Der linksgerichtete Präsident Hugo Chavez hatte die Lizenz für Radio Caracas Television (RCTV) nicht verlängert, weil der Sender im vergangenen Jahr eine Protestbewegung gegen ihn unterstützt hatte, die nach Regierungsangaben auch Putschpläne verfolgte. Auf der Frequenz von RCTV strahlt bereits ein neuer staatlicher Sender, TVES, sein Programm aus, begleitet von Lobliedern auf die Regierung.

Die Regierung forderte die Staatsanwaltschaft auf, gegen einen anderen Fernsehsender zu ermitteln. Globovision habe mit "unterschwelligen Botschaften" zur Ermordung des Präsidenten aufgerufen. Informationsminister Willian Lara erklärte, der Sender habe Bilder des Anschlags auf Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz 1981 mit dem Refrain eines Salsa-Liedes unterlegt, in dem es heißt: "Hab' Vertrauen, dies endet nicht hier".

Der Chef von Globovision, Alberto Federico Ravell, wies den Vorwurf als lächerlich zurück. Sein Sender ist nach dem Aus von RCTV die größte der Opposition nahestehende Rundfunkstation, wenn er auch nicht in allen Teilen des Landes zu empfangen ist. Lara kritisierte auch den US-Sender CNN, weil dieser Bilder eines mutmaßlichen al-Kaida-Führers und Chavez' nebeneinander gestellt habe. Dies gehöre zu dem Versuch, den venezolanischen Präsidenten mit Terrorismus in Verbindung zu bringen. Auch in diesem Fall solle sich die Justiz einschalten, verlangte der Informationsminister.

AP
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
NeuerMensch (29.05.2007, 10:47 Uhr)
Miserable Recherche!
Der Sender wurde nicht geschlossen, er darf lediglich keine staatliche Infrastruktur mehr nutzen um sein Programm zu verbreiten. Über Kabel und Satellit ist der Sender weiterhin erreichbar. Wer die mit internationalen Filmpreisen ausgezeichnete Dokumentation 'The revolution will not be televised' gesehen hat, weiß ja, das einige private TV-Sender in den gewaltsamen Putschversuch von 2002 verwickelt waren, bei dem immerhin fast 20 Menschen umgekommen sind. Ich glaube kaum, die in Deutschland die Landesmedienanstalten solchen Sendern die Sendelizenz für staatliche Sendeanlagen ausstellen würden...
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