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Donald Trump und sein "Marsch auf Washington"

Der Milliardär sollte für die Republikaner die Herzen der Arbeiter erobern. Der Plan scheiterte vor allem daran, dass Donald Trump eben Donald Trump ist. Nun pöbelt er gefrustet auf Twitter herum.

Von Niels Kruse

  Wer solche Unterstützer hat, braucht keine politischen Gegner mehr: Die Hilfe von Donald Trump (r.) für Mitt Romney ging nach hinten los.

Wer solche Unterstützer hat, braucht keine politischen Gegner mehr: Die Hilfe von Donald Trump (r.) für Mitt Romney ging nach hinten los.

Ja, ja, hätte sich Romney mal von ihm auch in diesen beiden heiklen Staaten helfen lassen. Denn dann, ja dann, hätte er es geschafft. Aber so? "Das Romney-Team hat mich in sechs Vorwahlstaaten eingesetzt und jeden von ihnen gewonnen. Sie hätten mich in Florida und Ohio einsetzen sollen und er wäre Präsident geworden". So lautet einer der neuesten, gewohnt selbstzweifelfreien Einlassungen von Donald Trump, Milliardär, Ex-Möchtegern-Präsidentschaftskandidat und Exzentriker vor dem Herrn. Seitdem die Republikaner aber die US-Wahlen verloren haben, sieht sich der Unternehmer gezwungen auf Ursachenforschung zu gehen. Und tut dies wie üblich: Er pöbelt via Twitter in alle erdenklichen Richtungen.

"Die Welt lacht über uns." "Dieses Wahlmänner-Gremium ist eine Katastrophe für die Demokratie." "Die Mehrheit hat gegen Obama gestimmt." "Lasst uns diese große, widerliche Ungerechtigkeit stoppen." "Wir brauchen eine Revolution in diesem Land." Das ist nur eine kleine Auswahl aus einer ganzen Reihe von Tweets, die Trump am Wahltag in die Welt gesetzt hat - sehr zur Freude einiger Fernsehmacher, wie etwa Brian Williams vom Obama-freundlichen Sender NBC, auf dem auch Trumps TV-Shows laufen. Genüsslich zitierte er die Schimpfkanonaden in seiner Sendung mit den Worten, der Geschäftsmann habe mit seinen Auslassungen "die letzte Ausfahrt Richtung Bedeutung verpasst." Trump, ungewohnt einsichtig, löschte daraufhin ein paar seiner wüstesten Einträge, etwa einen, in dem er zum "Marsch auf Washington" aufruft.

Selbst die eigenen Leute waren genervt

Donald Trump, der mit Immobilien ein Vermögen gemacht hat, führt seit Jahren eine Art Privatkrieg gegen Barack Obama. Er ist einer der lautesten Vertreter der so genannten "Birther", einer Bewegung, die daran zweifelt, dass der Präsident US-Bürger ist und damit überhaupt legitimes Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten. Noch zwei Wochen vor der Wahl streute er eine sündhaft teure Provokation unters Volk, als er über seinen Youtube-Kanal Obama eine Millionenspende anbot, falls dieser seinen Pass veröffentlich. Natürlich ließ den Demokraten das "Angebot" kalt, und selbst seinen eigenen Leuten, den Republikanern, geht Trump mit seinen Dauer-Pöbel-Protzereien auf den Kecks.

Vorsichtig ausgedrückt hat der Mann Sendungsbewusstsein. Allerdings eines, dass selbst für amerikanische Verhältnisse, wo selbstbewusstes Auftreten durchaus geschätzt wird, des Guten zu viel ist. Unhöflich gesagt: Donald Trump ist ein wirrer Großkotz. Mit dem Vorteil allerdings, dass manche ihn als Witzfigur schätzen. Diesen Umstand hatten die republikanischen Kampagneros irgendwie unterschätzt, als sie sich seine Unterstützung für Romney zusichern ließen. Ihr Kalkül war, dass die Beliebtheit Trumps bei konservativen, einfachen Arbeitern auf den Kandidaten abstrahlt. Doch der Immobilienhai war nie richtig von dem Herausforderer überzeugt, benutzte das medienwirksame Bündnis aber als Vehikel für seinen "Birther"-Feldzug gegen Obama. "Und Trump glaubte tief in seinem Herzen auch noch, das sei eine Hilfe", schreibt die US-Seite "Buzzfeed" in einer Geschichte mit dem schönen Titel "Das Donald-Problem".

Abermillionen für Nichts ausgegeben

Trump aber war natürlich nicht der einzige Haken am Wahlkampf der Republikaner. Im Nachhinein deutet einiges darauf hin, dass es vielleicht doch nicht so gut ankommt, den Multimillionär Romney im Bündel mit anderen Superreichen wahlkämpfen zu lassen. Einer der größten Geldgeber war der Casino-Milliardär Sheldon Adelson, der zwischen 50 und 100 Millionen in die Kandidatur investierte und verlor. Auch die 27 Millionen Dollar des texanischen Unternehmers Harold Simmons sind futsch, genau wie die 13 Millionen, die Joe Rickett, Besitzer einer erfolgreichen Broker-Internetseite, in die Hand nahm.

Der erzkonservative ehemalige Berater von George W. Bush, Karl Rove, sammelte 400 Millionen Dollar zusammen und gab sie für ein Werbedauerfeuer aus. Natürlich hat Donald Trump auch dazu eine Meinung: "Gratulation, Karl Rove, was für eine Geldverschwendung", schrieb er verbittert in seinem Hausmedium Twitter. Wenn sich Geld zu Geld gesellt, führt das vielleicht zum teuersten Wahlkampf aller Zeiten - aber nicht zwangsläufig zu noch mehr Geld. Das ist auch eine gute Nachricht. Nur eben nicht, wenn man Donald Trump heißt.

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