29. Juni 2007, 15:46 Uhr

Zweiter Sprengstoff-Fund in London

Die Londoner Polizei hat nahe des Hyde Parks einen zweiten Sprengsatz in einem Auto gefunden. Zuvor hatte sie eine Autobombe in der City entschärft - offenbar ist Britanniens Hauptstadt nur knapp einer blutigen Anschlagserie entgangen.

Der Bomben-Mercedes wird vor der Londoner "Tiger Tiger" Bar verladen©

Nach dem Bomben-Fund in London in der Nacht zum Freitag ist nach Fernsehberichten auch in einem zweiten Auto Sprengstoff gefunden worden. Das berichteten die Sender Sky News und BBC am Freitagabend. Das Fahrzeug war an der Park Lane am Hyde Park untersucht worden. Es seien ähnliche Substanzen wie in dem ersten Auto gefunden worden, hieß es.

Die erste Autobombe war nahe des Piccadilly Circus entschärft worden. In einem Mercedes hatten die Spezialisten mindestens 60 Liter Benzin und eine große Menge Nägel entdeckt. Der Sprengsatz sei als sehr gefährlich einzustufen gewesen, sagte ein Scotland Yard-Sprecher. Die Explosion des Sprengsatzes hätte möglicherweise hunderte Menschen das Leben gekostet, erklärte Anti-Terror-Chef Peter Clarke. In der Theater- und Touristengegend sind gewöhnlich tausende Nachtschwärmer unterwegs.

Totales Verkehrs-Chaos

Der zentrale U-Bahnhof Piccadilly Circus und Straßen in der Umgebung wurden bis auf weiteres gesperrt. Es kam zu starken Behinderungen in der Innenstadt, tausende Pendler kamen nicht voran, Staus verstopften die Straßen. Anwohner klagten, nicht mehr in ihre Häuser zu kommen. Hubschrauber kreisten über dem Zentrum. Haymarket liegt mitten im Geschäfts- und Touristenviertel Londons, wenige Gehminuten von der Einkaufsstraße Regent Street und Attraktionen wie dem Trafalgar Square und Leicester Square entfernt.

Die Bombe wurde nur zwei Tage nach dem Amtsantritt des neuen Premierministers Gordon Brown entdeckt. Nach Angaben von Regierungsquellen und Sicherheitsexperten handelt es sich um eine Tat mit "internationalem Ausmaß" und mit möglichen Verbindungen zum Terrornetz El Kaida. Clarke machte zu Verdächtigen keine Angaben. "Es ist noch zu früh, um Klarheit zu bekommen. Es ist auch zu früh, um zu spekulieren."

Polizei sichtet Videomaterial

Die Polizei sei von einer Ambulanz in der Nacht zum Freitag zu dem geparkten Mercedes vor dem Partyclub "Tiger Tiger" in der Straße Haymarket gerufen worden, weil Rauch aus dem Auto gedrungen war. Experten entschärften die Bombe manuell, sagte Clarke. Er schloss nicht aus, dass der Club Ziel eines Anschlags war. In dem Wagen befanden sich nach Polizeiangaben rund 60 Liter Benzin. Der Brennstoff zusammen mit den Propangas-Zylindern hätte zu einer enormen Explosion geführt. "Zu dieser Zeit verlassen viele, viele Menschen die Clubs und Bars", sagte Clarke. Die Polizei untersuche nun das Videomaterial. Der Fundort wird wie viele anderen Straßen und Plätze in London auch permanent mit Kameras überwacht.

Großbritannien sei "einer ernsten und andauernden Gefahr" ausgesetzt, betonte Premierminister Brown. Die Öffentlichkeit müsste "zu jeder Zeit wachsam" sein. Verteidigungsminister Des Browne sagte, es handle sich um einen "sehr ernsten Vorfall". Brown hatte das Regierungsamt erst am Mittwoch nach zehn Jahren von Tony Blair übernommen. Dieser war wegen des Einsatzes britischer Truppen im Irak-Krieg in die Kritik geraten. Die neue Innenministerin Jacqui Smith sprach nach einer Sitzung mit der Notfall-Kommission COBRA von einer "höchstgefährlichen Bedrohung". Untersucht wurde nach Regierungskreisen, ob die Bombe denen ähnlich war, die für Selbstmordattentate im Irak eingesetzt werden.

Erinnerungen an U-Bahn-Terror

Das Geschehen rief Erinnerungen an die Terroranschläge vom 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn und einen Bus wach. Damals waren 52 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden. Am Freitag sollte auch ein Prozess gegen mutmaßliche Terroristen enden. Sechs Männer stehen vor Gericht, weil sie zwei Wochen nach dem 7. Juli einen weiteren Anschlang auf das Londoner U-Bahnsystem geplant haben sollen. Vor wenigen Wochen hatte ein Gericht in London sieben Männer verurteilt, nachdem sie einen Anschlag mit einer Autobombe geplant hatten. Andere waren zuvor verurteilt worden, weil sie unter anderem einen Nachtclub attackieren wollten.

Als Reaktion auf den Fund der Autobombe sind auch die Sicherheitsmaßnahmen beim Grand-Slam-Tennisturnier in Wimbledon nochmals verschärft worden. "Rund um die Anlage sind unsere Vorkehrungen intensiviert worden", teilte der Vorsitzende des veranstaltenden britischen Tennis-Verbandes (LTA), Roger Draper, in Wimbledon mit. "Wir sind ein hochrangiges Event und nehmen die Sicherheit unheimlich ernst. In diesem Jahr speziell ist für jeden Beteiligten alles strenger geworden", meinte Draper. Das gelte für Spieler und Offizielle ebenso wie für die Zuschauer. Bei den Kontrollen an den Eingängen der Anlage im Südwesten Londons waren strengere Kontrollen am Freitag allerdings nicht zu beobachten.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
sachsenwini (30.06.2007, 14:51 Uhr)
Wir sind an Überwachung gewöhnt

Es wurde zwar nicht öffentlich diskutiert, aber jeder wusste es. Man entwickelt mit der Zeit ein Gespür dafür, wo man etwas Vertrauliches ausspricht und wo nicht. Auch in Briefen stand dann für den Empfänger mehr zwischen den Zeilen. Über besonders heikle Dinge haben wir uns dann nur in der freien Natur oder im Auto unterhalten, aber das kann man wohl jetzt auch schon überwachen.
RomanTicker (30.06.2007, 11:10 Uhr)
Flodo und R0Li84 haben Recht
Flodo hat Recht, wir benötigen ein ordentliches Überwachungs- und Schutzsystem, ansonsten haben Attentäter leichtes Spiel. Das ist übrigens abgesehen von der Tatsache, dass es dort mehr potentielle Täter gibt, auch der Grund, warum im Irak so viele Autobomben hochgehen. Dort gibt es keine vernünftigen Sicherheitsvorkehrungen sondern Chaos.
Ich persönlich habe definitiv nichts dagegen, wenn an öffentlichen Orten Kameraüberwachung stattfindet. Es muss noch nicht mal ein Terroranschlag sein, der dadurch aufgeklärt oder vereitelt wird. Es dient auch dem Bürger, wenn Vergewaltiger, Räuber, etc. nicht mehr so leichtes Spiel haben. Wer etwas gegen eine Überwachung an öffentlichen Orten hat, der muss sich meines Erachtens schon die Vermutung gefallen lassen, dass er etwas zu verbergen hat oder paranoid ist.
hevosenkuva (30.06.2007, 08:54 Uhr)
@flodo
immerhin, ein Wort in Deinem Beitrag war richtig: "Quatsch".
die meisten so genannten "Globalisierungsgegner" sind übrigens nur für eine andere, gerechte Globalisierung. nicht für die Globalisierung des Megakapitals und der Heuschrecken.
das werden aber manche nie verstehen. oder doch - wenn es zu spät ist. genau wie bei der Sache mit der Überwachung etc.
R0Li84 (30.06.2007, 08:27 Uhr)
Immer nur knapp vereielt....
Sind wir doch froh, dass die Anschläge vereitelt werden konnten. Es sah einige male auch schon anders aus. (Siehe London, Madrid, New York, Bali etc...).
In Bagdad gehen jeden Tag irgendwelche Bomben hoch - klar! Aber wer sagt denn, dass dort keine Blindgänger dabei sind? Nur hören wird davon halt nichts, weil es einfach bei der Masse an Bomben dort keinen interessiert, wenn ein Blindgänger gefunden wurde.
Und zu dem Sprengsatz - 60 Liter Benzin und Nägel - das mag sich vielleicht nach Baumarkt Einkauf anhören, aber wer genau liest, der wird auch über das Wörtchen "Propangas-Zylinder" in der Mehrzahl stoßen. Und wie schön Kohlenwasserstoffe in ihrer Gasförmigen Form (zudem noch komprimiert) in die Luft gehen können, sollte jeder wissen, der schonmal mit einem Auto unterwegs war.
Diaula (30.06.2007, 07:38 Uhr)
Eigenartig
Immer "knapp vereitelt" und meist dilettantische Bomben-Bastelei mit "technischen Fehlern".
In London und Deutschland scheinen nur dusselige Möchtegern-Terroristen oder die dritte Wahl von Bin Laden am Werk zu sein.
Anders als in Bagdad, da gehen die Dinger fast im Stundentakt problemlos hoch.
Schon eigenartig.
flodo (30.06.2007, 03:02 Uhr)
Überwachung? Na und!!
Was sollte einen ehrlichen und straffreien Bürger an einer Videoüberwachung aufregen?? Was sollte er zu befürchten haben? Vllt. das die Regierung sich für seine wöchentlichen Einkäufe und Rundgänge interessier? - Quatsch!
Meines Erachtens ist solch ein Überwachungssystem kein Feind für den Normal-Bürger - wieso auch?! - aber es beschützt uns, bzw. hilft die Verbrecher und Terroristen zu fassen.
Die Leute, die die Videoüberwachung kategorisch ablehenen sind, WETTEN!, die die nach einem erfolgreichen Anschlag oder dergleichen als erste rufen:"Wieso gab es nicht genügend Schutz für mich Bürger?".
Wahrscheinlich sind das auch die selben Leute, die auf der einen Seite gegen Globalisierung kämpfen, aber in der Demonstrationpause erstmal zu McDonalds gehen um Mittag zu essen.
tztz
hevosenkuva (30.06.2007, 00:36 Uhr)
60 Liter Benzin?
so viel ist in jedem vollgetankten Auto der Welt (außer Dieselfahrzeuge). und "eine große Menge Nägel". klingt fast nach einen Einkauf im Baumarkt. nun ja, abwarten was dabei herauskommt.
hoffen wir, dass nicht noch eine Bombe existiert, bzw. alle rechtzeitig entdeckt werden.
Wolfgang Schäuble wird garantiert in Kürze eine all-umfassende Videoüberwachung jedes Quadratzentimeters dieser unserer Republik als unbedingt notwendig bezeichnen. vielleicht sogar das Verbot von Nägeln und Schrauben. wir stehen schließlich im Fadenkreuz etc. pp
master_of_chaos (30.06.2007, 00:35 Uhr)
EinHoch auf denÜberwachungsstaat..
oder , "Ja,ja.. iss klar!"
Erstaunlich, daß in den letzten Monaten ( also seitdem wir eigentlich alle in Überwachungsstaaten leben) alle "Anschläge" vereitelt werden. Da werden , aus welchen Gründen auch immer, gerade DIE Koffer gefunden die, Gasflaschen enthalten ( Meine im Zug vergessene Sporttasche ist bis heute nicht mehr aufgetaucht :-( ), in Wagen werden Autobomben gefunden ( wer schnüffelt denn in geparkten Wagen? Ach ja, der Mercedes wurd ja Nachts in Mülltonnen gesteuert .. lol ) und kurze Zeit später werden die Täter auf Überwachungskameras ermittelt ( Im Londononer Fall wird auch das so kommen !)
Liebe Regierungen, für wie blöd haltet ihr den mündigen Bürger eigentlich, dass er euch dieses Schmierenthater abkauft? Wieder eine Inszenierung mehr, um die bisher angewandten und/oder geplanten Überwachungssgesetze zu bestätigen?
Oder sollte ich zur Aufklärungsquote von 100% (!!!) (wobei ja noch nicht mals ein Verbrechen im klassischen Sinne stattgefunden hat !) gratulieren? Mitnichten. Ein Staat sollte seine Bürger eigentlich beschützen und Sichern, und nicht Verängstigen und mit Taschenspielerntricks bei der Stange halten

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