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10. März 2010, 08:39 Uhr

Israel brüskiert USA und Vereinte Nationen

Die Entscheidung kam zur Unzeit: US-Vizepräsident Joe Biden sah eine gute Basis für Friedensgespräche im Nahen Osten, da torpedierte Israel die Gespräche durch die Baugenehmigung für Wohnungen in Ost-Jerusalem. Die USA und die Vereinten Nationen sind nun verärgert, die israelische Regierung rudert etwas zurück.

Israel, Biden, Ban Ki Moon, Siedlungsbau, Ost-Jerusalem

Der Grat für den Frieden ist "so" schmal: US-Vizepräsident Joe Biden kritisiert Israels Siedlungspolitik© Ronen Zvulun/Reuters

Nach US-Vizepräsident Joe Biden hat auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die israelischen Pläne für den umstrittenen Siedlungsbau im nordöstlichen Teil Jerusalems scharf verurteilt. Der Generalsekretär habe erneut deutlich gemacht, dass die Siedlungen gegen internationales Recht verstoßen, sagte ein Sprecher Bans am späten Dienstagabend (Ortszeit) in New York. Außerdem stünden die Pläne nach Ansicht Bans "den Verpflichtungen Israels aus der Roadmap entgegen und unterminieren jede Bewegung hin zu einem realisierbaren Friedensprozess". Das israelische Innenministerium hatte am Dienstag den Bau von 1600 weiteren Wohnungen auf besetztem Palästinensergebiet angekündigt.

Die israelische Ankündigung just zu dem Zeitpunkt, da sich der amerikanische Vizepräsident in der Region aufhält, hat für erhebliche Verstimmung gesorgt. Auch vor dem Hintergrund der gerade erst angekündigten indirekten Gespräche mit den Palästinensern sei dies "genau jene Art von Maßnahme, die das jetzt notwendige Vertrauen unterwandert und den konstruktiven Gesprächen zuwiderläuft, die ich hier in Israel hatte", hieß es in einer in Washington verbreiteten Erklärung Bidens.

Keine Atmosphäre, die Verhandlungen unterstützt

"Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, die Verhandlungen unterstützt, und nicht eine, die sie verkompliziert", betonte der US-Vize. Die Ankündigung mache noch einmal die Notwendigkeit von baldigen Verhandlungen deutlich, in denen alle noch bestehenden Probleme des Konflikts gelöst werden. "Einseitige Maßnahmen von einer der Seiten können nicht das Ergebnis von Verhandlungen über Fragen eines permanenten Status' vorwegnehmen."

Die Regierung in Tel Aviv bemüht sich inzwischen, die Wogen zu glätten. Man hätte mehr Sensibilität während des Besuches eines ranghohen US-Politikers zeigen müssen, sagte der israelische Bauminister Eli Jischai am Mittwoch dem israelischen Rundfunk. Verteidigungsminister Ehud Barak zeigte sich am Mittwoch gar "verärgert" über die "überflüssige" Ankündigung, im ultra-orthodoxen Stadtteil Ramat Schlomo Wohnungen bauen zu wollen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte bereits am Abend zuvor die Missstimmung ausräumen wollen. Er habe Biden nicht brüskieren oder den Besuch stören wollen, sagte Netanjahu.

Das Viertel, das Israel ausbauen will, liegt im besetzten Gebiet, das die Palästinenser als Teil eines künftigen eigenen Staates beanspruchen. Der Sprecher des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas sprach von einer "Provokation". Es sei klar, "dass Israel keinen Frieden will". Abbas selbst forderte in einem Telefonat mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, eine "adäquate" Antwort. Erst am Montag hatte Israel die Palästinenser schon brüskiert, indem es den Bau von 112 neuen Wohnungen in der Siedlung Beitar Illit im Westjordanland ankündigte. Dort gilt eigentlich seit November ein zehnmonatiges Moratorium. In Jerusalem, das Israel als unteilbare Hauptstadt betrachtet, war jedoch kein Baustopp zugesagt worden.

"Moment der guten Gelegenheit"

US-Vize Biden hatte sich zuvor optimistisch über die Friedenschancen in Nahost geäußert. "Ich denke, wir haben einen Moment der guten Gelegenheit", sagte er während eines Treffens mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres. Die Interessen Israels und der Palästinenser lägen bei objektiver Betrachtung näher beieinander als auseinander. Der US-Vizepräsident will am heutigen Mittwoch mit der Palästinenserführung in Ramallah sprechen.

Israel und die Palästinenser hatten sich am Montag auf indirekte Friedensgespräche mithilfe eines US-Vermittlers geeinigt. Die letzte Runde von Friedensverhandlungen war vor 15 Monaten zu Beginn des Gaza-Krieges Ende Dezember 2008 abgebrochen worden. Langfristiges Ziel ist eine umfassende Friedenslösung für den Nahen Osten.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Administrator (10.03.2010, 11:29 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge - wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Oluja (10.03.2010, 11:27 Uhr)
"Ich hoffe sehr, dass die UNO immer mehr erkennt, dass die derzeitge Regierung Israles mit allen demonkratischen und rechtsstaatlichen Mittel bekämpft - und notfalls wegen Verbrechen - angeklagt werden muss!"

das alles versagt seit jahrzehnten wegen der unterstützung durch usa und eu, sowie us vetoschutz.

so lange usa und eu den vasall spielen und keine sanktionen mittragen, wird israel weiter agieren und morden wie bisher, logisch, denn wie bisher trugen ihre illegalen taten und verbrechen NULL konsequenzen nach sich.
Oluja (10.03.2010, 11:23 Uhr)
@Pitt3, niemand sagt es, dennoch sehen alle tatenlos zu, weil sich die masse noch heute fast 70 jahre nach dem krieg immer noch durch den antismeitismusvorwurf und die holocaustkeule mundtot machen lässt, leider.

israel schneidet sich aber selbst ins eigene fleich, denn die nachbarn werdne immer stärker, auch hamas und hisbollah und israel selbst trägt dazu bei, das wnen sie so wieter machen, wird der hass auf israel und der antisemitismus eines tages als grosser bummerang zurückkommen.
wer wind säht, schon seit 60 jahren, der wird eines tages sehr starken sturm ernten.
Doshi (10.03.2010, 11:21 Uhr)
Warum Schweigen Sie, Herr Broder????
Ich werde mich nicht erst "rechtfertigen" , denn hier geht es um die derzeitige Regierung und deren Politik in Israel. Warum schweigen die Herren Broder, Friedmann, Giordano zu dieser oft meschenverachtenden Politik, die so grausam ist und der Region - auch Israel - keinen Frieden bringen wird!
Ich hoffe sehr, dass die UNO immer mehr erkennt, dass die derzeitge Regierung Israles mit allen demonkratischen und rechtsstaatlichen Mittel bekämpft - und notfalls wegen Verbrechen - angeklagt werden muss!
hschmid111 (10.03.2010, 10:47 Uhr)
Was ist hier neu?
Seit Jahren wird Israel vom Westen unterstützt und betreibt eigene Politik. Seit Jahren werden sämtliche UNO Resolutionen von USA blockiert. Seit Jahren entwickelt Israel die Atomwaffen ohne ein Wort Protest vom Westen zu hören, von Sanktionen ganz zu schweigen.
Wenn Jemand hier versucht irgendetwas zu kritisieren, bekommt sofort die Nazi oder Holocaust - Keule zu spüren.
Neu ist unsere Kanzlerin mit Ihrer Rede im Knesset - volle Unterstützung für Israel (?). Was Sie Sich dabei gedacht hat, kann man nur raten!
Das die Palästinenser sich an das Theater mit "Friedensgesprächen" noch anlassen, ist auch ein Rätzel.
Gisella (10.03.2010, 10:43 Uhr)
Was ist
denn da so "NEU"???? Ich möchte auch kein Haus von irgendeinem Nachbarn auf meinem Grundstück errichtet haben wollen.....Aber , wie immer -halten wir uns da raus-es ist unsere unseelige Vergangenheit, die uns zum Schweigen verdonnert.
mupfeline (10.03.2010, 10:33 Uhr)
Quatsch
Jerusalem geht weder Arabern noch Israelis - es gehört ALLEN. Und so sollte es behandelt werden. Israel zeigt nur eins ganz deutlich: Es ist genauso wenig am Frieden interessiert wie die Palästinenser. Ach ja - und ein demokratischer Staat ist Israel natürlich genauso wenig wie seine arabischen Nachbarn. Das zumindest eint sie - die Staaten ...
widder1 (10.03.2010, 10:32 Uhr)
Israel
Brüskieren USA und Vereinte Nationen?
Richtig heißt es: Israel und die USA verarschen seit Jahrzehnten die ganze Welt. Oder anders gesagt: Die große Welt lässt sich verarschen.
anak (10.03.2010, 10:01 Uhr)
Weder
ein V orort von Jerusalem, geschweige denn Jerusalem selbst sind Bestandteil eines Abschlags Israels an die Palaestinenser.
Jerusalem bleibt israelisch,ungeteilt und mit Sicherheit niemals international.
Deshalb sind alle Diskussionen die sich mit der Bebauung Jerusalems auseinandersetzen ausserhalb der Friedengespraeche.
Das sollte den Palaestinensern klar sein.
Wieso haben sie denn Ostjerusalem nicht von den Jordaniern gefordert?
Hatten bis 1967 Zeit.
Die ist vorbei.
Oder sollten die Deutschen nicht auch Danzig wieder zurueckfordern?
mupfeline (10.03.2010, 10:00 Uhr)
Biden hat noch mehr gesagt
als hier steht. Er hat gesagt dass "zwischen USA und Israel bzw. die Freundschaft zwischen den beiden Ländern, kein Blatt Papier passt." Den illegalen Siedlungsbau hat er mit keiner Silbe erwäht. Dann soll man das bitte schön aber auch so schreiben - HIER - im Stern. Alles Andere ist nämlich Verarsche.
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