Startseite

Snowden bleibt mit Pizza und Dostojewski am Flughafen

Er hatte angeblich schon seine Sachen gepackt, um den Moskauer Flughafen zu verlassen: Edward Snowden sollte russische Einreisepapiere bekommen. Doch dabei gibt es offenbar Probleme.

  Edward Snowdens russischer Anwalt Anatoli Kutscherena vor der Presse in Moskau. Sein Mandant sitzt seit dem 23. Juni im Transitbereich des Moskauer Flughafens fest.

Edward Snowdens russischer Anwalt Anatoli Kutscherena vor der Presse in Moskau. Sein Mandant sitzt seit dem 23. Juni im Transitbereich des Moskauer Flughafens fest.

In den zuletzt etwas langatmigen Spionagethriller um den früheren US-Geheimdienstler Edward Snowden kommt wieder etwas Spannung - wenn auch mit teils kuriosen Zügen. Erst tönen russische Nachrichtenagenturen, nach einem Monat im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo habe der 30-Jährige seine Sachen gepackt. Er könne jeden Moment die Zone verlassen, um sich frei in Russland zu bewegen und hier auf seinen Flüchtlingsstatus zu warten. Quellen sind angeblich Sicherheitskreise und der kremlnahe russische Anwalt Anatoli Kutscherena.

Doch dann die Kehrtwende: Nein, die russische Migrationsbehörde habe noch kein Dokument ausgestellt, mit dem Snowden den Airport verlassen könne. Das sagt derselbe Kutscherena, der zuvor noch mitgeteilt hatte, er sei unterwegs zu Snowden, um ihm den Weg aus der Transitzone freizumachen. Aber im Gepäck hatte er für den gestrandeten Enthüller des US-Ausspähprogramms "Prism" nur einen Karton mit Pizza, wie die Staatsagentur Itar-Tass meldete.

Russische Klassiker auf Englisch

Auch Bücher der russischen Klassiker Anton Tschechow und Fjodor Dostojewski, darunter dessen berühmtes Werk "Schuld und Sühne", habe er Snowden in englischer Übersetzung überreicht, meinte der Jurist. Und frische Hemden habe der von den USA wegen Geheimnisverrats Gesuchte bekommen, weil Snowden seit seiner Ankunft aus Hongkong am 23. Juni immer in jenem auf Fotos verewigten grauen Hemd zu sehen sei.

Seit Tagen unterhält Kutscherena, eine zwielichtige Figur des russischen Establishments, die Medien mit eher heiteren Geschichten. Er berichtet von Heiratsanträgen junger Russinnen, Geldspenden und anderen Hilfsangeboten für den Amerikaner. Nur von Snowden selbst gibt es kein neues Lebenszeichen, seit er sich vor zwei Wochen mit Menschenrechtlern und Juristen auf dem Airport zeigte.

Der Computerexperte gebe aus Gründen seiner eigenen Sicherheit kein Interview, erklärt nun Kutscherena, der immer wieder als Snowdens Sprecher auftritt. Dass sein Mandant noch immer kein vorläufiges Dokument zum Verlassen des Flughafens habe, obwohl das russische Gesetz das vorsehe, begründet er im russischen Staatsfernsehen mit dem äußerst komplexen Fall.

Moskau spielt auf Zeit

Beobachter gehen seit Wochen davon aus, dass Russland hier auf Zeit spielt. Kremlchef Wladimir Putin hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass er Snowden als Problem sieht. Und er warnte ihn wiederholt, den USA nicht mit neuen Enthüllungen zu schaden. Daran hält sich Snowden bisher auch.

Immerhin bereitet sich Putin nach Kremlangaben weiter auf ein Treffen mit US-Präsident Barack Obama Anfang September zuerst in Moskau und dann beim G20-Gipfel in St. Petersburg vor. Beide haben gesagt, dass sie ihre ohnehin gespannten Beziehungen nicht noch weiter belasten lassen wollen - von einem einzelnen Mann. Allerdings schließen Experten nicht aus, dass Obama aus Ärger über die Lage seinen Besuch nur auf den G20-Gipfel beschränken könnte.

Obama verlangte am Mittwoch von Moskau Aufklärung über Snowdens Schicksal. "Wir wollen von den russischen Behörden Klarheit über Snowdens Status und über jede Veränderung daran", ließ der US-Präsident der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, ausrichten. Erneut forderte Carney, dass Snowden in die USA ausgewiesen werde.

Vor allem die Frage einer Auslieferung Snowdens erhitzt die Gemüter. Die USA hätten bisher auch niemals jemanden ausgeliefert, hatte Putin beklagt. Auch aktuelle Bitten Moskaus auf Auslieferung russischer Verbrecher würden systematisch ignoriert, schimpften das Außen- und das Innenministerium sowie die Generalstaatsanwaltschaft. Dass Snowden keine Überstellung fürchten muss, hat ihm auch Kremlchef Putin zugesichert.

Ein paar Worte Russisch kann er auch schon

Mittlerweile sind in Moskau Äußerungen zu hören, wonach Snowden womöglich doch nicht nach Lateinamerika weiterreisen will, wie er zunächst gesagt hatte. "Das endgültige Land seines Aufenthaltes aus heutiger Sicht für ihn ist Russland", sagte Kutscherena. Auch eine russische Staatsbürgerschaft sei möglich. Snowden wolle sich auf jeden Fall mit der russischen Kultur befassen, wusste der Anwalt zu berichten. Sein Mandant spreche auch schon ein paar Worte Russisch, darunter "Priwet" (Hallo!) und "Poka, Poka!" (Tschüss).

anb/DPA/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools